Neue Lasertechnik zur Tattooentfernung


Ein neu entwickelter Laser soll das Entfernen von Tätowierungen gewissermaßen revolutionieren: weniger bis nahezu keine Schmerzen, keine Narben und auch die Gefahr, dass nach der Behandlung die ehemals tätowierte Stelle heller als der normale Hautton bleibt, soll auf ein Minimum reduziert sein.

Aktuell wird der Laser im Uniklinikum der Ruhruniversität in Bochum getestet. Das dortige Zentrum für Lasermedizin des Landes NRW ist die erste europäische Einrichtung, die den neuen Laser, entwickelt von einem der führenden deutschen Unternehmen für die Entwicklung ästhetischer Laser, Cynosure, auf seine Wirksamkeit testet.

Wir haben das zum Anlass genommen, beim Leiter der Abteilung für ästhetische Medizin des Sankt-Josef-Hospitals, Dr. Klaus Hoffmann, einmal genauer nachzufragen, was es mit dem hochmodernen, 300.000 € teuren "PicoSure"-Laser auf sich hat:

RNR: Herr Dr. Hoffmann, worin genau unterscheidet sich der "PicoSure" von den bisherigen Lasern?
 
Dr. Hoffmann: Der "PicoSure"-Laser ist einzigartig und in seinen technischen Spezifikationen besser, als jedes andere Tattoolasergerät, das bislang im Markt verfügbar war. Normalerweise absorbiert sich Laserlicht in seiner Komplementärfarbe, zum Beispiel grünes Licht (532nm) in rot.

Das Licht wird in Hitze umgesetzt. Das bedeutet: Je nach Länge des Lichtblitzes logischerweise auch mehr Hitze. Das Erzeugen von kurzen Blitzen ist technisch schwierig.

Es handelt sich, wie der Name "PicoSure" schon sagt, um einen Laser, der mit extrem kurzen Lichtblitzen, die im Picosekundenbereich arbeiten, Pigmente aus der Haut entfernt.

Das besondere dieses Lasers ist, dass er nicht nur eine thermische Wirkung hat, sondern eben insbesondere eine direkte Zerreißung des Pigmentes durch einen photomechanischen Effekt auslöst. Der Puls ist so kurz, dass nur minimale Wärme entsteht, aber die Kraft des Pulses das getroffene Pigment zerstört!

Das heißt, dass sämtliche Farben behandelt werden können, bei Alexandrit-Lasern wäre das eigentlich nur schwarz. Da hier aber nicht die Absorption im Pigment mit seiner thermischen Wirkung im Vordergrund steht, sondern die Zerreißung, ist damit das zu behandelnde Farbspektrum offen!

RNR: Ist dieser Unterschied für die Schmerzreduktion verantwortlich?
  Das PicoSure-Ergebnis © Cynosure
Dr. Hoffmann: Nicht nur der Schmerz ist weniger. Da ja keine Verbrennung mehr entsteht gibt es auch weniger Fehlpigmentierungen, Narben, Krusten und eine schnellere Abheilung.

Das heißt, man kann auch schneller nacheinander behandeln. Vielleicht gerade hier wichtig: Man kann Tattoos damit viel besser als bisher verändern. Es bestehen völlig neue Möglichkeiten zum Cover-up oder zu Teilentfernungen.
 
RNR: Wenn der neue Laser auch zeitlich einen Unterschied macht, also weniger oder kürzere Sitzungen nötig sind, als mit dem bisherigen Laserverfahren, gibt es doch bestimmt einen Vergleichswert?
 
Dr. Hoffmann: Ja, es gibt eine Reihe von Vergleichstudien. Geht man davon aus, dass mit 3-5ns der "Revlite" der Firma Conbio, der mit 532 und 1064nm gearbeitet hat, als das Referenzgerät galt, so kann man aus den Vergleichsstudien sagen, dass der "PicoSure" in den meisten Fällen im Faktor 3x effektiver ist.

Ganz nebenbei heißt das jedoch nicht, dass die Gesamtbehandlungskosten niedriger werden. Haben früher 9 Sitzungen 900 € gekostet sind es jetzt zum Vergleich 3 à 300 €. Das Gerät kostet 300.000 € und muss auch noch unterhalten und refinanziert werden. Die Bedienung erfolgt durch Fachärzte, die speziell geschult wurden.

RNR: Lohnt es sich schon jetzt für Tattoo-Entferner/Hautärzte bspw. oder Tätowierer, die diesen Dienst anbieten, auf den "PicoSure" umzusteigen oder wäre es eher ratsam, damit noch zu warten, bis er länger erprobt ist?

Dr. Hoffmann: Das Gerät ist bereits 10 Jahre beforscht. Gerade in den USA, aber auch weltweit, sind bereits weit mehr als 150 Geräte im Einsatz. Man hat ausreichende Erfahrungen.

300.000 Euro kostet der neue Laser © CynosureTechnisch gesehen bestand immer nur ein Problem der "Stabilität". Ein Picosekundenlaser ist viel anfälliger für Ausfälle, als andere Laser.

Zur Beruhigung: Alle diese Geräte sind so konstruiert, dass sie sich beim leisesten Defekt ausschalten. Ein nicht laufendes Gerät verdient aber kein Geld, daher hat die Herstellerfirma lange Jahre getestet, bis sie ein Gerät produzieren konnte, das in die Großproduktion gehen konnte. Die haben nun aber alle Patente und lassen sich die technische Lösung, die sie erarbeitet haben gut vergüten.

Es gibt dazu auch in naher Zukunft keine Alternative. Für uns Ärzte heißt das: Kaufen oder zweitklassig arbeiten!
 
RNR: Im Falle von Entfernungen durch Tätowierer, die ja keinen medizinischen Ausbildungshintergrund haben, sondern nur Schulungen und Seminare besucht haben: Benötigen diese ein neues Seminar im Umgang mit dem neuen Laser(verfahren)?
 
Dr. Hoffmann:
 Ich persönlichbin der Meinung, dass – wie z.B. in Dänemark – derartige Geräte ausschließlich in die Hände von speziell geschulten DermatologenInnen gehören.

Man kann mit derartigen Geräten bei falschen Settings Verbrennungen auslösen. Außerdem ist eine Nebenindikation das Pigmentmal, das sich ebenfalls prima entfernen lässt. Es wäre eine Katastrophe, wenn ein Laie versehentlich einen schwarzen Hautkrebs behandeln würde. Ich bin hier entschieden für einen Arztvorbehalt.

Was den "PicoSure"-Laser betrifft, sind meine Sorgen nicht ganz so groß. Im Gegensatz zum Koreaschrott der weiträumig eingesetzt wird, kostet dieses Gerät 300.000 €.
So etwas wird nicht an jeder Ecke stehen und das ist gut so!

RNR: Danke für das Gespräch, Herr Hoffmann, dass Sie sich Zeit genommen haben. Dann sind wir mal gespannt, wie sich der Einsatz des "PicoSure" zukünftig gestalten wird, ob tatsächlich die Tattooentfernung revolutioniert.

Und für die Leser: Wo wir gerade von Tattooentfernungen sprechen, unsere lieben Kollegen der RNR-Studios arbeiten aktuell an einer Videoreportage zu genau dem Thema, man darf gespannt sein ... stay tuned und rock on!



Mehr Infos auf der Seite der Uniklinik Bockum: www.op-bochum.de


Text: RNR / Dr. med. Klaus Hoffmann
Bilder: © Cynosure




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10.09.2013
Text: RNR / Dr. med. Klaus Hoffmann Bilder: © Cynosure
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