Bob Wayne


In der Anti-Country-Hall-Of-Fame hat sich ein neuer Outlaw-Rebell eingenistet. Direkt neben dem Steckbrief von Vorzeige-Country-Outsider Hank III grinst dem Besucher ein frischgedrucktes, wütendes Konterfei an: Bob Wayne – Wanted Dead Or Alive

Die vorgeworfenen Verbrechen: Mit seiner Band(e), bewaffnet mit Banjos, Kontrabass und Fiddle, soll Bob Wayne Raubüberfälle auf diverse Traditionsbanken des Mainstream-Country verübt haben! Die Täterbeschreibung: Abgewetzte Lederweste, Totenkopf-Bandana, Trucker-Cap, Porno-Sonnenbrille und ausgelatschte Cowboystiefel. Allein durch sein Outfit demonstriert der amerikanische „Countrypunk“ Bob Wayne also schon seinen Outlaw-Status. Dazu kommt die mit ihm ziehende, wildgewordene Crew von Banjo-, Fiddle- und Kontrabass-Spielern, die mit ihm seine intensiven Live-Shows bestreitet. Der Sound von Bob Wayne lebt einerseits von seiner vollen Wucht, die durch eine kräftige Portion Punk getragen wird, zugleich aber auch durch eine tief empfundene Wärme für die Tradition alter Country-Größen im Geiste eines Waylon Jennings, eines Hank Williams oder des Großmeisters Johnny Cash.



Dynamite: Zunächst eine provokante Einstiegsfrage: Musikalisch wurzelt dein Sound ganz tief in der klassischen Country- und Hillbilly-Tradition, wobei der Vortrag mit einer extremen Prise Punkrock daherkommt. Wäre es für dich nicht kommerziell einfacher, in den Nashville-Mainstream einzutauchen statt im Schlamm eines Outlaw-Seitenarmes baden zu gehen?
Bob: Nein, die Nashville-Mafia kommt für mich gar nicht infrage, weil mich der Sound des modernen, kommerziell erfolgreichen Nashville-Country absolut krank macht! Bei all den stromlinienförmigen, austauschbaren Cowboy-Klonen könnte ich kotzen! Beim Baden in einem kleinen Country-Seitenarm, um bei deiner Metapher zu bleiben, fühle ich mich wohler, ich wollte nie zum Mainstream „dazugehören“. Meine musikalischen Inspirationen, mit all den klassischen Klängen aus Banjo- oder Fiddle-Melodien, kann ich in meinem Kopf hören wie sie sind, pur und ohne Ambitionen zugunsten eines bestimmten Publikums. Sie sind einfach da, ich muss sie nur noch mit der Hilfe meiner Mitstreiter wie Andy Gibson (Hank III) aufnehmen. Darum hat sich mir auch nie die Frage aufgedrängt, ob ich diese Musik kommerziell für eine bestimmte Szene irgendwie noch umbauen sollte, um Geld zu scheffeln.

DYNAMITE!: Neben der Punkrock-Energie „verstören“ bzw. verfremden auch deine skurrilen bis zynischen Texte die klassische Country-Community, weil deine Lyrics voller bösartiger Momente sind und von Verlierertypen bevölkert werden. Was fasziniert dich an diesen Outlaw-Themen, an den Pictures „from life’s other side“, wie eines deiner Vorbilder, Hank Williams Sr., diese Art von Musik einst beschrieben hat?
Bob: Die Wurzel allen Übels liegt in der dunklen Wolke, die seit frühester Kindheit über mir geschwebt hat, mich aber auch zum Musikmachen antreibt: Mein Vater hat unsere Familie verlassen, als ich fünf Jahre alt war. Mit zwölf habe ich ihn wiedergetroffen, kurz danach starb er an einer Überdosis, was meiner Mutter das Herz gebrochen hat. Keine gute Voraussetzung, um Hymnen auf das Leben oder die Menschen zu schreiben, oder? Du bist glücklich verheiratet, da gratuliere ich, denn einen weiteren Schicksalsschlag haben mir meine damalige Freundin und mein bester Kumpel versetzt: Als ich von einer Tour zurückkam, waren beide ein Paar, sie zog zu ihm in sein Haus, vor dem wir damals lange Zeit zusammen in meinem Wohnwagen gelebt hatten! Sie sagte, es wäre auch wegen der Toilette gewesen! Kombiniere all das mit dem Umstand, dass ich mich in meinem Inneren nicht wohl fühle, wenn ich versuche, Liebeslieder zu schreiben, dann ist die Frage beantwortet. Als ich aber die Nummer „Love Songs Suck“ komponiert habe, einen Anti-Liebes-Song, habe ich mich gut dabei gefühlt. Damit wir uns nicht falsch verstehen, es gibt tolle Liebeslieder, gerade von Jennings, den Hanks oder Cash, aber für mich ist es eben schwerer, fühlt es sich (noch) nicht richtig an – wundert es dich jetzt noch immer, dass meine Lieder eher Monumente für Verlierer sind?

DYNAMITE!: Dann lass uns schnell zu etwas Positivem übergeben: Wie sieht der Werdegang von dir als Künstler aus, der gerade in Richtung „Zufriedenheit“ läuft, wer sind deine Vorbilder, wie hat sich dein Stil im Laufe der Zeit entwickelt?
Bob: Die Erfindung bzw. Evolution meiner Musik ist eine absolut irre Geschichte, die wie ausgedacht klingt: Als Kind waren zunächst einmal Hard Rock und Metal meine absoluten Favoriten! Aber mit einem Seitenblick, aus den Augenwinkeln heraus, habe ich schon sehr früh auf Künstler wie Hank Williams oder Johnny Cash geschielt. Dann kam ich an einen ganz finsteren Punkt in meiner Biografie an (siehe oben), ich war am Boden, hauste fast ohne Freunde und ohne Gitarre in einem heruntergekommenen Lager-Schuppen. Und dort gab es nur mich, mein Leid, eine Melvins-CD (eine Slow-Motion-Metal-Band aus den Neunzigern!), die Hank III mir gegeben hatte, und ein Album von Johnny Cash. Und nach einem Monat fand ich den Weg hinaus, stellte mich auf die Hinterbeine, besorgte mir wieder eine Gitarre und schrieb den Song „Devils Son“. Und damit war meine ureigenste Version von „Countrymusic“ geboren und die Lieder kamen fortan wie Tropfen aus dem Wasserhahn aus mir heraus... Und jetzt habe ich meine echte Erfüllung gefunden, es macht Spaß, diese Songs zu schreiben und vorzutragen und es macht Spaß, zu sehen, dass sie vielen Leuten gefallen und etwas geben...

Das komplette Interview findest du im DYNAMITE Magazine 03/11.


Text: Emmerich Thürmer, Markus Dahm
Bilder: Jerry John; Live: T.Ziegenhain


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DYNAMITE 25.03.2011
Text: Emmerich Thürmer, Markus Dahm Bilder: Jerry John; Live: T.Ziegenhain
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musik country

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Stand:08 December 2019 12:51:38 Warning: fopen(cache/398a08f88f8fcfc9ceb4dd35494404e3.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 163 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 164 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/rockandroad.de/httpdocs/index.php on line 165