Sexy Pin-ups


Die Darstellung von glamourösen 50er Jahre-Pin-ups und Retro-Girls  zählt seit jeher zu den Klassikern unter den Tattoo-Motiven – gerade unter Rock’n’Rollern stehen die sexy Damen hoch im Kurs. Die Art und Weise, in der die Erotik schöner Frauen in Tattoos zum Ausdruck gebracht wird, hat sich im Laufe der Jahre stark verändert.Soldaten verzierten oft Bomber mit Bildern schöner Frauen – mittlerweile findet man diese Bilder auch als Tattoo-Motive

Tätowierungen verdeutlichen, was dem Träger wichtig im Leben ist. Sie symbolisieren Sehnsüchte und Träume, Ziele und Wertvorstellungen, erinnern an denkwürdige Ereignisse oder zeigen, welchen Stellenwert bestimmte Dinge im Leben des Trägers haben. Viele klassische Tattoo-Motive symbolisieren daher ganz grundsätzliche Werte, Wünsche und Ideale: Tierdarstellungen wie Adler, Tiger oder Schlangen, aber auch mystische Drachen sollen Mut und Kraft des Trägers belegen. Religiöse Symbole, wie das christliche Kreuz, zeigen die Sehnsucht nach Geborgenheit im Glauben. Das Herz, in unzähligen Varianten, steht für das Bedürfnis nach Zuwendung und Liebe. Aber das Bedürfnis nach Liebe, das wohl eine der stärksten Triebfedern im menschlichen Zusammenleben ist, hat sich in der Motivsprache der Tattoos auch immer schon in ganz konkreter Form geäußert, nämlich in der Darstellung des mehr oder meist weniger verhüllten Objekts der – in der Regel männlichen – Begierde, nämlich des weiblichen Körpers.

Möglicherweise waren es die Matrosen, die mit Captain James Cook gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Südseeinseln des Pazifik bereisten, die sich erstmals Abbilder nackter Frauen in die Haut stachen. Nach monate- oder jahrelanger Schiffsfahrt plötzlich auf Tahiti von mehr oder weniger unbekleideten Frauen umringt zu werden, muss den Matrosen tatsächlich paradiesisch erschienen sein. Ihre Erzählungen von diesen freizügigen Zuständen im Südsee-Paradies machten das Motiv des halbnackten Hula-Mädchens im Baströckchen in kürzester Zeit zur gefragten Tattoo-Vorlage in den Häfen der Weltmeere: Wenn auch nicht jedem Seemann das Glück vergönnt war diese Inseln anzusteuern, ließ ihn die tätowierte barbusige Schönheit am Oberarm doch jedenfalls davon träumen …

Glücksspiel und schöne Frauen: Alles, was Männer ins Verderben stürzen kannEbenso wie Seeleute mussten auch Soldaten oft über lange Zeit ohne weibliche Gesellschaft auskommen; Bilder von fotografierten oder gemalten Beauties, in neckisch-verführerischer Pose, sollten insbesondere bei den amerikanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg die Moral der Truppe stärken und Ablenkung vom harten Kriegsalltag bieten. Pin-up-Girls fanden so als Poster Eingang in die Spinde der Soldaten oder wurden kunstvoll auf die Schnauzen der Jagdbomber gepinselt. Und wem die lasziven Schönheiten noch nicht nah genug waren, der ließ sie sich bei nächster Gelegenheit als Tattoo in die Haut stechen, um die weibliche Unterstützung auch im Schlachten-Getümmel ganz nah bei sich zu wissen.

Doch nicht nur Positives wurde mit dem archetypischen Bild der nackten oder halbnackten Frau verbunden; im klassischen Tattoo-Motiv „Man’s Ruin“ sind verschiedene Dinge dargestellt, die das Leben eines Mannes zerstören können; meist sind das Alkohol, dargestellt durch eine Flasche Whisky oder auch ein Cocktailglas, Spieler-Utensilien wie Würfel und Karten und nicht zuletzt das Abbild einer schönen Frau. Ganz ernst gemeint ist dieses Motiv wahrscheinlich nicht wirklich, denn die meisten Männer lassen sich nur zu gern von Glücksspiel, Whisky und schönen Frauen an den Rand des Ruins führen. Auch in vielen erotischen Engelchen- / Teufelchen-Darstellungen wird die Ambivalenz deutlich, mit der Männer schönen Frauen gegenüberstehen; die kurvenreichen Beauties sind schön, verführerisch, begehrenswert – und eben dadurch auch gefährlich.

Das Pin-up-Thema lässt sich auch problemlos auf andere Szenen und Styles übertragen Und so unterschiedlich Frauen und die Vorlieben von Männern sind, so unterschiedlich sind auch die Tattoo-Motive, die sich daraus ergeben; vom klassischen Aktbild über Comic-artige Darstellungen (die wiederum von erotisch bis abgedreht reichen können), bis zu Szene-typischen Darstellung von Skinhead-Girls und Biker-Babes. Auch die Erotik tätowierter Frauen findet immer öfter Einzug in die Gestaltung entsprechender Pin -up-Tattoos; nicht wenige tätowierte Darstellungen nackter Frauen zeigen wiederum Tattoos auf den Körpern der Ladies, wobei die Motive oft eindeutig auf die erotische Komponente der Tattoos abheben. Da beißen Drachen in Brust-
warzen und Dolche stecken in Blüten, die an unzweideutiger Stelle platziert sind.

Verspielte Andeutungen statt nackter Tatsachen: Die Pin Up-Klassiker der 50er Jahre erfahren heute ein ComebackHeute bestehen all diese Stile neben-einander: Porn-Style Tattoos, 50ies Pin-ups, Manga-Girls, Hot Rod-Babes und Devil-Chicks. Denn über Geschmack lässt sich beim Thema Frauen kaum streiten – und in der Tattoo-Szene kann dank der großen stilistischen Bandbreite jeder nach seiner Façon selig werden! Unzweideutig scheint auch die neue Richtung zu sein, in die sich erotische Tattoo-Motive entwickeln; viele lassen an Eindeutigkeit nichts mehr zu wünschen übrig, manche scheinen aus Porno-Filmen entnommen zu sein – die fotorealistische Tätowiertechnik lässt mittlerweile auch die Darstellung intimster Details zu.

Doch wo Fantasie und subtil angedeutete Erotik durch anatomiebuchartige Bilder ersetzt werden, bleibt oftmals das Knis-tern sexueller Spannung auf der Strecke. Meister des Pin-up-Genres, wie Gil Elvgren oder Alberto Vargas, vermochten es in den 40er bis 60er Jahren in ihren Bildern von schönen Frauen erotische Spannung zu erzeugen, selbst wenn die dargestellten Ladies komplett bekleidet waren. Eine zufällig erscheinende Geste, ein frecher Blick wirkt in ihren Bildern oft anzüglicher und erotischer als die „full frontal nuditiy“ – Darstellungen von heute, die teilweise schon ins Pornografische abdriften.

Text: Dirk-Boris Rödel
Bilder: Archiv Tätowiermagazin




24.09.2012
Text: Dirk-Boris Rödel Bilder: Archiv Tätowiermagazin
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tattoo motive

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