Love Cycle - Harley-Davidson UL


Normalerweise baut Jeremiah Armenta wunderschön authentische Seventies-Chopper. Wie passt dann diese wundersame Harley Flathead ins Konzept des Mannes aus Arizona? CUSTOMBIKE hat nachgehakt

Ein Besuch in der kleinen »Love Cycles«-Werkstatt in Phoenix/Arizona gleicht einer Zeitreise. Vollgestopft mit alten Harleys – Baujahr vor 1984 oberstes Gebot – ist der Laden, zugekleistert mit David-Mann-Postern, bestückt mit ganz viel Flakekultur und Zipfeln von Fellimitat. Und im Zweifelsfall setzt dich Jeremiah Armenta, der Mann, der hier das Zepter schwingt, sofort vor seinen kleinen Fernseher und du musst dir hintereinander »Hell on Wheels« und »Wild Rebels« angucken. »Ich liebe das schon alles verdammt«, erklärt uns JeremiahHarley Flathead, Love Cycles, »wie sonst könnte ich solche Motorräder bauen?«, und zeigt uns Bilder der Pans, Knuckles und Shovels, die seit 2009 seinen Laden verlassen haben. Seitdem nämlich existiert »Love Cycles« und ist ein ganz fester Bestandteil der amerikanischen Customkultur. Es mag an der immer gut gelaunten, positiven Art von Jeremiah liegen, auch an der Selbstverständlichkeit, mit der seine Frau Mona und seine drei kleinen Kinder Bestandteil seiner Arbeit sind und natürlich auch an seinen wirklich perfekten Umbauten, die mit Rabbit Ears, schmalen Outlines und psychedelischen Lackierungen glänzen – man muss den Bikebuilder einfach ins Herz schließen und der Name »Love Cycles« passt zu seiner Firma wie die Faust aufs Auge. Als wir seine aktuelle Kreation vor uns stehen haben, sind wir trotzdem verwundert. Fast alienlike, modern, außergewöhnlich präsentiert sich schon allein die Lampenverkleidung – und steht im krassen Gegensatz zu dem, was Jeremiah sonst so baut. Die Lampenmaske setzt sich in einem ausufernden, glänzenden Heckfender fort, der sich um ein schmales Rad schmiegt, ein Motorrad wie von einem anderen Stern. »Und dabei ein ganz altes Thema«, grinst Jeremiah. »Ich wollte einen Boardtracker bauen, also so richtig wie in den 20er-Jahren. Und untendrunter ist es auch einer, glaubt mir.« Für sein »Streamline«-Projekt wählte Jeremiah einen UL-Flathead-Motor von 1948 und spendierte dem alten, seitengesteuerten Aggregat eine Kur, die sich gewaschen hat. »Da ich ein Racingbike wollte, musste ich Racing einbauen«, erklärt Armenta, der alle Motorarbeiten selbst erledigt. Nocken-welle, Zylinder, Kurbelwelle, die zwei Linkert-Vergaser, Magnetzündung oder die Einlassventile die Spezialist Andre Magdelano fertigte – der 80-cui-Motor erfuhr eine komplette Überarbeitung, letztlich sind nur die Außenhüllen noch original 40er-Jahre. Zwei kurze, schwarze Auspuffröhrchen baut Jeremiah außerdem selbst.
 
Nach der aufwändigen Revision des Seitenventilers verschwendet Jeremiah immerhin keine Zeit mit dem Rahmen. Als Chassis für den Boardharley Flathead, Love Cyclestracker dient ein original Wishbone-Starrrahmen, der weder unters Messer muss, noch geraked, gestretcht oder sonstwas wird. Lediglich ein Nickelbad duldet Jeremiah. Dazu passend bleibt auch die Springergabel voll original. Aber beim Lenker, da tobt sich unser Bikebuilder wieder aus. Die Griffe sitzen ganz im Trackstil weit unten quasi fast am Knie des Fahrers. Es ist schon immer wieder faszinierend, wenn man auf den alten Schwarzweißbildern sieht, wie die Fahrer seinerzeit mit krummem Rücken und nach vorne gelehnt die Fuhre durch das Oval jagten. Und genau dieses Gefühl kommt auch hier in Arizona auf. Doch während die Boardtracker früher schmale, nackte Geräte waren, trug Jeremiah beim Bau seiner Interpretation dem großen aktuellen Fairing-Trend Rechnung. Überall tauchen sie auf, die Verkleidungen. Mal an der Starrrahmen-XS, mal am Japan-Chopper, mal nur an der Lampe, mal am halben Motorrad, aber immer öfter, weltweit. In Zusammenarbeit mit der ebenfalls in Phoenix ansässigen Bude Haifley Bros – eigentlich Fachmänner in Sachen Sitzbänke – konstruiert Jeremiah eine Verkleidung, die sich auf Front und Heck seiner UL konzentriert. Vorne die Lampenmaske, die schwer an Gigers Alien erinnert. Hinten ein Heckfender von unglaublichem Ausmaß. Die Faszination des Schutzbleches ist der schmale Reifen der untendrunter läuft, 19 Zoll mit Excelsior-Bereifung. Nach Jeremiahs Vorgaben entstehen bei Haifley so die Verkleidungsteile aus Aluminium. Und weil die Jungs schon mal bei der Arbeit sind, fertigen sie auch gleich den zierlichen Alutank, der den Streamliner krönt. Mag sein, dass das fertige Bike nicht jedermanns Sache ist. Und auch wir geben zu, die komplette Faszination der UL erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Dann, wenn einem bewusst wird, dass hier scheinbar nicht Zusammenpassendes am Ende doch wunderbar harmoniert.
 

harley Flathead, Love Cycles DetailUnd Jeremiah, der sieht die ganze Sache eh entspannt: »Entweder es gefällt oder es gefällt nicht. Ich baue mit Liebe Motorräder, das ist alles, was zählt. Tu es mit Liebe, dann ist es auch gut, egal was andere sagen.« Sprichts und schaltet uns den Fernseher aus: »Ich muss nach Hause zu meiner Frau und meinen Kids. Ihr wisst schon, Liebe!«
 


Text: Katharina Weber
Bilder: Benjamin Grna




14.02.2014
Text: Katharina Weber Bilder: Benjamin Grna
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