Stock Sucks - Extraharter Yamaha XS 650-Twin


Vosen, wie seine Freunde ihn nennen, ist ein richtig erfahrener  und begabter Schrauber. Seine Kumpels loben seine Arbeit, vor allem in Sachen Metall, in den höchsten Tönen. Und last not least ist Vosen Mitglied der Custom Cycle Crew – und die fällt seit Jahren durch hervorragende Umbauten aus dem Serienschema. In der Werkstatt der Crew hat jedes Mitglied seine Ecke, und als Vosen eines Abends in seiner stand und den Blick über die Habseligkeiten schweifen ließ, fiel ein alter, gedrehter AME-Z-Lenker ins Auge. Er hatte ihn mal auf einem Teilemarkt erstanden und »die Zeit war reif, ihn in ein Bike zverbauen«. Natürlich nicht im ursprünglichen Zustand, sondern zum Frisco-Lenker umgeschweißt.

Als Cycle Crew-Buddy Mölle erzählte, dass im Internet ein Triumph-Rahmen zur Auktion bereitstand, zögerte Vosen nicht lange. Einen Tag später hatte er das gute Stück bereits auf der Werkbank. Das neue Projekt startete unverzüglich. Der für den Einbau vorgesehene XS-Motor glänzte in einer scharfen Version. Schmiedekolben, feingewuchtete Kurbelwelle, große Ventile und Mikuni-Flachschieber-Vergaser erhöhen den Hubraum auf ordentliche 750 Kubik. Keine Seltenheit übrigens, die XS-Modelle taugten schon immer zum Motortuning.



In den 80er Jahren schafften es findige Bastler locker auf über 800, manche sogar auf bis zu 1000 Kubik. Vosens 750er-Kit ist da also nix Wildes. Dass er das Motorgehäuse glasperlstrahlen ließ, schon eher. Um die Aufnahme des Yamaha-Zweizylinders ins starre Projekt zu gewährleisten, waren Änderungen am Rahmen unumgänglich. Mit der Anpassung der Unterzüge und Motorhalterungen fielen sie aber vergleichsweise gering aus. 16-Zoll-Räder hinten und 19-Zöller vorne sind klassich schmale Radgrößen für einen filigranen Chopper. Beim Bodywork glänzt ein Mix aus New-Oldschool-Parts von Bates, Kustom Tech oder motogadget. Und ein Sportster-Tank passt optisch sowieso auf fast jedes Motorrad. Die Arbeiten an der Elektrik übernahm gerne Cycle Crew-Freund Udo Sacher. Bei Teilen wie Sitzbank, Fußrasten und Lenker durfte sich Vosen aber selbst austoben.

Es hätte eigentlich alles gut sein können mit Vosens Umbau, wenn nicht ein Schicksalsschlag maßgeblich in die Arbeiten eingegriffen hätte. »Es war mitten in der Bauphase, stand gerade an der Bohrmaschine, um eine Motorhalterung zu bohren«, erzählt der Bastler, »da bekam ich einen Anruf, dass mein Vater im Sterben liegt. Ich ließalles stehen und liegen und fuhr zu ihm.



Noch am selben Tag verstarb er.« Ein harter Moment. Als Vosen am Tag danach in die Halle kam, steckte der Bohrer noch in der Motorhalterung. »Um diese Bohrung herum ließ ich das Wort »Dad« lasern. Eine Erinnerung der besonderen Art. Als Vosens Bike fertig war, ließ er sich bei der Zulassungsstelle ein Kennzeichen mit den Initialen und dem Geburtsjahr seines Vaters reservieren. Das Bike hatte seinen Namen bekommen, es ist Vosens »Dad-Bike«. Ein Motorrad nach Maß – nur den vorgesehenen Lenker, der der Ausgangspunkt des Projektes war, den hatte er am Ende nicht verbaut.

Text: Katharina Klimpke
Bilder: Volker Rost




23.09.2013
Text: Katharina Klimpke Bilder: Volker Rost
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