RNR-Interview mit Josh Mann von den PAPER ARMS


Meines Wissens ist es in Australien eigentlich wahrscheinlicher Gold zu finden, als Diamanten. Aber mit den PAPER ARMS haben wir tatsächlich solch einen musikalischen Juwel aufgetan. Und damit wir auch mal einen Einblick in die Punkszene down under gewinnen, haben wir uns mit den Herren aus Südaustralien dann auch ausgetauscht.

PAPER ARMS (1)Schnell stellt sich heraus, so unterschiedlich sind "die da" gar nicht. Sei es nun am doch ziemlich erheblichen (ja, das ist gewissermaßen untertrieben) europäischen Einfluss gelegen oder woran auch immer. Einen - nicht unbedingt unerheblichen - Unterschied scheint es aber wohl doch zu geben: die Australier sind in Sachen Punk und DIY scheinbar gar nicht mal so sehr einsatzfreudig.

Da stehen Bands mit dem Aufwand, den so ein Livegig oder gar eine Tour mit sich bringt, oft auch schon mal alleine da: sei es Catering, Übernachtungen oder die Promotion im Vorfeld. Entspannen und sich auf die Performance konzentrieren is' da nicht.

Allerdings hat dafür auch das deutsche Publikum, verglichen mit dem australischen, einen ausgeprägteren Besitzanspruch an die Band. Hey! Man kann nicht alles haben, oder!?

Was hat sich denn in Sachen Punk verändert seit THE-SAINTS-Zeiten? "Mit dem heutigen "Punk" kann ich nicht mehr viel anfangen. Aber in dieser Szene aufgewachsen zu sein, umgeben von denkenden, alternativen und leidenschaftlichen Menschen, hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin", erzählt PAPER-ARMS-Frontmann Josh. Die Frage ist jetzt aber, hat sich die Szene geändert oder tatsächlich der Grundgedanke des Punk? 

"Punk und überhaupt Musik sind immer noch ein großartiger Weg, die Leute auf Missstände aufmerksam zu machen. Ich würde sogar sagen, es ist das mächtigste Werkzeug gegen repressive Machthaber. Das ist eine enorm wichtige und mächtige Seite der Musik", bestätigt der Südaustralier. Und darum geht es doch immerhin irgendwie immer bei Punk. War so. Ist so. Wird so sein!?

PAPER ARMS TourplakatDass Australien besonders in Sachen Politik - sei es die aktuelle oder die vergangene - genügend Angriffsfläche bietet, ist kein besonders gut gehütetes Geheimnis. Auch nicht für uns, am andern Ende der Welt. "Eine beschissene, rechte Regierung, wie wir sie momentan haben, ist in vielerlei Hinsicht eine großartige Inspirationsquelle. Es geht doch nichts über einen guten Protestsong, um die Menschen aufzuwecken."

Wie einflussreich Musik tatsächlich sein kann, hat Josh Mann auch schon am eigenen Leib - im vielleicht wörtlichsten aller Sinne - erlebt. So haben ihn Bands wie Propagandhi, Good Riddance und die Satanic Surfers dazu gebracht, sein Essverhalten zu hinterfragen, komplett umzukrempeln und zum Vegetarier zu werden.

Und welche Bands haben die australische Szene und Josh selbst noch mitgeprägt? "Ich bin mit so Sachen aufgewachsen, wie FRENZAL RHOMB, BODYJAR, THE LIVING END, usw. Ich glaub, von die sind alle keine großen Nummern in Europa geworden." Aber die Punkszene ist auch immer durch ihre Lokalität geprägt. Und in dieser Hinsicht bildet Josh da keine Ausnahme, wenn er sagt, dass die lokalen Kleinstadthelden immer sein größter Einfluss waren und seine Lieblingsbands es nie nach Übersee geschafft haben.

Die PAPER ARMS selbst haben es nach Übersee geschafft. Und immerhin schon zwei Mal - nicht schlecht für eine Band, die seit 7 Jahren besteht und immerhin aus einem Land kommt, das man hier drüben immer gar nicht so sehr auf dem Schirm hat (außer vielleicht, wenn gerade WM ist). Und wie ist Europa so? "Wir fühlen uns hier immer sehr willkommen und zu Hause. Die Leute sind extrem musikbegeistert und ihr Support ist großartig", sagt der Sänger und Gitarrist.

Wie alle Bandmember macht er bereits seit seiner Jugend Musik. Leben können die Vier allerdings noch lange nicht davon. Aber wenn Musik Leidenschaft ist, steht Geld ohnehin nicht an alleroberster Stelle... Zumindest sollte man nicht so illusorisch sein und denken, dass man nicht erst einmal eine gewaltige Durststrecke bewältigen muss, bis es sich - im wörtlichsten Sinne - auszahlt. Das weiß auch Josh: "Wenn wir es des Geldes wegen machen würden, hätten wir schon längst aufgehört."

PAPER ARMS (2)Also nichts mit entspanntem Urlaub in der Karibik um sich von den Touranstrengungen zu erholen. Die Aaarmen... (Ist ja nicht so, als lebten sie in einer Stadt direkt am Meer.) Wie geht's also stattdessen weiter? Direkt mit weiteren Gigs natürlich: "Die erste Show werden wir mit unseren Freunden von THE SMITH STREET BAND spielen. VIOLENT SOHO sind auch dabei, eine geile Band. Dann haben wir wieder ein paar eigene Shows in der Gegend. Alles beim Alten also."

Was für ein Glück für den Sänger, dass es ihm sowieso mehr Spaß macht, live zu performen als im Studio den - nach seiner Aussage - eher mühsamen Musikerpflichten zu widmen:

"Ich persönlich empfinde die eigentliche Aufnahmezeit im Studio als eine ziemlich nervige Mischung aus lähmender Bemühung und ebenso lähmender Langeweile", lacht er.

Aber auch das Tourleben hat seine Schattenseiten, oder? "Sicher. Die stundenlangen Autofahrten, der begrenzte Kontakt zu Freunden und Familie während dieser Zeit, und in meinem Fall der Verlust meines Handyladekabels sind sicher die weniger angenehmen Seiten des Tourens", gibt Josh zu.

Und was bleibt dann noch? Von Groupies einmal abgesehen? (Reine Unterstellung meinerseits, d.Red.) "Das Beste ist, neue Städte und Menschen kennenzulernen und alte Bekannte wiederzutreffen. Es ist schon ein krasses Ding, jemanden deine Songs mitsingen zu hören in einer Stadt von der du morgens das erste Mal etwas gehört hast."

A propos "gehört haben" - Jemand, der die PAPER ARMS noch nie gehört hat. Wie würde die Band ihren Sound beschreiben? "Wem HOT WATER MUSIC, SMALL BROWN BIKE, TITLE FIGHT, BASEMENT, RIVAL SCHOOLS, STRIKE ANYWHERE, usw. gefallen, dem könnte auch unser Zeug gefallen."
 
Mit "The Smoke Will Clear" haben die vier Jungs aus Adelaide dieses Jahr also ihr zweites Album released. Das Erste, "Days Above Ground", ist nur in Australien erschienen, sie behalten sich aber vor, es eventuell nachträglich auch noch in Europa auf den Markt zu werfen. Nur wer eines der Konzerte der Jungs besucht hat, hatte die bisher exklusive Gelegenheit, sich "Days Above Ground" in die heimische Musiksammlung zu holen.

Für die Produktion dieses Debüts haben sie sich RIVAL-SCHOOLS-Frontmann, Walter Schreifels, ins Boot geholt, den sie zu diesem Zweck einfach bei MySpace angeschrieben haben.

"Wir sind riesige RIVAL-SCHOOLS-Fans und mochten seine Produktionen. Da dachten wir einfach, wir versuchen unser Glück und sehen, ob wir ihn für unser Projekt gewinnen können. Als er antwortete, dass er am Start wäre, waren wir ehrlich gesagt erst einmal ziemlich erschrocken. Aber es hat Spaß gemacht und wir haben viel von ihm gelernt", beschreibt uns Josh die Zusammenarbeit.

The Smoke Will Clear Cover-ArtworkFür "The Smoke Will Clear" haben sie dann aber auf ihr eigenes neues Wissen gesetzt und versucht, das von Walter gelernte selbst anzuwenden. Was, wenn man das mal so sagen darf, auch gut geklappt hat.

Auch die Band selbst merkt, dass sie sich im Gegensatz zum ersten Release weiterentwickelt hat: "Die meisten Bands brauchen ein paar Aufnahmen, um ihren eigenen Sound zu finden. Wir sind da nicht anders. 'Days Above Ground' ist ein gutes Album und wir sind stolz darauf. Aber es springt mit jedem Song von einer Idee zur anderen. Einige Ideen haben funktioniert, andere waren eben nur ok. So im Nachhinein betrachtet.

Bis zu den Aufnahmen von 'The Smoke Will Clear' hatten wir herausgefunden, wie wir klingen wollen und was wir am Besten können. Dabei sind wir geblieben. Deshalb klingt das Album voller. Mit volleren, eingängigeren Hooklines. Vielleicht bin ich voreingenommen, aber mir persönlich gefällt es viel besser als das Erste."

Erschienen ist es neben den obligatorischen Download-Geschichten und CDs auch auf Vinyl. War der Band das wichtig? "Ach, ich mag Vinyl, aber ich bin nicht besessen davon. Wegen mir kannst Du Musik auch auf 'ne Floppy-Disk packen. Hauptsache ich kann's anhören", sagt der PAPER-ARMS-Sänger.

Er kann aber auch die "Besessenen" verstehen. "Vinyl fördert eine interaktive Erfahrung mit Musik, fordert Aufmerksamkeit vom Hörer, der ja immer wieder hinlaufen muss, um die Platte zu wenden. Dadurch achtet dieser auch mehr auf das Artwork. Vinyl hat eine große physische Präsenz. Ich schätze, deshalb lernen die Leute momentan wieder, es wertzuschätzen."

Abschließend quasi vom Bandfrontmann höchstpersönlich empfohlene Anspieltipps für euch: "Vom neuen Album gefallen mir "These Nights" und "Tanks Of Dust" am besten. Beides ziemlich rohe und hymnische Songs. Ich liebe es, die zu singen. Vom Alten, schätze ich, würde ich "Bricks & Mortar" sagen. Darin geht's um unsere Heimatstadt Adelaide und irgendwie diese Hassliebe, die Kleinstädter oft für ihre Heimat empfinden."

Wir hoffen, der Nebel um die PAPER ARMS hat sich nach diesem Gespräch etwas gelichtet. Da es unwahrscheinlich ist, dass unsere Redakteurin bis nächstes Jahr nochmal ihren Urlaub in der Heimatstadt der vier Herren verbringen wird, freuen wir uns, die Jungs vielleicht bald wieder in den hiesigen Gefilden begrüßen zu dürfen und danken Josh an dieser Stelle nochmal für die Zeit, die er sich genommen hat.


Text: JF
Bilder: ©Uncle M




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04.07.2014
Text: JF Bilder: ©Uncle M
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Stand:17 December 2018 17:48:43