75 Ausgaben DYNAMITE


Wenn Medien über Medien berichten, wird’s meist schnell arg. OK, das tun wir als DYNAMITE ständig, aber als Zeitschrift über Platten, Bücher etc. An dieser Stelle berichten wir aber über uns selbst und da überkommt einen natürlich schnell eine Versuchung, die jeder kennt, der schon mal ’nen Lebenslauf geschrieben hat. Vielleicht wäre es professioneller gewesen, einen Externen als Fragenden einzusetzen. Aber mich (Anmerk. der Redaktion: Gemeint ist die Redaktion) hat’s einfach selbst zu sehr interessiert, was DYNAMITE-Gründer Andy aus einer Zeit zu erzählen hatte, in der man des Nachts Serien-Faxe statt sekündlich E-Mails übers IPhone verschickte ...

DYNAMITE: Andy, nun liegt sie vor, die 75. Ausgabe. Wie fing für dich alles an?

Andy: Das Interesse an Rock’n’Roll und Rockabilly fing bei mir in einer Zeit an, in der es zwar noch kein Internet gab, ansonsten vieles aber so lief wie heute auch. Man ist auf Konzerte gegangen, hat Leute kennengelernt, Flyer eingesammelt, sich Musik und Klamotten besorgt und ist so Teil einer Szene geworden. Am schwierigsten war die Zeit davor, da ich erst nicht wusste, wo und wonach genau ich suchen sollte. Im Laufe der Zeit stieß ich dann auf das Oldenburger „Rock’n’Roll Musikmagazin“, das „Stompin’ News“ und das „Rockin’ Fifties“ – die Pflichtlektüren jener Zeit, um überhaupt an Infos zu kommen. Auf diese Hefte wartete ich immer sehnsüchtig. Aber auch dort fand ich nicht so viele Termine, Infos und Adressen, wie ich selbst haben wollte. Und daraus hat sich dann – Jahre später – das Konzept fürs DYNAMITE herausgebildet.

DYNAMITE: Erinnerst du dich noch an deine erste Begegnung mit dem Rock’n’Roll?
Andy: Ja, das muss so um 1982/1983 rum gewesen sein. Auf einem Country-Konzert bei Darmstadt sah ich zum ersten Mal Teds, meine Tante schenkte mir zum Geburtstag zwei LPs: Matchbox’ „Rockabilly Rebel“ und eine Best-of von Eddie Cochran. Und in der Bravo gab es damals einige Foto-Serien über Rock’n’Roll, eine hieß zum Beispiel „Beim Bund tanzt keiner Rock’n’Roll“.

Am Anfang war das Ehrenamt

DYNAMITE: Wann und wie bist du dann vom „Konsument“ zum „Produzent“ dieser Kultur geworden?
Andy: 1986, als ich mein erstes eigenes Konzert in Hoffenheim (TSV 1899) organisiert habe (lacht). Beim ersten Festival (1990) spielten die Lennerockers, Crystalairs, Runaway Boys und Downhomers in der Gemeindehalle von Sinsheim-Reihen … In Sinsheim habe ich mit Freunden dann den Tanzsportverein McFly gegründet und war dort auch zehn Jahre der erste Vorsitzende. Unter dem Vereinszweck „Tanzsport und Erhaltung und Pflege der Kultur der 50er Jahre“ fanden dann etliche Konzerte statt, zum Beispiel mit Boppin’ B oder auch den Speedos. Das alles lief damals viele Jahre auf rein ehrenamtlicher Basis, es waren aber die ersten Schritte.

DYNAMITE: Womit hast du damals dein Geld verdient? Und was waren die Schritte vom Ehrenamt hin zum Fulltime-Job?
Andy: Im Anschluss an meine Ausbildung habe ich das Fachabitur gemacht und gleichzeitig eine Werbe- und Handelsagentur gegründet. Im Wesentlichen kamen die Aufträge damals von einer TV-Produktionsgesellschaft, für die ich auch schon von 1987-1990 als freier Produktionsleiter arbeitete. Irgendwann wurden die Aufträge weniger, ich hatte also mehr Zeit für die Musik. Eines kam zum anderen: Ich habe mehr Konzerte organisiert, einen Mailorder gestartet, Stände auf Konzerten gemacht und Tourneen gebucht. Irgendwann kam dann auch mal eine Band und hat gefragt, ob ich nicht dabei helfen könne, ihre erste Platte zu pressen und zu vertreiben. Damals habe ich ja schon mit Platten gehandelt und kannte dadurch auch Michael Mokry, der schon professioneller Veranstalter war und MPR Records (DYNAMITE berichtete) betrieb. Er hat mir viel geholfen, das Ergebnis war die Platte „Rock Around With Olli Vee Vol. 1“. Die nächste Platte, die dann unter meinem eigenen Label-Namen veröffentlicht wurde, war die King Rats „Go Rat Go“.

Faxe im Minutentakt

DYNAMITE: War das dann der offizielle Startschuss von Part Records?
Andy: Schon, aber irgendwie war das zwangsläufig und lief einfach so mit. Das Label ist ein Teil meiner Firma Rockin’ Rollin’ Products, die ich 1990 gegründet habe. 1992 kam Part Records dazu so wie 1994 das DYNAMITE – ohne eigentlichen Startschuss, sondern in fließender und zwangsläufiger Weiterentwicklung dessen, was ich gerade tat. Der Vertrieb der Platten lief damals direkt über die Bands und Szene-Händler. Die Kommunikation fand damals vor allem per Fax statt, das nachts alle 60 Sekunden gepiept hat.

DYNAMITE: Hattest du da schon eigene Räumlichkeiten?
Andy: Danke an Hotel Mama! (lacht) Die Wohnung meiner Mutter Inge war damals Dreh-, Angel- und Treffpunkt, eine Art „Open House“ für mich und meine Freunde. Sie war abends und nachts zuhause, ich tagsüber. Natürlich schliefen auch regelmäßig Bands und Musiker bei uns (hüstel). Mit der Zeit staute sich dann aber schon eine Menge von Tonträgern an, in allen Räumen – und damit der Druck, sie auch wieder loszuwerden. Ich habe dann versucht, an einen professionellen Vertrieb ranzukommen, das Ergebnis war allerdings: Rockabilly ist kein Markt, die Infrastruktur und somit auch die Nachfrage fehlte. Mit anderen Labels wie MPR Records oder Tessy Records konnte man zwar die jeweils eigenen Sachen tauschen, aber selten verkaufen. Ich stand also vor der Wahl, entweder größer zu werden – und die Bands zu verpflichten, einen gewissen Teil der Platten selbst abzunehmen – oder durch das wechselseitige Tauschen „Szene-Inzucht“ zu betreiben. Und so schließt sich der Kreis wieder: Ein Medium musste her, das der aktuellen und aktiven Rock’n’Roll- und Rockabilly-Szene ein Forum gibt.

Das komplette Interview könnt ihr in der DYNAMITE 02/12 nachlesen ...


Text: Tilmann Ziegenhain
Bilder: Andy Widder


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DYNAMITE 27.01.2012
Text: Tilmann Ziegenhain Bilder: Andy Widder
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