Wenn das Auge mithört


Visuelle Informationen beeinflussen Menschen in ihrer Wahrnehmung enorm. Bisher wurde dies jedoch bei der Bewertung musikalischer Darbietungen ausgeschlossen. Eine experimentelle Studie aus London zeigt nun andere Ergebnisse auf.
Visuelle Informationen spielen bei der Bewertung von Musik eine große Rolle. © Marko Greitschus  / pixelio.de
"Wir beurteilen Bücher nach ihrem Umschlag, wir bevorzugen schön eingepackte Geschenke, wir verlieben uns auf den ersten Blick und wählen den Politiker, der am kompetentesten aussieht". Mit diesen Worten leitet Chia-Jung Tsay vom Londoner University College, ihre Studie ein. Der Alltag liefert die besten Beispiele dafür, wie stark die Informationsaufnahme über den Sehsinn unsere sozialen Beurteilungen beeinflusst.

Für den musikalischen Bereich bisher eher ausgeschlossen, zeigt sich nun, dass selbst bei der Bewertung von Musik das Auge eine große Rolle spielt. In einem Set aus sieben experimentellen Untersuchungen wurden in der Untersuchung von Tsay insgesamt 1164 Teilnehmer - sowohl Laien als auch professionelle Musiker - zu Bewertungen musikalischer Darbietungen befragt.

Beide Gruppen wurden gebeten, bei verschiedenen internationalen Wettbewerben klassischer Musik jeweils die drei Finalisten zu bewerten. Dazu wurden den Teilnehmern jeweils sechs Sekunden lange Stücke vorgespielt, in denen die musikalische Präsentation entweder nur auditiv, nur visuell oder aber audio-visuell erfolgte.

Das Auge hört mit. © Lisa Spreckelmeyer  / pixelio.deSowohl Laien als auch Profis tippten, wenn sie nur das Bewegtbild sahen, mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 % auf die Gewinner des Musikwettbewerbs. Die Zufallsquote liegt - entsprechend der Versuchsanordnung - bei 33 %. Lediglich 26 % der Probanden wählten den Gewinner aus, wenn sie die Musik nur hören konnten.

So stehen diese Ergebnisse in einem krassen Kontrast zu der Selbsteinschätzung der Probanden: Auf die Frage, auf welches Organ sie sich bei der Beurteilung von musikalischen Präsentationen verlassen würden, sagten 83 % der Laien und 96 % der Profis: auf das Gehör.

Ist der Mensch also tatsächlich in gewisser Hinsicht so oberflächlich, dass er selbst die Bewertung musikalischer Werke an optischen Kriterien festmacht? Der Musiker, der am leidenschaftlichsten musiziert (bzw. vielmehr so aussieht) muss demnach auch der bessere sein. Schlussfolgerungen wie diese könnten das beobachtete Beurteilungsverhalten erklären, so Chia-Jung Tsay.

Visuelle Informationen spielen bei der Bewertung von musikalischen Darbietungen eine große Rolle. © Rainer Sturm  / pixelio.deNicht erst TV-Formate wie "The Voice", bei denen in so genannten "Blind Auditions" die Jury dem Sänger bzw. Musiker mit dem Rücken zugewandt sitzen, unterstützen diese Annahme. Um sexistische und rassistische Vorurteile zu vermeiden, ist es in US-amerikanischen Orchestern seit mehr als 20 Jahren üblich, dass Musiker sich während ihres Vorspielens hinter einem Vorhang befinden.

Menschen sollten sich jedoch bei der Entscheidungsfindung dieses Einflusses visueller Informationen bewusst sein, sowie der Tatsache, dass dieser Einfluss nicht immer zu den richtigen Entscheidungen führen kann, so die Forscherin Tsay.

Die vollständige Studie kann hier heruntergeladen werden.


Text: ST/RNR
Bilder: © Marko Greitschus / pixelio.de, © Lisa Spreckelmeyer / pixelio.de, © Rainer Sturm / pixelio.de




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27.08.2013
Text: ST/RNR Bilder: © Marko Greitschus / pixelio.de, © Lisa Spreckelmeyer / pixelio.de, © Rainer Sturm / pixelio.de
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