Rigid Ride ? Mutiger Trip. Mit Starrrahmen-Sportstern von Würzburg nach Biarritz


Mit sieben Starrrahmen-Sportys ging’s auf Achse von Würzburg ins Baskenland zum Treffen „Wheels and Waves“. Ein Abenteuerbericht

Es war an einem sonnigen Dienstagmorgen, als sich acht Herren gehobeneren Alters und eine Bikerlady in Hettstadt bei Harley-Davidson Würzburg Village trafen. Der Grund dafür war der sogenannte „Rigid Ride“, eine Tour nach Biarritz zu „Wheels and Waves“, einem hippen Bikertreffen an Frankreichs Atlantikküste. Unter anderem mit dabei das Biker-Lifestyle-TV-Filmteam auf einer E-Glide und ein zum Pick-up umgebauter Mercedes Sprinter als Lumpensammler.

„Rigid Ride“ bedeutet, wie der Begriff schon sagt, nichts anderes, als dass auf Starrrahmen gefahren wurde. Christoph Repp, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Chicken“, ist Chef des Harley-Davidson Würzburg Village. Chicken hatte eingeladen, seine neue Custombike-Linie „4 Cam Shovel“ zu testen. 4 Cam Shovels sind von H-D Würzburg umgebaute Sportster neuester Baujahre, in Starrrahmen und einem mit EMD-Deckeln versehenen Sporty-Motor, der in Shovel-Optik daherkommt. Die sieben Bikes wurden für diesen Testride in verschiedensten Stilen aufgebaut. Bobber, Cafe Racer und Chopper standen bereit, um über 3000 Kilometer nach Biarritz und zurück zu fahren. Wie in alten Zeiten wurde nur mit dem nötigsten Gepäck losgefahren, schön mit Spanngurten an die Sissybar gezurrt, Old School eben.

Zunächst ging es vom fränkischen Hettstadt über Landstraßen ins badische Sinsheim, dann auf der A 5 die Oberrheinebene hinunter ins elsässische Straßburg und weiter auf der französischen A 35 bis Colmar. Von da schlängelte sich eine Landstraße nach Kaysersberg. Das niedliche kleine Städtchen ist mit seiner urigen Altstadt ein beliebtes Ausflugsziel. Nach gut 400 Kilometern Tagesetappe schlugen wir schließlich abends bei La Bresse in einer coolen Blockhütte unser erstes Lager auf. Ein Grill stand bereit und bei Gegrilltem und ein paar Jackies ließen wir die schöne Fahrt noch einmal Revue passieren.

Am nächsten Tag ging es früh los. Es war bewölkt. Unser Ziel an diesem Tag war das über 500 Kilometer entfernte Clermont-Ferrand. Wir fuhren ein Stück durch den Nationalpark „Col de la Schlucht“ in den Südvogesen. Die wenig befahrene Straße windet sich in langen und manchmal auch engen Kurven durch Wälder und herrliche Landschaft, für die beiden Langgabel-Chopper eine kleine Herausforderung. Allerdings spielte das Wetter leider überhaupt nicht mit, jeder war froh, warme Klamotten eingepackt zu haben. Der 1140 Meter hohe Schluchtpass ist auch ein Skigebiet und verbindet das Elsass mit Lothringen.
 
 

Und dann auch noch eine technische Panne. Im Kurvengeläuf löste sich plötzlich der Bremshebel an Chickens Chopper. Nach einer kleinen Schrecksekunde war die Schraube aber gleich wieder angezogen. Es ging durch typische Dörfer nach Belfort und dann auf die Autobahn. Über die A 36 und die A6 ging es entspannt bei Tempo 110 über den verkehrsarmen französi­schen Highway. Einziges Manko: Die vielen Mautstellen nerven. Acht Bikes durchzubringen kostet jedes Mal Zeit ohne Ende. Bei unserer abendlichen Ankunft in Clermont-Ferrand schien wieder die Sonne. Eine Abordnung fuhr schnell noch zum Lidl und wir beendeten den Tag mit einem gemütlichen Grillabend. Bis auf Chickens Bremshebel gab es keinerlei Pannen, alle sind von ihren Starrrahmen-Sportys überzeugt.

Am Donnerstagvormittag stand eine Sightseeing-Tour auf dem Programm. Wir waren schließlich inmitten des Vulkangebirges Chaîne des Puys. Der „Puy de Dome“ ist die höchste Erhebung. Dieser 1465 Meter hohe Vulkan gehört zum Zentralmassiv in der südlichen Hälfte Frankreichs. Mit einer Zahnradbahn fuhren wir hinauf und genossen bei einem „Caffe Latte“ und Croissant die herrliche Aussicht. Bei klarem Wetter kann man auf über einhundert inaktive Vulkane schauen. Zwei Stunden später mussten wir dann aber ein wenig am Gashahn drehen, um rechtzeitig unser drittes Etappenziel zu erreichen. 495 Kilometer ging es in einem Rutsch südwestlich über Bordaux weiter zu unserer Unterkunft in Biscarrosse Plage, einem kleinem Örtchen direkt am Meer bei Arcachon. Nicht weit von hier befindet sich die „Dune du Pilat“, die größte Wanderdüne Europas. Für eine Besichtigung fand sich jedoch leider keine Zeit, denn bei unserer Ankunft in Biscarrosse roch der Chopper von Chicken total nach Benzin.

Die Ursache war schnell gefunden, es war ein Haarriss an einer Schweißnaht des Tanks. Da wieder einmal alles in letzter Minute fertig wurde, hatte Chicken vergessen, den Tank in Gummi zu lagern. Mist! In Biscarrosse konnten wir nichts ausrichten. Der Plan hieß: Nicht mehr voll tanken und dann am Zielort nach einer Werkstatt suchen. Der nächste Morgen begann mit Regen. Wir hatten noch 175 Kilometer Landstraße bis nach Biarritz vor uns. Die Fahrt wurde trotz Regenkombis zur Qual. Die Bikes sind mit ihren kurzen Heckfendern nicht wirklich regentauglich. Alle wurden ordentlich durchgewaschen. Nach vier Stunden Regenfahrt erreichen wir endlich unseren Campground in Biarritz. Es ist wieder trocken, als wir unsere Hütten beziehen. Wir haben unser Ziel fast erreicht. Nach einer kleinen Erfrischung starten wir zum Festivalgelände von „Wheels and Waves“, dem Kulttreffen der Cafe-Racer- und Hipster-Szene; für 15 Euro Eintritt pro Tag und Nase nicht gerade billig, aber trotzdem sehenswert.

Nach 1600 Kilometern Starrrahmenfahrt waren wir endlich angekommen. Die „4 Cam Shovels“ hatten gut durchgehalten und ließen sich einwandfrei fahren, ob auf dem Highway oder auf kurvigen Passstraßen. Bei unseren Stopps wurden von Neugierigen immer die Handys gezückt, um ein paar Bilder von den auffälligen Bikes zu machen. Die Testfahrt wurde bis auf ein paar Kleinigkeiten gut überstanden. Für den Heimweg fand Chicken jemanden am Festivalgelände, der ihm einen gebrauchten 883-Tank für 200 Euro verkaufte. Somit stand der Rückreise am Sonntagmorgen nichts im Wege. Übrigens: Einen Film über die Entstehung der Bikes und die Tour nach Biarritz gibt es auf DVD bei Biker-Lifestyle TV.

Text: Gerd Scheidel
Bilder: Gerd Scheidel




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12.11.2016
Text: Gerd Scheidel Bilder: Gerd Scheidel
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Stand:17 December 2018 17:50:50