Gospel Country


Der blutige Sound Gottes – ein Reisebericht aus der Gospel-Twilightzone

„Gospel“, etymologisch aus den beiden altenglischen Wörtern „God“ und „Spel(l)“ zusammengesetzt, steht in der Musikgeschichte zunächst für den Sound der schwarzen Sklaven, die das Wort Gottes, das Evangelium, die frohe Botschaft des Herren musikalisch verkünden, um sich vom realen Tal der Tränen auf den Plantagen oder von den Baumwollfeldern wegzubeamen. Von den Weißen, die zum Teil ganz andere Sorgen hatten, außer denen, die die „Große Depression“ schüttelte, wurde der Sound auch als musikalischer Talisman benutzt, um sich vor dem Teufel zu schützen, bevor dieser seine Klauen nach einem ausstreckt. Und bis zum heutigen Tag, in einer säkularisierten Welt, haben sich diese Gospel-Koordinatenpunkte kaum verrückt, auch heute zelebrieren unterschiedliche Bands ihre ganz individuelle Art von Gospelmusic. Hier finden sich Extreme, die zwar die alten Wurzeln weiter gießen, aber diese zugleich wild in die Moderne wuchern lassen.



„Als ich aufwuchs, lernte ich Gospelsongs in einer kleinen, wackeligen Country-Kirche in Eagletown, Indiana, kennen“, erzählt der bullige Reverend Peyton, „weitere hörte ich dann später von anderen Künstlern oder auf meinen Reisen“. Und aufgewachsen in Indiana verwundert es nicht, dass der Reverend mit seinen beiden Mitstreitern sowohl auf „old-time-music“ als auch auf das „Familiending“ steht: Die Band, die sich dem Country-Blues ebenso verschrieben hat wie der Gospelmusic, rekrutiert sich aus Blutsverwandten, zu allererst wäre da der Reverend, ein waschechter „Kentucky Colonel“, und seine ebenso massige, aber sehr selbstbewusste Schwester „Washboard“ Breezy Peyton, dann kommt der „Drumer“, zurzeit Cousin Aaron „Cuz“ Persinger, zuvor bearbeitete der jüngere Bruder Jayme das Schlagzeug, das zum Großteil aus einem „Five Gallon-Bucket“ besteht. Eher überraschend ist es dagegen, dass der Berg von Mann, dem Familie und Tradition so wichtig sind, wenig von der Kirche als Institution hält: „I don’t care much for organized religion“, bellt er los, aber er „liebt eben den alten Gospelsound“, der ihn immer beeinflusst habe, und den er, zusammen mit Hillbilly-Country-Blues nun aus den alten Tagen und von Indiana aus in die Metropolen und die Gegenwart rettet...
http://www.myspace.com/therevpeytonsbigdamnband



Für die andere Seite der Gospelmusic blasen Those Poor Bastards kräftig ins schwarze Horn: Das Gothic-Gospel-Country-Duo aus Madison (Wisconsin) nennt den eigenen Stil (augenzwinkernd) „Country-Doom“, ihre Klassiker sind Hymnen, geschmiedet im Höllenfeuer, Lieder über absolute Verzweiflung – das aktuelle Werk trägt den vielversprechenden und passenden Titel „Gospel Haunted“ und beinhaltet elf Songs über Wunden, Verdammnis und Tod. Der dunkle Lord hinter TPB ist Lonesome Wyatt, Songwriter, Sänger und Gitarrist. Nach einem krankheitsbedingten Personalwechsel geistert er aktuell mit seinem Schatten Vincent Presley (!) durch die zerfallenen Kirchen der Gospelmusic, des Country und der Industrial-Music. In einem Radiointerview antwortet Lonesome Wyatt auf die Frage nach seinen musikalischen Wurzeln mit einer fast erschreckenden Bastardisierung: „I like the Louvin Brothers, Johnny Cash and the Williams-Family, but i like Misfits, Einstürzende Neubauten or Christian Death, too!“ Ein Monster von einem musikalischen Stammbaum, wenn man sich diesen einmal bildlich vorstellt, aber absolut glaubwürdig, wenn man sich die Songs anhört...
http://www.myspace.com/thosepoorbastards


Den kompletten Artikel über beide Bands könnt ihr im könnt ihr im DYNAMITE Magazine 06/10 lesen.


Text: Emmerich Thürmer
Bilder: Todd Fox (Rev. Peyton), Those Poor Bastards (Katie Umhoefer)


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DYNAMITE 24.09.2010
Text: Emmerich Thürmer Bilder: Todd Fox (Rev. Peyton), Those Poor Bastards (Katie Umhoefer)
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musik country

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