Time Tracker - Harley-Davidson Night Train im Fahrtest


Harley-Davidson Night Train im FahrtestDu glaubst gar nicht, was man mit dem Bike so alles anstellen kann«, hatte uns Norbert Büsch auf seinen rüden Umbau einer Harley-Davidson Softail Night Train gelockt. Und weil wir seine Worte sehr ernst nahmen, folgte konsequenterweise schon bald eine Verabredung zum Eyller-Berg-Kurs in Kamp-Lintfort. Nach ein paar Telefonaten mit den richtigen Leuten war klar, dass wir mit der »Time Tracker« getauften Stollen-Softail auf die anspruchsvolle Motocross-Strecke dürfen, auf der seit 60 Jahren alljährlich Offroad-Rennen um die Deutsche Meisterschaft ausgetragen werden.

Aber, Hand aufs Herz, ist das wirklich der richtige Ort für einen Fahrtest mit einem Harley-Big-Twin? Schließlich wollen wir nicht mit einem 90-Kilo-Floh über die Sprunghügel jumpen, sondern mit einem 260-Kilo-Schlachtross durch Tiefsand pflügen. Mit einem Eisenhaufen, der nur minimal auf einen derartigen Einsatz vorbereitet wurde, der aussieht wie ein cooler Chopper mit Geländereifen, aber keineswegs wie eine Hard-Enduro. »Das geht schon, ihr werdet sehen«, flachst Norbert mit seiner Harley-Davidson Night Train im Fahrtestunnachahmlich furchtlosen Art. Vielleicht hat er ja Recht, immerhin  gestaltete er das Bike nach eigenen Vorlieben um: »Ich komme eigentlich aus dem Enduro- und Race-Lager, also musste der Koffer erst mal ordentlich fahren, dann vernünftig ankern, und außerdem richtig abgehen.« Daher verfügt das Promobike von Büsch Motorcycles, bekannt als Importeur von Vance & Hines und Küryakyn, über Continental TKC80-Stollenreifen, einen Motocross-Lenker aus den USA und geänderte Federbeine an der Dreiecksschwinge. »Durch die längeren Dämpfer im Heck setzt die in Kurven nicht mehr auf«, versucht mich Norbert zu beruhigen. Außerdem steigern eine sehenswerte, hochgelegte Vance & Hines-Auspuffanlage und der Hypercharger-Luftfilter samt Power Commander III die Leistung des serienmäßigen TwinCam-Motors um stramme 21 PS. Doch die kargen 142 mm Federweg an der lediglich mit Federn von Progressive Suspension aufgewerteten 41er-Seriengabel machen mir ein wenig Kummer. Ebenso das stattliche Kampfgewicht und die »cruiser-like«-vorverlegte Fußrastenanlage. Harley-Davidson Night Train im Fahrtest

Zunächst steht ein Ausritt über gewundene Nebenstraßen des Niederrheins auf dem Programm. Auf Asphalt macht die Time Tracker ausschließlich beste Laune. Das gegenüber der Serie um 20 Kilo verringerte Gewicht und der bissig am Gas hängende V2-Motor lassen die ehemalige Night Train regelrecht fliegen. Die Büsch-Harley fährt sich auf der Straße neutral und agil wie aktuelle Naked-Bikes vom Schlag einer Bandit, dabei schiebt sie schon mit sehr viel Druck von unten heraus. Kaum zu glauben, dass dieser Motor ein ungeöffnetes Originaltriebwerk ist und lediglich an der Peripherie bearbeitet wurde, so potent wie der 1450er anschiebt. »Ja, da macht die Straßen-Fraktion des Öfteren große Augen«, zeigt Norbert auf einen vorbeikreischenden Supersportler. An das Rubbeln der Conti-Stollengummis in Kurven gewöhnt sich ein routinierter Fahrer schnell. Insgesamt spuren die TKC80 sehr neutral, nur beim Anfahren merkt man das etwas schwerere Gewicht des 140er Vorderreifens.
Harley-Davidson Night Train im Fahrtest
 

Aber wir sind nicht hier, um auf kultivierten Landstraßen zu tänzeln, wir wollen uns endlich in die Rabatten schlagen. Norbert verbreitet optimistische Stimmung: »Eigentlich ist das Bike ja für die Straße konzipiert. Aber Fahrwerk und Motor funktionieren so perfekt, dass im Gelände mehr geht als vermutet.« Schon am Eingang zur Cross-Strecke machen sich die vielen Pfunde bemerkbar. Tief sinkt das Bike in den unbefestigten Untergrund ein. Grobmotorisches Gasgeben hilft jedoch aus der verzwickten Lage. Sprünge gehören wie erwartet nicht zu den Vorlieben der Time Tracker. Aber im Sand und selbst in engen Kehren mit Anliegern schlägt sich das Trumm mehr als wacker. Immer wieder begeistert vor allem der drehmomentgewaltige Motor, schleudert er Mann und Maschine doch im satten Drift aus jeder Kehre. Jetzt will uns Norbert aber zeigen, was alles in seiner Kreation steckt. Ohne Scheu vor dem kostbaren Material prügelt er sein Promobike in gekonnter Cross-Manier über die Wellblechpiste. Keine Gnade auch beim Passieren des knietiefen Wasserlochs. Harley-Davidson Night Train im FahrtestMeterhoch spritzt der Schlamm. Scheinbar mühelos steckt die Time Tracker diese feuchtfröhliche Tortur weg. »Ein Wahnsinnsspaß« brüllt er in unsere erstaunten Gesichter, »da können sich manche Groß-Enduros eine Scheibe von abschneiden.« Schade, dass kein unerfahrener Gelände-Wannabe mit seiner GS oder Varadero mit von der Partie ist. Die Büsch-Time Tracker würde dessen Weltbild garantiert gehörig auf den Kopf stellen …

Text: Dirk Mangartz
Bilder: Volker Rost




26.08.2013
Text: Dirk Mangartz Bilder: Volker Rost
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