Tattoo Motiv: Tiger


Die schönste aller Raubkatzen

Freilebende Tiger werden immer seltener –  als Tattoo-Motiv ist der Bestand jedoch seit Jahrzehnten stabil

Der Tiger ist einer der Tattoo-Klassiker schlechthin: egal ob als fauchender Tigerkopf im Old-School-Style oder in der ganzen Pracht seiner katzenhaften Geschmeidigkeit in fotorealistischer Darstellung, am Tiger kommt man als Tätowierer eigentlich nicht vorbei.
 

Neo-klassischer Tigerschädel von Adam Hays, Red Rocket Tattoo aus New York.
Neo-klassischer Tigerschädel von Adam Hays, Red Rocket Tattoo aus New York.

In Europa kulturgeschichtlich unbedeutend
Die asiatische Großkatze spielt in der europäischen Kulturgeschichte im Gegensatz zu ihrer afrikanischen Verwandtschaft, dem Löwen, kaum eine Rolle. Aus naheliegenden Gründen: Denn auch wenn weder Löwe noch Tiger in Europa beheimatet sind, war der Löwe allein schon dadurch im europäischen Bewusstsein präsenter, da er mehrfach in der Bibel erwähnt wird. Im antiken Rom, dessen Grenzen bis nach Nordafrika reichten, wurden Löwen für blutige Zirkusspiele in die Arenen des Reiches verfrachtet, wodurch sich das Bild der Raubkatze auch zunächst in Süd-, später im gesamten Europa verbreiten konnte. Tiger dagegen waren bei den brutalen Tierkämpfen zur Belustigung des Volkes extrem selten vertreten. Sie waren einfach zu schwer zu beschaffen. Der Transport aus den Dschungeln Indiens bis nach Rom war viel zu aufwändig und zu kostspielig, während Löwen, Leoparden und andere afrikanische Raubkatzen relativ einfach über das gut ausgebaute römische Handelsnetz importiert werden konnten. Und während Löwen beinahe so etwas wie Massenware in der Arena darstellten, waren Tiger auch im dekadenten Rom so ungewöhnlich, dass das Auftauchen der gestreiften Raubtiere einzeln dokumentiert wurde. Insgesamt waren sie aber viel zu selten, um in die europäische Ikonographie einzusickern, weshalb man heute in Europa dem Löwen als Wappentier ständig, dem Tiger in dieser Funktion aber nie begegnet.

Julian vom Corpsepainter Tattoo aus München fing die Aggressivität des Tigers perfekt ein.Tigerköpfe wie diesen von Han von King of Kings aus dem niederländischen Swalmen findet man schon seit hundert Jahren in den Vorlagenbüchern von Tätowierern.

(links) Tigerköpfe wie diesen von Han von King of Kings aus dem niederländischen Swalmen findet man schon seit hundert Jahren in den Vorlagenbüchern von Tätowierern.
(rechts) Julian vom Corpsepainter Tattoo aus München fing die Aggressivität des Tigers perfekt ein. 


In Asien der König des Tierreichs
In Asien dagegen, wo es keine Löwen gibt, kam als größtem Raubtier logischerweise dem Tiger der Titel des Königs der Tiere zu, weswegen beispielsweise Malaysia den Tiger im Staatswappen trägt. Wirtschaftlich aufstrebende asiatische Länder werden auch gern als »Tigerstaaten« bezeichnet. In unendlich vielen Geschichten, Fabeln und Legenden spiegelt sich in Asien der Respekt und die Furcht vor dem Tiger, aber auch die Bewunderung für seine anmutige Erscheinung wider. Auch in der asiatischen Kunst zeigt sich diese ambivalente Einstellung: Helden wie Gilgamesch wurden mit Tiger ringend dargestellt, die hinduistische Göttin Durga hingegen sieht man manchmal auf einem Tiger reitend. 
In die japanische Kunst gelangten Tigerdarstellungen über China, an dessen Kultur sich Japan über viele Jahrhunderte orientierte. In der chinesischen Räubergeschichte der 108 Rebellen vom Liang-Shan-Moor, die unter dem Titel Suikoden in Japan Verbreitung fand und aufgrund der Beschreibung seiner tätowierten Protagonisten stark zur Verbreitung der Tätowierkunst beitrug, wird auch der Kampf eines dieser Rebellen mit einem Tiger beschrieben, womit dem Einzug des Tigers als Motiv auch in die japanische Tätowierkunst der Wege geebnet war.

 

Kampf der Giganten, von  Alessandro Pellegrini, Deep in  Tattoo aus Portoferraio in Italien.

Kampf der Giganten, von Alessandro Pellegrini, Deep in Tattoo aus Portoferraio in Italien.


Tiger-Teile als Amulette und Zauber-Utensilien

Die Verehrung, die dem Tiger in vielen asiatischen Ländern aufgrund seiner Macht entgegengebracht wurde, wird ihm inzwischen eher zum Verhängnis. Denn der eleganten Raubkatze, die plötzlich wie aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden kann und dazu noch über enorme Kraft, Schnelligkeit und Wendigkeit verfügt, wurden magische Eigenschaften zugesprochen. Um diese vermeintliche Magie des Tigers für sich selbst nutzen zu können, machten Menschen schon seit jeher Jagd auf ihn. Zähne, Knochen, Fell und andere Teile des Tieres werden auch heute noch auf Märkten in Asien zu enormen Summen als zauberkräftige Amulette oder Zutaten für potenzfördernde Zaubermittel gehandelt. Die Anzahl freilebender Tiger hat sich durch solcherlei Aberglauben, aber auch durch die ständige Einschränkung und Abholzung seines natürlichen Lebensraums, enorm reduziert. Man geht heute davon aus, dass kaum mehr als dreitausend der majestätischen Großkatzen noch in freier Wildbahn leben.

Traditionelle Tigerporträts, wie dieses von Will Walas von Stichfreudig aus Olten in der Schweiz, sind oft sehr minimalistisch.

Traditionelle Tigerporträts, wie dieses von Will Walas von Stichfreudig aus Olten in der Schweiz, sind oft sehr minimalistisch.


Ein Motiv mit Exoten-Bonus
Dass der Tiger in den Vorlagenbüchern der Tattoo-Studios dagegen dem Löwen den Rang abläuft, hat er seinem Exoten-Status zu verdanken. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als Tattoos besonders bei Seeleuten verbreitet waren, hatten sie vor allem die Aufgabe eines Souvenirs aus fernen Ländern oder als Beleg für weite Seereisen. Auch wenn beispielsweise das Motiv eines Hula-Mädchens im Baströckchen nicht wirklich auf Hawaii oder Tahiti gestochen wurde, galt es doch als Verweis auf eine Südseereise. In ähnlicher Weise stand der Tiger für Reisen nach Indien, Malaysia oder andere südostasiatische Länder, in denen die Raubkatze beheimatet war. Natürlich wäre unter diesem Aspekt schon der Löwe als Tattoo ein Nachweis für eine Fernreise – aber über den stolperte man ja schon, wenn man nur ein Stück an der Westküste Afrikas runtersegelte. Um ins Reich des Tigers zu gelangen, musste man dagegen – bis zur Eröffnung des Suez-Kanals im Jahr 1869 – die gefährliche Passage um die Südspitze Afrikas auf sich nehmen.

Ein Motiv für jeden Tattoo-Stil
Aus der frühen Zeit der europäischen Tätowiererei ist das Bild des frontalen Tigerkopfes mit weit aufgerissenem Maul überliefert. Nur selten sieht man einen kompletten Tiger im Traditional-Stil. In der japanischen Tätowierkunst sieht man den Tiger in verschiedenen Kombinationen; im Kampf mit Heldenfiguren, in Kombination mit Drachen oder oft auch als eigenständiges Motiv. Für Realistic-Tätowierer stellen Fell, die charakteristische Streifenzeichnung und die Gesichtszüge der Großkatze eine Herausforderung dar, die gelungene Tiger-Tattoos nur umso beeindruckender erscheinen lassen.
Als Tattoo-Motiv muss man sich um den Tiger sicher keine Sorgen machen. Auch wenn er zeitweise mal öfter, mal seltener in der Tattoo-Szene auftaucht, wird er nie aus dem Repertoire der Tätowierer verschwinden. Und vielleicht fasst auch der eine oder andere Tiger-Tattoo-Träger, fasziniert durch die Eleganz und Anmut dieser Tiere, den Entschluss, sich für den Erhalt freilebender Tiger einzusetzen.     


Text: Dirk-Boris
Bilder: Archiv TätowierMagazin




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03.01.2014
Text: Dirk-Boris Bilder: Archiv TätowierMagazin
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Stand:16 November 2019 01:08:24 Warning: fopen(cache/c0112770ca07b3d0e2f661df1e4f0be4.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 163 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 164 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 165