Horiyoshi III


Szeneintern ist man sich einig: Horiyoshi III ist der Inbegriff der traditionellen japanischen Tätowierung. Der Meister aus Yokohama gilt seit Jahrzehnten als absolute Koryphäe und letzte Instanz dieser klassischen Kunstform.

Horiyoshi III – Inbegriff der traditionellen Japanischen Tätowierung!
Horiyoshi III – Inbegriff der traditionellen Japanischen Tätowierung!


In den 80er und 90er Jahren erfand Horiyoshi die japanische Tätowierkunst praktisch neu, indem er nie zuvor gesehenen Detailreichtum und Plastizität mit der überlieferten Technik und Bilderwelt Japans kombinierte. In mehreren Gesprächen mit dem TätowierMagazin enthüllt Yoshihito Nakano, wie Horiyoshi III mit bürgerlichem Namen heißt, nicht nur bislang unbekannte Fakten zu seiner persönlichen Geschichte, sondern äußert sich auch über die schwierige Position, in der sich die Tattoo-Szene im heutigen Japan befindet.

Überschwangs schon öfter in Schwierigkeiten geraten war, wurde ein Ortswechsel genauso notwendig wie eine berufliche Neuorientierung. So kam er mit 21 Jahren und einem bestimmten Ziel vor Augen aus seiner Heimat Shizuoka nach Yokohama. Der junge Mann hatte gerade den Film Bakuchiuchi Ippiku-ryu – »Der Spieler und der tätowierte Drache« – gesehen, in dem das aufregende Leben eines Tätowierers in der Welt der Yakuza geschildert wird. Das wäre doch etwas für ihn …

Kaosho Rochishin, ein tätowierter Rebell aus einer chinesischen Heldensage, im Kampf mit einer Riesen-schlange.
Bodysuit mit mehreren Drachen. Die legendäre Heldengestalt Kumonryu Shishin trug neun tätowierte Drachen auf ihrem Körper.Der junge Horiyoshi III demonstriert seine Technik des Tebori.  Handschuhe benutzte er erst nach einer Italienreise im Jahr 1985,  zur ersten europäischen Tattoo-Convention in Rom.

(l) Der junge Horiyoshi III demonstriert seine Technik des Tebori. Handschuhe benutzte er erst nach einer Italienreise im Jahr 1985, zur ersten europäischen Tattoo-Convention in Rom. (m) Bodysuit mit mehreren Drachen. Die legendäre Heldengestalt Kumonryu Shishin trug neun tätowierte Drachen auf ihrem Körper. (r) Kaosho Rochishin, ein tätowierter Rebell aus einer chinesischen Heldensage, im Kampf mit einer Riesenschlange.. 


Ohne Anleitung versuchte sich Yoshihito mit der Nadel, musste aber bald ernüchtert einsehen, dass er nicht recht weiterkam. 1971 betrat er zögernd das Studio des damals schon legendären Shodai (»ersten«) Horiyoshi von Yokohama, um sich selbst erst einmal den ersehnten Bodysuit stechen zu lassen. Mehr als 40 Jahre später kann Horiyoshi III auf ein arbeits- und erfolgreiches Leben zurückschauen. Immer noch lebt er in der Hafenstadt Yokohama, unweit von Tokio, und hat nach eigenen Angaben etwa 10.000 Menschen tätowiert. Schätzungsweise sind es bis zu 100 Bodysuits und 200 Backpieces, die er mit seinen oft sehr detaillierten und eleganten Variationen von klassischen japanischen Motiven verziert hat.
 

Horiyoshi III links vorne liegend, aus einem Filmdreh, ca. 1980.Eines der berühmtesten Bilder von Horiyoshi III mit einem gewaltigen Tosa Inu (japanischer Kampfhund), aus einem Kalender in den 1980er Jahren.
(l) Horiyoshi III links vorne liegend, aus einem Filmdreh, ca. 1980. (r) Eines der berühmtesten Bilder von Horiyoshi III mit einem gewaltigen Tosa Inu (japanischer Kampfhund), aus einem Kalender in den 1980er Jahren.


Als Nakano heiratete, hatte er seiner Frau Mayumi versprochen, dass er eines Tages der berühmteste Tattoo-Meister des Landes sein würde. Er hat Wort gehalten: Horiyoshi III ist selbst im tattooscheuen Japan ein Name, den man schon einmal gehört hat, und sein Ruf in der Szene ist ohne Konkurrenz. Doch es sind nicht Lobeshymnen, Ehre, Ruhm und Reichtum für sich selbst, die ihn über Jahrzehnte motivierten, auch wenn ihn der Erfolg sicherlich nicht stört. Denn nach alter japanischer Tradition ist die Anerkennung, die jemand für seine Arbeit erfährt, lediglich ein Nebeneffekt, während die wahre Ehre darin besteht, mit dem Erfolg den Namen Horiyoshi, den ihm sein eigener Meister Yoshitsugu Muramatsu weitergegeben hat, in die Annalen der Geschichte einzutragen. Dafür lohnt sich jede Mühe wodurch sich technische und künstlerische Perfektion erwerben lässt. Im Interview bringt Horiyoshi III noch mehr Licht in die von vielen Mythen umhüllte Welt der japanischen Tätowierung und spricht über das sehr spezielle traditionelle Verhältnis zwischen Meister und Lehrling. 

Horiyoshis Stil ist sehr detailreich und damit typisch für die Kanto-Region im  Großraum Tokio. Im Kansai-Gebiet (um Kyoto und Osaka) fallen Tattoos oft simpler, teilweise schon grob aus.
Der Tiger – nie in Japan beheimatet –  war für die Japaner stets ein mythisches Wesen, genauso wie sein Gegner, der Drache.Oniwakamaru (der spätere Kriegermönch Benkei) im Kampf mit dem Riesenkarpfen.
(l) Oniwakamaru (der spätere Kriegermönch Benkei) im Kampf mit dem Riesenkarpfen. (m)  Der Tiger – nie in Japan beheimatet – war für die Japaner stets ein mythisches Wesen, genauso wie sein Gegner, der Drache. (r) Horiyoshis Stil ist sehr detailreich und damit typisch für die Kanto-Region im  Großraum Tokio. Im Kansai-Gebiet (um Kyoto und Osaka) fallen Tattoos oft simpler, teilweise schon grob aus.


Horiyoshi-Sensei, erzählen Sie uns doch bitte, wie Sie ihren Meister kennenlernten und wie Sie selbst ausgebildet wurden?   
Es war natürlich kein glücklicher Zufall, sondern eine Schicksalsfügung, da ich heute fühle, dass ich dazu bestimmt war, unter ihm zu lernen. Ich ließ mich erst dort tätowieren und fragte ihn schließlich, ob er mich lehren würde. Er war damals schon über 60 Jahre alt und wollte nicht mehr ausbilden, aber ich bestand darauf. Ich hatte ihn als strengen, ja unerbittlichen und furchteinflößenden Lehrmeister kennengelernt, und deswegen wollte ich zu ihm. Wäre er zu nachgiebig gewesen, hätte ich bestimmt nichts gelernt. Er sträubte sich, hinterfragte immer wieder meine Motivation, doch ließ sich schließlich überzeugen. Streng wies er mich an, ab sofort jeder Prügelei aus dem Weg zu gehen. Nicht so sehr aus ethischen Gründen, sondern weil er praktisch dachte: Stell dir vor, du brichst dir die Hand. Künstler brauchen ihr Werkzeug für den richtigen Zweck!

Stechbrief
 
Horiyoshi IIIHoriyoshi III tätowiert ein paar Tage pro Woche, verlässt den Großraum Tokio/Yokohama aber nicht mehr. Man muss zum 68-Jährigen ins Studio, um ihn zu treffen – nur nach Voranmeldung. Er spricht etwas Englisch, aber es ist besser, mit Übersetzer dort hinzugehen. An Termine kommt man, indem man ihn einfach danach fragt. Mit ein wenig Glück ergibt es sich dann. Weitere Infos bekommt ihr auf www.horiyoshi3tattoo.com.  
Das Verhältnis von Meister zum Lehrling ist eng, intensiv und eine lebenslange Verpflichtung. Wie empfinden Sie das heute, im Rückblick auf Ihre eigene Erfahrung in beiden Positionen? 
Dazu ein Beispiel: Zu Beginn waren fast alle meine Kunden Yakuza, japanische Gangster und Glücksspieler. Es gehörte zum guten Ton, dem Tätowierer großzügige Trinkgelder zu geben, doch mein M eister kassierte dieses Geld immer von mir ein. Das störte mich sehr, jahrelang. Nach 15 Jahren rief er mich zu sich und überreichte mir ein Sparbuch. Dort waren die ganzen Trinkgelder also gelandet. Da ich in der Zwischenzeit absolut nichts gespart hatte, war das eine Menge Geld für mich. Meine eigenen Erfahrungen mit Lehrlingen waren meist eher negativ, und bis auf Alex Reinke (Horikitsune) und meinen eigenen Sohn Kazuyoshi hat keiner von ihnen allzu lange durchgehalten. Viele haben aufgegeben, wenn es Schwierigkeiten gab. Die Menschen sollten wissen, dass Bambus am schnellsten direkt nach dem Regen wächst, und trotz aller Widerstände wird er immer weiter wachsen und stark sein. Ich verarbeite oft Bambus in meinen Bildern. Man beklagt sich oft über Unannehmlichkeiten im Leben, aber diese sind notwendig, um wachsen zu können, körperlich und seelisch. Ich sehe mich immer noch als Lehrling des ersten Horiyoshi und das wird sich niemals ändern. 

Horiyoshi III mit US-Tätowierer-Legende Gill Montie.
Horiyoshi III (Mitte) im Kreise seiner Freunde in den 1980er Jahren. Links von ihm zu erkennen sind Don Ed Hardy und ein sehr jugendlicher Luke Atkinson.
(l) Horiyoshi III (Mitte) im Kreise seiner Freunde in den 1980er Jahren. Links von ihm zu erkennen sind Don Ed Hardy und ein sehr jugendlicher Luke Atkinson. (r) Horiyoshi III mit US-Tätowierer-Legende Gill Montie.


Ihr Meister nannte sich Horiyoshi I und Sie sind, als sein Nachfolger, Horiyoshi III. Was geschah eigentlich mit der Nummer II? 
Er war der leibliche Sohn von Horiyoshi I, aber blieb nicht lange Tätowierer. Die vielen Streitigkeiten, die es damals in der Tattoo-Szene gab, setzten ihm zu, und er verfolgte schließlich einen anderen Weg. Es gab auch noch einen weiteren Sohn, aber der Meister verfügte, dass ich sein Nachfolger werden sollte. 1979 erhielt ich eine Urkunde darüber, nachdem sich alle beteiligten Parteien geeinigt hatten. Eigentlich wollte ich dem Grundsatz folgen, dass nicht derjenige der beste Mönch ist, der auf dem höchsten Stuhl sitzt und eine goldene Robe trägt, sondern derjenige, der Bescheidenheit zeigt. So weigerte ich mich zunächst, Horiyoshi zu werden. Doch der Meister bestand darauf, und ich ließ es geschehen und übernahm diese große Verantwortung.
 
Dieses Ganzkörpertattoo stach Horiyoshi III auf dem Tätowierer Choshu Horikazu, einem engen Freund der Familie. Auf der Brust sieht man den Höllenwärter Fudo Myoo, der Rücken zeigt einen Drachen.
Dieses Ganzkörpertattoo stach Horiyoshi III auf dem Tätowierer Choshu Horikazu, einem engen Freund der Familie. Auf der Brust sieht man den Höllenwärter Fudo Myoo, der Rücken zeigt einen Drachen. Dieses Ganzkörpertattoo stach Horiyoshi III auf dem Tätowierer Choshu Horikazu, einem engen Freund der Familie. Auf der Brust sieht man den Höllenwärter Fudo Myoo, der Rücken zeigt einen Drachen.
(l, m, r) ) Dieses Ganzkörpertattoo stach Horiyoshi III auf dem Tätowierer Choshu Horikazu, einem engen Freund der Familie. Auf der Brust sieht man den Höllenwärter Fudo Myoo, der Rücken zeigt einen Drachen.


Ihr detaillierter und schwungvoller Stil brachte einen ganz frischen Wind in die traditionelle Tätowierung, die bis dahin meist eher flach und mit sehr kräftigen Linien angelegt war. Das japanische Lehrsystem beruht doch eher darauf, exakt zu kopieren, was der Meister vormacht. Wie kam es dazu, dass Sie davon abwichen?
In unserer Tradition praktizieren wir das Prinzip des Shu-Ha-Ri, ein Konzept, das aus der Philosophie der Tee-Zeremonie und des Noh-Theaters kommt: Shu bedeutet, das Erbe des Meisters zu schützen, zu übernehmen und zu erhalten. Das mag einem manchmal hart vorkommen, und selbst bin ich auch kein Fan davon, aber es ist unbedingt notwendig. Doch mit diesem Wissen ausgestattet kann man die Tradition brechen, sich lösen, abweichen und neue Elemente einbringen. Das ist das Ha. Ich sehe mich selbst momentan in dieser Phase, und ich weiß nicht, ob ich jemals die nächste Stufe erblicken oder gar erreichen kann. Hokusai, der große Meister des Holzschnittes, wurde gefragt, ob er die Schwelle zum Ri, der völligen Ablösung und Erleuchtung erreicht hätte. Er war damals 93 Jahre alt und meinte: Gib mir noch zehn Jahre, dann schaffe ich es vielleicht. 

Gilt dieses Prinzip lediglich für die technische Durchführung des Tätowierens oder auch für die künstlerische Entwicklung?
Oh, künstlerisch kannst du durchaus abweichen. Mir geht es vor allem um die Schattierungstechniken, die ich gelernt habe, und die erhalten werden müssen. Mein Meister wurde »Der Schattierer« genannt und ich bin fest entschlossen, seine Technik niemals abzuwandeln und sie weiterzutragen, um die Tradition zu erhalten. Mein persönlicher Bruch findet auf Designebene statt, dort liegt meine Freiheit. Jeder in Japan weiß, wie sehr ich Horiyoshi I verehre. Ich habe einmal in einem japanischen Magazin geschrieben, dass ich für ihn jederzeit mein Haupt inmitten der Shibuya-Kreuzung verneigen würde. Eigentlich hatte ich gesagt, dass ich für ihn töten würde, aber der Redakteur hat das wieder rausgenommen.

Wie sehen Sie selbst, wie sich Ihre eigene Arbeit über die Jahrzehnte verändert hat? 
Ich folge nur dem Fluss meiner Entwicklung, wie er sich eben durch die Zeit windet. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Tattoos von vor 30 Jahren und den Stücken aus der letzten Dekade. Diese beruhen aber eher auf den vielen neuen Farben, die uns in immer besserer Qualität zur Verfügung stehen. Sie sind leuchtender, halten länger. Dazu kommen Erfahrung und natürlich die Tatsache, dass ich seit den späten 1980er Jahren die Outlines mit Maschine steche. Das eröffnete ganz neue Möglichkeiten. Man muss alle Chancen nutzen, Wissen in sich aufzusaugen, sie verarbeiten und dann anwenden. Das Prinzip des Shu-Ha-Ri erklärt das doch alles.
 
Horiyoshi IIIs Tattoo-Museum
 
Horiyoshi IIIs
Yokohama Tattoo Museum


Eintritt:
1000 Yen, circa 7 Euro

Adresse:
Imai Bldg.1-11-7, Hiranuma Nishi-ku, in der Nähe der Yokohama Station. 
Tel/Fax: +81-45-3231073

Besser vorher anrufen, wobei dort meist nur japanisch gesprochen wird.
 
Wir machen einen Sprung in das Tattoo-Museum von Horiyoshi III in Yokohama, einer einmaligen Institution mit einer ungeheuer umfangreichen und seltenen Sammlung von Artefakten und Dokumenten zur Tattoo-Geschichte Japans und der Welt. Seit 2000 ist Horiyoshi III Besitzer und Kurator des Museums. Wir haben uns dort getroffen, um von ihm etwas über die Geheimnisse der japanischen Tätowierung zu erfahren. Er zeigt uns Exponate und spricht über die Geschichte der japanischen Tätowierung und ihre Stellung in der Gesellschaft.

Horiyoshi-Sensei, ein Mysterium, über das Experten rätseln, ist, ob es eine Verbindung zwischen den Meisterfamilien des Ukiyo-E, des japanischen Holzschnittes der Edo-Zeit und der Tätowierung gibt. Es wird spekuliert, dass einzelne Holzschnittmeister selbst tätowiert oder Tätowierer ausgebildet hätten.
Davon weiß ich nichts und ich halte das auch für sehr unwahrscheinlich. Ein Ukiyo-E-Meister zu sein war höchst ehrenhaft. Warum sollte jemand in die Illegalität hinabsteigen, um den mühevollen und bis 1948 streng verbotenen Beruf des Tätowierers ausüben? Man bedenke den praktischen Aspekt: Im Gegensatz zum Holzschnitt konnte man nur heimlich tätowieren, also im ersten Stockwerk eines Gebäudes und auch nur bei Tageslicht, da wir ja damals keine Elektrizität hatten. Im Sommer war es zu heiß, im Winter zu kalt. Allerdings gab es dennoch eine Verbindung: Um schnelles Geld zu verdienen, wird wohl der eine oder andere Künstler für die Tätowierer Motivbücher gemalt haben. Während dieser frühen Zeit waren diese nicht gerade begnadete Zeichner gewesen. Der berühmte Kuniyoshi hatte noch ein weiteres Geheimnis: Man vermutet stark, dass er selbst tätowiert war. Auf einem bekannten Holzschnitt ist ein Mann mit Backpiece beim Bade in einem Wasserfall zu sehen, und wir vermuten, dass dies ein Selbstporträt war.   

Wir sehen hier einige traditionelle Handinstrumente in ihrer Sammlung. Was können sie uns über die Geschichte und den Gebrauch von Tattoo-Equipment in Japan erzählen?
Da hat sich in den vergangenen 200 Jahren nicht viel geändert. Seit mindestens der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts benutzen wir Magnum-Nadeln in zwei Schichten und mein eigener Meister verwendete sogar eine dreilagige Magnum mit 45 Nadeln. Alle Nadeln bezogen wir bis vor kurzem noch aus Kyoto von Sanjo-Honke Misuyabari, einer Familie, die sich seit 17 Generationen auf die Nadelproduktion spezialisiert hat. Ähnlich ist es mit Sumi, der schwarzen Tinte, die wir verwenden. Sie kommt traditionell von Kobaien aus Nara, einem Laden der seit 400 Jahren Künstler in Japan versorgt. Für die Sticks nehmen die meisten Tätowierer Bambus, aber auch andere Hölzer wie Ebenholz sind möglich, oder gar Elfenbein. Das ist Geschmacksache, genauso wie die Länge der Stäbe. Ursprünglich maßen sie circa 20 bis 30 Zentimeter, aber ich bevorzuge sie etwas länger. Und ich benutze seit 1987 Stahl, wegen der Hygiene. Wir sollten uns neuer Technologie öffnen, wenn sie unser Geschäft sicherer und besser gestalten kann.

Horiyoshi III zeigt einige Plakate von Yakuza-Filmen aus seiner unersetzlichen Sammlung im Yokohama-Tattoo-Museum.Auf diesem seltenen Ukiyo-E Holzschnitt im Tattoo-Museum sind tätowierte Feuerwehrmänner zu erkennen.

(l) Auf diesem seltenen Ukiyo-E Holzschnitt im Tattoo-Museum sind tätowierte Feuerwehrmänner zu erkennen. (r) Horiyoshi III zeigt einige Plakate von Yakuza-Filmen aus seiner unersetzlichen Sammlung im Yokohama-Tattoo-Museum.


Sie benutzen für Ihre Linien mittlerweile Maschinen. 
Ja, ich nehme Rotary-Maschinen.
 
Tatsächlich? Warum sind Ihre Maschinen dann so laut?

Oh ja, meine Rotarys sind laut, weil ich sie so schnell laufen lasse.
 
Diese Poster von Yakuza-Filmen aus den 60er und 70er Jahren hier, denken Sie, dass sie den schlechten Ruf von Tattoos in Japan verschuldet haben? Haben die Massenmedien der Allgemeinheit suggeriert, dass sich nur Gangster tätowieren lassen?
Ach, seien wir doch mal ehrlich. Ein Teil der Anziehungskraft von Tattoos liegt doch gerade darin, dass sie mit Yakuza in Verbindung gebracht werden. Dieses Image wurde allerdings von den Medien übertrieben und ausgenutzt. Traditionellerweise waren japanische Tattoos die Attribute von Kriegern und Helden, von den Kuniyoshi-Illustrationen der Suikoden bis hin zu den Gangsterfilmen des späten 20. Jahrhunderts. Diese Bilder von Feuerwehrleuten aus der Edo-Zeit zum Beispiel. Sie waren wohl die sichtbarsten Repräsentanten von Tattoos in Japan und stehen in der Tradition des Ninkyo, der Ritterlichkeit, des selbstlosen Eintretens für andere Menschen, für Schwächere und mit aller Kraft gegen das Böse. Dieses Konzept wurde in den Filmen der 1960er Jahre auf Yakuza verwendet und Tattoos kamen da ihrem maskulinen Image zugute. 

Fühlen Sie sich eigentlich mit dem Underground- Image, das Tattoos in Japan haben, einigermaßen wohl oder wäre es Ihnen lieber, wenn auch der Mainstream Ihre Kunst anerkennen würde?
Im Allgemeinen würde ich sagen, dass es wohl besser für uns alle wäre, wenn traditionelle Tattoos als Kunst akzeptiert und mehr Anerkennung finden würden. Wenn Sie mich allerdings persönlich fragen, hat das Image des Undergrounds doch etwas Faszination und Charme. Solange es nicht illegal ist, und ich mit meiner Arbeit nicht das Gesetz breche, finde ich mich damit ab und tue eben das, was ich tun muss.

Einige westliche Tätowierer teilen Ihre persönliche Ansicht mit Sicherheit, da sie die Einbeziehung von Tattoos in Mainstream, Mode und Trends strikt ablehnen. Aber an vielen Orten im Westen sind Tattoos bereits dort angelangt. In manchen Gegenden von Berlin, London oder New York fallen sie auf, wenn sie keine tätowierten Sleeves zeigen.
»Die wahre Schönheit der Blume liegt im Verborgenen.« So etwa drückt sich Zeami, ein berühmter Philosoph des 14. Jahrhunderts in einem Gedicht aus. Heute kümmern sich viele Youngsters nicht mehr darum und reiben allen ihre Tattoos direkt unter die Nase. Das schadet dem Image der Tattoos im Endeffekt, und es ist egoistisch. Tattoos sollten für spezielle Anlässe sein, und eben nicht alltäglich. Diese Prahlerei ist kontraproduktiv und wir sollten bessere, intelligentere Wege finden, die Tattookunst zu fördern. 
 
Horiyoshi-Sensei, herzlichen Dank, dass Sie sich so viel Zeit für uns genommen haben. Alles Gute und viel Gesundheit für Sie!  

Text: und Interview: Travelingmic, Übersetzung: SANAxxx
Bilder: Travelingmic




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18.06.2014
Text: und Interview: Travelingmic, Übersetzung: SANAxxx Bilder: Travelingmic
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Stand:17 November 2018 07:48:25