Kreatives Energiebündel ? Zu besuch bei Roland Sands


Roland Sands, kreativer Kopf bei RSD-DesignRoland Sands ist eine Lichtgestalt der gesamten Umbauerszene. Kreativ und kühn verwirklichen er und seine 15 Mitarbeiter in Los Alamitos, wovon andere noch nicht mal träumen. Wir haben den Trendsetter in seiner Firma Roland Sands Design besucht und erfahren, was hinter dem Erfolg von RSD steckt.

Wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, dann gebe ich nicht klein bei, sondern bleibe standhaft, fahre die Ellbogen aus und setze mich durch!? Das Erfolgsrezept des inzwischen weltweit bekannten Roland Sands galt nach eigener Aussage früher als Rennfahrer ebenso wie heute als Customizer. Sands grinst, als er das glaubwürdig rüberbringt. Das Funkeln in seinen Augen verrät, dass der quirlige Kerl meint, was er sagt.

Promis vom Schlage eines Mickey Rou­rke lassen ebenso bei ihm schrauben wie die Großkonzerne BMW oder Panasonic, wenn sie kreativen Input brauchen. Das Erfolgsrezept: RSD baut nicht nur um, sondern spürt Trends auf und geht völlig neue Wege. Die Projekte entstehen immer von zwei Seiten her. Entweder sind Wünsche von Kunden der Ursprung oder Sands und seine Leute haben eine Idee und Kunden erwärmen sich dafür. Wenn man Verkaufsräume und Werkstatt an der Hausnummer 10571 des Los Alamitos Boulevard betritt, spürt man sofort den Spirit, der hier herrscht. Roland Sands ist Erster unter Gleichen, einer von lauter Überzeugungstätern.

Roland Sands auf einem 250er-Zweitackt-RacerEin spontaner Dialog mit Mechaniker Aaron stellt schnell klar: Sands gibt kreativ und entschlossen die Richtung vor, reagiert aber sofort auf neue Impulse. Wie am Ping-Pong-Tisch fliegen Ideen und Argumente hin und her, und sehr schnell wird die gemeinsam entwickelte Lösung zum unaufhaltsamen Schmetterball. Das Prinzip, in alle Vorgänge von Anfang bis Ende involviert zu sein, bringt Roland Sands anschaulich auf den Punkt: ?From the root to the fruit.? Immer wieder fällt es mir schwer, seine Aufmerksamkeit zurück aufs Interview zu lenken. Denn der kreative Kopf kann seinen Blick kaum vom riesigen Grafikbildschirm abwenden, an dem sonst seine Umbauideen Gestalt annehmen. Über den Monitor flimmern Videos seiner Rennkarriere, wildes Zweitakter-Gekreische tönt aus den Boxen.

Immer wieder zeigt er mir voller Begeisterung Beinahe-Crashes, in die der junge Wilde als AMA 250 ccm GP-Champion 1998 verwickelt war. ?Schau dir das an, der Typ war ein kompletter Idiot auf der Bremse, Wahnsinn!? Vor allem genießt Sands jene Szene, in der er vom sechsten auf den ersten Platz vorkommt, bei geschätzten 200 km/h mit einem Rivalen aneinandergerät, sich mit einem Ellbogenstoß Platz verschafft, dann erst zurückfällt und sich am Ende doch durchsetzt. Da ist sie wieder: die absolute Entschlossenheit, um die sich alles bei Roland Sands zu drehen scheint.
Die zierlichen, wie ein Schwarm Hummeln klingenden Zweitakt-Renner im Video von damals haben so rein gar nichts zu tun mit den V2-Ikonen, die Sands seit 2004 als Customizer geschaffen hat. Und die stammen längst nicht nur aus Milwaukee, denn auch Victory und zuletzt Indian gehören inzwischen zum Portfolio von Roland Sands, der sich auch nicht fürs fast komplette Strip­pen und Aufmöbeln eines Yamaha-Tmax-Rollers zu schade ist ?
 
 

Custombike Doch der Schwerpunkt wird weiter auf Harley-Davidson liegen. Ebenso wie zu seinen Zweitakter-Rennmaschinen verbindet Roland Sands eine tiefe Leidenschaft mit der ?American Legend?: ?Von Beginn an ging es mir vor allem ums Harley-Customizen, die Bikes radikaler und teurer aussehen zu lassen. Aber auch um die Fahrbarkeit, denn da war und ist noch einiges rauszuholen.? Gerade für ihn als hochoktanigen Vollblut-Racer sei es heilsam, Harley zu fahren: ?Mit den Harleys habe ich mich umgewöhnt. Du steigst auf und bist ein anderer Fahrer. Du genießt einfach zwei Räder, die Natur und deine Kumpels und legst mit ihnen genüsslich ein paar Meilen zurück. Das ist sehr gut speziell für Jungs, die Rennen gefahren sind.?

Energiegeladen agiert Roland Sands in jeder Phase unseres Gespräches. Ähnlich impulsiv entstehen offenbar viele seiner Custombikes. Bei vielen seiner Projekte macht sich Roland Sands? Leidenschaft für schnelle Bikes deutlich bemerkbar. Davon zeugen zum Beispiel Racing Parts wie Fahrwerkskomponenten von Öhlins, Supersportreifen oder die ultraleichten Revolution-Felgen von Performance Machine, der Firma, die sein Vater gegründet und groß gemacht hat. Dort hat Roland ab 1988 das Geschäft von Grund auf gelernt. ?Der einzige Weg für mich zum Racen war, wenn ich auch arbeitete.? Deshalb begann er damals, Motorradteile für seinen Vater zu designen.

2005 gründete er sein heutiges Unternehmen ?Roland Sands Design?. Vor fünf Jahren etwa kam die Sparte Kleidung Die Hebebühne ist nie leer. Die Entwicklung von Teilen ist inzwischen ein Ganzjahresjob für den talentierten Designer hinzu. ?Damals bot niemand etwas wirklich Cooles an, in dem man einen Unfall überstehen kann. Diese Frage ist so etwas wie der Lackmus-Test für Klamotten: Möchte ich die anhaben, wenn ich stürze? Seitdem entwerfen wir, was wir gerne anhaben würden.? Und wie geht?s weiter? Roland Sands glaubt: ?Harley-Davidson wird weiterhin die naheliegendste Custom-Plattform auf dem Markt haben. Bei den neuen, wassergekühlten Street 500 und 750 muss man das erst noch sehen. Aber ich sehe keinen Grund, warum das bei denen anders sein sollte.? Allgemein sieht Sands einen Trend weg von ?ground based customs?, denn: ?Da gab?s viele, die mit einem Motor, einem Rahmen und Rädern anfingen, was aufzubauen. Und nach langer Zeit schaut?s immer noch nach nichts aus und ist immer noch 20.000 Dollar entfernt von allem, das wirklich gut läuft.? ?Stock based customs? seien stattdessen groß im Kommen, auch bei RSD: ?Wir nehmen ein Bike von der Stange, strippen herunter, was uns nicht gefällt und ersetzen das durch neue Teile. Und daraus wird dann ein völlig neues Bike. Lackierung, Auspuff, Griffe oder Lenker usw. ? alles anders.?

Aus dem Hinterland des City-Molochs von Los Angeles möchte Sands in Zukunft gerne mit RSD näher an seine größte Leidenschaft heranrücken, die nichts mit Bikes zu tut hat: Surfen. Wer ihn wie ich gut zwei Stunden kennengelernt hat, traut ihm absolut zu, sich auch diesen Traum zu erfüllen: ?In zehn Jahren werde ich mehr oder weniger dasselbe machen wie heute, aber hoffentlich von einem schöneren Platz aus.? Sands macht eine ausholende Geste und sagt: ?On the beach!? Und da ist es wieder, dieses Funkeln in den Augen des Energiebündels.
 
 


 

Text: Ralf Schütze
Bilder: Ralf Schütze




26.01.2015
Text: Ralf Schütze Bilder: Ralf Schütze
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