Ratgeber: Top oder Flop? So beurteilst du Tattoos


Die technische Ausführung eines Tattoos zu beurteilen, ist gar nicht so schwer. TattooStyle hat die wichtigsten Kriterien zusammengestellt, wie du anhand von Tattoo-Fotos erkennst, ob der Tätowierer sein Handwerk beherrscht. So erkennen auch Tattoo-Neulinge die häufigsten Tattoo-Fehler!


Flächen und Spitzen
Nach wie vor sind Tribals typische Anfängertattoos, und das im doppelten Sinne: Sowohl Tätowier-Lehrlinge als auch Tattoo-Neulinge wagen sich an diese Motiv-Gruppe. Und das ist auch vollkommen in Ordnung. Auch Anfänger können Tribal sauber stechen, und – falls doch was schiefgeht – können diese vom Chef zumindest zum Teil nachgebessert werden. Wenn ihr euch die Tribal-Arbeiten eines Tätowierers anschaut, achtet auf drei Dinge. Erstens: Die einzelnen, meist geschwungenen oder gebogenen Elemente dürfen sich nicht berühren, sondern sollten einen ausreichend großen und gleichmäßigen Abstand zueinander haben. Zweitens: Die Außenlinien müssen gleichmäßig durchgezogen sein und drittens die Flächen satt mit Schwarz ausgefüllt. Korrekturen sind bei der Fläche im Nachhinein möglich, krakelige Außenlinien und stumpfe Spitzen lassen sich zum Teil auch noch korrigieren. Problematisch sind vor allem Elemente, die zusammenstoßen, dann wird es mit der Korrektur schwieriger. 
 
Abgesehen vom ästhetischen Aspekt der Tribal-Tätowierung ganz links (tätowiert von Petra, Alpha Tattoo, on the road), sieht man auf Anhieb auch die handwerklichen Unterschiede. Die Abstände zwischen den Bildelementen sind großzügig und gleichmäßig, die Rundungen harmonisch ausgeführt und die Spitzen auch als solche zu bezeichnen. Im Vergleich das Rosen-Tribal daneben: Die Außenlinien sind nicht durchgezogen, die Spitzen knubbelig, die schwarze Fläche weist Lücken auf.
Flächen und Spitzen sind sauber ausgearbeitet Flächen und Spitzen sind nicht sauber ausgearbeitet


Motive
Vor dem Tattoo-Termin muss man sich unbedingt das Portfolio des jeweiligen Tätowierers ansehen. Niemand sollte akzeptieren, dass der Shopmanager dem Kunden einen Tätowierer zuteilt. Beim Betrachten der Arbeitsproben reicht es nicht aus, wenn das Motiv zu identifizieren ist. Bei realistischen Tattoos ist die Referenz das Original. In der Regel hat man natürlich kein Bild einer Raubkatze oder eines Hundes dabei, aber man weiß ja aus der Erfahrung, wie diese Tiere ausehen. Selbst wenn man nicht genau sagen kann, was anatomisch falsch dargestellt wurde, so merkt man, wenn die Proportionen nicht stimmen.  Übrigens unterliegen auch Fantasyarbeiten wie Drachen und Elfen anatomischen Gesetzen und kein Tätowierer kann sich hier auf die »künstlerische Freiheit« berufen, wenn die Flügel ungleichmäßig und verkrüppelt abstehen und die Elfe an Hüftdysplasie leidet.
     
 


Schattierungen
Das Feintuning einer jeden Tätowierung sind die Schattierungen. Sauber ausgeführt hauchen sie dem Motiv erst Leben ein und lassen es dreidimensional und realistisch wirken. Im Idealfall verlaufen sie samtig und weich, die Farbabstufungen im Grau sind nicht zu sehen. Vor allem aber muss der Tätowierer festlegen, von wo das Licht einfällt und diese Perspektive dann auch beibehalten.
 

Samtig sollten die Schatten sein und natürlich auch durchgängig richtig gesetzt: so entsteht Plastizität. So wie bei den Betenden Händen von Ole Kröger aus dem Original Tattoo (Lübeck).

Die künstlerische Freiheit endet dort, wo anatomische Grundregeln gefordert sind – das gilt auch für Fantasymotive! 	Künstlerische Freiheit endet spätestens dann, wenn anatomische Grunderfordernisse nicht eingehalten werden.  Samtig sollten die Schatten sein und natürlich auch durchgängig richtig gesetzt: so entsteht Plastizität. So wie bei den Betenden Händen von Ole Kröger aus dem Original Tattoo (Lübeck).


Linien
Linien sind das A und O einer guten Tätowierung, sie sollten gleichmäßig und nicht krakelig ausgeführt sein und keine Lücken aufweisen. Beim obenstehenden Baby-of-Hell hat das nicht geklappt. An den Verdickungen sieht man genau, wo der Tätowierer neu angesetzt hat. Nicht zu verwechseln mit Powerlines, also ganz bewusst sich verjüngende bzw. verdickende Linien, die die Dynamik des Motivs unterstützen. Immer darauf achten, dass der Anschluss einer Linie oder eines Bildelements nach einer Lücke sinnvoll weitergeführt wird.
 

Baby of Hell: Der Tätowierer schaffte es nicht, die Maschine länger als einen Zentimeter durchzuziehen, bevor er wieder ansetzen musste. Alle weiteren Worte über dieses Tattoo sind überflüssig.

Der Tätowierer schaffte es nicht, die Maschinen länger als einen Zentimeter durchzuziehen, bevor er wieder ansetzten musste.  


Kontraste
Kontraste – das Zauberwort schlechthin. Tattoos sollen nicht flau und blässlich wirken, sondern plastisch und deutlich auf dem Körper stehen. Gerade bei Black-and-Grey-Tattoos, insbesondere Porträts, sieht man häufig Arbeiten, die diesem Anspruch nicht gerecht werden. Aber nur, wenn der Tätowierer das ganze Spektrum von Schwarz bis zu Hellgrau einsetzt, und zwar der Logik des Motivs folgend, ensteht ein dreidimensionales Bild. Das geht so weit, dass das frisch gestochene Tattoo anfänglich sogar zu dunkel wirkt.
 

Der Schädel links ist natürlich eine Katastrophe. Aber selbst wenn das Motiv nicht so verhauen wäre wie dieses, sieht man auch an besseren Exemplaren, dass die Grauwerte ähnlich blass ausfallen und das Tattoo keine Tiefe hat. Anders beim Schädel daneben: Der Logik des Motivs folgend, hat Daniel Symanski (Stechwerk Tattoo, Wuppertal) die optischen Tiefen wie die Augenhöhlen und Schläfenbein dunkel ausgearbeitet. Durch den schwarzen Hintergrund wirkt das Motiv noch plastischer.

Der Schädel links ist natürlich eine Katastrophe. Aber selbst wenn das Motiv nicht so verhauen wäre wie dieses, sieht man auch an besseren Exemplaren, dass die Grauwerte ähnlich blass ausfallen und das Tattoo keine Tiefe hat.  Der Logik des Motivs folgend, hat Daniel Symanski (Stechwerk Tattoo, Wuppertal) die optischen Tiefen wie die Augenhöhlen und Schläfenbein dunkel ausgearbeitet. Durch den schwarzen Hintergrund wirkt das Motiv noch plastischer.



Text: Heide
Bilder: TattooStyle Archiv




19.10.2013
Text: Heide Bilder: TattooStyle Archiv
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