Drummer Joe Letz


Joe Letz ist Drummer von Combichrist, mit einer berühmten Tätowiererin liiert und geht nebenberuflich Prominenten auf die Nerven. Dabei hofft er: »Wäre super, wenn mich mal jemand verklagt!«

Schlagzeug spielen, für Video-Games modeln und Promis dissen: Joe Letz hat viel zu tun!
Schlagzeug spielen, für Video-Games modeln und Promis dissen: Joe Letz hat viel zu tun!.


Seine spektakuläre Art Schlagzeug zu spielen, hat Drummer Joe Letz schnell zur Hauptattraktion der Band Combichrist gemacht. Als »siebtes Rammstein-Mitglied« legt er regelmäßig im Vorprogramm der deutschen Elektro-Metaller auf. Mit seiner Klamottenmarke Fuxleep disst er Stars wie Lindsay Lohan oder Justin Bieber.
Privat ist Joe Letz der Freund von Tätowiererin Megan Massacre und Star der Fernsehserie NY Ink. Auf Tattoo-Conventions sitzt er oft am Stand seiner Freundin, redet mit Kunden, verkauft Shirts, holt ihr was zu trinken – die wenigsten Besucher wissen, dass da ein Star vor ihnen sitzt.

Du hast ziemlich viel mit Rammstein zu tun. Wie kommt’s?
Ja, irgendwie haben die mich adoptiert und sagen, ich sei ihr siebtes Mitglied. Die spielen gerade Festivals und ich konnte nicht mitkommen. Jetzt bekomme ich jeden Tag Mails und SMS, dass den Jungs langweilig ist und ich kommen soll. Angefangen hat alles, als Richard für seine zweite Band Emigrate dringend einen Drummer für einen Videodreh brauchte. Es ging um den Titeltrack für Resident Evil, was natürlich eine riesige Sache ist. Der damalige Emigrate-Drummer war aber nicht verfügbar, also kam ich über gemeinsame Bekannte ins Spiel. Ich lernte den Song über Nacht und ging zum Videodreh. Im Make-up haben sie mir erstmal jede Menge Kaffeesatz übergekippt. Was soll das denn, hab ich Richard gefragt? Der nur: Das machen wir bei Rammstein auch, durch den Kaffee sehen wir total schmutzig aus! Ich saß da also mit dem Gesicht zur Wand und spielte die ersten Takes. Hinter mir die komplette Crew. Am Ende des Songs rief dann jemand Cut und plötzlich brach ein Riesenjubel los. Richard kam mit diesem Blick auf mich zu und sagte: Du bist mein neuer Drummer! Und so hat das alles angefangen. Danach wollte Richard, dass wir Rammstein mit Combichrist auf Tour begleiten.
 

Sehr tiefgründig: Ein Einhorn, das einen Delfin bumst.Beavis mit Fuxleep-Shirt. Hehehehehe.

 (l) Beavis mit Fuxleep-Shirt. Hehehehehe. (r) Sehr tiefgründig: Ein Einhorn, das einen Delfin bumst.


Du besitzt auch das Klamottenlabel Fuxleep, bei dem du Fehlschläge, Schwächen oder auch die Drogensucht von Promis aufgreifst und auf Shirts thematisierst.
Das mache ich seit 2007, aber ich habe es seit kurzem erst wieder aufleben lassen. Die Geschichte hinter Fuxleep ist lustig: Ich war auf dem Abschlussball eines Kumpels und wir hatten die ganze Nacht alles an Drogen genommen, was da war: Pilze, Special K, Koks, Extasy. Das ist in den Staaten beim Abschlussball so. Du dröhnst dich zu und wirst entjungfert. Am Ende waren wir alle hirntot, saßen in der Limo auf dem Weg zum Strand und keiner sagte irgendwas. Nach einer Stunde Stille sagte irgendwer: Ich brauch Schlaf. Und ich so: Fuck sleep! Und weil alle so dermaßen breit waren, lachten sie sich mindestens zehn Minuten lang kaputt. Ich wusste damals, dass ich aus diesem Fuck sleep irgendwann mal was machen werde. Das war wohl das Cleverste, das je über meine Lippen kam und seitdem nutze ich diesen Ausdruck: Fuxleep.
 
Justin Bieber trägt eine Compton-Mütze. Compton ist ein Ghetto in L.A. In einem Interview hat er sich damit identifiziert, worauf Chris Brown behauptete, es sei rassistisch, dass Justin Bieber nur mit »Black People« abhängt, um damit sein Bad-Boy-Image zu pflegen. In den USA war dies lange Thema in den Medien und »Black People« war die Catchphrase dafür.
Justin Bieber trägt eine Compton-Mütze. Compton ist ein Ghetto in L.A. In einem Interview hat er sich damit identifiziert, worauf Chris Brown behauptete, es sei rassistisch, dass Justin Bieber nur mit »Black People« abhängt, um damit sein Bad-Boy-Image zu pflegen. In den USA war dies lange Thema in den Medien und »Black People« war die Catchphrase dafür.


Und jetzt disst du Promis mit deinen Shirts. Wieso?
Ich liebe das einfach. Diese ganze Promiklatschscheiße. Ich sauge diesen ganzen Müll auf. Das ist so lustig und völlig unwirklich. Das muss man einfach aufgreifen.

Hat Justin Bieber mal auf »sein« Black-People-Shirt reagiert*?
Leider nicht. Ich warte ja darauf, dass mich mal jemand verklagt. Das wäre super, eine Riesen-PR.

Du hast selbst auch sehr viele Tattoos und bist mit Tätowiererin Megan Massacre zusammen. Dadurch hast du auch sehr viel mit der Szene zu tun. Wie viel denn genau?
Rund um die Uhr. Durch Megan ist das zu meinem Leben geworden. Dank Abhängen im Shop hab ich sehr viel über Tattoos gelernt. Jetzt würde ich gerne nochmal von vorne anfangen und fühle mich wie ein Idiot mit dem ganzen Mist, den ich mir vorher habe stechen lassen. Ich habe ja nur ein Tattoo von Megan. In ihrer Freizeit will ich ja nicht, dass sie mich tätowiert, sondern anderen Kram mit ihr machen.

Konfrontationstherapie: Tattoos wie das »SICK« auf dem Bauch halfen Joe, seine Sucht zu überwinden.

Konfrontationstherapie: Tattoos wie das »SICK« auf dem Bauch halfen Joe, seine Sucht zu überwinden. 


Siehst du irgendwelche Parallelen zwischen einem Tattoo-Künstler und dir als Musiker?
Jede Menge. Heutzutage gibt es unter den Tätowierern richtige Stars, die genau wie Musiker auf Tour gehen und gefeiert werden. Und es gibt Tattoo-Groupies. In den Staaten ist das echt so. Wenn du ein richtig heißes Mädel siehst, die nur gute Tattoos hat, ist das oft ein Groupie. Die daten einen Künstler für ’ne Weile, bis sie das haben, was sie wollen und gehen dann zum nächsten.

Was sind denn deine Lieblingstattoos und warum?
Die meisten meiner Tattoos haben mit meinem Kampf gegen die Sucht zu tun. Alkohol und Drogen verfolgen mich schon, seit ich dreizehn bin. Und es macht mir Angst, denn jetzt habe ich selbst einen Sohn und ich hoffe, dass ich ihm beibringen kann, nicht dieselben Fehler zu machen. Die Klinge auf dem Hals, die Spritzen auf meiner Brust, das Sick-Lettering auf dem Bauch sind Tattoos, die mir als Therapie halfen, über schwere Zeiten hinwegzukommen.

Wofür steht denn das Einhorn und der Delfin?
Als ich etwas älter und furchtloser wurde, wurde mir bewusst, dass die einzigen Tattoos, die ich nie bereuen werde, die sind, über die ich lachen kann. Ich hab auch einen fliegenden Penis auf dem Bein. Der scheint die Leute auch sehr glücklich zu machen. Das Einhorn, dass den Delfin in den Arsch fickt, erfüllt denselben Zweck. Megan hasst es.

Was hättest du denn gerne noch an Tattoos?
Ich brauche dringend ein Pee-Wee-Herman-Tattoo. Ich hätte gerne die Brust fertig und den linken Arm. Aber die Brust ist echt die Hölle. Ich denke drüber nach, ein paar gute Freunde einfach mal machen zu lassen. Paul Booth und Paul Acker vergleichen mich immer mit Comic-Figuren. Paul Booth behauptet ich sehe aus wie Woody von Toy Story und Paul Acker zeichnet mich ständig als Beavis. Aber irgendwie muss ich noch Guy Smiley, den Quizmoderator aus der Sesamstraße, Brad Pitt und Justin Timberlake mit unterbringen. Logisch, oder?

 
Joe Letz
 
Neben seinen ganzen anderen Aktivitäten war Joe auch Vorlage für den Punk-Rock-Drummer im Videospiel Rock Band 2 für dessen Entwicklung er auch als Berater tätig war. Außerdem spielt und spielte Joe Letz in einer Reihe von Bands: Combichrist, Emigrate, Black Light Burns, Whiteout fuck you die, Genitorturers, Burn Halo, KMFDM, Theo and the Skyscrapers und Amen.
Was rätst du deinem Sohn, wenn er ein Tattoo will?
Im Ernst, genau das Problem habe ich aktuell mit meinem Neffen. Der wird 18. Dem rate ich zu warten, bis er 22 ist. Denn dann ist dieser erste Impuls vorbei, sich unbedingt tätowieren zu lassen, nur weil er es jetzt darf. Und er ist über das Alter von 21 hinaus, in dem er zum ersten Mal trinken darf. Meiner 
Meinung nach die zwei schlimmsten Zeitpunkte, um dumme Entscheidungen zu treffen. Wenn er 22 ist kann er von all den Fehlern seiner Freunde lernen, die sich mit 18 oder im Suff mit 21 irgendeine Scheiße haben stechen lassen, die sie jetzt hassen. Dann ist er hoffentlich etwas erwachsener und kann sich in Ruhe was Cooles überlegen und sich das von einem krassen Künstler tätowieren lassen. So hat er was Vernünftiges, das nicht gleich verblasst und ist nicht auf irgendeinen Trend aufgesprungen, den er in einem Jahr wieder bereut.

Willst du der Welt sonst noch etwas mitteilen?
Ja. Mit 14 hab ich mich entschieden Drummer zu werden, damit mein Geld zu verdienen und die Welt zu sehen. Alle sagten, das sei Quatsch. Aber ich habe das Ziel nie aufgegeben und bin drangeblieben. Jeder kann alles werden, was er werden möchte. Man muss nur dranbleiben und immer sein Ziel vor Augen haben.



KONTAKT

www.joeletz.com
www.facebook.com/joeletzofficial
twitter.com/joe_letz



Text: Mathias Schneider
Bilder: Mathias Schneider




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28.03.2014
Text: Mathias Schneider Bilder: Mathias Schneider
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