Time Travelling Tattoo


Black, Bold, Beautiful

Mit seinem niederbayrischen Time Travelling Tattoo in Landshut darf Gerd als einer der bedeutenden europäischen Vertreter des Blackwork-Stils gelten. Zu ihm kommen Menschen, um ihr Leben zu verändern. 
 

 Das Time-Travelling-Team von  hinten links nach vorne rechts: Lehrling Roland, Gerd, Chris und Ela 
 Das Time-Travelling-Team von  hinten links nach vorne rechts: Lehrling Roland, Gerd, Chris und Ela 


In der »Tattoo Family« angekommen 
Wer glaubt, in Landshut in eine Art Tattoo-Diaspora zu kommen, irrt. Sieben Tattoostudios gibt es in der 65.000-Einwohner-Stadt, weiß Tätowierer Gerd Wiesbeck, 38, Inhaber des für seine Blackwork-Tattoos berühmten »Time Travelling Tattoo«. Wenn er im Sommer durch die Stadt geht, stellt er fest: »Hier sieht man mehr Tätowierte als in der Millionenstadt München.« Alles, was da an bunter Haut durch die Bilderbuch-Altstadt flaniert, kann eindeutig nicht von Gerd stammen. Denn sein Metier waren, sind und bleiben dekorativ arrangierte massiv-schwarze Flächen: black, bold and beautiful. Das, was sein 27-jähriger Kollege Christian sticht, lässt sich ebenfalls nicht unter »bunte Haut« einordnen. Handgestochenes, gerne dem Zeitgeist folgend nette Kleinigkeiten an Händen und Fingern, beschäftigt ihn im Moment vor allem, neben Piercings und Cuttings. »Mit Hand zu tätowieren, ist etwas sehr Spirituelles«, betont er. Doch das Bunte könnte auch von Ela, 27, sein, falls da schönste Neo Traditionals unterwegs sind. Die Schweizerin mit Hand- und Halstattoos von Lars-Uwe gehört seit drei Jahren zu »Time Travelling«. Sie möchte hier nicht mehr weg, nicht nur weil Christian ihr Freund ist. »Ich fühle mich wie angekommen«, sagt sie, »das hier ist Familie. So etwas habe ich in anderen Studios nicht erlebt.« Verantwortlich dafür wird wohl Gerd sein. Sich in den Vordergrund zu drängen, ist ihm völlig fremd: »Ich will unser Kollektiv präsentieren«, sagt er, »wir sind privat sehr miteinander verbunden, funktionieren als Team.« Dazu gehört seit einem Jahr auch Tätowierlehrling Roland, aus der Graffiti-Szene kommend (in München hatte er einen Laden für Graffiti-Sprayer), und Sascha der Black- und Dotwork sticht. Letzterer ist Medienauftritten ganz und gar abgeneigt. Bewusst bleibt er dem TM-Termin fern.

Unglaubliche Dynamik: Wie ein schwarzer Fluss fließen die dunklen Formen über den gesamten Arm.

Unglaubliche Dynamik: Wie ein schwarzer Fluss fließen die dunklen Formen über den gesamten Arm. 


The power of black 

Den Fokus vor allem auf Gerd zu richten, lässt sich trotz der bescheidenen Zurückhaltung seines Egos nicht vermeiden. Denn so viele fähige Vertreter des Neo Traditional es inzwischen auch gibt, so spärlich sind die echten Blackwork-Könner gesät. Genau genommen kann man sie in Deutschland an den Fingern einer Hand abzählen. Zwei von ihnen stammen aus einem stilprägenden Berliner Studio: Yvonne und Hannes von »Blut & Eisen«. Großen Respekt empfindet Gerd, wenn er die von blankem Mauerwerk dominierten hohen Räume in der inzwischen leider arg trendigen Alten Schönhauser Straße in Berlin-Mitte betritt, regelmäßig zum gastweisen Tätowieren. »Blackwork ist eigentlich ein deutsches Ding«, erklärt der gelernte Metallbauer aus Oberbayern Wurzeln und Wesen dieses Tätowierstils, der die Ausstrahlung eines Körpers brachial verändert. Große Flächen braucht er, sehr große. Am besten den ganzen Körper. »Es hat mit den 1920er Jahren zu tun, mit der Geradlinigkeit von Art déco. Es wirkt sehr funktionell, schlicht, richtig kühl.« Ein Ausdruck von Männlichkeit? »Ja«, meint Gerd, »Yvonne ist eine Ausnahme.« Sie sticht nicht nur Blackwork, sie ist auch selbst entsprechend tätowiert. Eine echte Persönlichkeit. »Yvonne gehört zu den Mitbegründern von Blackwork. Ihr Studio hat den Stil mehr in die deutsche Formensprache übersetzt, mit kühleren Formen« – verglichen mit original tribalen Tattoos. Vor knapp eineinhalb Jahrzehnten haben Hannes, Gerd und sein Kumpel Patrick Hüttlinger ziemlich zur gleichen Zeit begonnen, die Formensprache der Bold-Black-Tattoos für sich zu erkunden und führen sie nun zu neuen Höhen.
 
Ein Bodysuit ist für Gerd das höchste der Gefühle.
Ein Bodysuit ist für Gerd das höchste der Gefühle.


Stupide und meditativ 

Höhen, die nicht leicht zu erklimmen sind. Schwarze Flächen zu tätowieren, das kann doch keine große Kunst sein. Denkste! »Technisch ist es sehr schwierig«, führt Gerd aus. »Die Herausforderung besteht darin, homogene Flächen hinzukriegen. Schwarz hat zu Haut einen so hohen Kontrast, dass man Fehler gleich sieht, jeden Flecken.« Zudem seien bei Blackwork die Verletzungen innerhalb kurzer Zeit so groß, dass der Körper beim Abheilen oft Schwierigkeiten macht. Nacharbeiten ist also erlaubt. »Außerdem muss der Kunde sein Tattoo penibel pflegen, damit das Ergebnis stimmt.« Auch für den Tätowierer gilt es, langen Atem zu bewahren, das Ziel vor Augen. »Ja, Blackwork zu tätowieren ist stupide. Es ist aber auch meditativ, genauso wie Dotwork.« Weil Gerd auf diese Weise gerne meditiert und dabei meisterhafte Werke entstehen, pilgern inzwischen Kunden aus dem gesamten deutschsprachigen Raum plus Italien und Großbritannien nach Landshut, nicht den Lifestyle Lederhose und Dirndl im Sinn, sondern die große Kunst, Haut schön schwarz zu machen. Oft werden dabei ältere bunte Tattoos großflächig gecovert: »Meine Kunden sind Menschen, die ihr Leben ändern wollen.« Blackwork ist ein Ausdruck davon.

 

Knallt wie Sau: Schwarz, Schwarz und nochmal Schwarz.

Knallt wie Sau: Schwarz, Schwarz und nochmal Schwarz. 


Eine Schweizerin und ihre Mädels 
Elas viele Kundinnen werden wahrscheinlich niemals zu Gerds Cover-up-Kandidaten wechseln – nicht nur, weil eher Männer auf bold und black stehen. »Ich bin verblüfft, wie schnell ich hier als Tätowiererin angenommen wurde. Meine Mädels fühlen sich bei mir sehr wohl.« Die Neo Traditionals der jungen Schweizerin sind aber auch zu schön. »Man kann das Rad nicht neu erfinden«, gibt Ela zu. Eine Erkenntnis, die bei ihr nicht zu Selbstgenügsamkeit führt: »An meiner Arbeit erwarte ich mir noch einiges mehr.« Für  Input und Anregungen sorgt bei ihr, wie bei so vielen Tätowierern aktuell auch, das riesige Foto-Angebot vor allem auf Instagram. Dass ihr in Landshut der direkte Austausch mit anderen Traditional-Künstlern fehlt, stört sie nicht. Inspirationen sucht sie, direkte Beeinflussung nicht. Wozu also am Ende gar dem anhaltenden Berlin-Hype folgen und in die deutsche Metropole ziehen? »Ich bin ein Schweizer Mädel«, lacht sie, »für mich ist Landshut schon Großstadt.«  

 Derart symmetrisch auf dem menschlichen Körper zu tätowieren, ist wohl nur echten Könnern vorbehalten. 

 Derart symmetrisch auf dem menschlichen Körper zu tätowieren, ist wohl nur echten Könnern vorbehalten. 


Stadt und Land 

Gerd sieht das ganz ähnlich: »Ich bin ein Landei, in Oberbayern groß geworden. Ich mag das Grün hier überall, mag die Ruhe.« Natürlich weiß er auch Berlin zu schätzen und erkennt an, dass Blackwork eine urbane Ausstrahlung hat. Doch um diese zu schaffen, muss man sich nicht selbst der Anonymität und Kühle einer Weltstadt aussetzen. Gerds Kunden reisen auch gerne ins beschauliche Landshut. Im Oktober vereinbart er wieder Termine, dann für 2014. Wer allerdings plant, sich von ihm einen Bodysuit stechen zu lassen, kommt eventuell schon eher zum Zuge: »Ein Bodysuit ist einfach die höchste Liga. Was kann es Größeres geben, als wenn dir jemand seinen ganzen Körper anvertraut?


 

KONTAKT

Time Travelling Tattoo
Altstadt 365
84028 Landshut

Tel.: 0871-97 40 888
www.timetravellingtattoo.com
tattoo@timetravellingtattoo.com
 






Text: Volker Müller-Veith
Bilder: Time Travelling Tattoo und Volker Müller-Veith




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24.09.2013
Text: Volker Müller-Veith Bilder: Time Travelling Tattoo und Volker Müller-Veith
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Stand:18 July 2018 20:34:45