Das größte Tattoo der Welt


Tätowierer Marc aka Little Swastika vom Psyland Tattoo in Tengen liebt es Grenzen zu überschreiten. Im Frühjahr 2014 vollendete er ein Projekt, das die meisten für unmöglich gehalten hätten; zusammen mit drei Helfern stach er ein einziges Tattoo über zehn Rücken – in nur 33 Stunden!
 
In einer Halfpipe macht Marc die Vorgaben für die Positionierung, ihm zur Seite steht seine Assistenz, Tochter Maya.Ab diesem Moment standen vor den zehn Freiwilligen 33 intensive Stunden voller Stress, Schmerz und Euphorie.
In einer Halfpipe macht Marc die Vorgaben für die Positionierung seiner zehn Projektteilnehmer. Nach der exakten Positionierung aller erwartete die den Zehn 33 intensive Stunden voller Stress, Schmerz und Euphorie.


Die Idee
Es ist nun schon drei Jahre her, dass ich erstmals ein Tattoo gestochen habe, das sich über mehr als nur einen Körper erstreckt. Nach meinem ersten Doppel-Rücken-Tattoo verwirklichte ich weitere Projekte auf zwei Personen und probierte verschiedene Dinge aus, wie man den menschlichen Körper als Leinwand nutzen kann.
Im Vergleich zu normalen Tattoo-Sessions sind solche Projekte völlig anders. Alles ist anders; die Beziehung zueinander, das Chaos, der Schmerz, der Spirit – man kann es schwer beschreiben. Normalerweise mache ich solche Projekte mit Paaren oder Leuten, die gut miteinander befreundet sind, das macht auch die Planung und Logistik einfacher.
 
Das »Love«-Projekt über vier Rücken war bereits ein Meilenstein im Bereich Projekt-Tattoos ? mit seinem neuesten Werk hat Marc die Grenzen des Möglichen aber noch weiter verschoben.
Das »Love«-Projekt im April 2013 (Abb. rechts) ging über vier Rücken und war bereits ein Meilenstein im Bereich Projekt-Tattoos – mit seinem neuesten Werk hat Marc die Grenzen des Möglichen aber noch weiter verschoben.
2013 arbeitete ich zum ersten Mal an einem Projekt, das sich über drei Personen erstreckte, und aus dieser Erfahrung heraus beschloss ich, noch größere Arbeiten in Angriff zu nehmen. Bereits im April 2013 vollendete ich dann das Make-Love-Projekt mit einem einzigen Tattoo, das sich über vier Rücken erstreckt. Das war das erste Mal, dass Personen für so ein Projekt zusammenkamen, die sich überhaupt nicht kannten. Es war eine abgefahrene Erfahrung für alle Teilnehmer und ich habe währenddessen viel über Projekte in dieser Größenordnung gelernt. Ich tätowierte 32 Stunden lang über vier Tage. Als ich es beendet hatte, war ich davon überzeugt, dass dies das Maximum dessen ist, was möglich ist.
 
Matten und senkrecht in den Boden gesteckte Stäbe halfen bei der exakten Positionierung der Projektteilnehmer.
Skizzen, Fotos, Notizen und Zeitpläne: Der Ablauf des Projekts musste minutiös geplant werden, die Logistik hinter dem Projekt war eine echte Herausforderung an alle Teilnehmer.
Skizzen, Fotos, Notizen und Zeitpläne: Der Ablauf des Projekts musste minutiös geplant werden, die Logistik hinter dem Projekt war eine echte Herausforderung an alle Teilnehmer. Matten und senkrecht in den Boden gesteckte Stäbe halfen bei der exakten Positionierung der Projektteilnehmer.

Mir war klar, dass ich bei allen Projekten, die größer als dieses werden würden, Hilfe beim Tätowieren benötigen würde, um die Dauer für die gesamte Arbeit nicht zu lang werden zu lassen.

Der Plan
Ich benötigte einige Monate, um einen Plan auszuarbeiten, wie ich mit noch mehr Menschen zusammenarbeiten konnte, insbesondere, wie ich das Tattoo-Design aufzeichnen und die Teilnehmer immer wieder in exakt derselben Weise positionieren kann. Denn das Aufzeichnen des Motivs erfordert viel Zeit, also ist das ein ganz wesentlicher Punkt bei dem Projekt.
 
Gerd Wiesbeck von Time Travelling Tattoo ist einer der drei weiteren Tätowierer, die Marcs Projekt erst möglich machten.
Für die Tätowierer, hier Basti, war die Session ebenso anstrengend wie für die Tätowierten.Freak Mike von Psyland Tattoo in Tengen sagte von Anfang an seine Mitarbeit zu.

Gerd Wiesbeck, Basti und Mike unterstützten Marc beim Tätowieren.


Meine Freunde Basti und Mike, die bei mir das Tätowieren erlernt hatten, hatten mir zugesagt, mich beim Tätowieren zu unterstützen. Ich musste also auch überlegen, welche Arbeiten ich selbst übernehme und welche Tätigkeiten, wie eben das Ausfüllen der schwarzen Flächen, meine Helfer ausführen können. Meine Pläne wurden immer konkreter und detaillierter und ich entwarf eine grobe Vorzeichnung für ein Design, das ich auf die Teilnehmer übertragen konnte, ohne dass sie während des Tätowierens in Position bleiben mussten. Dadurch vermied ich zum einen das Risiko von Kreuzkontaminationen während des Tätowierens und zum anderen lange Wartezeiten für die Teilnehmer.
Das Design musste sehr einfach und natürlich sehr groß sein, damit es als ein Gesamtbild funktioniert. Da es auf das Gesamtbild ankommt, lag mein Fokus weniger auf den einzelnen Rückentattoos. Aber ich denke, das Design, das ich entworfen habe, macht auch aus jedem Backpiece für sich genommen ein schönes Tattoo.
Nachdem ich das für acht Personen geplante Design veröffentlicht hatte, bekam ich so viel Resonanz, dass ich meine Pläne änderte. Ich sprach mit meinem Freund Gerhard Wiesbeck vom Studio Time Travelling Tattoo und fragte ihn, ob er mich bei diesem Projekt unterstützen würde. Dadurch, dass auch Gerhard seine Hilfe zusicherte und wir vier Tätowierer waren, konnte ich noch zwei zusätzliche Personen unterbringen, was einen viel schöneren Flow der Körper als Leinwand ergab.
 
Der vollständige Bericht mit allen Bildern ist in der Dezember-Ausgabe, TätowierMagazin 12/2015, veröffentlicht.
 
 
 Nummer 6, Chris Leigh: »Es war wie ein irrer Traum«
 
 
Chris ist 34 Jahre alt, gebürtiger Neuseeländer, wohnt in Hamburg und ist selbst Tätowierer. Bei diesem spektakulären Projekt hatte er aus logistischen Gründen die Nummer 6.  

Wie bist du auf das Projekt aufmerksam geworden?
Ich kenne Marc schon seit sieben Jahren oder so. Ich wollte seit langem meinen Rücken in seinem Tattoostil stechen lassen. Es ist was anderes, sehr kraftvoll und grafisch. Auf Marcs Website habe ich im November 2013 das Bild vom Rückenentwurf entdeckt, habe es meiner Frau gezeigt, ihr Okay eingeholt und ihn dann angeschrieben.
Warum wolltest du daran teilnehmen, was hat dich daran gereizt?
Die Idee, dass man ein Teil eines so großen Bildes sein könnte, war schon cool und mächtig. Und ich meine, ein Rückenbild kann man selbst ja auch nicht wirklich sehen, so gesehen ist es eigentlich auch eh egal, was drauf ist!
Hahaha!
Kanntest du die anderen Teilnehmer vorher?
Ich kannte vorher keinen in der Gruppe, aber ich dachte, wenn man so was macht, dann muss man auch irgendwie ähnlich drauf sein. Es war auch eine coole Gruppe. Ich bin voll glücklich, dass ich mit denen verbunden bin.
Wie lange dauerten die Tattoo-Sessions auf deinem Körper?
Ich war der Erste um acht Uhr am Montagmorgen. Meine erste Session ging von 8:30 bis 16 Uhr. Dann bin ich essen gegangen, hab geduscht und bin gegen 22 Uhr wieder zurück ins Studio. Gegen 23:30 Uhr bekam ich das geometrische Stencil auf den Hintern, und gegen 2 Uhr nachts haben wir wieder mit dem Tätowieren angefangen. Um 8 Uhr morgens am Dienstag war ich fertig! Das heißt 13,5 Stunden Tätowieren innerhalb von 24 Stunden. Ich wusste, dass es verrückt wird – aber deshalb bin ich ja hin gegangen!
Wie hast du diese sehr intensiven und auch schmerzhaften Sessions überstanden?
Der Schmerz ist irgendwann egal. Man kommt auf die andere Seite des Schmerzes, kommt in den Rhythmus des Künstlers und seiner Maschine. Dagegen anzukämpfen, ist keine Option, das bringt nichts. Ich hab mir mit meinem T-Shirt die Augen verbunden, Kopfhörer aufgesetzt und konnte sogar ein bisschen schlafen.
Wie empfandest du es, dass du auf dein Rückentattoo keinen Einfluss hattest?
Das ist eben so, wenn man ein Bild von einem Künstler haben will. Man muss einfach loslassen, die Erfahrung genießen. Man versucht, so viele Sachen im Leben zu kontrollieren, da ist es ein überwältigendes Gefühl, einfach mal die Dinge geschehen zu lassen. Und wenn man zu so tollen Tätowierern wie Marc, Mike, Basti und Gerhard kein Vertrauen hat, dann sollte man erst gar nicht hingehen! Es war etwas ganz Besonderes, was da in Tengen passiert ist – und ich bin besonders Gerhard dankbar; er hat so viel Schwarz in meinen Rücken gehauen – er ist der brutalste Gentleman, den ich kenne! Thanx Dude! Es war wie ein irrer Traum.


Text: Little Swastika
Bilder: Little Swastika




23.12.2014
Text: Little Swastika Bilder: Little Swastika
auf Facebook teilen

tattoo szene

Verwandte Artikel

Iron Butt

Iron Butt heißt nichts anderes als „Eisenarsch“.

Studio André

Fröhlich und ein bißchen abgedreht sind nicht nur die Tätowierungen von Mini B., sondern auch die junge Tätowiererin selbst. Seit ihrem 15. Lebensjahr arbeitet sie regelmäßig im Studio ihrer Mutter, in Jenny B’s Tattoo & Piercing.

Dead By Sunrise

Das TätowierMagazin traf sich mit Chester Bennington und Dead By Sunrise-Kollege Ryan Shuck in Berlin: Ein Interview über Sex, Schmerz und völlig verunglückte Tattoos.

Contest Kategorien
(TS 2_08)

Das Prinzip »Mitmachen ist alles« sollte nicht nur für Olympia gelten, sondern auch für die Teilnahme an einem Tattoo-Contest. Zumindest einmal sollte jede Tätowierung vor großem Publikum gezeigt werde. Ich welcher Kategorie ihr euch anmelden müsst und was euch erwartet, erfahrt ihr hier! Mit zahlreichen Beispielen und Erklärungen zu den Kategorien: Large, Asia, Small, Porträt, Crazy, Black & White, Traditional und Colour!

Yamaha SR 400-Design

Von der Vergangenheit inspiriert, für die Zukunft gebaut: CUSTOMBIKE beleuchtet Yamahas neue Designphilosophie und die Einbeziehung der Umbauszene am Beispiel der SR400

Davida stellt neues
Design vor

Die britische Helmmarke stellt ein neues Design vor. es ist für alle drei Versionen (Jet, Speedster, Ninety Two) erhältlich.

Record Kicks - This
Funky S**t Kicks

Dass man die Leidenschaft für groovige Black Music Styles der Sechziger und Siebziger als Inspiration für heutige Produktionen nutzen kann, ohne dabei in belanglosen Retro-Kitsch abzugleiten, beweist das italienische Label Record Kicks seit nunmehr zehn Jahren.

Fenderfiguren aus
Bronze von Hörzing
Design

Hörzing Design gestaltet und fertigt Bronzefiguren für Custombikes. Die Figuren werden nach Kundenwunsch gestaltet und individuell an den Fender angepasst.

Greyhound - Honda CB
900F Bol d‘Or

Gebaut wurde die Honda CB 900F Bol d‘Or für Alltag und Langstreckenrennen, eine lässige Optik stand nicht im Lastenheft. Verschenktes Potential, wie Christians Cafe-Dragster beweist

Amazon Tattoo

Dotwork: Tausende kleiner Punkte, die sich zu exakten grafischen Mustern aber auch gegenständlichen Motiven zusammensetzen. Eine Arbeit, die viel Geduld erfordert und nur dann ihre Schönheit entfaltet, wenn Dynmaik und Exaktheit miteinander im Einklang stehen. So wie bei den Dotwork-Tätowierungen von Sonja, die überwiegend bei Amazon Tattoo in Oberhausen zu finden ist.

DMCTM-Technologie
ermöglicht
uneingeschränkte
Gruppenkommunikation
für Motorradfahrer

Cardo läutet die dritte Ära der Kommunikationstechnologie für Biker ein

Verbundenheit mit
Berufen durch
Tattoos darstellen

»Ich arbeite gern« oder »Ich liebe meinen Beruf!«. Wer das sagen kann, kann sich glücklich schätzen – und ist es wahrscheinlich auch in hohem Maße. Schließlich verbringen wir in der Regel an fünf Tagen in der Woche mehr als ein Drittel unserer Zeit auf der Arbeit.

Ratgeber:
Schmerzfreie Tattoos

Die 8 besten Tipps, wie du gut durch die Tattoo-Sitzung kommst.

Electro Tattoo

Was auf den von Sergio gezeichneten Tattoo-Vorlagen nur zu erahnen ist, explodiert auf der Haut zu einem Farbenrausch. Der Einsatz von Farbe in allen Tönen und Nuancen ist sicherlich ein Merkmal, das seine Arbeiten auszeichnet. Mit den Farben strukturiert er genauso die Motive wie mit den klaren, schwarzen Outlines.

Bemalte Lederjacken
von Unikat

Unikat bietet das besondere Design auf Lederjacken und Ledertaschen. Die Verzierungen werden in Absprache und nach den Wünschen der Kunden mit Farben auf Naturbasis hergestellt.

Blaufuss Shovel

Werners Harley-Davidson FLH stand auf der Tattoo-Convention in Bregenz Modell für Tattoo-Girls und diente vor allem als Requisite

Jorn: Lonely Are The
Brave

Der Ausnahmesänger aus Norwegen hat ein weiteres Album mit der nach ihm benannten Band am Start.

168 Hours Germany
Race

Der Outlaws MC Germany ruft seine Member zum Rennen durch ganz Deutschland auf Für die vergangene Saison hatte der Outlaws MC Germany zum „168 Hours Germany Race“ aufgerufen. Dieses Rennen ist kein normales Rennen, denn die Biker …
Newsletter bestellen
weiter
Welche Themen interessiern dich?
Bike Auto Tattoo Musik
Stand:28 May 2020 03:13:31 Warning: fopen(cache/d5f5816c6d2f829113f613d705a7e42e.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 163 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 164 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 165