The Firebirds


Eine klassische Rollenverteilung gibt es bei den Firebirds nicht20 Jahre ist es jetzt schon her, dass sich vier junge Musikbegeisterte im Rahmen einer Projektwoche in der Schule formierten und die Gegend um Leipzig mit ihrem Rock’n’Roll-Sound unsicher machten. Seitdem sind die Firebirds nicht nur auf diversen Bühnen anzutreffen, sondern begeistern auch mit eigenen Dinnershows, Musicalkomödien und seit diesem Jahr sogar mit einem eigenen Festival. Nicht nur ein Grund also, um bei der sympathischen Truppe mal genauer nachzufragen …

Als sie damals im Jahre 1992 die Band The Firebirds gründeten, konnte sich niemand vorstellen, wie weit sie es mal bringen würden. Wie die Jungfrau zum Kinde kamen sie zur Musik und sind Stück für Stück dahin gekommen, wo sie heute sind. „Geplant war da gar nix. Wir haben wirklich einfach angefangen und uns irgendwie gefunden. Wir haben von Anfang an alte Rock’n’Roll-Schinken gespielt, die wir selbst gemocht haben. Das hatte zwei Gründe: Einmal mochten wir die gleiche Musik und der zweite Grund war, dass ja Rock’n’Roll-Musik relativ ,einfach‘ ist. Du kannst da schon mit drei Akkorden viel erreichen.“

Als die Band startete, war die Art von Musik uncool, wurde nicht gehört. Die Firebirds bedienten somit eine Sparte, die zum damaligen Zeitpunkt nicht mit unzähligen Musikern überfüllt war. Während die Jungs jeden Tag geprobt haben, waren ihre Kumpels in der Disco und tanzten zu völlig anderen Klängen. Trotzdem machten sie sich einen Namen, fingen an, auf Stadtteilfesten zu spielen und kauften sich uniforme Kostüme vom Textildiscounter. „Die erste Kleidung wollten wir damals in Berlin kaufen. Wir waren in verschiedenen Secondhand-Shops und hatten die Idee, die Kleidung uniform zu tragen. War natürlich bescheuert, in einem Secondhand-Laden vier uniforme Ausstattungen finden zu wollen. Das geht nicht. Aber das wussten wir halt nicht. Das Ende vom Lied war, dass wir in irgendeinem normalen Discounter gelandet sind und aus der Wühlkiste die Hemden geholt haben.“ Sie wollten sich bewusst auf die Bühne stellen und mit allem Drum und Dran eine gute Show abliefern. Somit setzen sich auch bis heute die Streifen auf der Kleidung durch. „Bei uns ist eigentlich ganz klar die Musik im Vordergrund und der Pluspunkt, der dann eben noch dazu kam, waren die Uniformen.“ So werden sie überall erkannt, egal wo sie sind.


In Rosis Amüsierlokal (Dresden) bat DYNAMITE-Schreiberin Christin die  Firebirds zum GesprächKeine Orthodoxabillies


Durch ihre Musik kamen sie letztendlich auch zu ihrem Styling. Im Endeffekt ist es der Band aber nicht wichtig, ob sie nun authentisch genug rüberkommt oder nicht. Was zählt, ist die Leidenschaft für die Sache und eine gute Show. „Klar, wenn man Rock’n’Roll-Musik macht, passt die Tolle halt dazu, logisch. Aber man muss nicht gezwungenermaßen genauso aussehen. Offenheit ist wichtiger, als ein Klischee mit Kleidung zu erfüllen.“ Trotz der gespaltenen Meinung über die Firebirds gerade unter den Orthodoxabillies bekamen die Jungs zum ersten Firebirds-Festival durchweg positive Resonanz und Zustimmung. „Wenn du irgendwie gut bist, bekommst du trotzdem Anerkennung. Wenn dein Motiv ist, dass du was aus Liebe machst und dann einen professionellen Anspruch mit reinnimmst, kann ja kein so mega-schlechtes Ergebnis rauskommen.“

Oft wird kritisiert, dass die Formation unter anderem auch auf Firmengeburtstagen und Stadtfesten spielt. Das sehen die Jungs aber selbst nicht so eng, im Gegenteil: Durch die vielen Shows, die sie im Jahr spielen, verdienen sie eben genug Geld, um die Musik nicht nur als Nebenjob zu machen. Alle Energie und Kreativität kann so in die Band gesteckt werden. „Eine Band muss Geld verdienen, um sich zu entwickeln. Es funktioniert in den seltensten Fällen wirklich anders. Man kann eben nur eins wirklich gut machen.“ Im Grunde ist es ein großes Geschenk für die Firebirds, dass sie ihr Geld mit einer Sache  verdienen können, die sie gerne machen. Seit nunmehr 20 Jahren landet so auch jeder verdiente Euro wieder in ihren Projekten und wird in Neuanschaffungen investiert. Relativ zeitig wurde auch beschlossen, auf eine professionellere Ebene zu gehen – mit maßgeschneiderten Kostümen, eigener Firma und eigenem Label. „Wären wir älter gewesen als wir anfingen, hätten wir noch mehr Pflichten gehabt und hätten niemals diesen Entwicklungsweg machen können. Wir waren extrem jung, hatten keine Ahnung und haben einfach gemacht.“

Die Firebirds sind nicht nur durch ihre Musik bekannt. Mit diversen Projekten wie der Musicalkomödie „Rock’n’Roll Highschool“, „Lollipop“ oder der Dinnershow „Mafia Mia!“ haben sie sich einen Namen als Veranstalter und Darsteller gemacht Das lange Bestehen haben sie eben auch der Einstellung zu verdanken, nur zu machen, was sie selbst wollen, und mit Leuten zu arbeiten, die Lust dazu haben. Die Gruppierung selbst sei wie eine Ehe: Würde die Beziehung zwischen den Mitgliedern nicht passen, so gebe es die Firebirds heute auch nicht mehr. Seit 2007 sind sie nicht mehr als Quartett, sondern als Fünferbesetzung mit Krusdy van Friday unterwegs. Er machte die Truppe sozusagen komplett, ließ alle zusammenwachsen und sich als Band weiterentwickeln. Dabei konnten sich Krusdy und Konrad beim ersten Zusammentreffen gar nicht leiden. Erst nach genauerem Beschnuppern stellte man viele Gemeinsamkeiten fest. Vorgestellt wurde er übrigens von einem alten Gitarristen der Band. Es blieb also sozusagen alles in der Familie.

 

Mit Altstars auf der Bühne


Eine klassische Rollenverteilung gibt es bei den Firebirds aber nicht. „Das ist ein Wechselspiel. Jeder hat so seine Bereiche. Der eine führt und der andere wird halt mitgenommen. Das wechselt sich ab.“ Entscheidungen werden zusammen getroffen und je nach Stärken dann die Aufgaben verteilt. Die schlimmste Erfahrung, die die Firebirds je gemacht haben, war bei einem Bandwettbewerb vor vielen Jahren in Dresden. Damals nahmen sie die Außenseiter-Position ein und spielten gegen Dresdner Bands mit Hunderten von eigenen Fans an. Trotzdem haben sie sich aber nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und gewonnen. „Wir haben uns die Ungnade der Fans zugezogen und wurden dann mit allerlei Zeug beworfen.“ Schnell wurde alles abgebaut und emotional erschüttert die Rückfahrt nach Leipzig angetreten. Das schönste Erlebnis waren dagegen die Auftritte mit Bill Haley’s Comets und Chuck Berry. Die Anerkennung der Altmusiker war wie ein Ritterschlag für die Gruppe aus Leipzig. So entstanden neben tollen gemeinsamen Konzerten auch Freundschaften, die bis heute andauern.

Trotz der immensen Anzahl an Auftritten von im Schnitt 160 pro Jahr gehört ein bisschen Aufregung immer mit dazu. Je nachdem, ob die Mama sich im Publikum befindet oder vielleicht eine Kamera dabei ist, mal mehr und mal weniger. Einige eingefleischte Firebirds-Fans folgen den Jungs auf viele dieser Shows und feiern mit ihnen. So haben sich über die Jahre nicht nur viele Schlüpfer, sondern auch skurrile Geschenke angesammelt, wie zum Beispiel die aus Lebensmitteln und Pappmaschee lebensgroß nachgebauten Instrumente der Musiker.
Rocken ohne Setlist

Überraschend ist auch, dass die Band komplett ohne Setlist auf die Bühne geht. Was und wann ein Song aus ihrem Repertoire gespielt wird, wird live auf der Bühne entschieden. Je nachdem eben, wie die Menge drauf ist. „Unser Konzept ist, dass wir keins haben. Es gibt einen Pool an Songs, die wir drauf haben, und wirklich je nach Situation reagieren wir halt.“

Die Firebirds sind aber nicht nur durch ihre Musik bekannt. Mit diversen Projekten wie der Musicalkomödie „Rock’n’Roll Highschool“, „Lollipop“ oder der Dinnershow „Mafia Mia!“ haben sie sich einen Namen als Veranstalter und Darsteller gemacht. Besonders ist, dass alle fünf musizieren, singen und auch (schau-)spielen können. Für die Musicalkomödie haben sich die Jungs einem selbstverordneten mehrmonatigen Schauspiel-Coaching unterzogen. Ihre Professionalität verdanken sie auch dem Team –
liebevoll Wanderzirkus genannt – um sich rum, das dafür verantwortlich ist, dass alles klappt, wenn die Firebirds selbst auf der Bühne stehen. Tonmann Sven zum Beispiel ist seit 1993 fester Bestandteil dieser Crew und quasi schon sechstes Bandmitglied. „Wenn du immer mit den gleichen Leuten, dem gleichen Material arbeitest, kannst du auch eine gleichbleibende Qualität abliefern.“


Rockabilly auf gut Deutsch


Die Firebirds sprudeln nur so vor Ideen und haben noch lange nicht genug. „Dir kommt ein Geistesblitz und von zehn Ideen schaffst du es, zwei wirklich umzusetzen und die stattfinden zu lassen. Die sind dann irgendwie gut und gefallen den Leuten – das ist eine Form der Bestätigung, die ist ganz groß!“ Demnächst wird auch die neue Platte der Firebirds erscheinen: „Rock’n’Roll Baby“. Produziert und aufgenommen mit André Tolba, der sich bereits durch Dick Brave and the Backbeats und mit dem Adriano BaTolba Orchestra einen Namen gemacht hat. Neben eigenen Songs werden darauf auch Neuinterpretationen bekannter deutscher Titel im Rockabilly-Style wie „Reklamation“ von Wir sind Helden zu hören sein.

Wer die Musiker gern live sehen möchte, kann dies weiterhin auf diversen Festen tun, vor allem natürlich bei ihren Jubiläums-Shows in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Mit von der Partie sind dort neben anderen Wanda Jackson, Gus Backus und zwei Mitglieder der Bill Haley’s Comets. Auf alle Fälle werden die Firebirds sicher auch in den nächsten Jahren weiterhin mit ihrer Musik und ihren Veranstaltungen auf sich aufmerksam machen. Und wir vom DYNAMITE fragen spätestens noch mal zum 40-jährigen Jubiläum nach, was dann noch so alles geplant ist.

www.the-firebirds.de

Text: Christin Eckl
Bilder: Robert Jentzsch


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DYNAMITE 28.09.2012
Text: Christin Eckl Bilder: Robert Jentzsch
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musik rock-and-roll

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Stand:12 August 2020 11:38:25 Warning: fopen(cache/a88508430be89f494932ca886cb345b3.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 163 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 164 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 165