BIKERS NEWS 09.03.2006
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Razzia beim Outlaws MC


Die Table-Dance-Night des Outlaws MC Ehingen wurde von einer Polizei-Razzia überschattet

Für ihre vierte Table-Dance-Night hatten sich die Member des Outlaws MC Ehingen mächtig ins Zeug gelegt. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden. Als Location wurde die Diskothek P3 in Munderkingen angemietet. Sie bot ausreichend Platz, ein ideales Ambiente, und die Räumlichkeiten ließen sich perfekt für das geplante Konzept der Party aufteilen. Ein Bistro versorgte die Gäste mit Speisen. In der kleinen, ruhige Bar waren fernab vom Trubel bei gedämpfter Musik Gespräche möglich. Ein großer Hauptraum war mit eigens errichteter Bühne, Stangen und Käfigen für die Tänzerinnen, zwei großen Theken und einer Videoleinwand für Bilder von vergangenen Veranstaltungen bestens präpariert.
Zusätzlich bot das P3 noch eine kleinere Lounge, die von den Outlaws für Private-Dances abgeteilt wurde. Außerdem wurde im ersten Stock noch ein großer Raum hergerichtet, der Übernachtungsmöglichkeiten für die angereisten Member und Gäste bieten sollte. Da die Veranstaltung sowohl im Internet als auch auf Plakaten beworben wurde, war die Genehmigung der Veranstaltung durch die zuständigen Behörden erteilt worden. Damit standen auch dem regulären Publikum der Diskothek, das nicht aus der Bikerszene kam, die Türen offen. Für ein rauschendes Fest in einer coolen Location war bestens gesorgt.
Die Table-Dance-Night in Ehingen bedeutet für die Member des Outlaws MC auch immer Personenkontrollen. Die Behörden liessen es sich auch dieses Jahr nicht nehmen, sämtliche Zufahrten zur Stadt Munderkingen mit Kontroll­punkten zu versehen. Keiner der Gäste ließ sich dadurch die Laune verderben. Alle nahmen die Kontrollen gelassen hin. Und so füllte sich das P3 mit Outlaws aus dem In- und Ausland, mit Freunden, neugierigen Besuchern und befreundeten Clubs. Eine Stunde vor Mitternacht war der Club gut gefüllt, und die Stimmung bei allen Gästen ausgelassen. Sieben Tänzerinnen standen bereit, um die Gäste mit ihrem Können zu verwöhnen. Die Outlaws Ehingen wollten ihren Besuchern einen unvergesslichen Abend bieten. Und der sollte es auch werden. Allerdings nicht so, wie die Veranstalter sich das gedacht hatten.

Maskierte Besucher in der Karnevalszeit

Gerade in der Karnevalszeit durften alle auch mit maskierten Besuchern rechnen. Aber die Art von Gästen, die gegen 23.30 Uhr den Club aufsuchten, hatte niemand erwartet. Die vierte Tänzerin gab gerade auf der Bühne eine Kostprobe ihrer Talente, als die sämtliche Türen unter großem Lärm aufflogen. Mehrere Dutzend Beamte verschiedener Spezialeinheiten, gefolgt von Bereitschafts- und Kriminalpolizei stürmten die Diskothek. Laute Rufe „Razzia“ erschallten, und innerhalb von Sekunden wurden die Besucher überwältigt und teilweise auf den Boden gezwungen.
 

Ein Member der Outlaws stand mit Mikrofon am Mischpult. Als er die neu eingetroffenen Gäste mit coolen Bemerkungen begrüßte, endete der Witz für ihn im Krankenhaus. Drei weitere Outlaws, die den Aufforderungen sich hinzulegen nicht sofort nachkamen, wurden mit Kabelbindern gefesselt und mit Gewalt hinaus geleitet.

Polizei-Einsatz mit Pannen

Einige Pannen überschatteten den Sturm der beteiligten Polizeikräfte: Eine Einheit sollte durch den Haupteingang stürmen. Sie sah sich mit einer verschlossenen Tür konfrontiert und versuchte, die Glastür mit Hilfe einer Ramme aufzubrechen. Das zog sich in die Länge, und so waren die Beamten immer noch mit der Tür beschäftigt, als bereits die gesamte Diskothek von den restlichen Einheiten unter Kontrolle gebracht war. Ein Kollege einer anderen Einheit erwies sich als Retter in der Not und öffnete die Tür von innen. Türen von Kneipen und Diskotheken öffnen sich nun mal immer nach außen.
 

Ein unbeteiligter Passant sah vermummte Gestalten auf sich zukommen, weshalb er seinen Hund auf die vermeintlichen Bösewichter hetzte. Daß es sich um einen Polizeieinsatz handelte, war für ihn zu diesem Zeitpunkt nicht ersichtlich. Der Hund wurde eingefangen und nach Ulm ins Tierheim gebracht.
Insgesamt verhielten sich die Outlaws und ihre Gäste besonnen und leisteten keine Gegenwehr. Auch die folgenden Prozeduren liessen sie über sich ergehen. Jeder Gast wurde mit einer Nummer versehen und einzeln hinaus gebracht. Dort wurden alle gründlich durchsucht, fotografiert und gegebenenfalls weiteren erkennungsdienstlichen Maßnahmen unterzogen. Einige Besucher mussten Urinproben für Drogentests abgeben. Danach wurden Outlaws und Gäste vom Gelände geleitet und mit einem Platzverbot belegt. Alle auf dem Parkplatz des Clubs befindlichen Fahrzeuge wurden geöffnet und ebenso wie die Räumlichkeiten der Diskothek gründlich durchsucht. Auch Drogenspürhunde kamen zum Einsatz. Diese Maßnahmen sollten sich bis in die frühen Morgenstunden hinziehen.
Ein Hubschrauber kreiste über dem Parkplatz der Diskothek und leuchtete das Gelände aus. Auf der Zufahrtsstraße wurden mehrere Lichtmasten aufgestellt und Dutzende von Polizeifahrzeugen und Bussen führten weitere Verstärkungen heran.
Eine Auskunft über den Sinn und Zweck der Razzia wurde den Betroffenen verweigert. Erst als der Anwalt des Outlaws MC spät in der Nacht am Ort des Geschehens eintraf, wurden die Behörden auskunftsfreudiger. Als Gründe für den Einsatz wurden Bedenken wegen der öffentlichen Sicherheit, sowie der Verdacht auf Drogen- und Waffenhandel während der Veranstaltung angeführt.

Eine Pressemitteilung der Polizei genügt uns nicht

In einer Pressekonferenz am folgenden Tag unterrichtete der zuständige Einsatzleiter die Medien über die Ergebnisse der Razzia. Im offiziellen Pressebericht der Polizeidirektion Ulm hiess es: „Gegen insgesamt 15 Personen wird wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, das Waffengesetz, wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss oder wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. An einer Kontrollstelle wurde ein Autofahrer mit knapp zwei Promille aus dem Verkehr gezogen, eine Autofahrerin auf dem Weg zur Veranstaltung stand unter Drogeneinfluss. Die Polizei stellte 27 Gramm Kokain, drei Gramm Marihuana, mehrere Joints und Gebrauchsgegenstände für Drogenkonsum sowie mehrere Messer, Hiebwaffen, Baseballschläger und Pfefferspray sicher.“
Die Auskünfte reichten uns nicht, wir hakten weiter nach. Zum Beispiel wollten wir wissen, ob der Kokainfund auf professionellen Drogenhandel vor Ort schliessen liesse, und ob er überhaupt auf das Konto der Outlaws gehen würde. Die Polizei gegenüber BIKERS NEWS: „Die 27 Gramm Kokain wurden bei mehreren Personen gefunden. Aber der Löwen-Anteil befand sich bei einer einzelnen Person. Ob diese Person Mitglied der Outlaws war, können wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Wir richten unser Hauptaugenmerk bei der Durchsuchung von Personen auch nicht auf eine Mitgliedschaft.“
Überhaupt vermerkte die Polizei, daß diese Aktion nicht gegen den Outlaws MC gerichtet sei: „Der Aufwand unseres Einsatzes hängt nicht vom Veranstalter ab, sondern von unseren Erkenntnissen. Bei einer anderen Veranstaltung, die nicht von Rockern organisiert ist, wäre der Aufwand gleich groß gewesen.“ Wie groß der Aufwand tatsächlich war, konnten wir allerdings nicht in Erfahrung bringen: „Wir hatten verschiedene Spezialkräfte aus allen Bereichen. Das möchten wir jetzt nicht vertiefen. Über Zahlen machen wir grundsätzlich keine Angaben. Es könnten durchaus mehr Polizisten als Gäste gewesen sein.“

Merkwürdigkeiten der Behörden

Klaus-Martin Rogg ist der Anwalt der Outlaws. Er machte uns auf einiges aufmerksam, das doch auf alles andere als auf einen Routine-Einsatz der Polizei schliessen lässt. In einer sogenannten „Gestattung“ hatte die Stadtverwaltung Munderkingen die Veranstaltung inhaltlich völlig korrekt als „Table-Dance Party des Motorradclubs Outlaws in der Diskothek P3 in Munderkingen“ genehmigt. Diese Gestattung wurde mit dem 16. Februar 2006 datiert. Sie fordert über die üblichen Auflagen hinaus die Einrichtung eines Ordnungsdienstes zur Überwachung der Veranstaltung.
Das gleiche Datum trug bemerkenswerterweise auch die Allgemeinverfügung der Polizeidirektion Ulm. Sie sollte den Großeinsatz der Polizei rechtfertigen. Um den zu verargumentieren wird nicht nur ausgerechnet der behördlich geforderte „Türsteher/Security-Dienst“ der Outlaws ins Feld geführt. Vielmehr erwarte die Polizei Straftaten, da die Polizeidirektion Ulm gegen Mitglieder des Outlaws schon lange „wegen Schutzgelderpressung, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie weiteren kriminellen Aktivitäten im Rotlichtbereich“ ermittelt. Die in der nachträglichen Pressemitteilung der Polizei geäußerten „Bedenken für die öffentliche Sicherheit“ dürften den Behörden also längst bekannt gewesen sein, und zwar während sie die Veranstaltung genehmigten.
Auch bestätigte der Bürgermeister von Munderkingen nachträglich gegenüber Rogg in der Pressekonferenz, ein rechtzeitiges Herunterfahren des Stroms im Gebiet der Diskothek veranlasst zu haben, um den Einsatz der Hubschrauber nicht zu stören.
Mit anderen Worten: Polizei und Stadtverwaltung liessen die Outlaws gezielt und vorsätzlich in eine Falle geraten. Das war nach Auffassung des Anwalts nicht nur rechtswidrig, der Einsatz der Polizei war auch unverhältnismäßig, da eine sorgfältige Überprüfung der Gäste und Teilnehmer schon im Vorfeld der Verkehrskontrollen erfolgt war.
„Wir werden Widerspruch einlegen“, erklärte Rogg deshalb uns gegenüber. Davon erhofft er sich weniger einen Ausgleich des wirtschaftlichen Schadens der Outlaws. Die Folgen könnten vielmehr die ganze Szene betreffen, fügt Rogg hinzu: „Die Polizei wird sich in Zukunft so einen Einsatz besser überlegen.“

O.T. / Ahlsdorf

Was die Betroffenen zu sagen haben: Das Interview mit dem Outlaws MC findet ihr in der BIKERS NEWS 4/06.

 


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Stand:25 May 2020 00:45:41 Warning: fopen(cache/e09c41431a4ef5ee461d6472f8297886.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 163 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 164 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 165