Austausch der Nockenwellenlager


In unserer Ausgabe 2/16 hatte euch Stephan Simon in seinem Technikbericht gezeigt, wie ihr euren Evo- oder Twin-Cam-Motor durch einen Nockenwellen-tausch etwas aufpumpen könnt. Ein mindestens genauso interessantes, aber vor allem wichtiges Thema ist der Tausch der Nockenwellenlager. Die Evos und Twin-Cams von Harley-Davidson gelten allgemein als robust und langlebig. Entsprechende Pflege und Wartung vorausgesetzt. Wer gewisse Wartungsarbeiten jedoch auf die lange Bank schiebt, kann böse überrascht werden. Wir haben uns den Austausch der Nockenwelleninnenlager bei SinCity Cycles in Sinsheim angeschaut und uns zeigen lassen, was apassiert, wenn die Lager den Geist aufgeben.
Gerade Besitzer von Gebrauchtbikes sollten mal einen genauen Blick auf die Laufleistung ihres Motors werfen. Ähnlich wie beim Auto der Zahnriemen regelmäßig gewechselt werden muss, verlangen die V2s aus Milwaukee nach Pflege. Zwar haben sie keine Probleme mit Zahnriemen, da sie mit Steuerketten ausgestattet sind, aber die sind nicht das Problem. Es sind die No-cken-welleninnenlager, die ab einer gewissen Laufleistung unbedingt gewechselt werden sollten. Das betrifft Evos wie Twin Cams gleichermaßen, wenn sie zwischen 50 000 und 60 000 Kilometer auf der Uhr haben.  


Der Austausch der Nockenwellenlager ist sehr arbeitsintensiv und erfordert spezielles Werkzeug, das nicht gerade billig ist. Wer seine Lager selbst wechseln möchte, sollte sich überlegen, ob er das investieren möchte

Warum muss gewechselt werden?
Die werkseitig verbauten Lager von Harley-Davidson halten einfach nicht länger. Die Nadeln der Nockenwellenlager laufen in einem Kunststoffkäfig, der den üblichen Belastungen durch Druck und Temperatur ausgesetzt ist und mit der Zeit spröde wird. Bricht der Käfig, verlieren die Nadeln den Halt und können ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Im schlimmsten Fall blockiert das Lager und setzt eine Kettenreaktion in Gang, die sich aus den Tiefen des Motors bis in die Zylinderköpfe fortsetzt und die Reparaturkosten explodieren lässt. Eingelaufene Nockenwelle, verbogene Ventile, defekte Ölpumpe, verbogene Stößelstangen oder Kolbenfresser durch fehlende Schmierung heißen die kleinen und großen Katastrophen, die die Revision eines Motors in den Bereich von mehreren Tausend Euro drücken können. Dabei sind die Lager selbst nicht teuer. Um die 10 Euro verlangt Harley pro Stück INA-Nockenwellenlager, Aftermarkethersteller wie Jims um die 13 Euro. Dafür sind die sogenannten Torrington-Lager aber auch stabiler und verfügen über die doppelte Anzahl an Nadeln, da sie ohne den Kunststoffkäfig auskommen. Warum die Company nicht von vornherein bessere Lager verbaut, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht ist es ganz einfach eine Kostenfrage, denn bei über 220 000 produzierten Fahrzeugen rechnen die Controller in Cent, was auf die Masse der Motorräder ein ansehnliches Sümmchen ergibt, das eingespart werden kann.

Die Nockenwellen-Platte ist raus, jetzt geht?s endlich den Lagern mit dem Abzieher an den Kragen

Der Reparaturaufwand
Bei Big Twins mit Evo- oder Twin-Cam-Motor sollte bei Erreichen der beschriebenen Laufleistung ganz einfach ein Wartungsstopp für das Bike eingeplant werden. Der Zeitaufwand beträgt in etwa einen Werkstatttag. Die Kosten liegen bei rund 800 Euro, vorausgesetzt es bleibt nur beim Tausch der Nockenwellenlager und es treten keine weiteren Schäden auf. Der Großteil der Kosten entsteht, wie fast immer bei solchen Reparaturen, durch den Zeitaufwand. Konstruktionsbedingt ist der Austausch der Nockenwellenlager nämlich mit dem Aus- und Abbau zahlreicher Teile verbunden, denn die Dinger sitzen im Motorgehäuse. Wer sich im Zuge der ohnehin aufwendigen Arbeiten direkt für einen Tausch der OEM-Stößelstangen gegen Einstellbare entscheidet, kann viel Geld sparen. Dann wird kurzerhand der Bolzenschneider angesetzt und die Stößelstangen abgezwickt. Der konventionelle Weg geht über Tank abbauen, Auspuffanlage abnehmen, Luftfilter runter, Vergaser oder Einspritzungen abnehmen, Timercover raus, Rockerboxen und Stößelstangen raus, Gear Cover raus, Piniongear, Camgear und Breather Valve auf Markierung drehen und anschließend die Nockenwellenlagerplatte abnehmen. Nicht wundern, wenn bei Harley-Davidson-Modellen bis Modelljahr 2006 die Nockenwellen in der Nockenwellenlagerplatte noch in Kugel- und Rollenlagern laufen. Erst mit dem Modelljahr 2007 ist Harley-Davidson zu Gleitlagern übergegangen.

Wenn wir schon dabei sind …
Bei der Gelegenheit sollten auch die Kettenspanner überprüft werden. Meist empfiehlt sich gleich Ersatz, da die Gleitschuhe oft schon verschlissen sind. Sollten noch herkömmliche Kettenspanner mit Federschuh verbaut sein, kann auch ein Umbau auf hydraulische Kettenspanner sinnvoll sein. Das allerdings ist eine Kostenfrage, denn der Primär- und Sekundärspanner schlagen mit gut 120 Euro pro Stück durchaus größere Löcher ins Budget.
Und wenn schon alles draußen ist, darf auch die Ölpumpe inspiziert werden, denn die kann durch verschlissene Nockenwellenlager schon in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Die Nockenwellenlager selbst werden mit einem Abzieher aus dem Motorgehäuse entfernt und anschließend wieder eingepresst. Danach erfolgt der Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge. Dabei werden auch neue Dichtungen fällig.
Mit den neuen Nockenwellenlagern ist euer Bike wieder fit für mehrere zehntausend Kilometer. Also, Kilometerstand und Finanzen checken und ab zur Werkstatt eures Vertrauens. Und beim Gebrauchtkauf den Verkäufer ruhig auf die Nockenwellenlager ansprechen. Sind sie von einer Werkstatt gewechselt worden, kann er dafür sicher Belege vorzeigen. Hat er sie selbst gewechselt, viel Glück.


Kontakt:
www.sincitycycles.de

Kettenspanner und Ölpumpe werden gleich mitüberprüft. Hydraulische Kettenspanner verschleißen nicht so schnell, eine leistungsfähigere Pumpe aus dem Zubehör fördert deutlich mehr vom lebens-wichtigen Öl durch den Motor

Text: Christian Heim
Bilder: Christian Heim




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11.04.2016
Text: Christian Heim Bilder: Christian Heim
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Stand:19 January 2019 21:41:44