Iceland Tattoo-Expo 2012


Überwältigende Natur, ein spektakuläres Nightlife und nicht zuletzt eine überschaubare und besondere Tattoo-Szene: Das ist Island. Eine gar nicht mal so kleine Insel am Polarkreis zeigte auf der Icelandic Tattoo Expo zum ersten Mal, dass auch am nördlichsten Rande Europas tätowiert wird was das Zeug hält. Svanur vom Studio Tattoos og Skart in Reykjavik rockte mit seinem Team die allererste isländische Tattoo-Convention.

Iceland Tattoo-Expo Reykjavik 2012

Vulkanische Aktivität und das relativ milde Klima sorgen für eine äußerst abwechslungsreiche und spektakuläre Natur, die jeden Besuch zu einem besonderen Erlebnis macht.


»I lost my licence, when I crashed my car. That’s why I’m walking to the bar!«, brüllt Andri Mar Sigurdsson ins Mikro und feuert seine Band Contalgen Funeral zu Höchstleistungen an. Das Konzert des absolut coolsten Ska- und Blues-Acts Islands ist ein gelungener Auftakt für eine weitere heftige Samstagnacht in Reykjavik, und die ersten Tätowierer tanzen bereits lieber, als dass sie noch weiterhin die Nadeln für ihre isländischen Fans schwingen. Das Nachtleben der nördlichsten Hauptstadt der Welt ist zu Recht berüchtigt, und ein echter Pluspunkt der ersten internationalen Tattoo-Convention in diesem kleinen, etwas schrägen und extrem abgefahrenen Land.

Backpiece von Jon Pall,  Mitglied der Icelandic Tattoo Corp.
Tattoo von Gunnar von der Icelandic Tattoo Corp.

Isländisches Fauna-Tattoo von Gunnar von der Icelandic Tattoo Corp und buntes Backpiece von Jon Pall, ebenfalls Mitglied der Icelandic Tattoo Corp.


Island zählt nicht einmal 320 000 Einwohner und ist dennoch hochgradig Tattoo-verrückt: Die lediglich acht Tattoo-Studios, von denen sich allein sechs auf fünfhundert Meter Länge der Reykjaviker Innenstadt verteilen, können sich vor Nachfrage nach Tinte kaum retten. Dass man hier früher oder später eine Convention veranstalten musste, war daher für Svanur, den unbestrittenen Godfather der isländischen Szene, vollkommen selbstverständlich. Aber es durfte nicht irgendeine Popelparty sein, sondern ein richtiges Hammerevent musste her!

Wenn, dann richtig! 
Zwei Jahre plante der erfahrene und in ganz Skandinavien respektierte Künstler Svanur (Tattoos og Skart, Reykjavik), holte sich mit Andres einen organisationserfahrenen Partner und ließ sich von den Veranstaltern der Top-Conventions in Stockholm und Kopenhagen eng beraten. Wenn schon eine Convention in Island, dann eine richtige!
 

Colin Dale aus Kopenhagen.

Die Medienpräsenz war enorm. Besonderes Interesse galt dem traditionell tätowierenden Colin Dale aus Kopenhagen.

Und dann war es endlich so weit: Etwa 35 internationale Künstler feierten zusammen mit rund zehn isländischen Kollegen den gelungenen Einstand der Inselszene auf der weltweiten Bühne des Tätowierens. Etliche Besucher, wie die Hultman Family aus dem schwedischen Falun oder ihre Landsfrau Johanna Thor (Bluebird Tattoo) hatten extra noch etwas Urlaub eingeplant, um neben dem dreitägigen Event im Radisson SAS Saga, dem besten Hotel der Stadt, auch noch etwas von dem grandiosen Land zu sehen. Sehenswürdigkeiten wie die legendäre Blaue  Lagune, einem touristischen, aber doch entspannenden Highlight Islands, der Wasserfall Gullfoss, die unvergleichlichen Geysire und der Thingvallir, die Kontinentalscheide zwischen Europa und Amerika, liegen nicht weit von Reykjavik entfernt und bleiben allen Besuchern ins Gedächtnis graviert. Selbst majestätische Gletscher finden sich nur wenige Fahrstunden entfernt!
Und auch die deutsche Künstlerin Ina von Inky und Scratchy ließ sich von der faszinierenden Natur der Insel inspirieren und zeichnete gleich ein Flashset mit etlichen Papageientauchern im Scratchy Style, von denen sie während der Convention zwei Exemplare unter die Haut ihrer Kunden brachte.

Chucky von Sindri von der Icelandic Tattoo Corp aus Reykjavik.
Hüft-Tattoo von Rori Keating vom Guru Tattoo aus San Diego.

Echter Nordmann, bewaffnet und mit traditionellem Hüft-Tattoo von Rori Keating vom Guru Tattoo aus San Diego. Daneben Chucky die Mörderpuppe – der Stoff aus dem Horrorgeschichten sind. Tätowiert von Sindri von der Icelandic Tattoo Corp aus Reykjavik.


Der Tattoo-Boom ist zurück 
Seit dem Bankencrash von 2008, bei dem jeder fünfte Isländer sein gesamtes Vermögen und viele mehr ihren Arbeitsplatz verloren hatten, konnte sich das Land wieder einigermaßen erholen. Zahlreiche Bewohner und auch Tätowierer hatten notgedrungen ihre herrliche Heimat verlassen, um mühselig ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Doch die Nachfahren der stolzen Wikinger lassen sich nicht so leicht unterkriegen: Mit harter Arbeit und einem sonnigen Gemüt macht man heute das Beste aus dem Leben, das auf der rauen Insel noch nie einfach war. Die meisten Auswanderer sind inzwischen zurückgekehrt und die Tattoo-Studios Reykjaviks wieder rappelvoll.
Und so hatten auch auf der Convention die angereisten Künstler großen Ansturm zu bewältigen. Obwohl, wie Svanur immer wieder erklärte, das Konzept einer Tattoo-Convention hier völliges Neuland war, nahm man die Neuigkeit begeistert auf. Die lokalen Medien stürzten sich auf das Event, und der Entertainer und hauptberufliche Freak Lizardman war für einige Tage der Superstar der Insel. Eric, wie das menschliche Reptil im wahren Leben heißt, gab geduldig so lange Interviews für TV und sämtliche Zeitungen, bis auch der letzte Lachsfischer im Hochland von der Icelandic Tattoo Expo gehört hatte.

Wolfs-Tattoo von »Dinobaby« von Conspiracy Ink aus Kopenhage

»Dinobaby« von Conspiracy Ink aus Kopenhagen tätowierte diesen Comic-Wolf.


Viking-, Gull- und Thule-Bier 
Entsprechend gut besucht war die Veranstaltung trotz ihrer eigentlich bescheidenen Ausmaße auch. Knapp 1500 Besucher über das Wochenende bedeutet, dass circa 0,5% der Bewohner Islands zumindest einen Einblick in die Tattoo-Kunst bekamen. Umgerechnet auf Deutschland müsste hierzulande eine Convention circa 400 000 Besucher anziehen, um diese Quote zu erreichen. Doch, absurde Vergleiche hin oder her, es gab eine Menge zu sehen im Saga Hotel, und nachdem die kunstkennerische lokale Szene den Shows von Lizardman und SANAxxx gebührenden Applaus gewährt hatte, skankte und swingte die Menge zu Reggae, Blues und Ska von Contalgen Funeral und gab sich der bevorzugten Wochenendbeschäftigung der meisten jungen Isländer hin: dem reichlichen Genuss von Viking-, Gull- oder Thule-Bier. Man weiß eben was gut (und teuer) ist in Reykjavik!

Marsianer-Tattoo von  Linda aus Moss
Jon Thor vom Kingdom Within in Reyk­javik sticht ebenfalls Designs im Stile alter Wikinger-Ornamente.

Jon Thor vom Kingdom Within in Reyk­javik sticht Designs im Stile alter Wikinger-Ornamente. Für diesen Massen ermordenden Marsianer bekam Linda aus Moss den ersten Platz bei Best Small.


Island gegen den Rest der Welt!  
Besonders viel Action gab es auch bei den zahlreichen Contests. Begeistert schickten die Tätowierer ihre Kunden auf die kleine Bühne, und immer wieder kam es zu hart umkämpften Entscheidungen zwischen Kunstwerken aus der Hand der isländischen und anderen skandinavischen Inker. So räumte die Norwegerin Electric Linda mit realistischen Farb-Tattoos etliche der Trophäen ab, musste sich aber in anderen Kategorien dem ein oder anderen Local Hero geschlagen geben. Abräumer unter den Reykjaviker Studios war die Icelandic Tattoo Corp, wo sich speziell deren vielseitiger Newcomer Gunnar hervortat. Doch auch seine Kollegen Sindri, Jon Pall, Büri und Fjölnir strichen den einen oder anderen Vulkanstein ein, die als Preise ausgelobt waren. Svanur selbst hielt sich trotz seines Könnens von den Wettbewerben fern und beschränkte sich darauf, hinter den Kulissen zuzuschauen, wie das Wochenende seinen entspannten Lauf nahm und ohne jeden Zwischenfall verlief.
Völlig relaxed waren auch die traditionell von Hand arbeitenden Künstler. Boff Konkers, ein Schüler des Dotwork-Gurus Xed LeHead piekste Runen in die nordisch-blasse Haut der Isländer. Die zumeist von Wikingern abstammenden Insulaner wissen diese ursprüngliche und vermutlich auch von ihren Vorfahren ausgeübte Tradition durchaus zu schätzen und ließen sich gerne von den Angereisten Kai Faust und Colin Dale in Sachen nordischer Tattoo-Kunst beraten. Colin Dale, der bei der Kopenhagener Legende Erik Reime gelernt hat, ist eine herausragende Kapazität auf diesem Gebiet – und zwar weltweit. Mit einem komplexen und höchst ästhetischen Design auf dem Unterarm einer Isländerin gewann er am Sonntagabend hochverdient den Preis für das beste auf der Show gestochene Tattoo.
Nachdem Colin seinen eigenen Shop Skin & Bone in Kopenhagen eröffnet hatte, rückte sein deutscher Freund Kai Faust dort nach und gilt seitdem als einer der Shooting Stars der traditionellen Szene. Die Anwesenheit dieser beiden Autoritäten im Viking- und Nordic- Style verlieh daher der Icelandic Tattoo Expo besonderes Gewicht.

1984  
Unter den isländischen Künstlern taten sich neben der bärenstarken Icelandic Tattoo Corp vor allem Marlena und Jon Thor von Kingdom Within, Sigrun und Ingi von Bleksmidjan und Siggi Palli von Motorsmidjan hervor. Selbstverständlich merkt man, dass das erste Studio in Island erst im Jahr 1984 eröffnet hat, und sich daher eine eigenständige Tattoo-Kultur erst noch entwickeln muss. Doch ein schöner Anfang ist gemacht, und nach dem tollen Auftakt für die Icelandic Tattoo Expo planen Svanur und Andres ganz sicher schon ihren zweiten Streich. Und dann gibt es im September 2013 einen weiteren Grund wieder einen Trip in eines der faszinierendsten Länder dieser Erde zu machen.



Text: Travelingmic
Bilder: Travelingmic




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26.10.2012
Text: Travelingmic Bilder: Travelingmic
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