Bandportrait: THE BLOODY HOLLIES


The Bloody HolliesDie vier Jungs um Frontmann und Leadgitarrist Wesley Doyle haben es mir leicht gemacht. Nachdem ich zufällig über ihren Song "Swing" vom 2003er Album "Fire At Will" gestolpert bin und diesen dreisten Punk'n'Roll-Stil aus Buffalo sofort begeistert aufgesogen habe, wusste ich: die Typen darf ich euch nicht vorenthalten.

Und da sich dreist und dreist ja bekanntlich gerne gesellt, habe ich direkt mal Kontakt mit den Vieren aufgenommen.

Die Rechnung ist aufgegangen. Frontmann Wesley hat mir die letzten vier Alben direkt mal 'rübergeschoben.
So konnte ich mir einen ziemlich guten Eindruck über die musikalische Entwicklung der Band seit 2003 machen.

Außerdem haben mir THE BLOODY HOLLIES bereitwillig Auskunft gegeben über sich und alles, was ich so wissen wollte. Selten eine Band erlebt, die so umgänglich und aufgeschlossen ist.

RNR: Wie habt ihr Euch denn kennengelernt und wie fing das an mit der Band?

Wesley: Die Originalbesetzung der Band hat sich zusammengefunden, während ich an der Universität von Buffalo studiert habe. Als ich nach San Diego gezogen bin, hab ich mich mit Joey und Matt zusammengetan.

Und die Band - naja, ich hab die Band ursprünglich gegründet, weil ich dachte, ich kann das echt besser, als so manche Band, die ich mir damals so angeguckt hab. Ich war großer JON SPENCER BLUES EXPLOSION-Fan und ich nicht viele Bands gehört, die davon beeinflusst waren. Also war das so die Ursprungsidee. Und letztlich hab ich angefangen, den Sound zu erweitern.

RNR: Warum bist Du denn dann überhaupt nach San Diego gezogen?

Wesley: Ich war im Marine Corps und hatte dort 'ne Menge Freunde aus dem USMC*. Entsprechend oft  war ich dort zu Besuch und mir hat San Diego einfach echt gut gefallen, also war das irgendwie die logische Konsequenz, dorthin zu ziehen. Es ist echt schön hier!

RNR: Wer ist denn auf den Namen BLOODY HOLLIES gekommen, gab's da 'nen Schlüsselmoment oder einfach nur so?

Wesley: (lacht) Die Story ist echt lustig... Ich schrieb mit unserem ursprünglichen Bassisten an diesem Song, "Drink It Up". Super-kindisch und dumm, aber wir haben halt so überlegt und nach Namen von Drinks gesucht, die wir im Text brauchen können.

Der Bassist meinte dann, dass "Bloody Holly" ein cooler Name für nen Drink wäre... ich dachte aber, es wäre ein viel besserer Bandname. Und: there you go! (lacht)

Also war es eigentlich eine Schnapsidee aus der dann unser Bandname entstand. Schon witzig, wie die Dinge manchmal laufen. Jetzt kann ich ihn auch eh nicht mehr ändern.

RNR: Wo wir grade von Bassisten sprechen, da gab es bei euch einige Wechsel...

Wesley: Ja, das scheint eine Position zu sein, die irgendwie nicht dauerhaft ist. Und bei uns kommt erschwerend hinzu, dass Joey, Matt und ich schon so eng zusammengewachsen sind, da ist es schwer für 'nen Neuen dazuzukommen und sich nicht irgendwie als Außenstehender zu fühlen.

Zufällig ist Phill aus Buffalo dabei, wenn wir auf Europatournee gehen. Das ist so ziemlich das, was noch am Ehesten an die Originalbesetzung herankommt.

RNR: A propos Europatour. Ihr kommt im September auch nach Deutschland. Was unterscheidet das deutsche Publikum vom amerikanischen?

Wesley: Ich glaube für amerikanische Bands ist es schon fast normal, dass sie ein bisschen so etwas wie eine höheres Energielevel wahrnehmen bei den Deutschen. Was es genau ist, weiß ich auch nicht sicher.

Irgendwie sind die deutschen Fans scheinbar empfänglicher für unsere Art Musik. Aber, um das genau zu erörtern, müsste ich viel Zeit investieren. (lacht)

RNR: Wenn ihr jemanden, der eure Musik nicht kennt, überzeugen müsstet, dass er zu einer eurer Shows kommt. Was würdest ihm sagen?

Wesley: Es ist gar nicht mal so einfach, den Leuten etwas über die Band zu erzählen. Ich weiß nach all der Zeit selbst nicht genau, wie ich die Band beschreiben soll... Ein bluesiger Alice Cooper? 

Wenn ich gefragt werde, wie wir klingen, dann sag ich einfach... "hmmmm, komm doch einfach zur Show. Wir sind gut, wir ätzen nicht. Es wird dir gefallen..." Oder so was ähnliches.

RNR: Ok, nun, ich kenn eure Musik ja jetzt. Und ihr seid schon lange dabei. Was würdest Du sagen, wie - oder in welche Richtung - hat sich eure Musik über die ganzen Jahre verändert oder entwickelt?

Wesley: Ich würde behaupten, so ziemlich alles daran hat sich verändert... Die einzige echte Konstante in der Musik ist die hohe Energie, die wir immer versuchen hineinzulegen.

Aber ich beschäftige mich mittlerweile viel mehr mit den Songstrukturen und versuche momentan, die Songs etwas zu breiter zu fächern. Ich halte nichts von albernen Songs.

Meine Songs sind tatsächlich ziemlich ernsthaft, wenn man mal genau auf die Texte achtet. Trotzdem schreib ich meine Songs gerne mit so einer Art Popsong-Struktur, damit sie catchy sind.

RNR: Euer aktuellstes Album ist von 2011. Das ist ja schon ein Weilchen her. Kommt da nochmal was nach und kannst Du schon etwas dazu sagen, wann in etwa?

Wesley: Ich habe ein gutes Gefühl, was ein weiteres Album angeht. Tatsächlich haben wir erst vor einem Monat wieder angefangen, so richtig zu spielen.

Wir haben den Titelsong für eine TV-Sendung aufgenommen, die auf National Geographic ausgestrahlt werden wird. Das war genau das, was wir brauchten. Es hat uns wieder zum Songschreiben motiviert und dazu, ins Studio zu gehen.

Wir werden sehen, aber ich denke, es wird nicht mehr lange dauern, bis wir uns an ein neues Album machen.

*USMC ist die Abkürzung für "United States Marine Corps"


"Yours Until The Bitter End" ist das aktuellste Album der BLOODY HOLLIES. Und das ist unsere Meinung dazu:


Blues und Punk sind sich in ihren Wurzeln gar nicht mal so fremd, und die HOLLIES verstehen es auf eine großartige, eingängige Weise, diese beiden Musikrichtungen auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner herunterzubrechen, um daraus etwas neues, eigenständiges zu erschaffen. Stoner- und Rootsrockattitude und klare musikalische Strukturen und man hat "Yours Until The Bitter End".

Jeder Song ist für sich genommen eigenständig und hebt sich ab von den anderen. So ist bei "John Wayne Brown" ganz klarer Americana- und Countryeinfluss zu hören, wohingegen "You're So Cold" sehr punklastig daherkommt.

Es fällt mir schwer, Schubladen zu finden für die BLOODY HOLLIES oder auch "nur" für die Songs des Albums. Ich habe einen Verdacht, dass das auch genau der gewünschte Effekt ist.

Wer punkige Drums mit surfigen Gitarren und mit Störeffekten verzerrtem Gesang mischt, will - glaube ich - in keine Schublade passen. Und das ist gut so.



"Yours Until The Bitter End" ist ein ebenso tempo- wie abwechslungsreiches Album, das man sich gerne auch ein Mal mehr anhört. Die Songs explodieren vor Energie und sind in ihrer musikalischen Umsetzung ebenso fesselnd, wie die Geschichten, die Frontmann Wesley in seinen Lyrics erzählt.

Rundum empfehlenswert und wer die Gelegenheit hat, die Jungs bei einem ihrer vorerst letzten Deutschlandkonzerte zu erwischen, sollte das bitte, bitte dringend mitnehmen! Am Donnerstag, 12. September spielen die vier Jungs aus San Diego in Darmstadt in der Knabenschule und am Samstag, 14. September in Freiburg im The Great Räng Teng Teng auf...! Hingeh'n und überzeugen lassen!







Text und Interview: RNR / The Bloody Hollies
Bilder: © The Bloody Hollies




10.09.2013
Text und Interview: RNR / The Bloody Hollies Bilder: © The Bloody Hollies
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musik rock-and-roll

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