Werner Businger


»Tattoos sind für den Kunden – nicht für das Ego des Tätowierers«

Werner Businger eröffnete in Chur sein eigenes Studio

Seit Januar 2013 besitzt er seinen eigenen Laden: Old Century Tattoo hat Werner Businger einen neuen Energieschub gebracht, wie er sagt. Dabei war er schon in Rob Koss’ XXX-Tattoo in Luzern spitze, wenn es um Neo-Traditionals ging. Im schweizerischen Chur kann er sich jetzt noch freier entfalten.

Werners Ziel nun: seine Tattoos  reduzierter, einfacher zu gestalten
Werners Ziel nun: seine Tattoos reduzierter, einfacher zu gestalten.

Manchmal bekommt man im Leben eine echt große Chance. Für den gelernten Motorradmechaniker Werner Businger, heute 31, war es, fest in Rob Koss’ berühmtem XXX-Tattoo in Luzern arbeiten zu dürfen. Er hat sie sich nicht entgehen lassen und ist Rob für die sechs Jahre sehr dankbar: »XXX war der Startschuss, kreativer zu werden«, erzählt Werner an einem Sonntagnachmittag in seinem schönen neuen Studio im Schweizer Alpenstädtchen Chur, südlich von Liechtenstein. »Wie Rob Glanzeffekte aufbaut, wie er mit Farbkombinationen umgeht«, schwärmt Werner, lobt aber auch den damaligen XXX-Tätowierer Sören Sangkuhl, der ihn in Sachen Japan-Style inspirierte. Warum dann der Schritt, einen eigenen Laden im weit entfernten Chur zu eröffnen?


Die Inhalte von Werners Motiven sind in Sekundenschnelle erfassbar.

Tattoos in der Handfläche sind technisch sehr anspruchsvoll und benötigen manchmal mehrere Sitzungen zur Nachbearbeitung, bis die Farbe drin bleibt.  


Chur: The place to be


Vor allem zwei Gründe haben Werner dazu bewogen, ihn zu gehen. »Schon immer wollte ich einen eigenen Shop. Das ist für meine persönliche Entwicklung wichtig«, hat er erkannt. Der Schritt nach Chur ergab sich logisch aus seiner engen Bindung an Familie und alte Freunde, denn Werner stammt aus der 40.000-Einwohner-Stadt mit sechs Tattoostudios. »Aus Respekt vor Rob habe ich mein Studio nicht in Luzern aufgemacht.« Zürich, die größte Stadt der Schweiz, hätte ihm gefallen, »aber da gibt es schon so viele Studios«. Zudem ist Werner kein Großstadtmensch. Berlin, the place to be für viele namhafte Tätowierer, hätte Werner, der seit rund neun Jahren tätowiert, überhaupt nicht gereizt. Nun sitzt Businger ganz alleine in der Tittwiesenstraße, was ihn amüsiert, der erotischen Assoziationen wegen, die fast jedem bei diesen beiden Wörtern in den Sinn kommen. In der Tittwiesenstraße ist Werner auch aufgewachsen. »Die Jungs von XXX vermisse ich schon«, gibt er zu. Dafür schauen hier in seiner Heimatstadt regelmäßig Kumpel von früher vorbei. Diese sozialen Kontakte sind ihm neben seiner Freundin Ramona sehr wichtig. Haben die Freunde den Laden verlassen, herrscht wieder paradiesische Ruhe im Old Century Tattoo – vom Surren der Tätowiermaschine einmal abgesehen. »Gerade, wenn es ums Tätowieren geht, genieße ich es, mich gut konzentrieren zu können. Das geht alleine mit dem Kunden im Raum besser.«

Persönlichkeit muss ins Tattoo! Wie bei diesem adretten Fuchs mit Pfeife und Monokel.
Die Inhalte von Werners Motiven sind in Sekundenschnelle erfassbar.


Extravagant à la swiss

Wer Werner trifft, erlebt einen bescheidenen, durch und durch freundlichen, sehr höflichen und ausgeglichenen Tätowierer, dessen fett und wunderschön von Chriss Dettmer tätowierte Handrücken dieser Ausstrahlung
das gewisse Etwas verleihen. Ein Schweizer eben – die flippen kontrolliert aus. Wenn extravagant, dann aber gediegen.
Man nimmt es Werner ab, wenn er sagt: »Ich bin schon ein Menschenfreund. Ich interessiere mich auch für die Geschichten meiner Kunden.« Aus manchem von ihnen ist im Laufe der Jahre ein Freund geworden. Einer, der dann schon einmal für ein TM-Fotoshooting extra von Bern nach Chur reist, über zwei Stunden lang. Hinterher sitzt Werner mit den von ihm Tätowierten noch in einer Kneipe gemütlich zusammen. Bodenständiger als er lässt sich ein herausragender Tattookünstler schwer denken. »Für viele Tätowierer ist dieses Rockstar-Ding so wichtig geworden«, moniert er die Starallüren so mancher Kollegen. »Tattoos sind für die Kunden da, nicht für das Ego der Tätowierer.«

 

Auf überflüssige Details und zu viele Farben verzichtet Werner mittlerweile. So wirken seine Tätowierungen noch plakativer.

Auf überflüssige Details und zu viele Farben verzichtet Werner mittlerweile. So wirken seine Tätowierungen noch plakativer.    


Inspiration Chriss Dettmer

Kaum ein anderer Tätowierer aus der großen Gruppe der (Neo-)Traditionalisten erfährt über alle Stilgrenzen hinweg so viel Anerkennung und Respekt wie der Hamburger Chriss Dettmer. Nicht nur für Werners Handrücken war er prägend. »Er bedeutet für mich eine große Quelle der Inspiration und ist richtig nett. In Deutschland bringt er das Tätowieren wirklich auf den Punkt«, lobt Werner und fügt hinzu: »Wie bei ihm sind auch bei mir die Tattoos nicht mehr so bunt wie früher. Aber sie wirken noch verspielter als bei Chriss.« Freilich bekennt sich Werner auch zu anderen Vorbildern unter den Tätowierern, nicht zuletzt zu Rob. Werners Ziel nun: seine Tattoos reduzierter, einfacher zu gestalten. »Ich versuche, Motive größer zu machen, mehr aufzuräumen, nicht hundert Dinge außen herum zu platzieren.«

Trendmotiv Tier

Ein Glück, dass Werner Tiere mag, denn die sind gerade auch bei seinen Kunden Trendmotiv Nummer eins. Quentin, 21, aus Luzern, hat von Werner eine Eule mit weit ausgebreiteten Schwingen als Chestpiece. Sehr plakativ! Dazu ließ er sich Fuchs und Hase auf die Vorderseiten seiner beiden Oberschenkel stechen. Modisch angezogen, unter anderem mit Hut und Zylinder. »Tiere in Anzügen gab es schon in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Werbung«, weiß Werner. Sein 28-jähriger Kunde Sascha aus Zürich ließ seine Brust ebenfalls mit einer fliegenden Eule dekorieren. Auch die Brust des Grafikers Adrian, 22, aus Bern, schmücken Flügel. Bei ihm tragen sie ein Herz mit einer Uhr darin. »Ich empfehle den Kunden, sich mal was anderes tätowieren zu lassen. Nicht das, was man bei Freunden oder in der Badeanstalt schon gesehen hat«, sagt Werner.
Lässt er Revue passieren, was er in der zurückliegenden Woche in Haut gestochen hat, überwiegen freilich die beliebten Motive. Doch auch aus denen lässt sich etwas künstlerisch Originelles machen: »Einen Eisbären im Anzug, der rappt, habe ich koloriert, auf einer Brust eine Sanduhr mit Flügeln fertig gestellt. Dann waren da noch eine Rose und die Ergänzung eines Tribals mit Rose und Naturelementen. So geht das Tribal sozusagen im anderen unter, ohne gecovert zu sein. Außerdem habe ich an einem Backpiece weitergearbeitet. Das Thema ist ›Reise‹, dargestellt mittels Weltkugel, Koffer und einer Maske aus Bali.«

Hier sind Werners Arbeiten noch vielfarbig und stark detailliert. In Zukunft will er sie aber stärker vereinfachen

Hier sind Werners Arbeiten noch vielfarbig und stark detailliert. In Zukunft will er sie aber stärker vereinfachen.


Immer besser werden

Kaum zu glauben, dass Werner ein Jahr zuvor ein echtes Tief hatte, wie er formuliert. »Ich hatte das Gefühl, ich bleibe stehen. Jetzt, mit dem neuen Laden, erfahre ich gerade einen neuen Energieschub. Es ist schwierig, sein einmal erreichtes Niveau zu halten. Bei vielen sackt es irgendwann ab.« Auch da sind ihm Leute wie Rob oder Chriss Dettmer Vorbilder: im Bestreben, immer noch besser zu werden. Nun im Old Century Tattoo voll und ganz zuhause, will sich Werner wieder mehr dem Malen widmen. Zudem lockt ihn seine Werkstatt unter dem Laden: »Ich will wieder Spulenmaschinen bauen, denn ich hantiere gerne mit Metall.«

So richtig angekommen

Keine Frage, Werner ist im Tätowieren und in seinem Leben so richtig angekommen. Doch natürlich geht es insbesondere in den Dörfern rund um Chur sehr ländlich zu, einen Typ mit tätowierten Handrücken gibt’s da sonst nur im Fernsehen. »Mit den Blicken muss man leben, das gehört dazu, wenn man stärker tätowiert ist«, sagt Werner und lächelt freundlich. Die Leute aus dem zentralen Haus der Kirchengemeinden, in dem sein Vater als Hauswart arbeitet, hat er eh auf seiner Seite. »Auf dem Oberarm meines Vaters habe ich eine Kombination aus den Wappen seiner Familie und der meiner Mutter tätowiert. Auch das Vorstandsmitglied einer Kirchengemeinde hatte ich schon unter den Nadeln. Die Leute hier sind easy drauf.«
Klar, dass jemand wie Werner schnell ausgebucht ist. »Für Tattoos, für die ich nur eine Sitzung brauche, ist immer mal eine Lücke frei«, macht er Interessenten Hoffnung. »Ansonsten gibt es Termine für 2014.«


 

KONTAKT

Old Century Tattoo
Werner Businger
Tittwiesenstr. 61
7000 Chur, Schweiz
Tel.: 0041-79-586-76-66

www.oldcenturytattoo.com
info@oldcenturytattoo.com
 






Text: Volker Müller-Veith
Bilder: Volker Müller-Veith, Werner Businger




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10.01.2014
Text: Volker Müller-Veith Bilder: Volker Müller-Veith, Werner Businger
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Stand:18 July 2018 20:35:15