Tom Waits im Portrait


Photo: Michael O'Brien
„I don’t wanna grow up“, krakeelen Waits und sein Kumpel Keith Richards 1992 gemeinsam. Da ist es allerdings schon zu spät dafür. Wie genau aber Thomas Alan Waits im kalifornischen Whittier der 50er und 60er Jahre aufwächst, lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren, weil der Künstler selbst selten darüber Auskunft gibt, Freunde oder Verwandte zum Schweigen verdonnert und man nie genau sagen kann, ob das Wenige, was er kundtut, nun wahr oder erfunden ist. „I’ll tell you all my secrets, but I’ll lie about my past“, gibt er unumwunden zu. Geboren wird er wohl am 7. Dezember 1949 in Pamona, seine Kindheit verläuft relativ unspektakulär. „Ich kam sehr jung auf die Welt“, meint Waits, dem nachgesagt wird, dass er schon als Jugendlicher immer älter wirken wollte. Er entwickelt sich zu einem seltsamen Freak, hat aufgrund eines Knieproblems einen merkwürdigen Gang, nimmt sich einen antiken Gehstock als Hilfe und trägt die Hüte seines Großvaters. „Ich hätte die Zeit des Heranwachsens am liebsten direkt bis zum 40. Lebensjahr übersprungen“, sagt er seinem Biografen Hoskyns.

Musikalisch sind es die Vorlieben seines unsteten Vaters, der die Familie früh verlässt, die ihn prägen. Mit Rock’n’Roll hat er nichts am Hut, er steht auf Marty Robbins, Harry Belafonte, George Gershwin oder mexikanische Mariachi-Songs. Es sind eher die Beat-Literaten, die den Jugendlichen beeinflussen, und er entdeckt mit Schrecken die Gabe, leiseste Geräusche sehr viel lauter als alle anderen wahrnehmen zu können.
Photo: Scott Spychalski
Um 1969 herum beginnt er in Nachtclubs zu arbeiten – als Türsteher, aber auch als Sänger und Pianist auf der Bühne. Die Themen seiner Songs schnappt er in den Gesprächen der Gäste auf, es entstehen abgründige Geschichten über Säufer, Spieler, Huren und Gestalten, wie aus den Büchern von Charles Bukowski. So entdeckt ihn Herb Cohen, bei dessen Label unter anderem auch Frank Zappa seinerzeit unter Vertrag steht. Zunächst arbeitet Waits ausschließlich als Komponist für andere Interpreten, dann nimmt er seine Titel doch selber auf und geht im Vorprogramm von Zappas Mothers Of Inventions monatelang auf Tour. Die Reaktionen sind niederschmetternd – dieser komische Kauz am Klavier entspricht überhaupt nicht dem, was Zappas Fans hören wollen. Die frühesten Studio-Aufnahmen von 1971/72 werden nie offiziell veröffentlicht. Erst 20 Jahre später erscheinen sie auf zwei CDs („The Early Years“), deren Veröffentlichung Waits vergeblich versucht, gerichtlich zu unterbinden. Erfolgreicher ist er in anderen Prozessen, wenn es darum geht, seine Musik ungefragt zu Werbezwecken zu benutzen oder nachzuempfinden.


Noch mehr über den Werdegang Tom Waits' und alles über die Biographie "Ein Leben Am Straßenrand" findest Du im DYNAMITE Mag 2/10.

Text: Lars Fischer


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DYNAMITE 26.01.2010
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musik rock-and-roll

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