Yamaha XJR 1300 El Stupido


Etwas unschlüssig stehen wir vor dem aktuellen Werk des Martin Becker, dem Kopf hinter der angesagten Werkstatt MB Cycles aus Heidelberg. So recht trauen wir dem Braten nicht, den er uns präsentiert. Denn sind wir ehrlich, wenn ein gepimpter Reihenvierer in einem dürren Starrrahmen hängt, dann sollten auch gestandene Motorradfahrer wissen: Sowas kann schon mal schief ausgehen. Nicht umsonst gab Martin seinem Bike den unmissverständlichen Namen »El Stupido«, der Dumme.

Ein kurzer, zu heftiger Zug am Gas und schon geht die Post ab: Das Hinterrad dreht durch, das Vorderrad hängt in der Luft

Denn »dämlich ist dieses Bike schon«, grinst Martin. Schon die Story, wie er an die Karre kam, ist dabei bemerkenswert. »Ich bin letztes Jahr zur Veterama gefahren, hatte extra kein Geld mitgenommen, um nicht irgendeinen Scheiß zu kaufen«, erzählt er. Tja, und irgendwann ist der Kopf schon etwas schwer und Martin stolpert über die Yamaha XJR 1300, im VG-Starrrahmen, mit Papieren und Zulassung. Und dann passiert dieses Männer-Phänomen. Der Verstand setzt kurzzeitig aus, weil »man sowas ja schon immer mal haben wollte, so einen Vierzylinder ohne Federung.«

Martin hat Glück, ein Kumpel hatte gerade einen Motor verkauft und 8000 Tacken in bar in der Tasche. Martin leiht sich die Kohle und kauft die Yamaha. »Und am nächsten Tag wache ich auf, sehe das Bike und erschrecke total. Mann, war die scheiße hässlich.« Grüner Lack, ausladende Fender, Scheibenräder, ein unförmiger Wulst von Bike – er entscheidet sich sofort, die Karre wieder loszuwerden. Mit mäßigem Erfolg, kein Käufer beißt an.



Na ja, also doch selber umbauen. Je mehr Martin das Bike zerlegt, umso schlimmer wird es. »Alles, wirklich alles an dem Haufen war verschweißt, totaler Müll.« Irgendwann ist es doch geschafft, der Wiederaufbau kann beginnen. Und weil Martin eigentlich ein astreiner Harleyschrauber ist, setzt er konsequent darauf, Parts aus Milwaukee zu verbauen. Dazu kommt sein untrüglicher Geschmack für gute Bikes und eine Portion Wahnsinn, denn er spendiert dem Vierzylinder noch mehr Leistung, verbaut Dynojet-Kit, Ansaugstutzen aus der FJ und Hochleistungszündspulen, die Kühlrippen werden blank geschliffen.

Dazu kommt ein feines Assembling aus Harley-Rädern mit ordentlichen Scheibenbremsen, dem knackigen Easyriders-Sitz, der kurzen Ixil-Auspuffanlage, Harley-Gabel, Sportytank und einigem mehr. Am Ende ist aus dem Monstrum eine schweinecoole Kiste geworden, die kaum mehr als 220 Kilo wiegt. Und das ist auch der Knackpunkt, der unsere Unschlüssigkeit hervorruft. Denn Fakt ist, der Herr Becker ist leicht übermotorisiert. Aber hilft alles nix, wir müssen unseren Job machen und nehmen Platz.



Aufrecht und lässig sitzen wir, fast wie auf einem Fahrrad und wüssten wir nicht, dass unter uns nichts federn wird, würden wir beinahe den Begriff »gemütlich« ins Rennen werfen. Nun ist die XJR in ihrer Urversion eigentlich kein Motorrad, das zum Rasen verführt. Der Motor ist zwar hochpotent und vibriert ab 3000 Umdrehungen satt, aber arbeitet ursprünglich eben auch in einem über 250 Kilo wiegenden Bike. Durch die feinen Tuningmaßnahmen auf der einen Seite und die massive Gewichtsersparnis auf der anderen, hat der MB-Umbau dagegen alles auf den Kopf gestellt.

Ein kurzer Zug am Gas und wir wissen sofort, warum Martin zur Vorsicht gemahnt hat. Nahezu ohne Vorwarnung dreht das Hinterrad durch und das Vorderrad hängt in der Luft. Mit großem Adrenalinschub krallen wir uns zurück auf den Boden und geben ab sofort nur noch dosiert Gas. Wie Hölle geht die Karre, wenn man sie lässt und nur wirklich sichere Fahrer sollten das Ding ernsthaft ausfahren. Denn ehrlich, würdest du bei 180 km/h – und das ist noch lange nicht die mögliche Endgeschwindigkeit – mit der starren Karre ein Schlagloch erwischen, wärst du tot oder mindestens auf der Intensivstation.

Wer es dagegen schafft, die Kraft des Motors und sich selbst im Zaum zu halten, wird mit einem puren Fahrerlebnis und einem lässigen Auftritt belohnt. Ein bisschen Angstschweiß müssen wir nach unserem Fototermin trotzdem aufwischen und auch Martin gibt zu, sich bei diesem Bike kaum bremsen zu können. »Ich will noch ein paar Jahre leben und coole Harleys bauen, daher macht es Sinn, die Karre zu verkaufen«, schmunzelt er. Mutige vor!



Text: Katharina Weber
Bilder: Volker Rost




20.04.2015
Text: Katharina Weber Bilder: Volker Rost
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