Hongkongs goldenes Tattoo-Zeitalter


Mit dem Tätowierer James Ho, einem ehemaligen Mechaniker der Handelsmarine, begann 1946 das goldene Zeitalter des elektrischen Tätowierens in Hongkong. Sein Sohn Jimmy Ho, der in die Fußstapfen seines Vaters trat, hat über 60 Jahre Tattoo-Geschichte in der ehemaligen britischen Kronkolonie miterlebt.
 
Der Blick zurück: Jimmy Ho erinnert sich an die guten Zeiten des Hongkong Tattooings.Der Blick zurück. Jimmy Ho erinnert sich an die guten Zeiten des Hongkong Tattooings: An seinen Vater, den begründer des elektrischen Tätowierens in Hongkong, und an die Zeit, als er im Alter von 13 selbst Tätowierer wurde.
 

Jimmy Ho ist ein Zeitzeuge der bewegten Hongkonger Tattoo-Geschichte. Der mittlerweile 69 Jahre alte Tätowierer ist Sohn des legendären James Ho, mit dem die Geschichte des elektrischen Tätowierens in Hongkong startete. James Ho wurde 1903 in Shanghai geboren. Als Jugendlicher heuerte er bei der Handelsmarine an. Nachdem sein Schiff von einem japanischen Torpedo versenkt wurde, verschlug es den Schiffbrüchigen ins indische Kalkutta. Dort erkannte er seine Berufung: Die ausländischen Militärangehörigen waren verrückt nach Tattoos und ließen sich vor Ort tätowieren. James Ho erlernte das Handwerk, baute sich als talentierter Mechaniker die notwendigen Maschinen und übertrug das Geschäftsmodell auf die Gegebenheiten in Hongkong: 1946 eröffnete er sein erstes Tattoo-Studio »Rose Tattoo« in der Nathan Road.
 
Seine Flashes hat Jimmy selbst gezeichnet; für Matrosen war immer das Passende dabei! Tattoo-Gepose in den 70ern: So sahen früher Hardcore-Tattoo-Fans aus! Tätowiert von Jimmy Ho.(l) Seine Flashes hat Jimmy selbst gezeichnet; für Matrosen war immer das Passende dabei! (r) Tattoo-Gepose in den 70ern: So sahen früher Hardcore-Tattoo-Fans aus! Tätowiert von Jimmy Ho.
 

Die zwischen der Halbinsel Kowloon und der Insel Hongkong gelegene Hafenanlage »Victoria Harbour« sollte ihn permanent mit Nachschub an tätowierwilligen Seeleuten der Handels- und Militärmarine versorgen. Vor allem während des 1950 begonnenen Koreakriegs und des Vietnamkriegs (1955-1975) kamen täglich bis zu 40 Angehörige der US-Navy ins Studio und James Ho hatte so viel Arbeit, dass er gleich mehreren Lehrlingen das Tätowieren beibringen musste, um die Nachfrage zu bewältigen. Zahlreiche Tätowierer erlernten das Handwerk bei James Ho und wurden wie er selbst zu Legenden: Pinky Yun, Swallow und natürlich sein Sohn Jimmy Ho.
Bis in die 70er Jahre profitierte die Stadt von der geopolitisch wichtigen Lage und ihrer liberalen Politik als Kronkolonie Englands. Hongkong bot den Schiffbesatzungen alles, was man von einem ordentlichen Landgang erwartete; und dazu gehörten auch in die Haut gestochene Schiffe, Anker und Flaggen – unvergessliche Souvenirs, die sich die Seeleute in der Hafenstadt tätowieren ließen.

Das kleine schlichte Schild mit der Aufschrift »Jimmy Ho Tattoo« hängt auch heute noch im Flur eines heruntergekommenen Hauses. Hinter der weißen, mit ein paar Tattoo-Aufklebern dekorierten Holztür im zweiten Stock, befindet sich ein fensterloses und stickiges Zimmer, Jimmy Hos Studio. Wohnraum ist in der Metropole Hongkong teuer, insbesondere im zentral gelegenen und sehr belebten Stadtteil Mongkok auf der Halbinsel Kowloon. 130.000 Menschen sollen hier auf einem Quadratkilometer leben. Zum Vergleich: In München, der am dichtesten besiedelten Großstadt Deutschlands, sind es 4500.

Dass man sich in einem Tattoo-Studio befindet, wird beim Blick auf die Zimmerwände klar: Drachen, geflügelte Tiger, Panther im Kampf mit einer Schlange, Adler im Landeanflug, Päonienblüten, Flaggen, Anker … aber auch Tribal- und Stacheldraht-Vorlagen, Motive der 80er. Dicke Fotoalben zeigen hunderte tätowierte Seeleute, lokale Größen, echte Promis – alle wurden durch Jimmy Ho zu einem Teil der Hongkonger Tattoo-Geschichte, deren Flair sich beim Anblick der Bilder noch erahnen lässt.

Der komplette Artikel ist im TätowierMagazin 03/2015 nachzulesen.

Text: Maki und Heide Heim
Bilder: Maki




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03.04.2015
Text: Maki und Heide Heim Bilder: Maki
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