?Die Bandidos hatten nur auf uns gewartet?


In diesem Jahr feierte der Bandidos MC Germany
sein 15-jähriges Bestehen in Deutschland.
Wir sprachen mit den beiden Nationals Les und Peter

BN: Les und Peter, es kursieren viele Storys in verschiedenen Versionen zur Anbahnung und Vorgeschichte des Patchovers zum Bandidos MC Germany. Könnt ihr das klären?

Les: Es gab ja auch viele Wege. Wir hatten die Bandidos zum einen als gelbe Ghostrider’s in den USA kennengelernt. Das erfolgte damals über Kontakte mit den Bones.
Damals dachte jeder, die Bones würden Outlaws werden. Die Bones waren deshalb oft in den USA – so dachten wir es jedenfalls.

Peter: Und dann war da auch noch eine Tattoo-Convention der Bones in Karlsruhe. Da hatten wir die skandinavischen Bandidos kennengelernt. Das ist schon komisch: Es waren also die späteren Hells Angels, über die wir mit den Bandidos zusammengebracht wurden.

Les: Viel lief danach dann auch über die Bandidos in Luxemburg, die wir oft besucht hatten.

Staatsanwälte dürfen sich wieder hinlegen: Die Interview-Fotos wurden in einem Bundesland zu einem Zeitpunkt ohne Colour-Verbot geschossen. Mehr verraten wir nicht
Staatsanwälte dürfen sich wieder hinlegen:
Die Interview-Fotos wurden in einem Bundesland zu einem Zeitpunkt
ohne Colour-Verbot geschossen. Mehr verraten wir nicht

„Wir kannten uns lange vor dem November 1999.“


BN: Kam es zu ausgesprochenen Angeboten oder Anfragen von einer Seite?

Peter: Es gab keine Anfragen und keine Angebote. Die Bandidos hatten nur auf uns gewartet.

Les: Wir waren ja auch auf den National Runs der ersten europäischen Bandidos in Marseille. Wir kannten uns also schon lange vor dem November 1999.

Peter: Viele unserer Presidenten waren damals noch gegen einen Wechsel zu den Bandidos. Als dann aber der Wechsel der Bones zu den Hells Angels erfolgte, waren genau die auch für unseren Wechsel zu den Bandidos. Dann hatten wir ein Presidenten-Meeting, und da waren wir uns alle einig.

BN: Die langfristige Folge der Patchover ist ein Scherbenhaufen, vor dem nun die ganze Szene steht: Club-Verbote, Colour-Verbote, Kutten-Verbote. Und ein unüberschaubarer Zuwachs durch unberechenbare Migranten-Gangs.

Peter: In gewisser Weise hatten wir die Szene aber auch gerettet. Wir haben ein Gegengewicht gebildet. Sonst würde die deutsche Szene unter der Dominanz eines einzigen Clubs stehen.

Die gelben Ghostrider?s knüpften ihre ersten Kontakte zu den Bandidos auch in Luxemburg
Die gelben Ghostrider’s knüpften ihre ersten Kontakte zu den Bandidos auch in Luxemburg

„Den Ärger mit den Migranten haben nun die anderen.“

BN: Aber ihr hattet vieles erfunden: Ihr hattet als erste in großem Maßstab Migranten rekrutiert. Einige von denen hattet ihr nicht unter Kontrolle, die sind dann sogar zur Gegenseite übergelaufen.

Les: Den Schuh müssen wir uns anziehen. Aber daraus haben wir gelernt.

Peter: Es gab eine Zeit, da hatten viele Chapter zu viele neue Leute genommen. Inzwischen schauen wir genauer hin. Und den Ärger mit den Migranten in den eigenen Reihen haben nun die anderen.

BN: Ihr werdet trotzdem mit reingezogen. Mit dem Colour-Verbot für die Hells Angels am 10. Juli in Düsseldorf wurde so ganz nebenher auch noch ein Colour-Verbot für euch ausgesprochen. Wie geht ihr damit um?

Peter: Wir gehen den gerichtlichen Weg und erwarten Ende Oktober ein erstes Urteil. Alles in allem ist das natürlich reine Show-Politik der Innenministerien.

BN: Es haben sich obendrein viele neue Clubs gegründet. Auch die sind durch Aussteiger und Abweichler aus euren Reihen entstanden. Die können jetzt in Breschen springen, die unser Staat aufreißt, weil er euch im Visier hat. Wie geht ihr mit diesen neuen Clubs um?

Peter: Was sind denn das für Clubs? Das sind teilweise One-Man-Shows, denen ihr in der BIKERS NEWS auch noch Platz für mehrseitige Interviews gebt!

Les und Peter, Nationals des Bandidos MC Germany: ?In gewisser Weise hatten wir die Szene gerettet. Sonst würde die deutsche Szene unter der Dominanz eines einzigen Clubs stehen.?
Les und Peter, Nationals des Bandidos MC Germany: „In gewisser Weise hatten wir die Szene gerettet.
Sonst würde die deutsche Szene unter der Dominanz eines einzigen Clubs stehen.“

„Vielleicht müssen die Biker auch in anderen Ländern ihr Colour ändern.“

BN: Es scheint wiederum, als wäre man in den USA nicht mit den Vorgängen in Europa zufrieden. Die US-Bandidos tragen inzwischen ein anderes Patch.

Peter: Ja, sie tragen ein anderes Patch. Das ist auch schlau so! Vielleicht sind die Biker auch in anderen Ländern bald gezwungen, ihr Colour zu ändern. Wenn das geschieht, werden die Bandidos trotzdem ein Club bleiben.

BN: Obendrein dürfte es ziemliche Kommunikationsprobleme mit den USA geben. Seit Jahren darf kein europäischer Bandido mehr in die USA einreisen.

Les: Auch das ist ein echtes Problem. Vor dem Problem stehen zur Zeit aber alle Onepercenter außerhalb der USA.

BN: Immerhin seid ihr hierzulande die Onepercenter mit dem größten Ruf. Fühlt ihr euch nicht auch ein bisschen geadelt, weil ihr als die gehandelt werdet, die in der Szene das besagte Gegengewicht bilden? Ihr legt ja auch Wert darauf, dass das jeder weiß.

Peter: Von wegen. Seitdem wir so bekannt sind, haben wir nur Ärger. Den meisten Ärger hat uns unser Buch eingebracht. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Geschäftspartner die Zusammenarbeit mit unserem privatem Betrieb kündigten, nachdem wir unser Buch veröffentlicht hatten.

?Den meisten Ärger hat uns unser Buch eingebracht.? Das Buch von Les und Peter erschien im Jahr 2013. Im folgenden Jahr präsentierten sie es am 1. August in Zivilkleidung vor dem Polizeipräsidium von Bochum, einer Stadt unter Colour-Verbot. Gerade wurden dort die Kutten zweier Member beschlagnahmt, und das Urteil wird Ende Oktober erwartet
„Den meisten Ärger hat uns unser Buch eingebracht.“ Das Buch von Les und Peter erschien im Jahr 2013.
Im folgenden Jahr präsentierten sie es am 1. August in Zivilkleidung vor dem Polizeipräsidium von Bochum,
einer Stadt unter Colour-Verbot. Gerade wurden dort die Kutten zweier Member beschlagnahmt,
und das Urteil wird Ende Oktober erwartet

„Es wird keine öffentlichen Handschläge mehr geben.“

BN: Tja, so viel zur Öffentlichkeitsarbeit. Wie ist dann der öffentliche Handschlag mit den Hells Angels im Nachhinein zu bewerten? Eine Farce? Ruhe war damit ja nicht eingekehrt.

Peter: Es wird keine öffentlichen Handschläge und keine Friedensabkommen mehr geben. Aber es kann auch ohne gehen. Wenn wir uns begegnen, und es passiert nichts, dann ist es gut. Und so hat das in den letzten Jahren auch immer wieder geklappt.

BN: ... aber darüber berichtet nur die BIKERS NEWS, nicht aber die bürgerliche Presse. Danke für das Gespräch.

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Text: Michael Ahlsdorf




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26.11.2014
Text: Michael Ahlsdorf
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