ERIK COHEN: Interview mit dem "Kapitän"


Wenn Rock'n'Road schon mal eine Tour mitpräsentiert, dann lässt es sich die Redaktion auch nicht nehmen, dem ... Präsentierten quasi ... ein bisschen mehr auf den Zahn zu fühlen. Leider war es nicht möglich, die Kollegen von den Rock'n'Road-Studios zu einem Videointerview auf ERIK COHEN loszulassen, deshalb ist das Ganze schriftlich erfolgt.

Und irgendwie haben wir das Gefühl, das bei dem guten Mann noch ein wenig mehr zu holen ist und wir arbeiten daran, vielleicht von der Tour aus noch die Möglichkeit eines ausführlicheren Gespräches zu bekommen.

Bis dahin aber hat ERIK sich freundlicherweise die Mühe gemacht, uns ein paar Vorabfragen zum Release seiner EP "Kapitän" am 21.06.2013 zu beantworten.




RNR:
Die ERIK-COHEN-Musik hat ja nicht mehr wirklich viel mit den SMOKE-BLOW-Sachen gemein, warum dieser doch recht krasse Stilwechsel und warum direkt auch der Namenswechsel dabei – was bist mehr du? Jack Letten bei Smoke Blow oder ERIK COHEN auf Solopfaden? Oder beides?

ERIK: Ich bin sicherlich beides. In Bezug auf SMOKE BLOW habe ich mich - zumindest was neue Platten anbelangt - allerdings musikalisch ausgetobt. Wir haben über 7 Alben eigentlich alles gesagt. Ich möchte mich nur ungern wiederholen, oder etwas "gezwungen Neues" machen. Wäre sinnlos, zumindest für mich.

Auch wenn es SB immer geben wird und wir sicherlich noch für einige festliche Konzerte gut sind, ist ERIK COHEN perspektivisch das, was ich machen möchte. Ich versuche, zeitlose, eigenständige Rockmusik mit direkten, aber niemals plumpen deutschen Texten zu machen. Songs, die auf einem hohen Niveau sofort unterhalten, einen echten, geschmackvollen Popkern haben und eine stimmige Geschichte erzählen.

Man soll sie unmittelbar mitschneiden und gewissermaßen fühlen können. Es muss alles flowen und nicht hölzern vor sich hin schreddern. Das ist harte Arbeit und gerade in deutscher Sprache eine große Herausforderung. Mit den Ergebnissen will ich mich 100% wohl fühlen. Ich muss schließlich geil drauf sein, die Sachen zu präsentieren. Sonst macht es keinen Sinn, wäre unecht und käme ganz automatisch auch so rüber.

Ein Namenswechsel bzw. komplett neuer Start ist dabei nur konsequent und auch folgerichtig. Man muss beides voneinander trennen, ERIK COHEN ist ein ganz eigener künstlerischer Kosmos. Wobei ich schon denke, dass vielen, die SB seit langem begleiten, auch ERIK COHEN gut gefallen kann.

Viele Leute habe ich in Gesprächen nach Konzerten gerade in Bezug auf Musik als sehr offen empfunden. Sie sind ja einiges gewohnt und mussten sich schon immer auf kleinere und größere Neuausrichtungen im SB-Sound gefasst machen.

Aber es sind eben zwei ganz unterschiedliche Ansätze. ERIK COHEN ist auch kein sogenanntes "Projekt". Das klänge mir viel zu sehr nach Nebenbeigemache. ERIK COHEN soll mir und anderen aber langfristig Böcke machen.

RNR: "Kapitän" soll jetzt im Sommer, oder was man gemeinhin als solchen bezeichnet, erscheinen: was, wenn der Sommer aber gar nicht kommt, wonach es ja die letzte Zeit doch irgendwie aussah? Wann kommt die EP dann?

ERIK: Der Sommer steht vor der Tür, da mache ich mir einfach mal keine Sorgen. Glücklicherweise können wir das selbst bestimmen, denn wir bringen "Kapitän" in Eigenregie raus.  

RNR: Wo und wann ist die Releaseparty?

ERIK: Wir spielen am 22.06. in Flensburg (Volksbad) und feiern live. Gleichzeitig ist es eine schöne Generalprobe für's Vainstream Rockfest. Leider haben wir die Kieler Woche vergessen, die parallel startet und uns Konkurrenz macht, hahaha.

ERIK COHEN live auf Tour 2013RNR: Ok, auf der EP gibt's zwei Versionen von "Chrom", wozu es ja auch schon ein Video gibt: wieso eine zweite Version, wie kam's dazu?

ERIK: An "Chrom" habe ich extrem lange gefeilt und unterschiedliche Ansätze ausprobiert. Vieles ist dann auf dem Weg zur Originalversion liegen geblieben. Da hat es mich, nachdem "Chrom" endlich fertig war und meinen Vorstellungen entsprach, in den Fingern gejuckt.

Also habe ich das Teil noch einmal zerlegt und anders wieder zusammengefügt, dem ganzen eine Art Lowrider-Update verpasst. Das hat schlicht Spaß gemacht, ich konnte ganz ungezwungen ran gehen.

RNR: Mir gefällt die erste / Originalversion besser. Und dir?

ERIK: Klar, "Chrom", das ist schon auch für mich DIE Version, nicht umsonst habe ich da Monate dran gesessen. Ich habe mich Detail für Detail nach vorne gearbeitet, bis es letztlich für mich aufging, wie Hefeteig.

Trotzdem gibt es Momente, da läuft mir "Chrom 2" auch mal besser rein, weil es 'ne Art Fahrt in den Sonnenuntergang repräsentiert. Ruhiger, langsamer, schön abgehangen.

Aber es ist so, dass ich fürs Album mit "Chrom" plane und "Chrom 2" exklusiv für die EP bestimmt ist. Allerdings kann ich natürlich "Chrom 3" nie ganz ausschließen.

RNR: Welcher Song auf der EP ist allgemein dein Favorite und warum?

ERIK: Glasklar "Chrom", weil ich mit dem Song und dem Video ganz unmittelbar meinen Neustart verbinde. Der erfolgte noch während ich in Berlin auf der Bühne stand und mit SB die "Last Tour On Earth" spielte. Es war das letzte Konzert der Tour (danach kamen noch die beiden "Final Hands"-Shows in Kiel) und ich wurde praktisch während der Show auch zu ERIK.

Am Ende des Konzertes flogen dann einige "Chrom"-Dollarnoten im Festsaal Kreuzberg rum, die der Animationskünstler, der das Video zum Song fertigte, da ließ. Dazu hatten wir im März unseren ersten öffentlichen Auftritt im Hamburger Knust u.a. auf Basis von "Chrom", den man im Vorfeld als einzigen eigenen Song (über YouTube) hören konnte. Das verbindet natürlich.

RNR: So eine EP ist ja oft eine Art "Vorspiel" auf ein Album - war's ne schwere Geburt? Was hat am meisten Arbeit gemacht dabei? Was war am Stressigsten, was am Entspanntesten?

ERIK: Es fällt mir so gut wie nichts einfach in den Schoß. Es ist bei allem Gefühl, das man als Song schreibender Musiker wohl grundsätzlich haben sollte, auch extreme Arbeit. Ich probiere und probiere, werfe über den Haufen, zerpflücke 2 bis 3 Songs und mache aus ihren Versatzstücken dann z.B. einen einzigen.

Das tut gerne mal richtig weh, aber nur so lande ich qualitativ da, wo ich hin will. Da ist wirklich alles dabei: der pure Wahnsinn, akustische Ekstase und reine Scheiße, die nie jemand hören darf.

Halbwegs entspannt war "Chrom 2". "Dreiklangsdimensionen" war auch spaßig, wobei wir uns dann für die Veröffentlichung erstmal Genehmigungen einholen mussten. Aber das brauche ich glücklicherweise nicht selbst machen, bekomme es lediglich mit.

RNR: Und wie sieht's jetzt nach der EP in Sachen Albumplanung aus? Soll da was kommen? Wird da was kommen?

ERIK: Da wird definitiv was kommen. Und noch viel mehr. Ich konzentriere mich jetzt voll auf mein Debütalbum und die im Herbst bevorstehenden Shows. In dem Rahmen möchte ich das Album bereits live vorstellen. Es ist zwar etwas kompliziert, da Du gerade heute, wo so viel los ist und jeder äußerst vorsichtig agiert, eigentlich ein Album haben solltest, um zu touren. Aber ich finde den Gedanken, ein paar "Blind Dates", quasi auf Risiko für alle Beteiligten, in kleinen Clubs zu spielen, einfach sehr cool.

Da kann es dann sicherlich passieren, dass nur sehr wenig Leute kommen, wenn es mal blöd läuft. Ich hoffe natürlich, dass es als einigermaßen interessant empfunden wird und mit der EP gibt es ja nun auch endlich was "Offizielles". Man kann es selbst aber nicht wirklich einschätzen.

Klar habe ich 16 Jahre SB auf dem Buckel und komme daher nicht komplett aus dem Off, nichtsdestotrotz stellen wir mit ERIK COHEN gerade alles auf Null und fangen neu an. Das muss man sehen und das ist es mir auch wert.

RNR: Kannst Du dazu schon was Konkretes verraten?

ERIK: Es soll eine Referenzplatte werden, selbst wenn das nur für meine Ohren gilt. Das, was ich hier braue, soll sich schon ganz eindeutig von dem unterscheiden, was es derzeit in puncto deutschsprachige Rockmusik zu hören gibt. Das Album soll eine Soundmarke sein.

Ich möchte angenehme Erinnerungen wachrufen, coole "Aha"-Effekte für Leute ohne Scheuklappen heraufbeschwören und gleichzeitig einfach nur nach ERIK COHEN klingen. Szenen z.B. haben und hatten für mich nie eine große Bedeutung. Dafür bin ich einfach zu sehr ERIK.




Wie man sieht - man darf gespannt sein, was da noch alles chrom-glänzend auf uns zugerollt kommt. Und wer sich die "Kapitän"-Releaseparty in Flensburg nicht entgehen lassen will, hier die knallharten Fakten ...

Wann? - Samstag, 22.06.2013
Wo? - Flensburg @ KUK Volksbad
Um? - 21.00 Uhr
Tickets? - Hier!



Text und Interview: RNR / Erik Cohen
Bilder: © Starkult / Erik Cohen




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06.06.2013
Text und Interview: RNR / Erik Cohen Bilder: © Starkult / Erik Cohen
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musik rock-and-roll

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Stand:14 November 2018 08:02:10