Lost In Translation - Coolbreaker-Show Japan


Coolbreaker-Show JapanKeiji Kawakita ist Customizer, sogar einer der auch international bekannten in der Riege zahlloser japanischer Schrauber. Mit den Umbauten seiner Firma »Hot Dock« aus Tokio hat er schon viele Preise auf Shows weltweit gewonnen. Und er ist ein Bewahrer seiner Kultur. Seine Idee, eine traditionelle Customshow mit Speed-Races zu verbinden, ist zwar sicher nicht neu, aber hat doch unter den speziellen Vorzeichen der Japan-Szene einen gewissen Reiz. Zumal der große japanische Custom-Gralshüter Mooneyes mit seiner Dezembersause in Yokohama nur Indoor punkten kann. Rennen oder Ausfahrten sind dort einfach nicht möglich. So würde man eigentlich davon ausgehen, dass die von Kawakita organisierte Coolbreaker-Show eine Riesennummer ist, zumal mit dem Namen hier Großes verbunden wird. Einst war Coolbreaker die wichtigste Show Japans, hat allerdings eine ordentliche Odyssee aus wechselnden Locations und Konzepten hinter sich, obwohl Kawakita schon lange verantwortlich zeichnet. Nach einem Jahr Unterbrechung startete jüngst also der nächste Versuch, der Sache neues Leben einzuhauchen. Mal wieder an einem neuen Veranstaltungsort, was das Unterfangen nicht einfacher machte.
Coolbreaker-Show Japan
Wir treffen uns an einem Novembertag morgens um neun in Tokio, um mit den Kollegen vom japanischen Vibes-Magazin loszufahren. 130 Kilometer raus aus der Stadt soll es gehen, nach Fuji. Vorher gibts Tokioer Stadtverkehr satt, der pure Wahnsinn, ein Ritt auf der Rasierklinge quasi. Doch wir lassen die Metropole hinter uns, dreißig Kilometer vor dem Ziel sehen wir den schneebedeckten Mount Fuji am Horizont und machen bald darauf an der gleichnamigen Rennstrecke, dem gigantischen »Fuji Speedway« halt. Die Coolbreaker-Show nimmt nur einen winzigen Teil des riesigen Areals ein, auf dem Parkplatz stehen einige gute Karren, die große Masse ist es nicht. Ein bisschen Show, überzeugt sind wir nicht. Wir zahlen umgerechnet weniger als zehn Euro Eintritt, bekommen einen Sticker und dürfen aufs Gelände. Das Erste, was wir sehen, ist ein kleines improvisiertes SwapMeet. Nach Teilen schauen lohnt sich aber durchaus, der Yen steht günstig wie lange nicht mehr. Doch wir sind für die Show gekommen, nicht zum Einkaufen. Und die stellt sich leider zunächst als wirklich dürftig dar.
Coolbreaker-Show Japan
Ein paar Stände, einige Showbikes von Hot Dock oder Sundance, den führenden Harley-Customizern Japans. Aber wir vermissen die typischen Jap-Style-Chopper schmerzlich. Das wird uns bei der Vorstellung der Bikeshow-Teilnehmer – jeder darf sein Bike selbst präsentieren und eine kleine Runde vor der Jury drehen – bewusst. Im Vergleich zu früheren Coolbreakers ist da viel weniger zu sehen. Wo sind die ganz verrückten bunten Dinger mit den ellenlangen, turmhohen Gabeln und die ultraschmalen Bratstyles? Wir sind enttäuscht. Lediglich einen von den ganz crazy »Schwanenhälsen«, wie die Japaner ihre Langgabler nennen, sehen wir. Und vielleicht zwanzig richtig gute Karren außerdem, der Rest mittlerweile eher im typischen Europa-Look bei den Racern oder im US-Style bei den Choppern. »Wir haben schon das Gefühl, ein Nachwuchsproblem zu haben«, erklärt Organisator Keiji, »die Jungen schrauben nicht mehr so gerne. Sie konsumieren nur noch, und am liebsten direkt aus Kalifornien. Das sind halt diese In-Typen. Die, die auch das Bild unserer japanischen Szene im Internet prägen. Aber welche, die wirklich das Werkzeug in die Hand nehmen, die werden selten.« Es ist ein tristes Bild, das wir hier präsentiert bekommen, und trotzdem gibt es einen Lichtblick.
Coolbreaker-Show Japan
 

Die angeschlossenen Classic Races machen dann doch noch richtig Spaß. Zwar ist auch dieser Programmpunkt irgendwie improvisiert, aber mit grandiosem Fachwissen moderiert. Dazu ist es einfach laut und rauchig, eine gute Sache. Ob das für zukünftige Shows reicht, ist aber mehr als fraglich. Wie gesagt, Coolbreaker war mal DIE Nummer eins Japans, bis Mooneyes sich von den Autos weg auf Motorräder fokussierte. »Seitdem bauen die wichtigen japanischen Customizer nur noch für Yokohama. Und schrauben damit gegen die Promis aus den USA an, die die junge Fanbase verehrt. Es ist verheerend für unsere Moppedkultur«, zeigt sich Keiji ratlos. Dass er durch jährlich wechselnde Orte und Daten ein bisschen mit am Niedergang der eigenen Veranstaltung schuld ist, während Mooneyes gezielt wuchtete, sollte dabei allerdings nicht verschwiegen werden. Trotz allem gab uns dieses Event einen ungewöhnlichen Einblick in das Herz der japanischen Schrauberseele. Und Hand aufs Herz: Die paar guten Karren, die hier rumstanden, sind bei uns immer noch für einen feuchten Traum gut.

www.cool-breaker.jp



Text: Johansson/Klimpke
Bilder: Christer Johansson




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06.01.2014
Text: Johansson/Klimpke Bilder: Christer Johansson
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