DJ DAG - Trance und Techno sein Beruf, Rockabilly sein Leben


DJ DagEr gilt als einer der bedeutendsten Trance-DJs in Deutschland und hat die Entwicklung dieses Musikstils wesentlich mitgeprägt; seine Auftraggeber waren und sind die wichtigsten Clubs in Deutschland und im Ausland – sein Name: DJ Dag. Mit bürgerlichem Namen heißt er Dag Lerner. Sein Herz schlägt für die amerikanische Kultur und den Rock’n’Roll, sein Vorname „Dag“ ist ausgerechnet ein nordischer Name, der sich witzigerweise vom skandinavischen Wort für „Tag“ herleitet; ein passender Name also für jemanden, der sein Geld im Nachtleben verdient.

RNR: Dag, dein Name ist ja wirklich passend; würdest du dich als Nachtmenschen bezeichnen?

Dag:Na ja, ich kann eigentlich mit beiden Tageszeiten gut, bin aber natürlich beruflich viel in der Nacht unterwegs. Früher war ich fast ausschließlich ein Nachtmensch, heute habe ich ja auch meine Tochter und bin außerdem oft im Studio.


Er schraubt an Motorrädern und liebt Johnny Cash – sein Geld verdient er mit Trance


RNR: Du bist DJ für elektronische Musik, genauer gesagt für Trance. Wenn man dich sieht, würde man dich eher als Rock’n’Roller einschätzen: Du hast Tattoos und fährst eine Harley. Wie bist du zu dieser Musik gekommen?

Dag:
Ich hab’ ganz einfach viel erlebt. Ich war mit zwölf Jahren schon Hippie, später Punk, Skinhead und Hooligan. Dabei war ich aber immer gleichzeitig auch im Nachtleben unterwegs – manche nannten mich damals Disko-Skin … In den 80ern habe ich dann in Frankfurt die Anfänge des Technos miterlebt; das ist dann mein Beruf geworden, privat bin ich aber in der Rockabilly-Szene unterwegs. Dabei orientiere ich mich vor allem an den 60ern und würde mich am ehesten als Greaser bezeichnen. Das mit dem Auflegen habe ich aber nicht aus finanziellen Gründen angefangen. Ich hatte damals einen guten Job am Frankfurter Flughafen und habe beim Auflegen anfangs gar nicht so viel verdient. Das fing einfach mit ein paar Tapes an, die ich zu Hause aufgenommen habe und dann meinen Freunden geschenkt hab’. Ich wollte auch immer ein Instrument lernen, aber dafür war ich zu faul, glaube ich (lacht). Das mit dem Auflegen und Mixen war damals was ganz Neues und genau mein Ding. 1985 hatte ich dann meine ersten eigenen Abende in der Frankfurter Music Hall; an einem Montag, den andere DJ’s gescheut haben.

DJ Dag auf seiner 1988er 1340cc-HarleyRNR: Was sind denn deine fahrbaren Untersätze zurzeit?

Dag: Im Moment fahre ich eine 1340cc-Harley, Bj. 1988, und einen Chevy-Van. Die Harley habe ich selbst umgebaut; eigentlich fahre ich seit ungefähr 20 Jahren Ami-Schlitten. Das kommt von meiner Begeisterung für die amerikanische Kultur, ich habe mich schon als Kind für die USA und ihre Geschichte interessiert.

RNR: Deine musikalischen Vorbilder liegen bei Künstlern wie den Sex Pistols, Santana und Johnny Cash …?

Dag: Ja, das ist schon so. Im Trance-Bereich fische ich mir einfach alles raus, was mir gefällt. Da gibt es keine richtigen Vorbilder; viele machen ein oder zwei gute Sachen, schaffen es aber nicht, in meinen Augen als „gute Musiker“ bezeichnet zu werden oder gar als Vorbild zu dienen. Meine musikalischen Idole, die du eben genannt hast, sind wohl dafür verantwortlich, dass meine elektronische Musik auch E-Gitarren und Gesang beinhaltet, was ziemlich einmalig ist und von den Fans sehr geschätzt wird.


Nicht nur Godfather of Trance, sondern auch alleinerziehender Vater einer Tochter


RNR: Du bist im Laufe deines Lebens nicht nur in vielen Szenen, sondern auch in vielen Ländern unterwegs gewesen. Wie kam es dazu?

Dag: Wie gesagt hat mir der amerikanische Lifestyle schon als Kind gefallen und ich wollte schon immer in die USA. 1997 habe ich mir den Traum dann erfüllt und bin nach Californien ausgewandert. Mit der Zeit habe ich dann aber meine Heimatstadt Frankfurt und meine Leute hier doch vermisst und bin deshalb wieder zurückgekommen. Man weiß erst, was man hat, wenn es weg ist. Wenn ich hier in Frankfurt weggehe, ist das teilweise wie ein Klassentreffen. Da sind Leute unterwegs, die kenne ich noch aus den 70ern. Mitgenommen habe ich viele Eindrücke – und ein tolles Nummernschild mit meinem Namen drauf, übrigens im legendären Folsom-Prison von Häftlingen hergestellt. Später bin ich dann mit Frau und Tochter nach Ibiza. Das ist zwar eine tolle Künstler-Insel, mit der Zeit wurden mir aber all die Techno-Touristen zu viel. Auf der Insel habe ich mich dann auch von meiner Frau getrennt. Seit fünf Jahren bin ich alleinerziehender Vater, meine Tochter ist jetzt elf.

DJ DagRNR: Zwischenfrage: Wie muss der erste Freund deiner Tochter aussehen?

Dag:
Sie hatte schon einen (lacht). Der hat Gitarre gespielt und war ’n cooler Typ. Da mache ich mir keine Sorgen …

RNR: Die klassische Frage: Wo bist du in zehn Jahren?

Dag: Wer weiß … Musik werde ich wohl auf jeden Fall machen, vielleicht wandere ich auch noch mal aus. Und ich werde in der Rockabilly-Szene unterwegs sein. Ich hab’ so viele Subkulturen kennengelernt, aber die Rock’n’Roller sind einfach die coolsten. Hier hat jeder seine Nische und kann sein Ding machen.

RNR: Noch eine letzte Frage: Was piept bei dir im Hintergrund?

Dag: Das sind die Wellensittiche meiner Tochter (lacht).

www.djdag.com

Text: Tilmann Ziegenhain
Bilder: Beckstage Photography




11.09.2012
Text: Tilmann Ziegenhain Bilder: Beckstage Photography
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musik rock-and-roll

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