Heute leben wir das, was morgen Old School ist


Hells Angel Django gab uns zur BIKERS NEWS 400 ein sehr persönliches Interview

Von der Zündapp zur Twin Cam Street Bob: Django ist Sprecher der Hells Angels.Das Foto wurde vor dem Colour-Verbot aufgenommenBN: Django, fuhr man als junger Rocker die Kreidler Florett auch im Norden? Welches war dein erstes Motorrad?

Django: Erstens: Ich komme nicht aus dem Norden. Zweitens: Kreidler Florett ging gar nicht! Ich bin schon als ganz kleines Kind gefahren, quer übern Acker, mit Öfen von DKW oder Miele. Später folgte eine Zündapp KS 50 Super Sport. Da hatten wir schon einen Club, in dem fuhren wir nur Zündapp. Vielleicht ging auch mal ’ne Hercules. Aber wir hatten schon Sissybars und hohe Lenker rangeschraubt. Das ging nicht mit der Kreidler Florett und ihrem hässlichen Pressstahlrahmen.

BN: … und dann kamen die BMWs.

Django: Ich hatte selbst eine im Geradweg­federungsrahmen der 50er Jahre. Nur die alten Rahmen konntest du für richtige Chopper-Umbauten verwenden. Die Hamburger hatten da richtig geile Teile!

BN: … und dann die Harleys.

Django: Klar, Starrrahmen-Chopper und alte Shovels. Heute habe ich eine Twin Cam Street Bob.

BN: … im Unterschied zum Boxer immer mit einem zu heißen hinteren Zylinder.

Django: Was für eine gequirlte Scheiße! Ich weiß nicht, wie es zu diesem Horror-Märchen gekommen ist. Hast du jemals von einem Harley-Fahrer gehört, dessen hinterer Zylinder wegen Überhitzung festgefressen
ist?

BN: Stimmt, genau das habe ich noch nie gehört. Tatsache ist aber, dass bei den Twin Cams der hintere Zylinder fetter befüttert wird. Das geht ja bei Einspritzanlagen.

Django: Bei den neuen Harleys mag das so sein. Ich bin noch die alten gefahren, und die hatten nur einen Vergaser. Da kriegt jeder Zylinder die gleiche Mischung.

BN: Du kennst die Szene länger. Wer war denn zuerst da: Du oder die BIKERS NEWS?

Django: Was für ’ne Frage, ich natürlich!

BN: Dürfen wir fragen, wie alt du bist?

Django: 61.

BN: Uff.

Django: Merkst du was? Ich war damals schon Hamburger Hells Angel. Ihr kamt viel später. Eure erste Ausgabe von 1980 hieß „Angel News“. Du warst noch nicht dabei, aber das mit diesem Namen mussten wir damals klären.

BIKERS NEWS Ausgabe 3      BIKERS NEWS Ausgabe 1
Titelfoto: Alvensleben

„Ihr hattet zu viel ausgeplaudert.“

BN: Bei der Gelegenheit geben wir offen zu, dass wir uns nicht immer gut vertragen. Die Leser dürfen wissen, dass wir nicht das Organ der Hells Angels sind. Wie siehst du die BIKERS NEWS heute?

 Einer der ersten Brüder Djangos: Geier, President der Street Devils, auf einer Zündapp KS 50 Super Sport im Jahr 1968Django: Die BN ist zeitgemäß, das war sie immer. Sonst hätte sie nie überlebt. Eine BN wie vor 30 Jahren könntet ihr heute nicht mehr bringen.
Was mir an euch nicht schmeckt: Eine Zeitlang habt ihr zu viele Einzelheiten über das Zulassungsrecht ausgeplaudert, wie man kleine Kennzeichen kriegt und solche Sachen. Damit hattet ihr schlafende Hunde geweckt. Kaum war so ein Artikel erschienen, wurden unsere Bikes auf diese Themen hin kontrolliert.

BN: Die Storys gingen auf meinen Deckel. Ich wollte unseren Lesern damals alles erklären, was ich als Biker auch selbst wissen wollte. Ich musste damals erst lernen, dass der Feind mitliest. Aber genau das ist jetzt noch viel schlimmer geworden. Jetzt müssen wir auch noch in der Clubpolitik das meiste für uns behalten.
Wie hattest du denn deinen Eintritt in einen MC gefeiert? Sind manche der alten Einstiegsrituale heute noch zeitgemäß?


Django: Schlammtaufen? Solche Rituale gab es bei uns nicht. Die gab’s nur im Kino.

BN: Du meinst, bei euch im Norden gab’s die nicht?

Django: Ich war auch schon im Süden in einem Club. Ich gehörte zum Street Devils MC. Aber diese Taufrituale gab es nicht.

BN: Nicht mal ein rohes Ei über den Kopf?

Django: Nein. Wichtig war immer nur ein Überraschungseffekt. Der Neue sollte nichts von seiner Aufnahme wissen. Da gab es dann schon mal eine Bier- oder Sektdusche. Äußerlich und innerlich. Ich hab bei manchen Tage gebraucht, um die zu verdauen.


„Wer über die Vergangenheit redet, verpennt die Zukunft.“

BN: Wir hatten in der Juni-Ausgabe einen Leserbrief veröffentlicht, in dem ein Leser sich unter der Überschrift „Alte Säcke“ heftig über die alten Member von heute beklagte. Über ihre strengen Regeln und Forderungen, aber auch über die Sprüche der Alten.

Django: Wenn der Mann sich über sowas beschwert, muss er sich eine andere Szene suchen. Er sollte bedenken, dass er sich später womöglich genauso entwickeln wird.
Aber in mancher Hinsicht hat er recht: Leute, die nur über die Vergangenheit reden, verpennen die Zukunft.

BN: Haben die heutigen Neulinge denn andere Ansprüche als früher?

Django: Sie suchen das Gleiche wie wir früher: Die Gemeinschaft, die Brüderlichkeit, die Familie.
Vieles von damals geht nicht mehr, wir können keine Bikeshows mehr ausrichten, nicht mehr mit 200 Bikes über die Autobahn donnern.
Aber selbst, wenn es das heute nicht mehr gibt, so ging es uns damals ja nicht anders. Wir haben auch immer das gesucht, was wir nicht hatten, haben immer nach Kalifornien geblickt. Dabei waren es damals herrliche Zeiten, wir waren uns dessen aber nicht bewusst.
Vielleicht reden die Neuen später genauso von der heutigen Zeit.

BN: Habt ihr umgekehrt heute mit Neuen mehr Probleme als früher?

Django: Nein. Es ist wie immer: Viele fühlen sich berufen. Wenige werden auserwählt.


„Die Patchovers hatten ihren Sinn.“

BN: Du sagtest jüngst auf dem Rockertalk der Internetplattform ?Nur die alten BMW-Rahmen konntest du für richtige Chopper-Umbauten verwenden. Die Hamburger hatten da richtig geile Teile!?„Rockerportal“, du würdest heute einem Patchover, wie in Berlin, als viele Bandidos auf einen Schlag zu den Hells Angels wechselten, nicht mehr zustimmen. Willst du uns Gründe für so einen Meinungswechsel nennen?

Django: Die Patchovers hatten damals ihren Sinn, und es hat ja auch funktioniert. Aber für heute gilt, dass man den Leuten mit einem Patchover im Schnelldurchlauf keinen Gefallen tut.

BN: Eine Zeit lang sah es damals aus, als wären Migranten die neue Rockergeneration. Jetzt wollt auch ihr sie nicht mehr haben. Aber waren das nicht Geister, die ihr gerufen hattet?

Django: Also das erste Patchover war das der Bones im Jahr 1999. Sie wurden über Nacht zu Hells Angels, aber sie hatten mit Migranten nichts am Hut.
Das zweite Patchover dieser Art war das von Berlin. Jetzt muss man aber zum Thema der Migranten sagen, dass es eine üble Masche ist, alle über einen Kamm zu scheren. Dass wir sie nicht haben wollen, davon kann keine Rede sein. Erstmal kommen sie aus viel schwierigeren Verhältnissen. Und zweitens habe ich darunter viele Männer kennengelernt, die wissen, was sie tun. Ihnen geht es um Ehre, um Anstand, um Respekt.

BN: Es scheint unmöglich, dass zumindest die großen vier MCs dauerhaft Frieden schließen. Wie kommt das?

Django: Die Frage ist ungeschickt formuliert. Wenn man von einem dauerhaften Frieden redet, müsste es einen dauerhaften Krieg geben. Den gibt es nicht. Eine Koexistenz ist möglich, so möchte ich das mal formulieren: Koexistenz!


„Es gibt kein schmutzigeres Geschäft als die Politik.“

Django im Jahr 1970: ?Wir hatten schon Sissybars und hohe Lenker rangeschraubt.?BN: Als unmöglich hast du auch eine Zusammenarbeit auf politischer Ebene, zum Beispiel in einer Rocker-Partei, bezeichnet. Wieso siehst du das so?

Django: Über die Idee, eine politische Partei zu gründen, hat wahrscheinlich schon jeder Club diskutiert. Aber es gibt kein schmutzigeres Geschäft als die Politik, in der man nur deformiert wird. Ich kenne zum Beispiel die Grünen sehr gut aus ihren ersten Tagen, es liefen ja auch ein paar Sachen mit denen und uns. Wer allerdings heute Grüner ist, der würde bei den Grünen der ersten Stunde keinen Platz finden.

BN: Aber sind weitere politische Repressalien gegen die Rockerszene nicht absehbar?

Django: Sieh dir die Rahmenkonzeption an!

BN: Du meinst das Strategiepapier, die „Bekämpfungsstrategie Rockerkriminalität – Rahmenkonzeption“? Ein Papier, das eigentlich geheim ist, eine Anweisung der Innenminister, wie die Polizei auf allen Ebenen mit allen Behörden gegen Rocker vorzugehen hat. Wir hatten mehrfach drüber berichtet.

Django: Was da drin steht, verstößt klar gegen § 12 der Menschenrechte. Seitdem habe ich mit der Politik gebrochen. Oder lies die Koalitionsvereinbarung vom letzten Jahr. Es geht in diesen Papieren um dauernde Kontrolle der Bürger. Der Gedanke kommt aus dem Ausland, aber die Deutschen übernehmen das, und wie immer übertreiben sie damit.


„Wir müssen uns ständig in den Arsch treten.“

BN: Wie siehst du überhaupt die Zukunft der Rockerszene?

Django: Es wird eine neue Generation geben. Es gibt genug junge Leute, die mitmachen. Das ist das erstaunliche Phänomen. Das liegt daran, dass die bürgerliche Gesellschaft den jungen Leuten noch immer nichts von dem bieten kann, wonach sie suchen.

BN: Aber viele alte Biker reden wie einst ihre Väter. Das war es, was unser Leser in seinem Brief beklagte. Er konnte diese Sprüche nicht mehr hören, dass ein künftiger Rocker seine Sporen erstmal auf einem Kleinkraftrad verdienen und vor allem die richtige Rockmusik hören soll.

Django: Das ist klar, da müssen wir aufpassen. Wir müssen uns ständig in den Arsch treten, in die Zukunft blicken, nicht in die Vergangenheit. Die Jungen machen Fehler, aber die Alten machen auch Fehler. Wir müssen tolerant bleiben.

BN: Letzte Frage: War nun früher alles besser?

Django: Nein. Es war manches besser. Andererseits denke ich an die unzähligen nervigen Nummern mit dem TÜV und den Zulassungsstellen, die wir durchmachen mussten. Das wünsche ich keinem jungen Biker von heute.
Klar, die Zeiten von Fahrten ohne Helm auf alten Starrrahmen-Harleys sind vorbei. Aber bei allem sollte man nie vergessen: Wir leben heute das, was morgen Old School sein
wird.

?Mit 200 Bikes On the Road? ? In Zeiten von Colour-Verboten und gesetzlichen Reglementierungen für Gruppenfahrten geht das nicht mehr

Text: Michael Ahlsdorf




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12.08.2015
Text: Michael Ahlsdorf
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Stand:19 December 2018 10:33:08