Ted Herold


Der lebende Beweis dafür, dass man für Rock’n’Roll nie zu alt wird: Ted Herold beim „Tag der Niedersachsen“ im Juli70 Jahre? Singt der noch? Oh ja – und wie! Seit Jahrzehnten wird Ted Herold für Auftritte gebucht. Anlässlich seines 70. Geburtstages am 9. September ist sein neues Album erschienen. Zwischen all dem Trubel nahm sich der Mann, der den Rock’n’Roll in Deutschland ins Rollen brachte, Zeit, um mit dem DYNAMITE über sein Alter, seinen Ehrgeiz und die Kontakte zur Szene zu sprechen.

Ted Herold ist einer der wenigen Künstler, über die man mit den eigenen Eltern sprechen kann. Ted Herold ist ein generationsübergreifendes Phänomen. Er war es, der mit seinen Liedern „Moonlight“, „Ich Bin Ein Mann“, „Da Doo Ron Ron“ in den Fünfziger- und Sechzigerjahren den Rock’n’Roll nach Deutschland holte. Charme, Hüftschwung und Tolle machten ihn zum deutschen Elvis. War es in den Siebzigerjahren ruhiger um ihn, landeten allein sechs Hits in den Achtzigerjahren, in denen Deutschland das große Rock’n’Roll-Revival feierte, in den Charts. In der Szene wurde Ted Herold gefeiert, akzeptiert. Er ist einer von uns. Wir alle tanzten nach „Die Besten Sterben Jung“ (die deutsche Version von Roy Orbisons „Runnig Scared“) oder „Rockabilly Willy“ (Matchbox’ „Rockabilly Rebel“). Sein eigenes Leben erzählt er im Song „Ready Teddy“ und letztlich sind es auch die Lieder „Ich Bin Ein Wanderer“ und „Gib Dein Ziel Niemals Auf“, die den Vollblut-Rock’n’Roller für seine Fans so authentisch machen. Singles, LPs, CDs, zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Goldene Stimmgabel, ebneten seinen Weg, ebenso unzählige TV-Auftritte und Fernsehgastrollen.


Stadtbummel mit Elvis


Mit Charme, Hüftschwung und Tolle – Ted Herold ist und bleibt ein OriginalUnd immer wieder wird Ted mit seinem großen Vorbild Elvis in Verbindung gebracht. Selbst im August 2002, als Ted von zahllosen deutschen Radiosendern anlässlich des 25. Todestages von Elvis als Zeitzeuge und einer der wenigen Deutschen, die Elvis persönlich kennengelernt haben, interviewt wird. Immerhin sind beide Rock’n’Roller 1958 zusammen durch Bad Homburg gebummelt. Ein großer Künstler ist 70 Jahre alt geworden. Ted, wir heben das Glas auf dich und sagen Prost und danken dir für jahrzehntelangen Rock’n’Roll. Vor allem aber danken wir dem Vater deiner Klassenkameradin, der einst bei Polydor gearbeitet hat und dich im Sommer 1958 zu Probeaufnahmen eingeladen hatte. Bleib gesund!


Jungbrunnen Rock’n’Roll


DYNAMITE: Ted Herold ist 70 Jahre alt. Ehrlich gesagt habe ich noch einmal nachgerechnet. Es stimmt. Wie fühlen Sie sich?
Ted Herold: Ich fühle mich großartig, auf keinen Fall so alt, wie ich bin.

DYNAMITE: Ich habe mir den Auftritt beim „Tag der Niedersachsen“ in Duderstadt angeschaut. Ich vermutete nur 70-Jährige im Publikum.
Ted Herold: Wenn Sie da waren, haben Sie es erlebt.

DYNAMITE: Wie erklären Sie sich Ihren jahrzehntelangen Erfolg?
Ted Herold: Rock’n’Roll ist nicht totzukriegen – er ist schließlich der Vorreiter des Beat und allem, was folgte.

Zum Repertoire Herolds gehören auch deutsche Versionen bekannter Songs wie z. B. „Der Spieler“ („Running Scared“)DYNAMITE: Sie sind mit handgemachter Musik aufgewachsen. Sie stehen für den Rock’n’Roll. Wie ist Ihre Meinung zu den nicht enden wollenden Casting-Shows im deutschen Fernsehen?
Ted Herold: Schlimm, was sich da abspielt – jeder Reklame-Sender macht inzwischen sein Casting. Demnächst werden wohl alle über 70 auch gecastet.

DYNAMITE: Vor zwölf Jahren haben Sie mit Wanda Jackson in Berlin die Titel „Let’s Have A Party“ und „True Love“ aufgenommen. Wanda tourt auch noch. Haben Sie Kontakt zu ihr oder anderen Altstars?
Ted Herold: Wanda lud mich des Öfteren nach Amerika ein, um mit ihr zu touren, aber ich mag Amerika nicht. Amerika ist ein zu oberflächliches Land, prüde und dann die Waffen-Lobby. Mein Bruder war des Öfteren dort und hat mir haarsträubende Dinge erzählt. Ich war mit fast allen deutschen Altstars unterwegs, man sieht sich und das war es auch.

 

Schlager-Fans und Rock’n’Roller


DYNAMITE: Ihre Fans kommen aus dem Schlager und dem Rock’n’Roll. Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zur Rock’n’Roll-Szene?
Ted Herold: Die Antwort dazu: Ich war und bin Rock’n’Roller, was mir meine Fans immer wieder bestätigen.

DYNAMITE: Sie brachten den Rock’n’Roll in Deutschland ins Rollen. Erinnern Sie sich an den ersten Auftritt?
Ted Herold: Meine ersten Auftritte machte ich in Bad Homburg mit einer Jazz-Band vor jeweils etwa 1000 Zuschauern, die begeistert waren.

DYNAMITE: Chart-Erfolge, Auszeichnungen, Tourneen, gemeinsame Auftritte mit großartigen Musikern, Gast in Fernsehshows. Sie haben alles erreicht. Was treibt Sie heute noch an?
Ted Herold: Die Musik, die ich verkörpere, die Fans, die immer noch mitfeiern und die Tatsache, dass ich der einzig Wahre bin. Und dieses in Bezug auf meine Art, den Rock’n’Roll zu interpretieren.

DYNAMITE: Gibt es einen Künstler, mit dem Sie gern einmal auf der Bühne stehen würden?
Ted Herold: Leider sind die größten Vorbilder fast alle schon im Jenseits.  Mit den noch lebenden Rock’n’Rollern wie Jerry Lee Lewis oder Chuck Berry war ich zusammen – leider enttäuschten sie mich. Jerry Lee Lewis’ Show bestand darin, dass er während des Spielens den Klavierdeckel abmontierte, musikalisch ... na ja. Chuck Berry ist bekannt dafür, dass er, bevor er sein Flugzeug verlässt, noch einmal die Gage aufbessert, sonst tritt er nicht auf. Und dann lässt er sich von irgendeiner Band begleiten, die er wahllos aussucht.

DYNAMITE: Zum 70. Geburtstag erschien das neue Album. Marketingstrategie oder Lebenswunsch?
Ted Herold: Einfach nur ein Album zum Siebzigsten, ohne Hintergedanken.

DYNAMITE: Was ist Ihnen bei Ihren Songs wichtiger, Text oder Melodie?
Ted Herold: Es sollte beides passen, nur gibt es kaum noch gute Schreiber, die meine Art der Musik umsetzen können.


55 Jahre auf der Bühne


DYNAMITE: Warum sollten die Fans das neue Album kaufen?
Ted Herold: Das sollten Sie die Fans fragen. Es wird ein gutes Album mit einem Querschnitt der Musik, die ich seit 55 Jahren mache. Gleichzeitig zu meinem Geburtstag begehe ich ja mein 55-jähriges Bühnenjubiläum.

DYNAMITE: Rückblick auf Jahrzehnte im Showbusiness: Was hätten Sie anders gemacht?
Ted Herold: Ich hätte musikalisch nichts anders gemacht – nur bei der Auswahl der Manager hätte ich anders handeln sollen.

DYNAMITE: Was können die Fans in Zukunft noch von Ihnen erwarten?
Ted Herold: Solange ich gesund bin, werde ich meine Musik weitermachen!

DYNAMITE: Mit Produzent Bernd Dietrich („Verdammt Ich Lieb Dich“, Matthias Reim) haben Sie eng zusammengearbeitet. Er wohnt nur wenige Kilometer von mir entfernt. Wenn Sie in der Gegend sind, vielleicht trinken wir mal einen Kaffee zusammen?
Ted Herold: Wenn es sich einrichten lässt – gerne!

www.tedherold.de

Text: Britta Stobbe
Bilder: Bear Family Records, Ted Herold, Britta Stobbe


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DYNAMITE 28.09.2012
Text: Britta Stobbe Bilder: Bear Family Records, Ted Herold, Britta Stobbe
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musik rock-and-roll

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