Retro Bikes: Back to the Roots


Obwohl "Retro“ streng genommen "zurück" bedeutet, scheinen viele Motorradfahrer damit einen Fortschritt zu verbinden: Weg vom Steigerungswettbewerb der Mega-PS-Maschinen, den schrillen, bunten Plastikverkleidungen und dem 300 Stundenkilometer-Wahnsinn. Hin zu dem, was für sie das eigentliche, das wahre Motorradfahren ausmacht, wie unlängst auf den Motorradseiten der Süddeutschen Zeitung zu lesen war. Zwei Räder, dazwischen ein souveräner Motor mit reichlich Hubraum und vergleichsweise wenigen PS, aufrechte Sitzposition – und das Ganze hübsch verpackt im Stil der Sechziger- oder Siebzigerjahre.

Honda im angesagten Retrostyle | Bildquelle: pixabay.com ©Unsplash (CC0 Public Domain)

Unverzichtbare Modernismen – Einspritzpumpe statt Vergaser, ABS statt Dosendeckelbremse – werden bei den Retrobikes geradezu verschämt kaschiert. Auch BMW mischt bei diesem Trend kräftig mit. Die R Nine T spielt geschickt mit der BMW-Historie. Die BMW R 90 S, ein Superbike der Siebziger Jahre, wurde ebenfalls von einem Zweizylinder-Boxermotor angetrieben und leistete übersichtliche 67 PS. Die Neue kommt auf 110 und kostet mit 15.000 Euro fast das Vierfache. Nostalgiker und Genießer zahlen das offenbar gern.
 
Weniger PS, mehr Stil

Losgetreten hat die Retro-Welle allerdings der britische Hersteller Triumph. Seit fast 15 Jahren zitiert sich die Triumph Bonneville selbst. Auch heute noch einer "Bonnie" von 1959 verblüffend ähnlich, wird der kernige Paralleltwin ständig und konsequent weiter entwickelt. Das neueste Meisterstück ist die T 120, 1200 Kubikzentimeter groß und 95 PS stark. Woanders gibt es für den gleichen Preis vermutlich 200 PS. Aber darum geht es nicht. Eine Triumph Bonneville ist schön, bequem, charismatisch und von einer einmaligen Ästhetik, die selbst Menschen, die mit Motorrädern sonst nichts am Hut haben, ein anerkennendes "Ah" entlockt.
 
Retrowelle mit Königswelle

Das alles kann Kawasaki allerdings auch. Noch vor der begehrten Retro-Bonnie erschien die Kawasaki W 650 auf dem Markt. Damit kopierten die Japaner ihr eigenes W 1-Modell von 1965 (und nicht etwa eine Triumph oder BSA, wie fälschlicherweise oft behauptet wird). Natürlich sieht die Kawasaki W 650 einer Triumph Bonneville recht ähnlich, aber so sahen Motorräder damals eben aus, auch wenn sie AJS, Ariel, Matchless oder Royal Enfield hießen. Technisch hat Kawasaki aber noch einen draufgesetzt: Der 50 PS-starke Paralleltwin wird von einer extrem aufwendigen Königswelle angetrieben. Das macht historisch wenig Sinn, sieht aber gut aus und hört sich gut an. Und macht Eindruck: Die letzten Verfechter der Königswelle – Ducati und Ferrari – haben sich von dieser Art des Nockenwellenantriebs längst abgewandt, angeblich weil es zu teuer ist.
 
Ein bisschen Eitelkeit muss erlaubt sein

Der stille Star der Retro-Szene, die die ebenso zuverlässige wie unauffällige Kawasaki W 650, fährt die teure Welle unverdrossen spazieren. Und ihre aktuelle Nachfolgerin, die Kawasaki W 800, tut es ebenfalls. Dafür ist sie aber nicht mehr als Kawasaki zu identifizieren. Der Name taucht weder am Tank noch an anderer Stelle auf. Ein wenig Retro-Eitelkeit sei erlaubt, und Passanten dürfen raten: Ist es eine Matchless? BSA? Norton? 9.000 Euro verlangt Kawasaki für die W 800. Für 48 PS ist das viel zu viel. Für das unvergleichliche Gefühl, einen faszinierenden Motorrad-Oldtimer ohne die Schwächen dieser ein halbes Jahrhundert alten Maschine zu fahren, ist das viel zu wenig.



 


Bilder: © s. Bild




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10.12.2015
Bilder: © s. Bild
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