Realistic von Rich Pineda


Rich Pineda vom Liquid Tattoo in Yucca Valley, Kalifornien, sticht Realistic-Tattoos auf den Spurean von Nikko Hurtado. Inspirieren lässt er sich vom Leben und alles, was ihn umgibt. Am liebsten zeichnet und tätowiert er Schädel und Frauengesichter.

Rich Pineda ist lieber in der Wüste unter Geiern als bei den Fischen am Strand.
Rich Pineda ist lieber in der Wüste unter Geiern als bei den Fischen am Strand.


Woher kommst du?
Ich wuchs in South Bay in Südkalifornien auf. Zurzeit lebe ich in Yucca Valley in Ka-lifornien.

Was gefällt dir daran, so nah an der Wüste zu leben?
Die Szenerie hier ist einfach großartig und man hat hier so viel Platz im Vergleich zu Großstädten. Außerdem ist es einfach schön und inspirierend hier.

Wie hast du das Zeichnen gelernt?
Ich habe schon im Kindesalter damit angefangen. Ich würde also sagen, dass ich es mir selbst beigebracht habe. Ich ging für eine Weile auf eine Kunstschule, aber bin dann rausgeflogen.

Eindrucksvoller Hai, der direkt auf den Betrachter zuzuschwimmen scheint. Tattoo von Rich Pineda.More Money, more Problems. Breaking-Bad-Ikone Walther White weiß nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Tattoo von Rich Pineda.
(l) More Money, more Problems. Breaking-Bad-Ikone Walther White weiß nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. (r) Eindrucksvoller Hai, der direkt auf den Betrachter zuzuschwimmen scheint.


Was sind deine größten Einflüsse in der visuellen Kunst?
Den größten Einfluss in Sachen klassischer Kunst hat auf mich Caravaggio und in Sachen moderner Kunst ist es Drew Struzan. Ich liebe es einfach wie Drew seine Kunst visuell komponiert.

Was inspiriert dich?
Ich bin ein Realistic-Künstler, von daher inspiriert mich das Leben und alles, was mich umgibt. Um genauer zu sein, würde ich sagen, ich zeichne und tätowiere sehr gerne Schädel und Frauengesichter.
 

Verträumter Blick, Blut verschmierter Mund. Richs Motive sind oft vielschichtig. Walt Disneys Maleficent trat das erste Mal 1959 im Zeichentrick »Sleeping Beauty« in Erscheinung.
Grüner Lidschatten im Kontrast zu dunkelrotem Lippenstift, dazwischen verzichtet Rich auf allzu viel Effekte und erreicht genau dadurch eine starke Wirkung.
(l) Aus Papier gefaltete und tätowierte Maus. (r) Einige Designs erinnern an Mandalas, doch die Formen sind nicht einfach Kopien traditioneller Muster. (m) Walt Disneys Maleficent trat das erste Mal 1959 im Zeichentrick »Sleeping Beauty« in Erscheinung. (r) Grüner Lidschatten im Kontrast zu dunkelrotem Lippenstift, dazwischen verzichtet Rich auf allzu viel Effekte und erreicht genau dadurch eine starke Wirkung.


Hast du diese Motive auch schon als Kind gezeichnet?
Als Kind habe ich eher Skate- und Punkzeug gemalt.

Wer hat dein erstes Tattoo gestochen und wer dein bisher letztes?
Mein erstes Tattoo stammt von einem Tätowierer namens K, er stach mir meinen Nachnamen auf den unteren Rücken. Ich war 15 und es wurde in Ks Wohnzimmer gestochen, was ich niemandem empfehlen würde, der sich sein erstes Tattoo stechen lassen will. Aber diese Erfahrung habe ich eben gemacht. Ich habe mich eine Zeit lang nicht tätowieren lassen, aber kürzlich drei neue Tattoos von Matt Hurtado, Carlos Rojas und Nikko Hurtado bekommen.

Bist du zum Tätowierer ausgebildet worden? Wie hast du angefangen?
Ich hatte definitiv nicht das, was manche als traditionelle Ausbildung bezeichnen.?Ich habe Menschen beobachtet, viele Fragen gestellt und mir viele Videos angesehen.

»We can?t stop here. This is Bat-Country!« Johnny Depp als Hunter S. Thompson in der Drogeneskapade »Fear and Loathing in Las Vegas«. Der Zeitreisende Marty McFly aus dem Klassiker »Zurück in die Zukunft, Teil 3«. Gespielt von einem der sympathischsten Schauspieler der Welt: Michael J. Fox. Die amerikanische Schauspielerin Liz Taylor war ganze acht Mal verheiratet.
(l) Die amerikanische Schauspielerin Liz Taylor war ganze acht Mal verheiratet. (m) Der Zeitreisende Marty McFly aus dem Klassiker »Zurück in die Zukunft, Teil 3«. Gespielt von einem der sympathischsten Schauspieler der Welt: Michael J. Fox. (r) »We can‘t stop here. This is Bat-Country!« Johnny Depp als Hunter S. Thompson in der Drogeneskapade »Fear and Loathing in Las Vegas«. 


Wann hast du angefangen Realistic-Tattoos zu stechen und wie hat dir deine erste Arbeit gefallen?
Ich stach mein erstes Realistic-Tattoo über das Tattoo, das ich als zweites bekommen hatte, um zu sehen, ob es mir gefallen würde. Es gefiel mir und ich war sehr überrascht davon und sehr glücklich damit.

Wie würdest du deinen Style heute beschreiben?
Ich steche Realismus mit einer sauberen Schärfe. Ich liebe es viele gedeckte Farben zu benutzen, um die Tattoos so realistisch wie möglich und mit einem künstlerischen Touch zu gestalten.

Wer sind deine typischen Kunden?
Den typischen Kunden gibt es nicht, was eines der coolsten Dinge an meinem Beruf ist, denn du hast jeden Tag einen anderen Kunden. Ich habe Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensläufen tätowiert: Grundschullehrer, Geschäftsleute, Hausfrauen, sogar Menschen die über 70 sind.

Gibt es Motive, die du nicht stichst?
Rassistische oder taktlose Motive in Bezug auf Religionen steche ich nicht. Jeder hat das Recht auf seine eigenen Meinung, ich verstehe das, aber ich tätowiere nichts Negatives oder Hasserfülltes.

Die Maske des Slipknot-Sängers Corey Taylor erstrahlt im bunten Licht der Bühnenscheinwerfer.
Mahnung an die Vergänglichkeit von Schönheit, akzentuiert durch schimmerndes Orange und Magenta.
(l) Die Maske des Slipknot-Sängers Corey Taylor erstrahlt im bunten Licht der Bühnenscheinwerfer. (r) Mahnung an die Vergänglichkeit von Schönheit, akzentuiert durch schimmerndes Orange und Magenta. 


Gibt es ein Motiv, das du stechen willst, aber wonach dich noch keiner gefragt hat?
Ich liebe es Ikonen aus den guten Zeiten der 80er Jahre zu stechen. Davon gibt es tonnenweise Motive, die ich noch nicht gestochen habe. Aber generell steche ich gern alles Musik- oder Filmbezogene. Die Liste ist lang, aber Billy Idol oder ein Tattoo aus Killer Clowns from outer space wäre cool.

Wer sind deine Lieblingstätowierer?
Ich habe zu viele, um sie alle aufzulisten. Aber ein paar davon sind mir wegen ihres allumfassenden Styles besonders wichtig. Nikko Hurtado war schon immer mein absoluter Favorit und er hat den größten Einfluss auf meine Tattoo-Karriere. Außerdem liebe ich Carlos Rojas, Roman, Franco Vescovi, Bob Tyrrell, Dmitriy Samohin, Carlos Torres, Freddy Negrete, nur um mal ein paar zu nennen.
 
Stechbrief
 
Rich Pineda vor seinem Studio Liquid Tattoo.Rich Pineda wuchs an den Stränden des pazifischen Ozeans auf, in der kalifornischen Region South Bay. Mittlerweile hat es ihn an einen trockeneren Ort verschlagen. In der Wüste von Yucca Valley fühlt er sich tatsächlich wohler. Nur noch der Studioname Liquid Tattoo erinnert an seine Herkunft. In Yucca Valley tätowiert Rich farbrealistische Tattoos aus Film und Musik auf sehr hohem Niveau. Dass Nikko Hurtado zu seinen Vorbildern zählt, daraus macht Rich keinen Hehl. Wie auch, seinen Arbeiten sieht man den Hurtado-Touch schnell an. Das Fliegen vermeidet er, weshalb wir hier in Europa ?noch ein Weilchen auf ihn warten müssen.  
Was denkst du über die vielen Tattoo-TV-Shows?
Ich fühle eine Hassliebe für diese Shows. Während ich glaube, dass sie geholfen haben ,Tattoos zu einer mehr akzeptierten Kultur zu machen, ist auf der anderen Seite plötzlich jeder ein Tattoo-Experte. Außerdem haben wir gesehen, dass die Zahl derer, die in ihren privaten Küchen mit dem Tätowieren experimentieren, stark angestiegen ist. Für 100 Dollar kaufen die sich online ein Starterkit und fangen an ihre Kumpels zu tätowieren, ohne zu wissen, was sie da eigentlich tun.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?
Ich liebe es, mit meiner Familie zusammen zu sein. Sie ist ein großer Teil meines Lebens und wir lieben es nach Disneyland zu gehen. Außerdem surfe und male ich sehr gerne.

Ist es wichtig Zeichnen zu können, um ein guter Tätowierer zu sein?
Ich denke, künstlerische Fähigkeiten brauchst du definitiv, wenn du tiefer in dieses Handwerk eindringen willst. Ohne dieses Verständnis für andere Medien, wirst du ein bisschen verloren gehen. Aber das ist nur meine Meinung.
 
Christina Ricci mimte 1991 die gifttrinkende, morbide Wednesday im Klassiker »The Addams Family.« Indianer-Porträt von Rich Pineda.
(l) Rich Pineda vor seinem Studio Liquid Tattoo. (r) Christina Ricci mimte 1991 die gifttrinkende, morbide Wednesday im Klassiker »The Addams Family.«


Welche Musik hörst du während des Tätowierens?
Am liebsten höre ich dabei Deftones, The Cult oder Faith No More. Außerdem liebe ich die Musik der 80er und Classic Rock. Ich bin da ziemlich abwechslungsreich.

Magst du es zu reisen, Conventions zu besuchen und als Gasttätowierer zu arbeiten?
Nun, ich bin kein Fan vom Fliegen, deshalb reise ich für gewöhnlich überall dorthin, wo ich mit dem Auto hinkomme. Ich mach viele lokale Guest Spots. Es macht immer Spaß mit neuen Leuten zu arbeiten und von ihnen zu lernen. Conventions sind auch toll, ich arbeite jedes Jahr auf ein paar davon.

Auch wenn du nicht gern fliegst, besteht trotzdem die Möglichkeit, dass du uns in Europa besuchst?
Hoffentlich bald, aber im Moment habe ich hier alle Hände voll zu tun. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Und wie bist du am besten zu erreichen?
Am besten mailt ihr mir, so bekommt ihr am schnellsten von mir zu hören.
 


KONTAKT

Rich Pineda
Liquid Tattoo
Yucca Valley, Kalifornien
www.facebook.com/RichPinedaTattoos
www.richpinedatattoos.com
 


Text: Marco Annunziata
Bilder: Rich Pineda




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25.05.2014
Text: Marco Annunziata Bilder: Rich Pineda
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Stand:19 January 2019 21:40:22