Bring me the Horizon



Sänger Oliver Sykes und Gitarrist Lee Malia von der Metal-Core-Band Bring me the Horizon bringen uns auf den neuesten Stand in Bezug auf ihre Musik und ihre Tattoos.

Bring me the Horizon: Sänger Oliver Sykes und Gitarrist Lee Malia
Sänger Oliver Sykes und Gitarrist Lee Malia der britischen Metalcoreband Bring me the Horizon.

Gleichermaßen geliebt wie gehasst: Die britische Metalcore-Instanz Bring me the Horizon hat mit »Sempiternal« ihre vierte Platte an den Start gebracht und spaltet (wieder einmal) die Gemüter. Nachdem man sich mit Vorzeige-Veganer Jona Weinhofen gezofft hatte, wurde dessen Position an den sechs Saiten kurzerhand gestrichen und stattdessen ein Keyboarder an Board geholt. Das Resultat klingt entsprechend elektronischer, mitunter poppig-kommerziell und unterm Strich eine ganze Ecke softer.
Der eine mag über zutätowierte Milchbubis schimpfen, der andere über hippe Emo-Kids klagen, während ein Dritter das Fünfergespann aus Sheffield für die Band der Stunde hält. Wie auch immer man zu den Burschen steht, sei mal dahingestellt, denn auch wenn man über Geschmäcker bekanntlich streiten kann – in puncto Tattoos wissen die Jungs wovon sie reden. TätowierMagazin hat Frontmann Oli Sykes und Gitarrist Lee Malia in Berlin getroffen und mit ihnen über ihre bunten Hautbilder geplaudert.

Gitarrist Lee ist ernsthafter Tattoo-Sammler. Allzu viel Platz hat er auf den Armen nicht mehr. Lee ist auch neueren Styles gegenüber aufgeschlossen.
Gitarrist Lee ist ernsthafter Tattoo-Sammler und unterschiedlichen Stilen gegenüberaufgeschlossen. Allzu viel Platz hat er auf den Armen nicht mehr.


Es gibt eine Menge Veränderung bei Bring me the Horizon. Wie geht es euch damit?
Oli Sykes: Ja, das stimmt. Wir haben ein neues Album herausgebracht und ein Mitglied verloren. Ich denke, das geht als Veränderung durch. Im Grunde haben wir mit Jordan Fish einen Keyboarder und Programmierer hinzugewonnen. Es geht also im Grunde zurück zu den Kernmitgliedern. Jona hat uns verlassen, weil wir an einen Punkt gekommen sind, an dem wir nicht mehr zusammen arbeiten konnten. Es gab zu viele Konflikte, weil die Meinungen zu sehr auseinandergingen, deswegen musste er gehen. Wir sind nun für ein Jahr weg gewesen, hatten Zeit uns zu erholen und ein wenig runterzukommen, dementsprechend geht es uns gerade wirklich ziemlich gut.
Lee Malia: Der gesamte Sound hat sich einfach weiterentwickelt und der ganze Prozess des Songwritings ist anders, weil das Album gemeinsam mit Jordan entstanden ist. Deswegen sind die elektronischen Elemente auch kein Gimmick mehr, sondern ein zentraler Bestandteil.
 

Technisch schwierig, aber machbar: Handflächen-Tattoos. Olis »High Five«  könnte ein Klassiker werden.
Olis Nackentattoo, frei nach dem Motto: Vorwärts – immer, rückwärts – nimmer!
Technisch schwierig, aber machbar: Handflächen-Tattoos. Olis »High Five« könnte ein Klassiker werden. Olis Nackentattoo, frei nach dem Motto: Vorwärts – immer, rückwärts – nimmer!

Unter euren Anhängern wird es sicherlich einige Leute geben, die sich mit eurer jetzigen Entwicklung schwer tun. Wie geht ihr damit um?

Oli Sykes: Ich nehme an, wir lassen ihnen keine Wahl. Die Fans wollen immer wieder das Album hören, das sie lieben. Aber wir müssen machen, was wir wirklich tun wollen und uns entwickeln, unabhängig davon, was die Fans wollen. Es fühlt sich so an, als hätten wir das Beste aus unseren letzten drei Alben auf unsere neue Platte gebannt, aber dennoch klingt sie wie keine unserer vergangenen Scheiben.
Lee Malia: Wenn jemand das neue Album nicht mag, soll er sich die alten Platten anhören. Die Veränderung ist ja nicht allzu dramatisch, außerdem finde ich, dass wir nie besser geklungen haben.

Reisefreudiges Motiv auf Lees Arm.Lee ließ sich das Cover der aktuellen Platte »Sempiternal« in den Nacken stechen.

Lee ließ sich das Cover der aktuellen Platte »Sempiternal« in den Nacken stechen.


Seid ihr mit diesem Album quasi erwachsen geworden?

Oli Sykes: Ja, wir sind immer am lernen und spornen uns gegenseitig an. Wir werden besser als Songwriter und verstehen zunehmend, was musikalisch funktioniert. Es ist, als befänden wir uns stetig in der Schule.
Lee Malia: Wir sind älter geworden und die Songs sind gereift. Wir hören längst nicht mehr nur Metal, sondern haben jeder für sich Einflüsse aus verschiedenen Genres.

Metallica-Tribute auf dem Arm von  Gitarrist Lee.
Lees Bein ist vorwiegend old-schoolig tätowiert.

Metallica-Tribute auf dem Arm von Gitarrist Lee. Sein Bein ist hingegen vorwiegend old-schoolig tätowiert. 

Lasst uns ьüber eure Tattoos sprechen. Wann habt ihr eure ersten Tätowierungen bekommen?
Oli Sykes: Ich habe mein erstes Tattoo mit 18 machen lassen. Ich wollte schon vorher, aber meine Mutter hat es nicht erlaubt, und das war gut so. Ich bin dankbar dafür, aber auch mit 18 habe ich anfangs nicht die besten Entscheidungen getroffen, aber bin trotzdem glücklich mit all meinen Tattoos. Wäre ich 14 gewesen, hätte ich wahrscheinlich die Flammen kopiert, die Chester Bennington von Linkin Park hat, oder ein Tribal. Jedenfalls nichts, was stilistisch zu dem passt, was ich jetzt habe.
Lee Malia: Mein erstes Tattoo war das Artwork zu »Sad but true« von Metallica auf meinem rechten Arm. Da war ich auch 18 und Metallica meine Lieblingsband. Sie sind der Grund, dass ich angefangen habe Gitarre zu spielen.

Die Band
Im Jahr 2004 gründete sich im englischen Sheffield die Metal-Core-Combo Bring me the Horizon. Der Bandname leitet sich aus einem Filmzitat ab. In »Fluch der Karibik« befiehlt Captain Jack Sparrow: »Bring me that Horizon«.
Frontmann Oliver Sykes ist Vegetarier, was er mit seinem Modelabel »Drop Dead« unterstreicht: Die Aussage »Meat Sucks« ziert nicht selten die vom Sänger produzierten Shirts. Sykes arbeitet auch mit der Tierrechtsorganisation PETA zusammen.
Am 29. März erschien das vierte Album der Band namens »Sempiternal«. Es chartete in Deutschland auf Platz 22, in England auf Platz 3. Auch in Österreich und den USA erreichte man Chartplatzierungen.        

Aktuelles Album
Sempiternal (2013)

Aktuelles Album von Bring me the Horizon: Sempiternal (2013)

Tourdaten
+ PIERCE THE VEIL
Live 2013

09.11. Köln, E-Werk
10.11. Wiesbaden, Schlachthof
11.11. Stuttgart, Longhorn LKA
27.11. München, Theaterfabrik
29.11. Leipzig, Werk 2
30.11. Herford, X
01.12. Berlin, Huxleys
02.12. Hamburg, Große Freiheit
Was gibt es an Anekdoten zu euren Tattoos?

Oli Sykes: Mein erstes Sleeve ist von einer Tätowiererin namens Alison Manners, die jetzt in Australien lebt. Sie tätowiert mich heute noch und hat neulich erst an meinem Backpiece gearbeitet, als wir dort waren. Sie hat meine ersten Motive gestochen und war damals schon gut, aber ihre Arbeiten sind heute großartig. Es ist interessant, wie wir uns beide entwickelt haben. Wir sind mittlerweile gute Freunde, ihre Arbeiten erinnern mich immer an die Zeit, zu der sie entstanden sind und was ich damals durchgemacht habe.
Lee Malia: Ich habe mir kürzlich das Artwork zu unserem neuen Album »Sempiternal« in den Nacken stechen lassen.

Wie wichtig ist euch der persönliche Bezug zum Tätowierer?
Oli Sykes: Es spielt keine Rolle wie gut der Tätowierer ist. Wenn die Chemie nicht stimmt und du eine schlechte Erfahrung mit ihm gemacht hast, hat es keinen Sinn. Denn das macht die Hälfte eines Tattoos aus. Du wirst ja des Symbols wegen tätowiert. Ich mag es, wenn ich auf ein Tattoo schaue und mich an die Zeit erinnere zu der es entstanden ist. Viele meiner Tattoos  sind von Uncle Allan gemacht.

Ich habe Allan neulich erst getroffen und sein neues Studio besichtigt. Er ist kürzlich mit Conspiracy Inc. von Kopenhagen hier nach Berlin ausgewandert und richtet sich in Berlin-Schöneberg ein ganzes Haus ein.
Oli Sykes: Oh, das wusste ich nicht. Meine Tattoos von ihm sind 2006 entstanden, bevor er richtig bekannt wurde. Der Sleeve hat nur etwa vier Sitzungen gebraucht, der erste Termin ging elf Stunden lang, da sind alle Linien entstanden, am nächsten Tag sind dann einige Schattierungen hinzugekommen, was hart war, wegen der Schwellung. Der ganze Arm hat etwa 35 Stunden gedauert. Allan behält dieses Feeling bei und das Ergebnis ist unverkennbar einzigartig.

Was war die schwerste Entscheidung in Sachen Tattoos?
Oli Sykes: Der Kehlkopf war heftig, ich hatte damals richtig Angst. Es ist ohnehin eine große Sache, denn du erwartest, dass es die schmerzhafteste Stelle überhaupt ist. Es klingt blöd, aber bei all dem Blut, das da herausspritzte, dachte ich mir: »Allan, ich hasse dich, das kann einfach nicht gut sein.« Aber es ist ein Tattoo, das nicht nur Angst macht wegen der Schmerzen, sondern weil es so hart hervorsticht wie kein anderes, sofern du dir nicht grade die Stirn tätowieren lässt.

Wie gehst du mit den Schmerzen um, ist das ein Aspekt beim Tätowieren den du genießt oder schreckt dich das eher ab?
Oli Sykes: Ich denke, es ist ein notwendiges Übel. Ich finde, man muss sich ein Tattoo verdient haben, es sollte kein einfacher Prozess sein. Etwas, was du  für immer auf dem Körper hast, sollte auch Überwindung kosten. Es ist wie im Leben an sich: Für alles Gute musst du anderweitig Schmerzen durchstehen. Alles hat einen Rückkopplungseffekt: Wenn du dich betrinkst, wirst du am nächsten Tag auch einen Kater haben.

Habt ihr einen persönlichen Bezug zu euren Tätowierungen?
Lee Malia: Mir ist das Tattoo mit dem Kompass sehr wichtig. Wir sind ja auf der ganzen Welt unterwegs. Außerdem haben wir alle ein Tour-Tattoo, das on the road entstanden ist.
Oli Sykes: Es gibt einige Tattoos auf meiner Haut, in denen ich eine Erkenntnis festhalte, an die ich mich erinnern möchte. Ich habe zum Beispiel zwei Frauenköpfe auf mir, die für das Gute und das Böse stehen. Ich denke, es gibt immer zwei Seiten von allem. Aber es gibt auch Motive, die ich mir einfach spontan aus einer Laune heraus hab tätowieren lassen und die keinerlei Bedeutung haben. Es ist keine Schande das zuzugeben. Wenn du auf das Tattoo schaust, wird es dich an etwas erinnern, auch wenn das Motiv an sich für nichts steht.                 



Text: Matthias Ziegenhain
Bilder: Bastian Fischer




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26.11.2013
Text: Matthias Ziegenhain Bilder: Bastian Fischer
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