Whisky, Dudelsack und was zu sagen - The Real McKenzies


 Whisky, Dudelsack und was zu sagen 

Sie gelten als absolute Partyband. Wo die Real McKenzies auftauchen, ist eine wilde, alkoholgetränkte Sause garantiert. Und dennoch geht es den Kanadiern um weit mehr als das. Sänger Paul im Interview.


Hallo Paul. Was habt ihr seit dem Release von „Westwinds“ vor drei Jahren so getrieben?

In der Zwischenzeit ist viel passiert. Es hat wieder mal Veränderungen im Line-up gegeben, wir haben Videos gedreht und der Autor Chris Walter hat eine Bandbiografie über uns geschrieben. Aber das sind nur die Dinge, die wir als Band gemacht haben. Zwischen den Touren und der Musik haben wir alle noch Jobs, um auch in der echten Welt zu überleben. Das kann manchmal echt schwierig sein, alles hinzubekommen. Ich hätte viele gute Jobs haben können, mit einer Krankenversicherung, Zahnzusatzversicherung, sozialer Absicherung und allem Drum und Dran. Aber wir haben all das für die Musik aufgegeben.

Was für einen „normalen” Job machst du denn, wenn du nicht auf Tour bist und den Rockstar gibst? 
Ich bin ein Glass Wall Maintenance Tech, das ist sowas wie ein Gebäudereiniger für Wolkenkratzer. Ich hänge an großen Gebäuden und putze die Glasfassaden. Hier in Vancouver gibt es im Frühjahr, Sommer und Herbst in diesem Job immer Bedarf. Leider sind das auch die typischen Tourmonate. Deshalb nehme ich oft jeden Job an, den ich bekommen kann. Manchmal sind das schwierige oder dreckige Jobs, die niemand sonst will. Aber ich zieh das dann durch, auch wenn es der letzte Scheißjob ist, denn das ist immer noch besser als gar keine Arbeit zu haben.

Du hast erwähnt, dass bei den Jobs, die du hättest haben können, immer eine Kranken- sowie eine Zahnzusatzversicherung dabei gewesen wäre. Sind die in Kanada nicht jedem zugänglich?
Doch, die allgemeine Krankenversicherung kann man sich schon leisten. Aber die Zahnzusatzversicherung ist sehr teuer und auch wichtig. Denn ein Zahnarztbesuch kann schnell richtig Geld kosten. 

Bereust du es manchmal, dass du dich für dieses Leben entschieden hast, anstatt einen „richtigen“ Job zu haben und ein ruhiges Familienleben zu führen?

Ich bereue nie, dass ich mich für dieses Leben entschieden habe. Obwohl wir mit der Band sicher nicht superreich werden, so ist es doch viel wichtiger, was uns die Musik gibt. Wir haben mit unseren Songs und den darin enthaltenen Botschaften tatsächlich schon Leben verändert oder sogar gerettet. Durch unsere Konzerte können sich die Menschen lebendig fühlen. Das ist ja wohl sehr wichtig, oder? Wir tragen somit unseren Teil zur Welt und der Gesellschaft bei. Das ist für mich unbezahlbar.

Warum spielt Karl Alvarez nicht mehr in der Band? Du hast in einem Interview gesagt, dass ihr alle Amerikaner rausgeschmissen habt. 
Das war nur meine Art von Humor und voll Punk zu sein. Alle Amerikaner in der Band haben von sich aus aufgehört, da wurde keiner gefeuert. Karl Alvarez musste sich um familiäre Angelegenheiten kümmern und spielt auch noch in anderen Bands. Aber wir lieben Karl und er ist jederzeit willkommen, wieder ein Teil von unserer Familie zu werden. Es ist wesentlich leichter in einer Band zu spielen, wenn die Mitglieder nah beieinander wohnen. Da kann man viel spontaner proben und an Songs arbeiten. 

Auf der anderen Seite sieht es so aus, dass ihr es ganz ohne die Amis auch nicht schafft …
Ja, Little Joe (Anm. Martin: Little Joe Raposo von den legendären Rich Kids On LSD) hat das Album zusammen mit Fat Mike und uns produziert. Josh Garcia war ein toller Toningenieur. Das sind gute Jungs, wir mögen sie alle sehr. 

Mitte der 2000er Jahre war die ganze Irish-Folk-Punk-Welle der heiße Scheiß. Heutzutage sind nur noch einige wenige Bands davon übrig geblieben.
Nun ja, da wir ja eine schottisch-kanadische Rock-’n’-Roll-Band sind, waren wir immer die Ausnahme dieser Irish-Folk-Punk-Welle. Aber ich kann dir sagen, dass es immer Bands geben wird, die auf einer Welle mitschwimmen wollen und wenn die verebbt, springen sie auf die nächste auf. Wir sind mit voller Leidenschaft seit 1992 dabei und machen uns da auch nichts vor. Uns motiviert die Liebe zur Musik und die Möglichkeit, anderen durch unsere Lieder Hoffnung und Glück zu bringen. Das ist besonders wichtig in schwierigen Zeiten wie diesen. Es ist doch so im Leben, dass Trends kommen und wieder verschwinden. Wenn du nur lange genug dranbleibst, siehst du, wie aus dem Alten von gestern wieder der heiße Shit von morgen wird. Alles ist schon gemacht worden. Es braucht innovative Künstler, die der Musik neues Leben einhauchen und ihren eigenen Stil prägen.

Eure neue Platte heißt „Rats In The Burlap“. Was heißt das?
Burlap ist das englische Wort für Leinensack oder Jutebeutel. Darin wurde früher Kartoffeln und Gemüse verkauft, bevor es Plastiktüten gab. Auf Schiffen haben sich Ratten in diese Säcke geknabbert. Sie haben darin gelebt und den Inhalt gefressen. 
Damit beschreiben wir uns selbst. Wir machen uns die Backen voll „like rats in the burlap“. (Anm. Martin: Nach meinem Verständnis ist das Sprichwort ähnlich dem deutschen von der „Made im Speck“.)

Du hast in einem Interview davon erzählt, wie sehr die Rocklegende MC5 dich beeinflusst hat. Erzähl mal, wie du zu denen gekommen bist und wie sie dich geprägt haben.
Wir haben alle unterschiedliche musikalische Vorlieben. Ich bin wirklich ein großer MC5-Fan. Diese Band hat mich nicht nur musikalisch geprägt, sondern mir vor allem geholfen, mein politisches Bewusstsein zu entwickeln. Deshalb sind sie für mich besonders wichtig. 1968, als die meisten Achtjährigen noch mit Spielzeug im Park saßen, habe ich schon angefangen erste Songs zu singen, um meine Ansichten auszudrücken. Und das, obwohl ich noch so klein war. Dafür danke ich den MC5 bis heute, dass sie mir diese Möglichkeit gegeben haben, mich selbst auszudrücken und die Person zu werden, die ich heute bin. 

Jetzt habt ihr mit „Who’d A Thought“ einen politischen Song geschrieben. 
Wenn du dir die Zeit nimmst und hinhörst, wirst du sehen, dass viele unserer Songs politische Ideen und Ideale beschreiben oder aus einem politischen Bewusstsein heraus geschrieben wurden. Hör dir mal alte schottische oder irische Volkslieder an. Ein Großteil davon besteht aus rebellischen Songs, die das Ziel hatten, sich gegen eine unterdrückende Herrschaft auszusprechen. Auch heute ist das noch so und deshalb sehen auch wir uns in dieser Tradition und singen gegen Tyrannei und Faschismus, so wie es unsere Vorfahren seit hunderten Jahren getan haben. Wir wollen da weiter machen, wo sie aufgehört haben und unsere treibende Musik scheint dafür perfekt geeignet, diese Botschaft dem Zuhörer nahezubringen.  

In dem Song geht es unter anderem um die ökologischen Schäden, die große Konzerne der Welt einbrocken. Gerade die kanadische Ölindustrie erlebt durch die Förderung von Ölsanden gerade einen zweiten Frühling, was einhergeht mit einer massiven Zerstörung der Umwelt. Inwiefern bekommt ihr davon etwas mit?
Es gibt in Kanada viele Menschen, die der Agenda der herrschenden Parteien überhaupt nicht zustimmen. Es ist eine beschämende Katastrophe und ein Verbrechen, was da im Norden von Alberta passiert. Es wurden Gesetze verabschiedet, die es illegal machen, gegen diese Verbrechen an der Umwelt auch nur zu demonstrieren oder sich öffentlich zu äußern. Diese Leute werden dann als Terroristen bezeichnet und in Akten geführt. Aber auch ihr in Deutschland wisst ja, wie das ist, denn diese Zerstörung durch Konzerne passiert doch weltweit. Deshalb versuchen sie, unseren Protest zu unterbinden, um ihr eigenes Fortbestehen zu sichern.

Was sagst du Leuten, die nur zu euren Shows kommen, um zu trinken und einen schönen Abend zu haben?
Es lag schon immer an jedem selbst, wie er oder sie unsere Shows erleben will. Natürlich ist es eine Tatsache, dass wir gerne feiern. Aber wir wollen eben auch auf die Probleme in der Welt aufmerksam machen. Man kann schließlich Spaß haben und sich informieren. Es ist wichtig, seine Freunde zu kennen, aber genauso wichtig ist es, über seine Feinde Bescheid zu wissen. 

Der Song „Bootsy The Haggis Eating Cat“ ist ein richtiger Rock-’n’-Roll-Song à la Stray Cats. Hörst du auch solche Bands gerne?
Ich wurde 1960 geboren und habe schon seit ich klein bin immer alle möglichen Bands und Musikstile gehört. Meine persönlichen Vorlieben gehen von Klassik bis Jazz, fünfziger Jahre Beat-Musik bis hin zu Rock ’n’ Roll. Ich schätze mich wirklich glücklich, über so viele Einflüsse zu verfügen und so viel gute Musik und Kunst während meines Lebens mitbekommen zu haben.

Muss man denn, wenn man bei den Real McKenzies spielt, auch Haggis mögen? Ist das eines der Einstellungskriterien?
Ich schreibe den anderen Bandmitgliedern sicher keine strikte schottische Diät vor. Wenn sie ihren Haggis mit mir teilen wollen, dann dürfen sie das gerne. Denn ich liebe Haggis und würde es natürlich bevorzugen, so viel wie möglich davon zu essen, denn es ist wirklich sehr lecker.

Ihr habt auch bei Fat Mikes Musical „Home Street Home“ mitgewirkt. Was war eure Rolle und wie habt ihr euch darauf vorbereitet?
Um ehrlich zu sein, darauf mussten wir uns nicht wirklich vorbereiten. Denn wir Real McKenzies hatten die Rolle „Stumme Säule“.

Was machst du in deiner Freizeit, wenn du gerade keine Musik machst?
Ich lese viel, schreibe ein wenig, segle gerne, rudere, fahre Motorrad oder Fahrrad und nehme auch an Rallyes teil. Mit meiner Familie gehe ich campen und fischen. Außerdem spiele ich viele verschiedene Instrumente wie Harmonium, Akkordeon, Saxophon und Ukulele.

Im letzten Jahr ist euer langjähriger Gitarrist Dave Gregg (u. a. auch D.O.A.) gestorben. Was ist passiert?
Er erlitt einen schweren Herzinfarkt von dem er sich leider nicht erholt hat und an dessen Folgen er schließlich verstorben ist. Dave war einer dieser Menschen, die das Leben maximal auskosten. Er glaubte an das Gute und war ein toller Typ. Er wird von uns und vielen anderen sehr vermisst, denn so einen wie ihn wird es nicht mehr geben. Auf dich Dave Gregg, wo auch immer du jetzt gerade sein magst.

Irgendwelche letzten Worte?
Im Namen meiner ganzen Band möchte ich euch herzlich einladen, bei unseren kommenden Shows vorbeizuschauen. Kommt rum, habt Spaß mit uns und lasst uns gemeinsam das Leben und die Musik feiern.



 Check: 
realmckenzies.com
facebook.com/therealmckenzies

Text: Martin
Bilder: Dirk Herper, Kitt Woodland




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19.06.2015
Text: Martin Bilder: Dirk Herper, Kitt Woodland
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