Goetzilla


Menschen, Monster, Mutationen

Dynamite: Woher stammt deine Liebe zu Godzilla?
Götz: Na ja, Godzilla ist einfach ein cooler Typ, sieht lustig aus und ist eigentlich ein ganz Lieber. Der will nur spielen. Ich bin das schon mal gefragt worden und habe damals darauf verwiesen, dass Godzilla in Japan alles in Schutt und Asche legt. Heute ist das allerdings nicht mehr so witzig, vor allem weil das Szenario dort gerade schwer nach dem Anfang eines B-Movie-Monsterfilms aussieht, in dem radioaktives Material in die Natur gelangt und Dinge beginnen zu mutieren. Ganz schlimm ist das! Die Leute hier müssen auch mal langsam anfangen, das Hirn anzuschalten und mit ihrer Restrisiko-Überheblichkeit aufhören! Selbst wenn bei uns kein AKW in die Luft fliegt, produzieren wir da strahlenden Müll und keiner weiß, wohin damit. Das geht nicht in meinen Kopf, wie man das einfach ignorieren kann. Godzilla, aktuell wie nie!

DYNAMITE!: Da hast du unweigerlich Recht. Wie war dein Tag heute?
Götz: Leider zu kurz, aber sonst ganz gut. Ein normaler Arbeitstag, an dem ich es tatsächlich geschafft habe, trotzdem ein kleines bisschen zu malen – schaff ich jeden Tag!

DYNAMITE!: Und was hast du gemalt?
Götz: Ich habe ein bisschen am neuen Rock’n’Roll Wrestling Bash-Poster rumgetüfftelt, das wird eine Abwandlung des ersten Posters, das ich für die Jungs gemacht habe, aber mit neuen Wrestleroutfits. Ich will das gerne vor meinem Urlaub fertig bekommen, damit ich entspannt weggehen kann.

DYNAMITE!: Jetzt kurz von ganz vorne, wie hast du dein Faible zum Zeichnen entdeckt?
Götz: Hm, so genau weiß ich das nicht mehr. Ich hab einfach schon immer gemalt, meine Eltern auch. Ich denke, sie haben mich immer gelobt und mir das Gefühl gegeben, dass ich in etwas gut bin. Leider haben sie das beim Fußball und handwerklichen Dingen verpasst (lacht)! Jeder ist in irgendwas gut, man muss nur rausfinden, was es ist und es dann auch tun! Du willst ’ne Band, dann gibt’s nur einen Weg: Machen! Du willst Stabhochspringer sein: Machen! Du willst malen: Machen!


DYNAMITE!: Von deinen Eltern, die dir sicher den ersten Bleistift geschenkt haben, abgesehen: Wer sind die coolen Säue, die dich schon immer begeistern?
Götz: Künstler, die mich schwer beeindrucken, gibt es haufenweise. Meinen Stil direkt beeinflusst haben aber vor allem die Skateboard-Grafiken für Santa Cruz von Jim Phillips aus den Achtzigern und natürlich die Gigposter-Ikonen Coop und Kozik. In Wien habe ich vor einiger Zeit eine Ausstellung des tschechischen Jugendstil-Grafikers Alfons Mucha gesehen, die mich umgehauen hat.

DYNAMITE!: Du bist viel zu schnell. Kannst du dich noch an dein erstes selbst gemaltes Bild erinnern und gibt es das noch?
Götz: Jein, also das war sicher nicht das erste, aber bei meinen Eltern hängt eine Weihnachts-Illustration von mir. Die Legende sagt zwar, dass ich das alleine gemalt habe, aber so ganz kann ich das nicht glauben, da das wirklich ziemlich gut comic-mäßig ist und ich da irgendwie drei Jahre oder so war. Da hat bestimmt Mutti geholfen, weil sie ja auch ein schönes Bild in der Wohnung hängen haben wollte!

DYNAMITE!: Immer dieses manipulative Elternpack! Jetzt, nachdem sie dich erfolgreich süchtig gemacht haben: Was bedeutet es dir, dich kreativ ausleben zu können?
Götz: Ich muss malen, das entspannt mich mehr als alles andere und macht mir auch mehr Spaß als alles andere. Ich könnte eher auf Ausgehen oder Musik verzichten als aufs Malen. Für mich ist die Tatsache, dass es hier keine Limits gibt, ausschlaggebend: Ich kann bestimmen, was ich male und ich kann malen, was ich will – da gibt es keine Grenzen! Aber vermutlich geht das auch z.B. Autoren ähnlich. Ich schaffe Dinge, die vorher nur in meinem Kopf waren. Saugut! Und im Moment sieht’s noch nicht so aus, als kämen da keine Ideen mehr!


DYNAMITE!: Ich schätze, es ist Pop Art, was du da so fabrizierst. Wieso hast du dich ausgerechnet für diesen Stil entschieden?
Götz: Nun bin ich wahrlich kein Kunsthistoriker und fang’ erst gar nicht mit großen Herleitungen an, weil das eh schiefgeht und ich mich lächerlich mache. Aber ich glaube, das Tolle an Pop Art ist, dass junge Leute einen Bezug dazu finden können. Mir ging das zumindest damals so, als ich anfing, mich für Kunst zu interessieren. Pop Art hat oft sehr reale Dinge zum Thema und das oft auch kritisch, das hat mir gefallen. Natürlich gab es schon immer Kunst, die sich mit dem jeweils aktuellen Zeitgeschehen auseinandergesetzt hat, aber bei Pop Art war das eben meine Zeit – na ja fast zumindest. Heute kommt dann ein Banksy oder ein Shepard Fairey mit seinen Obama-Hope-Postern aus der Streetart-Szene und die Leute bekommen eine Dosis Kunst ohne das zu merken! Das ist mir in Paris, in einem Viertel gegenüber vom Louvre, in dem ein Haufen Galerien sind, aufgefallen. Da läuft man so vorbei und schaut sich die Kunst an – bleibt stehen und nickt andächtig. Zwei Häuser weiter kommt dann eine Wand mit Tags und Graffiti und so und in ca. drei Meter Höhe ist ein riesen Wheatpaste von Obey Giant (Shepard Fairey). Da laufen die Leute dran vorbei, das hat keiner als Kunst wahrgenommen, außer vielleicht ein paar Kids, die damit mehr anfangen können als mit den Alten Meistern. Das ist Pop Art 40 Jahre später!


Das ganze Interview findet ihr in der DYNAMITE 04/11.


Text: Daniel Bockmeyer
Bilder: Daniel Bockmeyer; Götz Bockstedte


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DYNAMITE 27.05.2011
Text: Daniel Bockmeyer Bilder: Daniel Bockmeyer; Götz Bockstedte
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musik sonstiges

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Stand:11 December 2018 21:43:59