Shawn Dickinson ? Kreativität Made In California


Shawn Dickinson – Kreativität Made In California

Shawn Dickinson ist ein Überzeugungstäter. Er malt, zeichnet und entwirft, seit er einen Stift halten kann – und weil er gar nicht anders kann. Coverartworks, Poster, Shirts und Co. des 34-jährigen Kaliforniers erfreuen sich in der Kustom-Kulture- und Rock’n’Roll-Szene wachsender Beliebtheit. Wir sprachen mit dem sympathischen Künstler.

   Shawn hat auch schon T-Shirts für Imelda May und Fender entworfen

Man sagt über Künstler, dass sie keinen inneren Frieden finden – kannst du das bestätigen? Was motiviert dich, morgens aufzustehen?

Ich würde dem im Großen und Ganzen zustimmen. Auf der einen Seite habe ich meinen inneren Frieden, weil ich jeden Tag das mache, was ich liebe – damit bin ich sehr zufrieden. Auf der anderen Seite ist meine Kunst auch das, was mich unzufrieden macht: Ich will immer mehr von ihr erschaffen, um besser zu werden. Ich zerbreche mir immer den Kopf über irgendeine dumme Idee, die ich unbedingt zeichnen oder malen muss. Und es gibt niemals genug Zeit für alle Ideen.


Wann hast du angefangen zu zeichnen? Gab es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem du entschieden hast, ein professioneller Künstler zu werden?

Ich habe mit dem Zeichnen angefangen, als ich ein Kind war. Alle Kinder zeichnen – ich habe nur nie damit aufgehört. Ich wollte schon immer ein professioneller Künstler sein. Schon als ich erst ein paar Jahre alt war, liebte ich Cartoons, Comics und die ganzen Bilder in Kinderbüchern. Ich hatte sehr viele Bücher mit Illustrationen im Comic-Stil – und ich wusste: Das will ich auch machen! In diesem zarten Alter kannte ich noch nicht einmal das Wort „Illustrator“, aber ich wusste, dass ich genau so zeichnen und malen wollte: lustige Kunst im Cartoon-Stil. Als ich älter und besser im Zeichnen wurde, liebten alle anderen Kinder und die Lehrer in der Schule meine Kunst. Dann habe ich mir gedacht: Wenn genug Menschen das mögen, kann ich eines Tages vielleicht davon leben. Von da an habe ich angefangen, intensiv an diesem Ziel zu arbeiten, um es schließlich zu erreichen.



Bitte beschreibe doch mal deine Arbeits-utensilien! Arbeitest du ganz traditionell und altmodisch mit Pinsel und Staffelei oder mit dem Computer?

Meine Arbeitsmittel sind ziemlich altmodisch. Ich benutze Holzpinsel, schwarze Tinte, Bürsten, einen Zeichentisch und eine Staffelei fürs Malen. Meine Vorbilder sind altmodische Cartoonisten und Illustratoren und damit meine Arbeiten dieselbe Lebendigkeit haben wie ihre, benutze ich dieselben Werkzeuge wie sie. Der Großteil meiner Kunst ist also von Hand gezeichnet und gemalt. Manchmal benutze ich aber auch den Computer, wenn ich zum Beispiel ein T-Shirt-Design oder Poster koloriere, die in den Siebdruck sollen. Dazu muss ich das handgemalte Bild einscannen und an den Farben digital arbeiten.


Zwischen Betty Boop und Rat Fink


Was oder wer hatte den größten künstlerischen Einfluss auf dich? Gibt es bestimmte Künstler, die du besonders schätzt und wenn ja, warum?


Den größten Einfluss auf meine Arbeit haben Cartoons der Dreißiger- bis Sechzigerjahre, zum Beispiel die, die Bob Clampett und Tex Avery für Warner Brothers gemacht haben. Am liebsten mag ich die verrückten alten Rubber-hose-Animationen aus den Dreißigern (typisch für Rubber-hose-Animationen sind Arme und Beine im Stil von „Gummischläuchen“; also ohne Gelenke, Anm. d. Red.), besonders die der Max Fleischer Studios; das war das Cartoon-Studio, das in den Dreißigern Betty Boop und die frühen, schwarz-weißen Popeye-Cartoons produzierte. Für mich sind diese frühen Betty-Boop-Cartoons die irrsinnigsten, verrücktesten und surrealistischsten Cartoons aller Zeiten. Ich liebe auch Ed Roths Rat-Fink-Kunst aus den Sechzigern und die ganze verrückte Hot-Rod- und Biker-Kunst. Ich bin ein großer Fan der Ära vom Ende der Fünfziger bis zur Mitte der Sechziger, der Surf- und Hot-Rod-Szene dieser Zeit und insbesondere der Musik, des rauen Fifties-Rock’n’Rolls und des Surf und Garage der Sechziger. Darum ist mein persönlicher Stil im Großen und Ganzen ein Mix aus Cartoons der Dreißiger und der Kultur der späten Fifties bis Mitte der Sechziger – meine beiden Lieblingsdekaden, was Kunst und Musik angeht. Aber auch die frühen MAD-Magazine mag ich, besonders die Cartoons von Basil Wolverton, der all die lustigen, hässlichen Gesichter malte.





Bist du – abgesehen von deiner künstlerischen Arbeit – auf andere Art und Weise Teil der Rock’n’Roll- und Kustom-Kulture-Szene? Fährst du zum Beispiel die Art von Autos und Motorrädern, die du zeichnest?

Ich gehe zu sehr vielen Rock’n’Roll-Konzerten und bin da mittendrin. In den letzten Jahren habe ich viel für Surf-, Rockabilly- und Garage-Bands gearbeitet und mich mit vielen Rock’n’Rollern von überall her angefreundet – es gefällt mir, ein Teil dieser Szene zu sein. Ich verkaufe viel von meiner Hot-Rod- und Biker-Kunst auf den Kustom-Kulture-Treffen in Kalifornien, aus dieser Szene kommen ebenfalls viele meiner Fans. Aber ich muss immer noch versuchen, mit meiner Kunst über die Runden zu kommen – ich habe wirklich weder Zeit noch Geld, um mir ein Auto aufzubauen; ich muss mein Geld sparen, für Arbeitsutensilien, Platten und Bier!


Monster, Skelette und Friedhöfe


Die meisten deiner Charaktere sind Monster, Skelette, Mumien etc. Aber sie sehen nicht wirklich gruselig aus, sie sind eher lustig und liebenswert – was jagt dir Angst ein?

Ja! Ich liebe Halloween, alte Monsterfilme und gruselige alte Cartoons mit Geistern, Friedhöfen und Skeletten! Vieles davon findet sich deswegen in meinen eigenen Kunstwerken. Ich liebe allen schaurigen Kram – aber nur, wenn es lustig und nicht wirklich grauenhaft ist. Was mich wirklich entsetzt, sind schreckliche Dinge, die wirklich im echten Leben existieren, wie kranke Serienkiller oder Folter.


Kürzlich entwarf Shawn das Cover der neuen Messer-Chups-EP
Wie entwickelst du Artworks für Musiker?

Um in die Stimmung der Band zu kommen, für die ich arbeite, höre ich in der Regel ihre Musik. Bis jetzt hatte ich Glück, denn die Musik fast aller Bands, für die ich designt habe, mag ich.


Wie ist der übliche Ablauf dabei? Entscheiden normalerweise die Bands, wer die Artworks entwirft, oder die Labels?

Das variiert. Manchmal haben die Bands eine Idee davon, was sie wollen, und dann entwerfe ich etwas anhand dieser Idee. Manchmal kommen die Ideen auch von mir. Ich kann den Bands ein paar Vorschläge machen und dann schauen, was sie am liebsten mögen – oder man mischt die Ideen und erarbeitet einen Kompromiss. Ein anderes Mal arbeite ich vielleicht direkt mit dem Label zusammen. Manchmal gehen ziemlich viele E-Mails hin und her, während man an einem Entwurf arbeitet.




In welchem Umfang kannst du Änderungswünsche von denen berücksichtigen, die dich bezahlen? Inwiefern wirkt sich das auf die künstlerische Freiheit aus?

Bis jetzt hatte ich noch nicht wirklich Konflikte bei der Zusammenarbeit mit Bands oder Labels. Üblicherweise werde ich von Bands angesprochen, die meinen Stil mögen – das macht es von Anfang an einfacher. Manchmal muss ich etwas nacharbeiten, aber in der Regel komme ich gut mit den Leuten aus, die mich beauftragen. Allerdings ist es Arbeit für ihre Projekte, also habe ich natürlich auch nicht hundertprozentige künstlerische Freiheit. Um meine eigene Freiheit komplett auszuleben, nehme ich mir jeden Tag Zeit, um an meinen persönlichen Gemälden oder Comics zu arbeiten. Das war mir schon immer sehr wichtig.


Schitzles, die deutsche Rock’n’Roll-Katze

Schnitzels der Cat ? die Rock?n?Roll-Katze, die in einer Mülltonne eines Friedhofs wohnt und sich gerne mit ihren Freunden Rocky Arachnid und Siegbone Skeleton betrinkt

Um was geht es in deinem Comic „Schitzles der Cat“? Und warum spricht das Tier diesen Mix aus Deutsch und Englisch?

Der Comic handelt von einer deutschen Rock’n’Roll-Katze, die in einer Mülltonne eines Friedhofs wohnt und sich gerne mit ihren Freunden Rocky Arachnid und Siegbone Skeleton betrinkt. Manchmal gerät Schitzles in Ärger, zum Beispiel, wenn hübsche Cartoon-Go-Go-Girls ihn anhimmeln; seine hässliche, eifersüchtige Freundin Mag the Hag belegt ihn dann mit Flüchen. Dabei ist Schitzles ihr immer treu, denn sie ist die einzige, die ihm „Ratwurst“ und Bier bringt. Die meisten Ideen in diesem Comic sind ein Ventil für mich; eine Möglichkeit, lustige Gesichtsausdrücke zu malen oder alberne Ideen, die ich habe, wenn ich abends ein paar Bier trinke. Als ich Schitzles das erste Mal zeichnete, war er einfach eine verrückte, biertrinkende Katze, die ich nur aus Spaß kritzelte. Doch dann kamen mir all diese Ideen für Comicstrips. Ich entschied mich dazu, dass er eine deutsche Katze sein sollte, weil ich ihn das erste Mal auf einem Oktoberfest zeichnete, als ich ein paar Bier mit meinem deutschen Opa trank. Ich fand es lustig, ihm einen deutsch-amerikanischen Akzent sprechen zu lassen. Die Comics sind englisch, nur ein paar deutsche Wörter und Phrasen werden hier und da eingestreut, damit meine Leser in den Staaten alles verstehen können.





Gibt es den Comic bereits in Buchform?

Ursprünglich hat es als Web-Comic angefangen, aber schließlich habe ich sie gesammelt und selbst veröffentlicht, als Comicbuch, das ich online und auf Hot-Rod-Shows verkaufte. Die Bücher waren schnell ausverkauft, aber ich plane, bald ein weiteres Buch zu drucken – und alle Strips laufen auch weiterhin als Web-Comic. «


www.shawn-dickinson.blogspot.de

Text: Tilmann Ziegenhain
Bilder: Archiv Shawn Dickinson




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28.04.2015
Text: Tilmann Ziegenhain Bilder: Archiv Shawn Dickinson
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