Daytona Bike Week 2013


Anfang März fand die 72. Auflage des vermeintlich weltgrößten Motorradtreffens in Daytona Beach statt. Das Wetter war fein, dem Polizeichef wurde in den Finger gebissen und Indian hat nach mehr als 70 Jahren wieder einen komplett neu konstruierten V2 vorgestellt.

Der Typ sprang mitten in der Main Street von hinten auf den Rücken des obersten Daytona-Bullen, beschimpfte ihn und schnappte zu, als Chief Mike Chitwood ihn gerade wieder abschütteln wollte. Knapp eine Minute später lag der Beißer mit blutiger Fresse auf dem Boden während der Oberbulle offene Bisswunden an der Hand und einen gebrochenen Finger davontrug. Das war’s aber auch schon an aktenkundigen Gewalttaten während der diesjährigen Mutter aller Bike Weeks, die angeblich wieder an die 500.000 Moped-Freaks nach Florida gelockt hat – behaupten zumindest die Stadtväter unverdrossen.

Wir kommen schon zu lange hierher, um die seit Ewigkeiten kolportierte halbe Million einfallender Biker noch zu glauben. "Ich bin schon seit Mitte der 80er Jahre regelmäßig auf der Bike Week und habe in diesem Jahr in der Main Street immer einen Parkplatz für meine Mühle bekommen – das gab’s noch nie", bestätigt uns Uwe aus Weinheim. Und Uwe fährt keine schlanke Sportster, sondern eine stämmige Boss Hoss.

Es ist letztlich auch egal, denn belegen lassen sich die Zahlen ohnehin nicht. Zumal sich sich diese Mammut-Veranstaltung ja nicht nur auf den Stadtkern Daytonas beschränkt, sondern mit Biker-Events von Edgewater im Süden bis nach St. Augustine im Norden und über Deltona bis Orlando im Westen über eine Fläche von 100 Quadratkilometern zieht.

Und so vergleichsweise ruhig es auch Anfang der Woche gewesen sein mag – an den beiden Wochenenden erbebte die Stadt vollends im V2-Stakato, untermalt von heiserem Vierzylinderkreischen und vereinzelten Zwischentönen von Eintöpfen, Tripels, V8-Gewummer und Zweitakt-Gesäge.
Die Main Street ist nur am ersten Bike Week-W
Die Jury der Rat's Hole Show mit Juroren aus
Bagger mit 27 und 30 Zoll großen Vorderrädern
Eine Runde Main Street-Posing gehört zum Pfli
Sieht auf den ersten Blick aus wie eine Sport
Der Gag mit dem Schädel ist alt, die Knochenc
Diese herrlich spartanische Triumph gibt's de
Die Rats Hole Show zog weniger Besucher und d
Extrem-Bagger mit Heckflossen-Design
Totenkopf-Motive sind noch immer klar die Nr.
Genau hinschauen – als Antrieb dient ein japa
Felge ohne Speichen? Das Radinnere ist aus Pl
Auf der Boardwalk-Show stand wieder allerhand
Biomecanic-Airbrush im H. R. Gieger-Style
Die Boardwalk-Show kam dieses Jahr ohne die u
Kick it or die!
Ein sattelfestes Plätzchen für die Damen
Full House: Oldschool Chopper Show bei Willie
Auch wenn Harley dominiert – auf der Bike Wee
Gehörnte Helme sind ein absoluter Klassiker
Der Anteil selbstfahrender Mädels ist unglaub
Rauchen – Ursprung allen Lebens
Kutten werden in der Main Street nur von Mäde
Auch in der North Beach Street waren dieses J
Nach Angaben des Erbauers fährt sich das Bike
Für fünf Dollar darf der Strand auch mit dem
Die Triple-Bereifung nochmal von hinten ...
Typisch amerikanisch: Langschwingen-Umbauten
Dieser schlechte Gag kostet etliche Liter Tan
Nonchallance im Broken Spoke Saloon
Bei den Custom-Baggern geht nix mehr unter 27
Nix Oldschool: Harleys LED-Frontscheinwerfer
Hauptsache drei Räder: Sportster Forty Eight-
In Daytona werden all die Custombikes auch ta
Nochmal drei Räder: BMW K 1600-Trike
Schicker Custom-Bagger von Jim Nasi
Voll im Trend: Eloxierte CNC-gefräste Aluräde
Bikes only: So sieht die Main Street am erste
Sehen und gesehen werden in der Main Street
Daytona Beach Trike Week 2013
Daytona Beach Trike Week 2013
Während der Bike Week gibt's Live-Musik an fa
Als modebewusste Bikerin fährt man natürlich
Krankes Gerät: Hayabusa-Trike mit Riesenräder
Ob sich beige, profillose Reifen durchsetzen
Ach Gott wie süß: Handtaschen-Ratte mit rosa
In Florida besteht keine Helmpflicht, weshalb
Manchmal könnte man glauben, man sei auf eine
Indians neuer Thunder Strome-Motor feierte au
Nicht alles was drei Räder hat, muss ein Trik
Die US-Mädels haben keine Angst vor schwerem
Und sie fahren lieber selbst, anstatt nur hin
Achtung Rarität: eine Moto Guzzi in Daytona
Mal schauen, wie lange der Riesenräder-Trend

Belegbar ist indes der Rückzug der Star-Customizer und Aussteller sowie der schleichende Niedergang der "world famous" Bike Shows von Daytona Beach. Unzählige Flächen, an denen einst die großen Namen der internationalen Schrauberzunft ihre neuesten Kreationen zeigten, blieben unbesetzt. Auf den legendären Premieren-Shows wie Boardwalk oder Rat’s Hole war die Anzahl der ausgestellten Maschinen nicht mal ansatzweise dreistellig.

Auf dem Boardwalk gewann ein völlig geschmacksbefreites Farao-Bike, das schon seit vielen Jahren auf alle möglichen Events in Daytona getrailert wird (wen’s interessiert: in DM 02/2010 haben wir den Kackstuhl gezeigt). Das sagt schon einiges über die Qualität der Juroren und mehr noch über die der 2013er Exponate. Vereinzelte Perlen der Schrauberkultur und Motorradleidenschaft natürlich ausgenommen.

Doch die Brothers da drüben schert das grundsätzlich alles nicht wirklich, sie haben "a great time" und freuen sich des Lebens. Was war gestern, was wird morgen – who cares? So ist’s recht. Und doch sind wir ernsthaft betrübt, dass auch unsere Lieblings-Location in diesem Jahr nur noch eine Spielwiese für Eichhörnchen war: Der Limp Nickie Lot, ein fünf Meilen südlich des Zentrums gelegener Skater-Park, in dem sich die dauerbekifften Nachwuchsschrauber mit ihren rotzig zusammengedengelten Zweiventil-BMWs, Pre-Hinckley-Triumphs, Eisenkopf-Sportstern und luftgekühlten Reihenvierern trafen, ist Geschichte.

Einige der Jungs zeigen sich jetzt nördlich der Stadt, in den Sümpfen bei den Hot Spots rund um den Iron Horse Saloon. Mehr echten Rock’n’Roll bietet jedoch der Broken Spoke Saloon, die besseren Bedienungen auch. Und natürlich ist auch zur traditionellen Oldschool-Show bei Willie’s Tropical Tattoo wieder viel schräges Volk mit herrlich abgefuckten Mopeds herbeigeballert.

Apropos schräges Volk: Wir berichteten schon im vergangenen Jahr über den befremdlichen Trend zum Dreirad. Leider müssen wir vermelden, dass es nochmals schlimmer geworden ist – die Veranstaltung wird in Zukunft womöglich in Daytona Trike Week umbenannt. Ob Hajabusas, BMW-Sechszylinder, Boss Hoss oder Gold Wing – alles was richtig satt Power hat bekommt mittlerweile drei Räder verpasst, gerne auch mit aufgeschnalltem Falt-Rolator. Selbst vor Forty Eight-Sportsters wird nicht zurückgeschreckt.

Aber lassen wir das Lästern, vielleicht denken wir anders darüber, wenn Rheuma und Zitterich uns eines Tages auch zu speckigen Trikern gemacht hat?

Weitere News von der Trendsetter-Front sind die scheinbar unaufhörlich wachsenden Vorderräder der Bagger, bei denen alles unter 30 Zoll mittlerweile erbärmlich zu sein scheint. Und dann müssen es neuerdings unbedingt LED-Lampen statt normaler H4-Funzeln sein. Ach ja …

Doch bevor nun ein trübes Bild entsteht: Natürlich ist auch diese Bike Week wieder ein Fest für alle Sinne gewesen. Die Mischung aus Sonne, Meer und Mopeds ist und bleibt weltweit einmalig. Nirgendwo ist die Dichte an selbstfahrenden Frauen aller Altersklassen und Hautfarben höher, nirgends gibt es ein tropischeres Schaulaufen der Eitelkeiten auf zwei und mehr Rädern. Und es lässt sich wohl kaum irgendwo so ungemein lazy das Biker-Dasein feiern wie in Daytona. Es sei denn man ist Polizeichef.



Text: Carsten Heil
Bilder: © Carsten Heil




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18.04.2013
Text: Carsten Heil Bilder: © Carsten Heil
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