Brian Setzer


Rockabilly Return

Man schreibt das Jahr 1980: The Clash haben gerade ihren Siegeszug in den USA angetreten, während es drei Jungs aus Long Island genau in die entgegengesetzte Richtung zieht: Lee, Jim und Brian haben beschlossen, in London ihr Glück zu suchen, weil sie sich dort größere Erfolge für ihre Band, die Stray Cats, ausrechnen. Mit Rockabilly hat zu der Zeit in Amerika kein Mensch was am Hut, dort heißen New Wave und Punkrock die Gebote der Stunde! Bleibt natürlich noch die Frage, wie Brian, Lee und Jim überhaupt auf die Idee kamen, mit Sack und Pack einfach mal flugs auf einen anderen Kontinent überzusiedeln. Eine Entscheidung, die wohl eindeutig Brians Rädelsführung zuzuschreiben war... „Mir kam die Idee rein zufällig. Ich traf in New York einen Typen aus England, der auf mich zukam, weil ihm meine Frisur gefiel. Das geschah zu der Zeit ziemlich selten, weil man uns in unserer Gegend eher komisch fand. Wir unterhielten uns über England und Musik und der Typ meinte, wir sollten dorthin gehen, dort gäbe es eine richtige Rockabilly-Szene – also etwas, wovon wir in den Staaten nur träumen konnten – und wenn wir irgendwo groß rauskommen könnten, dann in Großbritannien. Ich nahm das damals nicht so ernst, aber es ging mir trotzdem nicht mehr aus dem Kopf. Einige Zeit später stöberte ich in einem Plattenladen rum und fand eine englische Ausgabe des Musical Express und auf dem Cover war ein junger Typ abgebildet, der haargenau unseren Stil hatte: Die Haare, die Klamotten... Das haute mich wirklich um, denn wo wir herkamen, waren wir die Einzigen. Mir fiel ein, was dieser Engländer mir erzählt hatte und von da an war klar: Wir mussten nach London!“

Der Engländer und Brians siebter Sinn sollten Recht behalten, denn einmal in London angekommen, konnte nichts und niemand den Erfolg des Trios aufhalten: Chartplatzierungen, eine Tour mit den Rolling Stones und stetig wachsende Fan-Scharen bewiesen, dass der Schritt über den großen Teich der richtige gewesen war. Der Rest ist Geschichte – fast! Dreißig Jahre sind eine lange Zeit und die Stray Cats sollten nur ein Bestandteil einer sagenumwobenen Karriere werden, in der Brian Setzer sich vom „Boy Next Door“ mit eigenwilliger Frisur zum Grammy-Gewinner und natürlich zu einem der angesehensten Gitarristen seiner Zeit mausern sollte. Sein neues Album setzt einen weiteren Meilenstein in seiner Laufbahn und warum das so ist, werdet ihr noch früh genug erfahren.

Bereits mit den Stray Cats hat Setzer Musikgeschichte geschrieben. Klar, dass 2003 die Nachricht aus den Staaten für Furore sorgte, dass die Stray Cats zum ersten Mal seit Urzeiten in Originalbesetzung auf einem Festival aufgetreten waren: Dem Hootenanny in Kalifornien! Die Begeisterung war auch außerhalb der USA grenzenlos, durfte man nun doch endlich hoffen, dass Setzer und Co. auch wieder den Sprung nach Europa schaffen würden – und nach einigen Monaten sehnsuchtsvollen Wartens war es auch endlich soweit: Die Stray Cats gaben eine ausgedehnte Europa-Tour bekannt. Herzstück dieser Tour sollte ihre Show in der Brixton Academy (London) werden, in der Brian, Lee und Jim 25 Jahre zuvor ihre ersten großen Erfolge feiern konnten. Die Stimmung dort war unbeschreiblich: Mehr als 4 000 Fans drängelten sich in dem alten Opernhaus, das mit seinem Glamour längst vergangener Zeiten einen würdigen Rahmen für das Rockabilly-Event des Jahres bot. Weder die Tatsache, dass die Gegend nicht gerade die sicherste in London ist und man unwillkürlich erleichtert aufatmete, dort in einem Stück angekommen ohne unterwegs ausgeraubt worden zu sein, noch der horrende Bier-Preis von drei Pfund konnte die Freude der Anwesenden trüben. Auch für Brian und seine Jungs war es eine Art Heimspiel und dementsprechend nostalgisch wurde den Dreien zumute: „England wird für mich immer besonders sein, weil dort alles seinen Anfang nahm und ich dort auch heute noch die meisten Freunde habe. Gerade Brixton Academy ist ein magisches Venue. Als wir nach so vielen Jahren wieder zurückkamen, gab es tatsächlich Leute, die uns erzählten, dass sie uns genau da zum ersten Mal live gesehen hatten, bei unseren allerersten Shows. Das war sehr großartig!“

Das ganze Interview findet ihr in der DYNAMITE 04/11.


Text: Michaela Repkow
Bilder: Tony Nelson; Surfdog Records


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DYNAMITE 27.05.2011
Text: Michaela Repkow Bilder: Tony Nelson; Surfdog Records
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musik rock-and-roll

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