Von der Arbeiterklamotte zum Lifestyle-Goodie


Von der Arbeiterklamotte zum Lifestyle-GoodieGeorge und Joseph Pike gründeten 1930 ihre Firma Pike Brothers. Okay, eigentlich war es eher eine Holzhütte im Londoner Stadtteil Notting Hill, in der die Brüder begannen, Jeans zu fertigen. Damals galten die noch als Arbeits- und Überziehhosen, waren also in den Werkstätten dieser Welt zuhause. Erst später sollten sich die blauen Hosen als Alltagsbekleidung durchsetzen. Ein Motorradfilm war daran übrigens nicht ganz unschuldig, mit Marlon Brandos »The Wild One« begann nämlich der Siegeszug des Denim. Und da in unserer Schrauber-szene Gore-Tex-Funktionsbekleidung beim Moppedfahren eine eher untergeordnete Rolle spielt und wir eher die gute alte Jeans auserkoren haben, uns über die Straßen zu begleiten, ist es Zeit, euch mal zu zeigen, wie so eine Hose überhaupt entsteht und funktioniert. Weil wir die Sachen aber nur tragen und eigentlich keine echte Ahnung haben, haben wir uns jemanden ins Boot geholt, der wirklich was weiß.

Fabian Jedlitschka ist Biker, schon immer. Er lebt den Lifestyle der Fünfzigerjahre und treibt, solange er denken kann, seine alte WLA um die Ecken. Klar, dass Fabian auch die passenden Klamotten haben wollte, um seinen Stil zu unterstreichen. Und weil der Mann sowieso ein Faible für alte Schnittmuster und historische Bekleidung hatte, lag es nahe, irgendwann selbst ins Geschäft mit dem Denim einzusteigen. In der alten Firma »Pike Brothers« fand er eine neue Bestimmung, übernahm den Namen der beiden Engländer, legte sich eine große Palette an neuen, alten Schnittmustern zu und begann, auf Basis des traditionellen Handwerks zu produzieren.

Die größte Rolle bei den Pike-Produkten spielt natürlich Denim. Das Material ist nicht nur robust, sondern auch angenehm zu tragen. Denim wird traditionell aus 100 % Baumwolle hergestellt. Die Baumwolle wird in Ländern wie Amerika, Indien oder Afrika angebaut. Das Baumwollgewächs enthält Kapseln, in denen sich Samen befinden. Aus diesen Samenfäden wird das Garn gesponnen. Die Rohbaumwolle ist meistens weiß und dadurch entsteht auch ein naturfarbenes, weißes Garn. Um die typisch blaue Färbung von Denim zu erhalten, wird das Garn mit einer Indigolösung gefärbt. Ab 1895 wurde synthetisches Indigo verwendet, davor natürliches. Das Färben war ein über mehrere Tage andauernder Prozess. So wurde das Garn über das Wochenende in der Färbelösung getränkt und montags von den Färbern in die Sonne gelegt. Durch die Oxidation verwandelte sich die farblose Lösung in den typisch dunkelblauen Farbton. Aus dieser Zeit stammen auch die heute noch verwendeten Begriffe »blau machen« und »blau sein«, da die Färber in der Wartezeit auch meist in der Sonne lagen und ihr Bier tranken.
Von der Arbeiterklamotte zum Lifestyle-Goodie
Nachdem das Garn gewonnen wurde, wird der Denimstoff gewebt.  Bei Pike nutzt man dazu tatsächlich alte Webstühle, wie uns Fabian erklärt, weil »nur so der Stoff entsteht, den wir verwenden wollen.« Und der zeichnet sich durch seine Widerstandsfähigkeit aus: Durch die Avivage (Stärke beim Kettfaden und Wachs beim Schussfaden) entsteht ein relativ schmutz- und geruchsresistenter Stoff, der nur selten gewaschen werden muss. Heutzutage wird allerdings die Avivage größtenteils während des Produktionsprozesses abgewaschen, damit der Stoff weicher wird und künstlich hergestellte Used-Effekte (z. B. stone wash) entstehen. Bei Pike Brothers Denim wird dies nicht gemacht, sondern der Stoff wird so getragen, wie er aus der Maschine kommt. Warum? Ganz einfach. Gewaschene Jeans kannte man bis in die 70er/80er Jahre grundsätzlich nicht. Sie wurden immer tiefblau gekauft und eingetragen. Und das sollte man mit einer echten Denim auch heute noch tun. Grundsätzlich verhalten sich die Hosen nämlich so wie eine Lederhose oder ein schwerer Lederstiefel. Also, wenn das Teil so belassen wird, wie es ist, kommt es am Ende am besten raus und hält auch am längsten! Durch die Schutzschicht, die sich auf dem Garn befindet, nimmt die Hose Schmutz und Geruch nämlich nicht an, wie dies bei einer herkömlichen, schon gewaschenen Jeans der Fall ist. Kippt man also nicht gerade einen Liter Motoröl oder Bier darüber, braucht die Pike keine Waschmaschine – was ein Männerluxus. Und wenn ihr gar nicht damit klar kommt, dann die Hose nur kurz mit kaltem Wasser und wenig Weichspüler spülen. Gut mit klarem Wasser nachspülen, sich ein Bier aufmachen, die Hose in die Sonne legen und dem edlen Stück dann ganz in Ruhe beim Trocknen zusehen. Falls eure Frau das nicht mitmacht und doch die Waschmaschine ins Rennen wirft, dann sagt ihr Folgendes: Auf links drehen, mit dem Schonwaschprogramm/Wollwäsche waschen und niemals in den Trockner. Bei zu viel Wärme kann es sein, dass die Hosen in der Länge einlaufen. Wohlgemerkt nur in der Länge, nicht in der Weite! Als Faustregel gilt: Bei einer Waschmaschinenwäsche ab 40 Grad läuft die Hose etwa drei Zentimeter in der Länge ein.
Von der Arbeiterklamotte zum Lifestyle-Goodie
 

Ein ganz schöner Exkurs, auf den uns der Fabian da mitgenommen hat, aber eines wollen wir ganz dringend noch wissen. Woher kommt eigentlich der Umschlag bei den Oldschool-Jeans. Und warum haben die Dinger Hosenträgerknöpfe und eine Schnalle hinten. Die Erklärung ist so simpel, dass wir staunen. »Der Umschlag kommt noch aus der Zeit als Hosen in Einheitslänge produziert wurden. Man musste sie einfach umschlagen, weil die Länge fast nie passte«, erklärt Fabian. »Und Hosenträgerknöpfe hatte man immer dran, da Jeans seit ihrer Entstehung als Überhosen konzipiert waren. Ein Arbeiter trug meistens eine ordentliche Wollhose als Bekleidung. Nur, wenn es an die schwere Arbeit ging, wurde die Jeans darübergezogen und mittels Hosenträger obengehalten. Der Taillenriegel oder Cinch Back hat denselben Hintergrund. Da die Jeans bis in die 30er-Jahre sehr weit geschnitten waren, um sie über die Wollhose ziehen zu können, hingen diese meist locker falls nichts darunter getragen wurde. Durch den Cinch Back hatte man eine schnelle Verstellmöglichkeit, um die Größe zu regulieren.« Ab den späten 40er-Jahren verloren sich diese Details übrigens, auch die Biker machten die Jeans zum Alltagsstück – und heute fragt keiner mehr, wo die Dinger eigentlich herkommen.

www.pikebrothers.com




Text: Katharina Weber
Bilder: Archiv




10.02.2014
Text: Katharina Weber Bilder: Archiv
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