Penniman Records - Heimat des exotsichen Rhythm?n?Blues






Heimat des exotsichen Rhythm’n’Blues


Wenn es in Spanien um Rhythm’n’Blues oder Sixties-Garage-Sound geht, führt kein Weg an Penniman Records vorbei. Ursprünglich als Mailorder und Label für außergewöhnlichen Sixties-Garagen-Sound gegründet, veröffentlichen hier mittlerweile auch neuere Bands ihre CDs und Platten. Und das mit durchschlagendem Erfolg.



Die Penniman-Band The Excitements mit ihrer fantastischen Frontfrau Koko-Jean Davis ist derzeit wohl die heißeste Combo auf Europas Bühnen. Erst vor Kurzem wurde sie von der spanischen ARC, dem offiziellen Verband der dortigen Veranstalter und Booker, zum besten Liveact des Landes gewählt – und das zu Recht. Keine andere Band spielt den Soul so ursprünglich und wild wie die sieben Spanier. Vor allem aber sind sie ganz weit weg vom süßlichen Northern Soul, dafür umso näher beim Rhythm’n’Blues der frühen Sechzigerjahre. Deshalb sehen sich die Excitements auch eher als Rhythm’n’Soul-Band, etwa so, wie Ike und Tina Turner zu der Zeit, als sie das erste Mal die Bühne betraten. Und auch die Limboos sind als ganz heißes Ding zu werten, denn auch ihr Sound hebt sich wohltuend vom musikalischen Einerlei anderer Rhythm’n’Blues-Bands ab. Dort, wo andere den Sound einfach nur kopieren, wo sich eingängige Riffs zur Langeweile auftürmen und die Originalität auf der Strecke bleibt, finden die Limboos genau die richtigen Zwischentöne, den absoluten Drive und die richtige Portion W ildheit, um dem Rhythm’n’Blues neues Leben einzuhauchen.
Vom Garage-Rock zum Rhythm’n’Blues

1988 rief Enric Bosser Penniman Records ins Leben. Die erste Veröffentlichung auf dem Label war die zweite 7“-Single von Mach Five Overdrive, einer Band aus San Diego, deren damaliger Sänger Jay Wiseman später zusammen mit Mike Stax u. a. so Kultbands wie The Hoods oder die Evil Eyes gründete. Es folgten eine ganze Reihe weiterer Singles und 10-inches und schon bald die ersten Reissues und Compilations mit ausgewähltem Material. Etwa 2008 führte dann der Weg weg vom reinen Garagen-Sound und der Rhythm’n’Blues hielt mehr und mehr Einzug. Darunter Bo Diddleys „Is A Sessionman“, das seine frühen Arbeiten als Produzent und Songschreiber aus den Fifties beinhaltete, oder Little Richards „The Implosive“, mit seinen frühen „Pre-Tutti-Frutti-Singles“. Danach ging es Schlag auf Schlag. Es folgten u. a. die ersten Ike-Turner-Alben mit zuvor in dieser Kombination noch nicht wiederveröffentlichtem Material sowie die Rockin’ Gospel Compilation „Go Devil Go“. Um weiteres Material zu veröffentlichen, das nicht zwingend ins Penniman-Repertoire passte, wurden zudem zwei Unterlabels gegründet: Mean Disposition für eher beatlastigen Sound und Pancho für weitere R’n’B-Compilations.





Im Interview: The Excitements und ihr Labelchef


Zum Interview trafen wir uns zusammen mit Enric Bosser und den beiden Excitements-Gründern Adriá Gual und Daniel Segura in einer Bar in Barcelona.

Enric, was hat dich damals dazu bewogen, ein eigenes Label zu gründen?

Enric: Nachdem ich schon viele Jahre im Mailorder-Bereich gearbeitet hatte, bekam ich 1988 die Chance, ganz exklusiv die zweite Single von Mach Five Overdrive aus San Diego zu veröffentlichen. Dafür brauchte ich natürlich ein Label. Und dann kam eins zum anderen. Für mich war das die große Chance, die ganze Musik, die ich liebte, den Leuten näherzubringen. Ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen.


17 Jahre gibt es Penniman Records also schon. Eine verdammt lange Zeit für ein kleines Label.

Enric: Ja, darüber bin ich auch ziemlich glücklich. Vor allem, dass sich viele ältere Scheiben auch heute noch verkaufen. Ich habe die Auflagen ja nie limitiert. Sobald die Platten weg sind und immer noch Nachfrage besteht, werden die Scheiben nachgepresst.


Angefangen hat alles mit Punkrock und Sixties-Punk. Danach kamen mehr Veröffentlichungen aus dem Bereich Rhythm’n’Blues dazu.

Enric: Ich habe immer schon viel Rhythm’n’Blues gehört. Auch meine Band The Meows spielte zwar in erster Linie Punkrock, aber mit viel Rhythm’n’Blues-Einflüssen.


Wie bist du zu deinem aktuellen neuen Act The Limboos gekommen?

Enric: Die hatten früher mal eine Band namens Phantom Kiss, die auch von Mike Mariconda produziert wurde. Mike fragte mich, ob ich vielleicht Lust hätte, die auf Penniman rauszubringen. Ich sagte erst mal ‚nein‘, da ich mit den Excitements bereits genug Arbeit hatte. Doch nachdem mir Mike immer mehr Aufnahmen von ihnen schickte, war ich letztendlich so begeistert, dass ich sie einfach machen musste. Außerdem mochte ich die Jungs von Anfang an. Sie waren hyperaktiv, tourten wie die Verrückten und waren von dem, was sie machten, selbst total begeistert. Ihr Sound ist sehr nah am originalen Rhythm’n’Blues und klingt trotzdem völlig anders als andere Bands.
Adriá: Guten Rhythm’n’Blues zu spielen, ist verdammt schwer. Und was die Limboos machen, ist wirklich was ganz Eigenes.
Enric: Das Debütalbum ist wirklich großartig geworden und die Band wird überall richtig gefeiert – vom Publikum, aber auch von den Kritikern.



Die aktuellen Projekte



An was arbeitest du im Moment sonst noch?

Enric: Irgendwann demnächst werden die Aufnahmen zum neuen Excitements-Album losgehen. Im Moment gilt mein Hauptaugenmerk aber noch dem ersten Album der Sey Sisters, einem Gospel-Album, das im Herbst fertig sein soll. Das sind drei Geschwister aus Ghana, die normalerweise in der Kirche a capella Gospel singen. Wir haben ihnen eine Rhythm’n’Blues-Backing-Band zur Seite gestellt und nehmen gerade pro Session mindestens ein halbes Dutzend Songs mit ihnen auf. Im Herbst sollte das Album fertig sein. Und es wird ein Hammer!


Die erste neue Band auf deinem Label und mittlerweile das ganz klare Aushängeschild waren beziehungsweise sind seit fünf Jahren die Excitements. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Adriá: Enric und ich kennen uns ja schon seit vielen Jahren. Wir hatten uns damals in den frühen Neunzigern einen Proberaum und den Drummer geteilt.

Außerdem hatten wir uns ständig im Barbara Ann getroffen, einer kleinen Bar, in der sich schon damals viele Bands und Musiker trafen und die es auch heute noch gibt.
Enric: Ich hatte das erste Demo der Excitements gehört und fand es schon ziemlich spannend. Allerdings klang alles noch ein bisschen dünn.
Adriá: Wir hatten bei der Aufnahme vor allem daran gedacht, sauber zu spielen und weniger auf einen speziellen Sound geachtet. Enric hat uns dann geraten, uns unbedingt einen richtig guten Produzenten zu suchen. Einen, der Ahnung von der Musik hat, die wir machen wollten, und der ganz klare Ansagen macht. Den haben wir dann mit Mike Mariconda auch gefunden.



Die erste Single „From Now On“/„You’d Better Stop“ war ja dann schon ein echter Kracher. Die Nachfolge-Singles, das wilde „Wait A Minute“ und das strollende „Ha Ha Ha“ setzten aber noch einmal einen drauf ...

Adriá: „Ha Ha Ha“ wurde übrigens von Enric geschrieben. Eine wirklich grandiose Nummer. Aber auch schon mit unserem Demo erregten wir Aufmerksamkeit außerhalb Spaniens. So meldete sich schon bald Guillome von Base Productions, einer französischen Agentur, der gerne mit uns zusammenarbeiten wollte. Die Folge waren zahlreiche Gigs in Frankreich, vor allem auf größeren Festivals. In Spanien und Frankreich läuft es seitdem hervorragend. Allerdings würden wir gerne auch mehr Clubkonzerte in anderen Ländern spielen. Warum das nicht so richtig funktioniert? Keine Ahnung ...
Daniel: Wir haben zirka 90 bis 100 Konzerte pro Jahr. Das ist zwar genug, um davon leben zu können, denn mittlerweile haben wir alle unsere Jobs gekündigt und konzentrieren uns voll und ganz auf die Band, doch es könnten ruhig noch mehr Konzerte werden. Im Moment aber reicht es zumindest zum Überleben, und das ist für Spanien ja schon einiges.


Dadurch, dass die Band mittlerweile von der Musik lebt und ständig mit acht Leuten unterwegs ist, steigen natürlich auch die Produktionskosten für einen Auftritt. Sicherlich der Hauptgrund dafür, dass kleinere Club-Gigs für Veranstalter im Ausland kaum zu stemmen sind.

Daniel: Genau das ist das Problem. Es macht zwar Spaß, auf großen Festivals vor zigtausend Leuten zu spielen, aber wir würden gerne viel öfter in Clubs spielen, weil dort der Kontakt zum Publikum viel direkter ist.


Was hat sich in den letzten fünf Jahren bei euch geändert?

Adriá: Nun ja, wir sind auf jeden Fall musikalisch noch viel besser geworden. Jeder in der Band weiß genau, was der andere macht. Ansonsten hat sich wenig geändert. Der spezielle Stil, den wir spielen, ist ja auch genau unsere Stärke. Wir wollen kein weiterer Neo-Soul-Act werden, sondern dem Rhythm’n’Blues treu bleiben. Wir sind eine Soul-Band, aber wir spielen Rhythm’n’Blues. Das ist genau das, was wir lieben. Schon damals, als es mit unserer vorigen Band The Fabulous Ottomans musikalisch nicht mehr weiterging, hatten Daniel und ich den absoluten Willen, etwas ganz Eigenes zu machen. Etwas voller Rebellion und Wut, etwas, was sich vom glatten Soul abhob. Und das ist uns mit den Excitements gelungen. «


www.pennimanrecords.com

 

Text: Pierre La Qua
Bilder: Foll, Dena Flows, Jaime Pantoja




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19.07.2015
Text: Pierre La Qua Bilder: Foll, Dena Flows, Jaime Pantoja
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Stand:17 December 2018 18:59:18