Berlin Convention 2013


Der Sonne entgegen

Die Berlin-Convention zieht um: in eine neue Location – und eine andere Jahreszeit!

 

Die Berlin-Convention zieht um: in eine neue Location – und eine andere Jahreszeit!
Hatten die Teilnehmer der 22. Berlin-Convention im letzten Jahr noch mit Kälte und Schnee zu kämpfen, konnten sie zur diesjährigen 23. Ausgabe relaxt im Sommeroutfit losschlendern. Ab sofort findet die Convention nämlich im August und nicht, wie die Jahre zuvor, im Dezember statt. Und dieses Augustwochenende war eines für ausgiebige Badesessions im Schwimmbad oder am See. Über 30 Grad brachten die Bewohner des Berliner Betondschungels zum transpirieren. Kein Wölkchen am blauen Hauptstadthimmel. Nur die erbarmungslose Sonne, die ihre Strahlen bedrohlich auf tätowierte Haut brennen ließ.

 Die Tattoos dieser Besucherin stammen von Axli von der Body Gallery aus der Slowakei. 
Größer geht’s kaum: XXXL-Skull von Albert vom Studio S13 aus Russland. 
(rechts) Größer geht’s kaum: XXXL-Skull von Albert vom Studio S13 aus Russland. 
(ganz rechts)  Die Tattoos dieser Besucherin stammen von Axli von der Body Gallery aus der Slowakei. 


Tausende Besucher 
trotz Hitze
Dass trotzdem tausende Tätowierte, und 
solche, die es werden wollten, in der »Station Berlin« in Kreuzberg Halt machten, zeigt, wie sehr die Berliner an ihrer Convention hängen und wie populär die Tattoo-Szene mittlerweile geworden ist. »Sogar eine Frau mit Kopftuch hat mir vor kurzem das Kompliment gemacht, dass sie meine Tattoos sehr schön fände«, 
erzählt das aktuelle TattooStyle-Covergirl KT van Stone, die auf der Convention am TM-Stand arbeitete. Die unterschiedlichsten Menschen erreicht dieses Thema also mittlerweile auf charmante Weise – auch wegen der gelungenen Außendarstellung in den Medien und im Alltag, durch die Szene selbst. Auch die Massenmedien schulterten ihre Kameras: Zusammen mit bekannten Tattoomodels drehte ein Fernsehproduktionsteam frisches Material für die Daily-Soap »Berlin – Tag & Nacht«.

Men in Black:  Liorcifer, Benjamin Moss und Robert Hernandez 

Men in Black:  Liorcifer, Benjamin Moss und Robert Hernandez 

Rasensprenger, Frozen Jogurt und Herbert Hoffmann
Der neue Austragungsort der Convention ist facettenreich. Der Vorhof von der Größe eines halben Fußballfeldes war zugänglich ohne den Eintrittspreis von 19 Euro (Wochenendticket 38 Euro) auf die Theke legen zu müssen. Dort konnten Neugierige schon mal vorausahnen, wie es drinnen weitergehen würde: Hier sprühten Tätowierer Graffiti auf Stellwände, alte US-Cars standen in der sengenden Hitze, vor der sich die Besucher unter Sonnenschirmen halbwegs in Sicherheit bringen konnten und sich mit Frozen Jogurt und unter dem Rasensprenger abkühlten, der eigens aufgestellt wurde. Betrat man das Gebäude, befand man sich auch schon mitten in der Ausstellung des Teutloff-Museums aus Bielefeld, ein Museum für moderne Kunst. Unter dem Motto »The Face of Freedom« wurden hier frühe und aktuelle Momentaufnahmen aus dem Leben Tätowierter gezeigt. Bis zu 25.500 Euro kosten diese Aufnahmen, von denen auch Herbert Hoffmann einige beisteuerte. Auch diese erreichen Preise von mehreren Tausend Euro. Dahinter, immer noch in derselben Halle, kamen Tätowierer und Händler ins Spiel.
 
 

Colin Dale ist Experte für Tattoo-Motive aus der Wikingerzeit. Ein Tattoo im Rückenformat dauert eine ganze Weile, da Colin von Hand arbeitet.Colin Dale ist Experte für Tattoo-Motive aus der Wikingerzeit. Ein Tattoo im Rückenformat dauert eine ganze Weile, da Colin von Hand arbeitet.
Colin Dale ist Experte für Tattoo-Motive aus der Wikingerzeit. Ein Tattoo im Rückenformat (rechts) dauert eine ganze Weile, da Colin von Hand arbeitet (ganz rechts).


Problematisches Glasdach
In dieser Halle also, deren Steinboden, Wände und Decke komplett geweißelt waren, konnte Händlern, Besuchern und Tätowierern die Hitzeschlacht draußen relativ egal sein. Es drang zwar Tageslicht durch die Fenster, direkte Einstrahlung fand hier aber nicht statt. Allerdings besteht die »Station Berlin« aus einer weiteren, angrenzenden Halle. Für Händler und Tätowierer dort wurde es zumindest am Freitag noch problematisch, da das Dach aus Glas besteht. So wanderte die Sonne von Stand zu Stand, was einige Tätowierer und ihre Kunden zur Aufgabe zwang. Veranstalter Frank Weber vom Berliner Studio B52 reagierte und bereits samstags wurde das Dach teilweise mit lichtundurchlässigen Planen abgedeckt. Die Besucher und Aussteller atmeten auf, die Dauerhitze war gestoppt. Im Verlauf des Wochenendes sorgten zudem ein paar kurze Schauer für angenehmere Temperaturen.


Tibetischer Skull von Tom, Art of Paint, Oranienburg. 

Tibetischer Skull von Tom, Art of Paint, Oranienburg.  

Szene-Stars und kompetente Jury

Berlin war tattootechnisch hochkarätig besetzt: Hier lief dem Conventionpublikum Horror-Kardinal Liorcifer aus den USA mit seinem wuchtigen schwarzen Dreadlocks über den Weg, der so düstere Szenerien sticht, dass die Sonne eigentlich untergehen müsste. Da begegneten sie dem Wahl-spanier Robert Hernandez aus Madrid, der in seinen Black-and-Grey-Tattoos eine exzellente Tiefenwirkung erreicht. Dazwischen: Moderator Detter, der die Besucher mit einem City-Bike umkreiste, denn das Gelände umriss einige Tausend Quadratmeter. Da machte Kraft sparen Sinn.
Im Glasdachbereich fand auch das Bühnenprogramm statt. Mit der japanischen Performance-Künstlerin Sanaxxx, die per Ausdruckstanz und authentischem Kostüm Einblicke in die Mythologie Japans gewährte, erreichte das Programm kulturellen Anspruch. Selbiges gelang auch bei den Contests, die mit dem Juror Maik Frey ein Szene-
unikat bot, das mehrere Berufsjahrzehnte als Tätowierer auf dem Buckel hat. Unterstützt wurde er bei der Bewertung der Hautbilder von der schwedischen Tattoo-Legende Heidi Hay und Tätowierer Robert vom Global Custom Shark in Lampertheim. Die Show der Superfly-Suspension-Crew war das Highlight des Samstagabends. Suspensions sind mittlerweile fast ausgestorben auf Conventions. In Berlin jedoch wurde das Superfly-Team mit donnerndem Applaus verabschiedet.

Die Russen kommen
Keine 20 Meter vom Bühnengeschehen entfernt, versammelten sich die Russen: Tätowierer wie Aleksandr Pahkov aus Barnaul, Pavel Angel aus Moskau, Karina Cuba oder Pionier aus Omsk stachen und stechen fotorealistische Tätowierungen, die auch den höchsten Erwartungen, die man an das Realistic-Genre stellen kann, standhalten. Und die Zahl ihrer Nachfolger mit denselben Fähigkeiten steigt beständig im im Kunsthandwerk sehr solide ausgebildeten Osten.
Jakub Settgast, gebürtiger Pole, jetzt sesshaft in Friedrichshain, hatte ebenfalls einen eigenen Stand. Sein Steckenpferd sind Traditionals, die im Gegensatz zur vielfarbigen und minutiösen Realistic oft frei von Details sind und durch gewaltige Outlines, tiefschwarze Schattierungen und satte 
Farbflächen einen klareren Bildaufbau verfolgen. Jakub vergrößerte gerade sein Studio Seven Devils und zieht zusammen mit weiteren etablierten Tätowierern wie Gianni Gabbianotre in ein 170-Quadratmeter-Studio, ebenfalls in Friedrichshain. Dort stapeln sich übrigens mittlerweile Top-Studios und Tattoomodels – und auch der ein oder andere bekannte Tattoojournalist zieht hier seine Kreise. Hier hat sich in kurzer Zeit ein kleines Mekka der Tätowierung gebildet, wo bis zu drei Studios in einer Straße friedlich 
ko-existieren und sich über zu wenig Aufträge nicht beschweren können.

Imposanter Drachen-Rücken von Jana von Glorious Ink aus Berlin.
Imposanter Drachen-Rücken von Jana von Glorious Ink aus Berlin.


Mutige Mädchen
Knapp 200 Tätowier- Info- und Händlerstände listete das Convention-Programmheft auf. An jeder Tätowiererbox arbeiteten meistens mehrere Artists. Colin Dale, Studio Skin and Bone in Dänemark aber, hatte seine ganz eigene Plattform. Auf der saß er im Schneidersitz und stach seine berühmten Celtic- und Wikinger-Tattoos mit einer Nadel, die an einem Knochen befestigt ist. Hipster, Edger, Punks und Neutrale machten ihm ihre Aufwartung und verweilten kurz oder auch länger an seinem Arbeitsplatz, um seine historische Art zu tätowieren zu verfolgen: Colin experimentiert erfolgreich mit Tattootechniken aus der Steinzeit. Auch zu bewundern war der Mut einiger junger Frauen, die manchmal fast nackt auf den Liegen der Tätowierer Platz nahmen. Ob wegen der Temperaturen oder weil es sich um Rippen- und Steißtattoos handelte, die hier tätowiert wurden? Wohl eine Mischung aus beidem. Beschwerden über so viel Freizügigkeit gab es natürlich nicht. Tattoofans waren hier, um Haut zu zeigen und um Haut zu sehen. Und sie enttäuschten sich gegenseitig nicht.

Nächste Convention schon im Dezember
Flatscreen-TVs zeigten die Geschehnisse vorangegangener Berlin-Conventions. Im Außenbereich war dafür sogar eine Leinwand aufgestellt worden. Wünschenswert wäre hier allerdings eine dauerhafte Live-Schaltung zur Bühne gewesen, wie es zumindest sonntags der Fall war, sodass auch die Besucher und Arbeitenden fernab der Stage sehen konnten, was sich dort tat. Obwohl die Touristen im August zahlreich nach Berlin strömen und die Berliner zu der Zeit eigentlich im Urlaub sind, scheint sich die Szene zuhause einquartiert zu haben. Und statt die umliegenden erfrischenden Gewässer aufzusuchen, unterstützten sie lieber Frank Webers Convention. Vom sechsten bis achten Dezember gibt es Nachschlag: Dann nämlich findet eine kleinere Ausgabe der Convention statt, ebenfalls unter Frank Webers Leitung. Wir halten euch auf dem Laufenden.


Text: Jan Burger
Bilder: Travelingmic




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01.10.2013
Text: Jan Burger Bilder: Travelingmic
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Stand:18 September 2019 05:45:20 Warning: fopen(cache/8f3ce3b81f5d839a7ba81e823c40728a.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 163 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 164 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 165