Convention Hamburg 2014


Die Tattoo-Convention in der Hamburger Markthalle findet nur alle zwei Jahre statt. Gut für Veranstalter anderer Tattoo-Messen, denn mit dieser abwechslungsreichen Show kann kaum eine andere Convention mithalten.

Convention Hamburg: Unterhält mit tollem Rahmenprogramm unter anderem mit der feurigen Burlesque-Show mit Belle la Donna.
Convention Hamburg: Unterhält mit tollem Rahmenprogramm unter anderem mit der feurigen Burlesque-Show mit Belle la Donna.


Nicht nur weil sie nur alle zwei Jahre stattfindet, ist die Tattoo Convention Hamburg etwas Besonderes. Auch nicht nur, weil sie eine der ersten Conventions in Deutschland war. Das hat zwar beides seinen Anteil daran, dass die Veranstaltung unter dem mittlerweile komplett unübersichtlichen Convention-Gewimmel im Kalender ein echtes Juwel ist, aber Hamburg hat mehr zu bieten als nur »alt« und »selten« – viel mehr!

Hamburger Original: Die Vorlage zu diesem Tattoo stammt vom legendären Christian Warlich, der in den 1920er Jahren in Hamburg tätig war.Fabio Morofs Roboter singt in the Rain. Ein Herz für Hamburg. Tätowiert von Ralf vom Wild at Heart aus München.
(l) Ein Herz für Hamburg. Tätowiert von Ralf vom Wild at Heart aus München. (m) Fabio Morofs Roboter singt in the Rain. (r) Hamburger Original: Die Vorlage zu diesem Tattoo stammt vom legendären Christian Warlich, der in den 1920er Jahren in Hamburg tätig war.


Eine Location mit Charakter
Bestimmt fände man in oder um Hamburg eine größere Halle, vielleicht auch eine zweckmäßigere – aber eben keine schönere als die Markthalle. Dass in die Markthalle keine 500 Tätowierer passen, ist klar. Aber braucht man das überhaupt? Die Logistik und Organisation von Mammut-Conventions ist sicher bewundernswert, ihr Nutzen fürs Publikum aber fragwürdig. In Hamburg dagegen hat man wirklich die Möglichkeit, sich jeden Stand und jeden Tätowierer anzuschauen. Die Künstler hier sind handverlesen, wer hier eingeladen wird, hat es sich auch verdient. Das Line-up ist ein sehenswertes Aufgebot von Hamburg-Convention-Veteranen wie Mike Skiver aus Philadelphia, Noby 
von Tattoo Zone aus Schweden oder Avishai von Ink Junkies aus Luxemburg, Hamburger Tattoo-Prominenz wie Robert vom Tattoo Nouveau, Tschiggy oder die Aristocrats sowie Hamburg-Neulingen wie Zi You Tattoo aus China. Auch Tilo von Moustache Ink aus Worms, der Gast-Tätowierer an unserem TätowierMagazin-Stand, war zum ersten Mal in Hamburg und genoss die Convention und jede Menge Aufträge.
 

Thilo Hose vom Studio Moustache Ink aus Worms war Gasttätowierer bei uns am TätowierMagazin-Stand. Den Karma-Flamingo stach er der Siegerin unseres Instagram-Fotowettbewerbs.Den Karma-Flamingo stach Thilo Hose der Siegerin unseres Instagram-Fotowettbewerbs.Thilo Hose vom Studio Moustache Ink aus Worms war Gasttätowierer bei uns am TätowierMagazin-Stand. Den Karma-Flamingo stach er der Siegerin unseres Instagram-Fotowettbewerbs.
Thilo Hose vom Studio Moustache Ink aus Worms war Gasttätowierer bei uns am TätowierMagazin-Stand. Den Karma-Flamingo stach er der Siegerin unseres Instagram-Fotowettbewerbs.


Tanina vom Studio Tätowiersucht aus Münster nutzte die Veranstaltung, um das soeben erschienene Kinderbuch über die Abenteuer von Robin Hood zu bewerben, zu dem sie die Illustrationen beigesteuert hatte, und ein paar Stände weiter gab’s Holz-Tattoomaschinen für Kinder, um schon mal den Nachwuchs mit der bunten Körperkunst vertraut zu machen.

Moderatorin Queenie und TM-Chefredakteur Dirk-Boris führten mit Begeisterung durchs Programm. Estella sorgte für heruntergeklappte Unterkiefer.
(l) Estella sorgte für heruntergeklappte Unterkiefer. (m) Fabio Morofs Roboter singt in the Rain. (r) Hamburger Original: Die Vorlage zu diesem Tattoo stammt vom legendären Christian Warlich, der in den 1920er Jahren in Hamburg tätig war.


Spitzen-Programm nonstop

Was mir aber in Hamburg immer schon besonders gefiel, ist, dass das Qualitätsprinzip hier nicht nur für die Tätowierer, sondern vor allem auch für die Bühnenshows gilt. Das fiel mir natürlich umso mehr auf, da ich wie auch schon vor zwei Jahren auch in diesem Jahr wieder – diesmal unterstützt von der charmanten schwedischen Moderatorin Queenie – die Moderation übernommen hatte. Bei den meisten Conventions übergehe ich im Nachbericht ja höflich oder auch teilweise peinlich berührt das Bühnenprogramm, da es eben oft einfach nicht erwähnenswert, banal, schon hundert Mal gesehen oder auch einfach nur schlecht ist. Wie anders ist da Hamburg: Sehr gute Bands, abwechslungsreiches Programm, sehenswerte Shows. Sage und schreibe neun verschiedene Musik-Acts spielten über das Osterwochenende in der Markthalle, und obwohl ich mit meinem Musikgeschmack (Hard Rock und Heavy Metal) eigentlich schon ziemlich festgefahren und unflexibel bin, konnte ich mich für jede der Darbietungen begeistern.

Klassische Darstellung des Heiligen Christophorus.Iron-Maiden-Maskottchen Eddie beißt die Zähne zusammen ?Lampe für schummrige Ecken von Thilo Hose vom Moustache Ink aus Worms.
(r) Klassische Darstellung des Heiligen Christophorus. (m) Iron-Maiden-Maskottchen Eddie beißt die Zähne zusammen …. (r) Lampe für schummrige Ecken von Thilo Hose vom Moustache Ink aus Worms.


Eine bunte Mischung erstklassiger Bands

Schon allein der Auftakt am Samstag mit der Ska-Truppe »Slapstickers« ging ganz hervorragend nach vorn, tolle Gute-Laune-Musik mit Blechbläsern und flottem Rhythmus. Die Solo-Performerin Louise Distras bot kernigen unplugged-Punkrock und das Duo »Graveltones« rockte zu zweit dermaßen ab, wie es andere Rockbands mit fünf Leuten nicht hinbekommen. Viele hatten sich natürlich auf die »Buz Dees« gefreut, die Band des gleichnamigen »Knorkator«-Gitarreros. »Buffalo Summer« spielte feinsten Rock, der sich irgendwo zwischen »Lynyrd Skynyrd« und »Led Zeppelin« einordnen lässt und »A Pony named Olga« sowie »Jancee Pornik Casino« boten etwas für Rockabilly- bis Country-Fans.
 
Die Markhalle Hamburg
 
Die Markthalle ist ideal für Konzerte, wie hier für »Lord Bishop Rocks« mit ihrem Motorfunk.
 
Die Markthalle ist ideal für Konzerte, wie hier für »Lord Bishop Rocks« mit ihrem Motorfunk.


1976 dient sie als Konzert- und Veranstaltungshalle. Hier spielten unter anderem schon AC/DC, Iggy Pop oder Run DMC. Gigs von The Clash oder Toy Dolls endeten hier, wie sich das für Punkrock-Konzerte gehört, mit Schlägereien und Polizeieinsätzen.
Die Hamburger Tattoo-Convention fand von Anfang an in der Markthalle statt: »Es liegt nicht daran, dass ich zu blöd wäre, eine größere Halle zu mieten«, antwortet Veranstalter Frank Krabbenhöft gerne, wenn er gefragt wird, warum er mit seiner Veranstaltung denn nicht in größere Räumlichkeiten umzieht. Aber die Markthalle ist nun mal einfach eine coole Location, mit jeder Menge Räumen, Ecken, Winkel, Treppen und Gängen und einem tollen Hauptraum mit Bühne, die mit ihrem Punkrock-Charme nicht unerheblich zur Atmosphäre der Hamburg Convention beiträgt. Ein Umzug in eine andere Halle kommt daher gar nicht in Frage.
 
Ein Leckerbissen für Deutschrock-Fans war natürlich »Zeltinger« aus Köln, der »Asi mit Niwoh«, eine echte Legende und jedem ein Begriff, der in den 80er Jahren irgendwo in Deutschland mal eine Rocker-Party besucht hat. Fette Rockmusik und ein supercooler Frontmann, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ: »Jetz hab isch de Einsatz verbasst, mer fange noch ma an!« kommentierte Zeltinger trocken einen verpfuschten Songbeginn. Die Helden waren für mich aber »Lord Bishop Rocks«, ein Trio, das nach eigenen Angaben »Motorfunk« spielt und in Hamburg wahre Wunder vollbrachte: zu undankbar später Stunde am Samstagabend traten die drei vor ein schon stark gelichtetes Publikum – ungefähr ein dutzend Hansel lungerten noch vor der Bühne rum. »Get off you asses, Hamburg, come to the stage!«, forderte Lord Bishop himself, und was bei jeder anderen Band zur peinlichen Nummer geraten wäre, wurde durch den charismatischen rockenden Bischof zum astreinen Wunder: keine fünf Minuten später hatte er es geschafft, die kläglich-müden Besucherreste in ein brodelndes und tobendes Moshpit zu verwandeln, das so lange vor der Bühne abrockte bis die letzten Töne des Trios verklungen waren. Ein Wahnsinns-Gig, der allein schon den Eintritt wert gewesen wäre!

Die Freak-Show: witzig statt eklig

Zwischen den Musik-Acts zeigten Mona und Estella abgefahrene Choreografien an der Stange, die nichts mit schmierigem Reeperbahn-Mief, aber viel von ästhetischer Hochleistungsakrobatik hatten. Teilweise wusste man wirklich nicht, wie oder mit welchem Körperteil die beiden sich festhielten. Highlight der Veranstaltung aber war der Puzzle-Man The Enigma, einer der Pioniere der modernen Freak-Shows, der mit seiner ebenso reizenden wie durchgeknallten Partnerin Serena Rose an allen drei Tagen ein anderthalbstündiges Programm bot, das nicht durch plumpe Ekel-Effekte, sondern witzig-hintersinnige Unterhaltung überzeugte und begeisterte.
Veranstalter Frank ist oft irritiert, wenn seine Veranstaltung in einem Atemzug mit den »großen« Messen in Berlin, Frankfurt oder Dortmund genannt wird. Aber es gibt tatsächlich kaum eine Tattoo-Veranstaltung, die mit so viel Herzblut und Liebe zur Szene organisiert wird und dem Besucher so viel bietet wie Hamburg. Dass Frank sich nicht am »Wettrüsten« der Mammut-Conventions beteiligt, ist ein wahrer Segen für die Szene, die sich jetzt schon auf die nächste geile Punk-, Rock- und Tattoo-Party an Ostern 2016 freuen kann.

 
The Enigma: Das Unmögliche möglich machen  
Als eines der Gründungsmitglieder des legendären Jim Rose Circus’ gehörte The Enigma zu den Ersten, die die Tradition der amerikanischen Circus-Sideshows mit ihren Feuerspuckern, Schwertschluckern und menschlichen Kuri­ositäten wiederbelebten und in modernisierter Form aufführten. Seine spektakuläre blaue Puzzle-Tätowierung brachte ihm Gastrollen bei Akte X oder auch in einem Video von Billy Talent ein. Doch The Enigma, der unter anderem 13 Jahre lang Musik studierte, sieht sich selbst in erster Linie nicht als Freak, sondern als Entertainer und Unter-haltungskünstler. Im Interview erklärt der Performer, wie man auch im Alltag mit einer so extremen Tätowierung klarkommt und wie man Selbstbewusstsein aus seinen Tattoos gewinnt.

»Der Trick ist, es ist DEIN Witz, nicht ihrer. Das darfst du nie vergessen: Es ist dein Witz! Denn sobald du dir das aus den Händen nehmen lässt, bist du der Witz für andere Leute.«
»Der Trick ist, es ist DEIN Witz, nicht ihrer. Das darfst du nie vergessen: Es ist dein Witz! Denn sobald du dir das aus den Händen nehmen lässt, bist du der Witz für andere Leute.» The Enigma über die Frage, wie er mit den Reaktionen der Menschen auf sein ungewöhnliches Äußeres umgeht.


Wenn ich dich als Begründer der modernen Freakshows bezeichnen würde, wäre das ein Titel, der dir passen würde?
Hm, also …  Ich glaub da muss ich anders ansetzen. Also der Job ist da und ich
versuche ihn so gut wie möglich zu machen. Jemand anders könnte das aber auch. Ich bin nur einer von vielen, viele andere führen die Tradition der Sideshows ebenso weiter.
Was ist für dich das Interessante an deinem Job?
Es ist kein leichter Job und für mich besteht die Herausforderung darin, die Grenze zwischen Fiktion und Realität aufzuheben. Es ist eine von vielen Möglichkeiten, Menschen zum Denken anzuregen, ihren Geist zu öffnen.
Ich habe schon sehr früh damit begonnen, Unterhaltungskunst zu erlernen, nach dem Vorbild von Leuten wie Bobby Reynolds (geboren 1931; Magier, Bauchredner, Feuerspucker und Schwertschlucker; Anm. d. Red.). Aber zuerst kam für mich das Entertainment, und ich habe den Anspruch, das möglichst umfassend zu können. Dazu gehört auch, Witze zu erzählen, zu singen, zu tanzen, zu musizieren und all diese Sachen. Das macht einen Entertainer aus. Erst danach habe ich ein paar Tricks gelernt. Es ist nicht damit getan, sich einfach einen Nagel in die Nase zu rammen. Das ist einfach nur ein Trick, aber noch keine Unterhaltung. Schau dir ein Theaterstück an; da gibt es keine Stunts oder Tricks, sondern nur Leute, die rumlaufen und reden. Aber trotzdem ist es sehr unterhaltsam! Ich denke, viele, die sich im Freakshow- oder Sideshow-Business versuchen, vergessen diese unterhaltende Komponente völlig, dabei ist das die Hauptsache. Und dann kommen da einfach nur noch ein paar unglaublich erscheinende Tricks obendrauf.


Apfelschnitze im Enigma-Style. Nicht zum Nachmachen empfohlen.Eigenwillinge Verkabelung à la Enigma.
(l) Eigenwillinge Verkabelung à la Enigma. (r) Apfelschnitze im Enigma-Style. Nicht zum Nachmachen empfohlen.

Für Entertainer gibt es verschiedene Rich-tungen; wieso hast du dir gerade den Sideshow-Stil gewählt?
Ich hab als Kind sehr viel gelesen und war gleichzeitig so frustriert über die Beschränktheit und die Grenzen der Realität. Als ich dann irgendwann auf Sideshows stieß, merkte ich: Hier ist das Unmögliche möglich! Wenn alle denken, dies oder das geht nicht, das ist nicht machbar, und du tust es dann trotzdem, dann wird die Realität zur Magie. Das ist echte Zauberei! Ich kann mich natürlich nicht unsichtbar machen oder fliegen, so wie man sich als Kind Magie vorstellt, aber – ich kann blau sein und Schwerter schlucken!
Du meinst also, wenn alle sagen würden, »das geht nicht, man kann sich nicht komplett mit blauen Puzzleteilen tätowieren lassen«, dann sprengst du die Grenzen ihrer Realität, indem du es einfach machst?
Ja genau. Aber wenn man seinen Körper verändert, muss man auch sein Bewusstsein, seine Einstellung ändern. Mit so einer Maske –
gut, natürlich hat jeder seine Maske, aber ich eben noch mal in besonderer Weise – da wird man natürlich angesprochen und muss darauf vorbereitet sein, sozusagen der Botschafter vom Mars zu sein. Das ist eine Last, eine schwere Aufgabe, aber wenn du weißt, wie du damit zurechtkommen kannst, dann hast du ein glückliches Leben.  Der Trick ist, es ist DEIN Witz, nicht ihrer. Das darfst du nie vergessen: Es ist dein Witz! Denn sobald du dir das aus den Händen nehmen lässt, bist du der Witz für andere Leute. Erst neulich hat mich jemand angesprochen: »Sie sind im Gesicht tätowiert? Ich habe gehört, das sei verboten!« Und ich dachte: Wie? Was? Wer sollte mir das denn verbieten? Und ich antwortete: »Nun, dann ist es vielleicht an der Zeit, der Menschheit das Geheimnis zu enthüllen, dass man es trotzdem machen kann.«
Du würdest dich also nie dafür rechtfertigen, wie du aussiehst?
Es ist meine Entscheidung, meine Wahl, es ist das, womit ich mich identifiziere. Und aus dieser Identifikation mit meinem Erscheinungsbild entstehen innere Kraft und Selbstsicherheit. Die Veränderung soll dazu dienen, dir Stärke zu verleihen, das ist das Wichtige daran. Und du musst dir darüber klar sein, dass das DEINE Quelle der Kraft und Selbstsicherheit ist.

Der Gentleman gibt der Dame Feuer ? mit Flex und Beil.
»Der Gentleman gibt der Dame Feuer – mit Flex und Beil.


Wieso eigentlich gerade blaue Puzzleteile?
Ich hab über mein Programm nachgedacht und mir überlegt: Wie kann ich das noch verbessern? Ich mache Musik, schlucke Schwerter – wie kann man das steigern? Und dann dachte ich mir: Was wäre, wenn ich eine andere Farbe hätte? Und wie würde ich das anstellen? Mit farbigen Scheinwerfern? Aber das wäre zu billig. Anmalen? Das klebt und macht Sauerei. Und dann dachte ich: Was, wenn ich mich blau tätowieren lassen würde? Also ich würde Eintritt bezahlen, um so einen Typen zu sehen! Am Anfang war es nur eine kleine Idee, aber es kommt einfach nur darauf an, wie viel man investiert, um es zu einer großen Idee zu machen. Denn zunächst wusste ich auch gar nicht, wie ich das realisieren sollte. Ich rief sogar mal beim Tattoo-Supplier Spaulding & Rogers an und fragte: »Wie viel Tattoofarbe braucht man eigentlich, um einen Menschen komplett blau zu tätowieren?« und sie meinten: »Äh, keine Ahnung – aber sagen Sie Bescheid, wenn Sie’s rausgefunden haben!« Ich hatte verschiedene Ideen, zum Beispiel hatte ich mir auch überlegt, mich komplett in einem Paisley-Muster tätowieren zu lassen, und dann hatte ich die Idee mit den Puzzleteilen, die es mir ermöglichte, das Ganze Schritt für Schritt anzugehen, denn ich hatte ja kein Budget für so was. 1993 ließ ich zunächst alle Outlines stechen und inzwischen haben ungefähr 250 Tätowierer aus der ganzen Welt ihren Beitrag geleistet.
Ich kenn das ja auch von mir selbst, wenn man ein neues Tattoo hat, sich morgens im Spiegel sieht und sich erst mal dran gewöhnen muss, jetzt wieder ein bisschen anders auszusehen – hast du jemals in den Spiegel geschaut und dich über eine Veränderung erschreckt? Warst du jemals unsicher in Bezug auf deine Entscheidung?
Ich empfand das nie als schockierend. Wenn man in den Spiegel schaut, stellt man immer wieder Veränderungen fest, das ist ja bei jedem so; mal hat man einen Bart, dann rasiert man sich, dann fallen die Haare aus oder werden grau, das kennt ja jeder – das Tattoo ist nur eine Art von Veränderung. Ich schau' eben in den Spiegel und denke: Ich bin ein großes, hässliches Kind! (lacht)
Es gab mal jemanden – oder es gibt ihn  vermutlich immer noch – der sich genau wie du über und über mit blauen Puzzleteilen tätowieren ließ. Was denkst du darüber, kopiert zu werden?
Also bei der ganzen Sache geht es ja um Identität. Und das ist schon schräg, wenn jemand so etwas macht, um wie ich auszusehen, wie ich sein zu wollen. Es ist ja meine Idee, sie kam aus mir heraus – und sie ist ja bereits umgesetzt. Warum würde man die gleiche Idee noch mal umsetzen wollen? Jetzt wäre die Zeit, etwas Anderes, Besseres zu machen. Jemand müsste es auf das nächste Level heben, ein neues Konzept finden. Ich hab dieses Konzept ja schon ausgeschöpft und bei der unendlichen Menge von Möglichkeiten gibt es ja gar keinen Grund, etwas zu wiederholen oder jemandes Identität zu kopieren. Wenn man denkt: »Oh, da hatte jemand ’ne coole Idee, die ist viel toller als das, was ich mir ausdenken könnte« und das dann nachmacht, weil man glaubt, jemand anders sei irgendwie besser – das macht einfach keinen Sinn. Das Ziel sollte sein, so viel du selbst zu sein und Stärke daraus zu ziehen, wie du nur kannst. Und wenn du das schaffst, gehört dir die Welt.
 


 
 


Text: Dirk-Boris
Bilder: Christian Böge




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03.08.2014
Text: Dirk-Boris Bilder: Christian Böge
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Stand:19 December 2018 10:43:51