Ed Hardy: Träume, T-Shirts und Tattoos


TM-Autor Amadeus Thüner traf Ed Hardy in Berlin, um mit ihm über seine neue Biografie »Wear your Dreams« zu sprechen. Worauf es ankommt, wenn man sich tätowieren lässt und welche Fehler er beging, als er sich mit der Modeindustrie einließ, gab der Don gerne preis.

Don Ed Hardy über Träume, T-Shirts und Tattoos
Don Ed Hardy stellte in Berlin sein neues Buch und sich den Fragen des TätowierMagazins.


Es ist sicher nicht leicht, wenn dein Name von circa 95 Prozent der Menschheit eher mit Proll-Schick, wie es die »Welt« einmal nannte, in Verbindung gebracht wird, als mit der eigentlichen Tattookunst, die sie zeigt. Doch Don Ed Hardy hatte es sich ja so ausgesucht …
Der 1945 in Iowa geborene Hardy zählt neben Sailor Jerry und Lyle Tuttle zu einem der einflussreichsten Tätowierer der USA, musste aber einiges an Kredibilität einbüßen, als er seinen Namen 2004 an den Modeunternehmer Christian Audigier lizensierte und dieser die klassischen Tattoomotive mit Strasssteinen verzierte und an Madonna heftete. Hardy selbst überraschte der Erfolg der Marke, störte sich aber auch nicht an dem monetären Segen. Als ihm die Sache dann aber zu bunt wurde, erstritt sich Hardy seinen Namen zurück. Nicht ohne über die Früchte des ungeahnten Erfolgs irritiert gewesen zu sein: »Lufterfrischer?«, soll er einst einen seiner Angestellten gefragt haben. »Die Leute mögen halt deine Bilder.«

DON ED HARDY
Don Ed Hardy wurde 1945 in Iowa, USA, geboren und interessierte sich früh für das Tätowieren. Er studierte am renommierten San Francisco Art Institute und lernte die Tätowierkunst unter Sailor Jerry und Horihide. Selbst berühmt für die Adaption japanischer Tattoo-Techniken, amerikanische Traditionals und seine über die Jahrzehnte hinweg gefertigten Arbeiten, gründete Ed Hardy 2002 das gleichnamige Modelabel. 2004 von Unternehmer Christian Audigier lizensiert, stieg »Ed Hardy« zu einem weltweiten Modeimperium auf. Inzwischen konnte Hardy nach einigem juristischen Tauziehen seinen Namen zurück erstreiten. Sein letztes Tattoo stach er 2008.
Die nun erschienene Autobiografie »Wear Your Dreams – Träume, T-Shirts und Tattoos« zeigt dann natürlich auch genau diese. Bilder aus Hardys Kindheit, seiner Zeit an der Universität, seiner ersten Tattoos, seiner Zeit in Japan. Aber es bietet vor allen Dingen die Geschichte über das Leben dieses faszinierenden Künstlers. Wir trafen Ed Hardy im Rahmen seiner Buchpräsentation in Berlin.

»Wear Your Dreams« ist eine Autobiografie. Wie fühlt es sich an, auf sein Leben zurückzublicken und all diese Erfahrungen noch einmal zu durchleben?
Es war ehrlich gesagt eine große Freude und hat sehr viel Spaß gemacht. Mein Co-Autor Joel Selvin (renommierter Musikkritiker und Autor, Anm. d. Red.) und ich kannten uns, aber eben auch nicht sehr gut. Und er kam mit der Idee, dass wir doch meine Biografie schreiben sollten. Und ja, es war eine tolle Zeit, 
als wir zusammen saßen und ich all die Erinnerungen noch mal durchleben konnte. Und es ist eine große Sache für mich, dass das Interesse auch in Deutschland so groß ist, dass sich hier ein Verlag für die Veröffentlichung gefunden hat.

Ed Hardy, Joel Selvin: Wear your dreams!Ed Hardy, Joel Selvin:
Wear your dreams

Metrolit Verlag
ISBN 978-3-8493-0307-5
Hardcover, 14,5 x 22 cm, 352 Seiten, Texte in Deutsch, Preis: 19,99 Euro
Erhältlich unter www.szeneshop.com
Art.-Nr.: 159054

Gab es einen besonderen Moment oder eine besondere Erfahrung, die durch die Arbeit am Buch nach all den Jahren wieder relevant wurde?
Mein Leben ist sehr verrückt und ich habe schon immer viele Dinge getan und dadurch viel erlebt. Und das alles ist nur darauf zurückzuführen, dass ich mich so früh der Kunst und dem Studium der Kunst gewidmet habe. Außerdem waren die späten 50er Jahre in San Francisco eine Zeit, in der so viele neue Dinge, so viele Kulturen und Szenen entstanden sind, dass ich sehr viele Erfahrungen machen und Dinge kennen lernen konnte. Einen einzelnen Moment kann ich daher gar nicht herauspicken.
 
 

»Tattoos sind mittlerweile eine weltweite Verbindung zwischen Menschen, die sich nicht einmal kennen.«

»Tattoos sind mittlerweile eine weltweite Verbindung zwischen Menschen, die sich nicht einmal kennen.« TM-Autor Amadeus Thüner und Ed Hardy


Sehr interessant war es für mich als jemand aus einer jüngeren Generation, wie sie ihre Anfänge beschrieben haben.
Selbst für mich ist das rückblickend irgendwo auch verrückt. Ich hatte Tattoos damals nur bei Leuten gesehen, die im Knast gewesen sind oder in der Navy dienten. Und ich fand das interessant und malte meinen Freunden mit Farbe Tattoos auf. Es war kindlich, es war naiv, es hat einfach Spaß gemacht. Ich fand das toll! Dadurch erkannte ich, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Ich wollte künstlerisch aktiv werden. Ich wollte Tätowierer werden.

2008 haben Sie Ihr letztes Tattoo gestochen.
Richtig. Ich habe schon ein paar Jahre zuvor aufgehört große Pieces zu beginnen, und habe nur noch Arbeiten fertig gestellt und Stammkunden tätowiert. Und als ich mich dann wieder verstärkt meiner Kunst widmete und an meinen Veröffentlichungen arbeitete, entschied ich, dass ich nun genug tätowiert habe. Ich möchte meinen Fokus mehr auf meine Freizeit und meine Kunst legen.

War das nicht auch irgendwo eine traurige Entscheidung?
Eigentlich nicht wirklich. Ich habe das all die Jahre gemacht. Aber man weiß nie, was die Zukunft bringt. (lacht)

Sie sind ja auch noch immer fester Bestandteil der Szene.
Richtig. Es ist ja nicht so, als hätte ich mich von Tattoos distanziert. Ich bin fast jeden Tag in meinem Shop in San Francisco, in dem auch mein Sohn arbeitet.

Könnten Sie sich ein Leben ohne die Tattookunst überhaupt vorstellen?
Das ist sehr schwierig. Aber natürlich ist das Tätowieren auch nur ein Teil meines Lebens. Ich bin sehr dankbar für diesen Teil, denn durch ihn bin ich nun das erste Mal in meinem Leben in Berlin und freue mich sehr darauf, all diese Leute zu treffen, die Interesse an meiner Person haben. Tattoos sind mittlerweile eine weltweite Verbindung zwischen Menschen, die sich nicht einmal kennen. Dafür das Wort Familie zu benutzen ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen. Aber es gibt dieses gemeinsame Interesse und diese unausgesprochene, aber sichtbare Übereinkunft. Und ich halte Tattoos auch für eine sehr kraftvolle Sache. Es hält zusammen.

Ed Hardys Tipp: »Achtet darauf, dass euch das Tattoo etwas bedeutet.«
Ed Hardys Tipp: »Achtet darauf, dass euch das Tattoo etwas bedeutet.«


Wie sehen Sie die Entwicklung der Szene in den vergangenen Jahrzehnten?
Alles hat seine guten und seine schlechten Seiten. Aber es ist beeindruckend, wenn ich all diese Künstler sehe. Früher gab es eine Handvoll Tätowierer, die man wirklich kannte. Heute könnte ich den ganzen Tag online sein und würde stündlich neue Künstler entdecken, die großartige Arbeiten abliefern. Heute gibt es Bücher, Magazine, TV-Shows … Ich bin froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte, dass die Szene heute so groß ist und man Tattoos anders, positiver wahrnimmt, als noch vor einigen Jahrzehnten.

Ein Großteil Ihrer Autobiografie beschäftigt sich mit der Lizensierung Ihres Namens an den Modeunternehmer Christian Audigier und der explodierenden Popularität des Brands »Ed Hardy«. Ein mittlerweile schon leidiges Thema für Sie?
Nein, nein, auf gar keinen Fall! Man muss ehrlich gestehen, dass Christian Audigier ein Marketinggenie ist und etwas Unfassbares geschaffen hat. Ich habe ja schon zwei Jahre zuvor meine Designs verstärkt auf T-Shirts gedruckt und verkauft. Aber erst Audigier hat es zu einer weltweiten Modemarke aufgezogen. Doch ich war naiv, wie diese Modeindustrie funktionieren würde. Ich wollte nicht das Aushängeschild, das Gesicht der Marke sein. Es ging nur um meinen Namen und meine Designs. Die Menschen sollten nicht einmal wissen, dass Ed Hardy tatsächlich ein Mensch ist. Doch irgendwann begann die Modeindustrie die Designs, die sie durch mich lizensierten, zu verändern und ad absurdum zu führen. Plötzlich gab es Lufterfrischer mit meinen Bildern! Das war nicht mehr tragbar für mich. Also holte ich mir meinen Namen zurück. Christian Audigier hat nichts mehr mit der Sache zu tun. Und ich überlege jetzt mit meinen Partnern, wie wir die Marke neu strukturieren.

Aber fühlt es sich nicht komisch an, dass Menschen nicht einmal wissen, dass »Ed Hardy« ein Mensch ist?
Ja, es ist komisch. Aber es ist eben einfach auch eine weitere, verrückte Episode meines Lebens. (lacht)

Noch einmal zurück zum Thema Tätowierungen. Haben Sie mit Ihrer jahrelangen Erfahrung einen Ratschlag für all die, die sich nun Gedanken über ihr erstes Tattoo machen?
Achtet darauf, dass euch das Tattoo etwas bedeutet. Nicht nur das Motiv, sondern auch der Moment des Tätowierens. Sucht euch einen Tätowierer, der nicht nur gut tätowiert, sondern der auch das Motiv versteht. Bei dem und mit dem ihr eine gute Zeit haben könnt. Es gibt eben viele gute Tätowierer – aber viele von denen sind auch Arschlöcher. Du willst kein Tattoo von einem Arschloch! Denn du hast nicht nur ein Leben lang etwas auf deinem Körper, du wirst dich auch ein Leben lang an den Moment des Tätowierens erinnern. Was ich in meinem Leben als Tätowierer gelernt habe ist: Wer bin ich, dass ich das Tattoo von jemand anderem kritisiere? Ich kenne doch gar nicht das persönliche Verhältnis zwischen dem Menschen und seinem Tattoo. Und was ich vielleicht hässlich finde, ist für den Träger das Schönste auf der Welt.


Text: Amadeus Thüner
Bilder: Peter Schings




Mütze Bucket Hat DMWU camo
Mütze Bucket Hat DMWU camo
27,90€
22,90€
Motorradjacke Looks dunkelgrau/schwarz
Motorradjacke Looks dunkelgrau/schwarz
399,90€
239,90€
Bauchtasche Strasburg camo
Bauchtasche Strasburg camo
24,90€
19,90€
T-Shirt Blood Pact schwarz
T-Shirt Blood Pact schwarz
39,90€
14,90€
28.01.2014
Text: Amadeus Thüner Bilder: Peter Schings
auf Facebook teilen

tattoo szene

Verwandte Artikel

Skull Tattoos von
Chancy aus Sonthofen

Im ländlichen Umfeld des Städtchens Sonthofen betreibt Chancy seit 1988 sein Studio. Mittlerweile in einem original Allgäuer Bauernhaus. Von außen ahnt der Besucher nichts von dem, was in seinem Inneren vor sich geht. Erst beim Eintritt durch die schwere Holztür offenbart sich das kreative Potential.

Memory-Tattoos

Sich in Erinnerung an einen geliebten Menschen oder nach einem schicksalhaften Erlebnis eine Tätowierung stechen zu lassen, gehört zu den ursprünglichsten Beweggründen für ein Tattoo.

Brutal Knack

Brutal Knack versorgt brutale Bösewichte und scharfe Schnitten seit 2009 mit fetten Qualitätshirts! Monster, Würmer, das Kettensägen-Massaker und für feingeister der Wolf und die sieben Geißlein – ziemlich abgedreht sind die Motive allesamt!

Kultur trifft Kunst
und Design:
Tattoo-Ausstellung
in Winterthur

Anfang September eröffnet das Gewerbemuseum in schweizerischen Winterthur die neue Ausstellung „Tattoo“. Sie erzählt eine fatastisch lebendige, innovative und vielfältige Tattoo-Geschichte an der der Schnittstelle von Kultur, Kunst und Design.

Tattoo-Fans
berichten...

...was hinter ihrer Tätowierung steckt In unserer Rubrik »Tattoo-Stories« wollen wir auch zeigen, was hinter diesen Tattoos steckt. Wir lassen einige Tattoo-Fans zu Wort kommen, die uns etwas über die persönliche Bedeutung ihrer Tätowierungen erzählen

Verbundenheit mit
Berufen durch
Tattoos darstellen

»Ich arbeite gern« oder »Ich liebe meinen Beruf!«. Wer das sagen kann, kann sich glücklich schätzen – und ist es wahrscheinlich auch in hohem Maße. Schließlich verbringen wir in der Regel an fünf Tagen in der Woche mehr als ein Drittel unserer Zeit auf der Arbeit.

Cover-ups

Heute haben sich einige Tätowierer auf Überdeckungen, auch Cover-ups genannt, spezialisiert und kommen zu Ergebnissen, die nicht einmal mehr ahnen lassen, dass sich unter dem schönen Tattoo eine schäbige Gurke versteckt.

Tattoo-Starlet 2014

Harte Konkurrenz: Beinahe 200 junge Frauen bewarben sich zur Wahl des »Tattoo Starlets 2014«, die am ersten März auf der Tattoo Expo Leipzig stattfinden wird. Wir stellen euch die zehn Finalistinnen vor, die sich in Leipzig in zwei Läufen, nämlich einmal einheitlich im Tattoo-Starlet-Shirt und einmal im Freestyle, der Jury und dem Expo-Publikum präsentieren werden.

Cradle of Filth

Cradle Of Filth gehören zu den härtesten und erfolgreichsten Black-Metal Bands der Welt. Für ihre Single »Nymphetamine« wurden sie sogar für den Grammy nominiert. Dennoch fordert man sie beim Kauf von DVDs auf sich als Erwachsene auszuweisen;

Liebe

Das Thema Liebe ist als Tattoo-Motiv ein genauso großes wie im echten Leben. Vieles dreht sich um die Menschen, denen wir emotional besonders nahestehen und für die wir Gefühle entwickelt haben, die besonders intensiv sind.

Rapper eRRdeKa: Mit
Tattoos ins Paradies

eRRdeKa ist zielstrebig; der junge Rapper will so schnell wie möglich viele Tattoos haben. Hauptsache Black-and-Grey und der Tätowierer ist kein Arschloch.

Vögel

Es ist ein alter Traum des Menschen, sich wie ein Vogel in die Luft zu schwingen, die Schwerkraft hinter sich zu lassen und die Welt von oben zu bestaunen.

Licht

Licht ist vielleicht das stärkste Symbol, das wir kennen. Es steht für das Leben, so wie die Dunkelheit den Tod symbolisiert. Die größte Lichtquelle, die Sonne, ermöglicht erst das Leben auf der Erde, ihre Abwesenheit in der Nacht war für die Menschen seit Anbeginn der Zeit ein Grund zur Besorgnis und Furcht. Die Möglichkeit, mittels Fackeln, Lagerfeuer, Kerzen oder Lampen der nächtlichen Dunkelheit zu trotzen, ist wohl noch vor der Erfindung des Rads die wichtigste kulturelle Errungenschaft der Menschheit.

Judith van Hel:
Bronze gewinnt!

Dass sie als Drittplatzierte auf dem Siegertreppchen von »The Voice of Germany« stand, wissen die meisten bereits. Mit ihrer rauchigen Stimme begeisterte die gebürtige Wermelskirchenerin schon früher zu ihren Punkrockzeiten. Heute schlägt Judith auch ganz gerne mal ruhigere Töne an und treibt ihren Fans die Erpelpelle unter die Haut.

Art Faktors Tattoo
Studio

Moni Marino versucht den Tattoos Seele zu geben. Dafür gehen dem Tätowierprozess lange Gspräche mit dem Kunden voraus.

Piraten

Klar zum Entern! Die Haut der Tattoo-Fans haben die Piraten-Tattoos schon vor vielen Jahren erobert und das Motiv hat nichts von seiner Attraktivität verloren.

Blue Harvest

»Wenn ich den Sinn meines Berufs benennen müsste, dann liegt er doch da-rin, jemandem mit einer schönen Tätowierung eine Freude zu machen«, erklärt Jens gößling vom Blue Harvest aus Bielefeld.

Motive März-April
2010

In jeder Ausgabe die angesagtesten Motive in den unterschiedlichsten Stilrichtungen: von Oldschool bis Realistik, von Biomechanik bis Tribal! In TattooStyle 2/2010 stellen wir euch Motive aus dem Bereich Japanische Blüten, Film, Tattoos auf Tattoos, Horror und Schmetterlinge vor; in einer Extra-Rubrik »Small Stuff« finden all jene Anregung, die nicht gleich ein ganzes Backpiece wollen.
Newsletter bestellen
weiter
Welche Themen interessiern dich?
Bike Auto Tattoo Musik
Stand:14 November 2019 00:26:28 Warning: fopen(cache/0a874ea6b3fcc828d937dd5628613e50.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 163 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 164 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 165