Road Glide


Die neue Road Glide kommt zum richtigen Zeitpunkt:
Die Bagger-Welle boomt, und endlich können wir während der Fahrt rauchen!

Die Überraschung kommt bei 180 Sachen. Und es sind sogar gleich mehrere Überraschungen. Erstens: Hoppla! Da steht die Tachonadel auf 180, und das bei einer dickleibigen Touren-Harley. Zweitens: Diese Harley rollt trotzdem unbeirrt geradeaus. Drittens: Das mit den 180 Sachen haben wir wirklich nicht gemerkt, weil wir hinter diesem ausladenden Verkleidungssegment einfach nicht ins Schlingern gebracht wurden.

FLTRXS Road Glide Special

Eine Maschine für Rocker-Präsidenten

Nun ist eine rahmenfest montierte Verkleidung natürlich immer wirksamer als eine am Lenker montierte Schale, die hinter jedem Lastwagen in eigene Schwingungen versetzt wird. Die neue Frontverkleidung gleicht aber nur auf den allerersten Blick dem kantigen Trumm von 1980. Damals, in den Achtzigerjahren, hieß die Road Glide noch „FLT Tour Glide“. Sie war viele lange Jahre nur auf dem amerikanischen Markt erhältlich. Die Company versprach sich von diesem Über-Schiff kaum Erfolg auf dem deutschen Markt. In den USA sah das anders aus, und die „Shark Nose“ genannte Verkleidung kam immer gut, wenn es darum ging, ein Motorrad mal so richtig ausladend zu pimpen. Kein Wunder, dass gerade dieses Motorrad in der schwarzen US-Bikerszene besonders beliebt war. Yo, Brothers!
Jetzt aber plätschert die Bagger-Welle auch durchs verschlafene Bundesreich Deutschland. Unsere Onepercenter haben das längst verstanden. Sie reiten die Modelle bereits als Importe oder als Umbauten. Denn hinter dieser Verkleidung, die sich nach vorne ausbreitet wie das Deck eines Atom-Flugzeugträgers, kommt man sich sagenhaft wichtig und gewaltig vor. Das ist eine passende Maschine für jeden Rocker-Präsidenten!

FLTRXS Road Glide Special

Rollen ohne Infotainment

Aufsitzen und losreiten. Klar, erstmal Gedenkminute einlegen, bis sich der Bildschirm des Mäusekinos hochgefahren hat. Dann um Gottes willen nicht dran rühren! Einfach ignorieren, dieses „Boom! Box 6.5 GT Infotainment-System mit Farbtouchscreen, Navi, Voice-Control, USB-Port und Bluetooth-Konnektivität“. Wer weiß, was passiert, wenn wir da aus Versehen in irgendeinem falschen Menü landen? Am Ende müssen wir unter dem lauten Geschepper eines Gassenhauers von Wolfgang Petri weiterfahren? Und niemand weiß, wie wir aus so einem Menü wieder rauskommen?
Die Road Glide rollt auch ohne Infotainment. Die wahre Musik kommt von hinten, aus den durch ein wohlausbalanciertes Sound­management regulierten Rohren. Den Rhythmus gibt der Twin-Cam-Motor vor. Jawohl, das ist noch ein Rhythmus, denn Harleys Tourer sind neben den Dynas die letzten echten Harleys. Sie fahren nach wie vor den polternden Twin Cam ohne Ausgleichswellen.
Wer eine rahmenfeste Verkleidung nicht gewohnt ist, der wird das Bike in der nächsten engen Kurve womöglich umkippen, weil er kein optisches Feedback zur Gabel hat. Die Road Glide scheint ja gefühlt weiter geradeaus zu laufen. Das tut sie aber nicht.
Also aufpassen, mit sanften Bremsern in der Kurve eingewöhnen und weiterfahren. Es bleibt erhebend, nun über das optische Schauspiel zu philosophieren. Was ist größer: Meine Verkleidung oder der Horizont? Damit hat die Road Glide schon gewonnen, denn es ist immer ein Sieg, selbst den größeren zu haben!
Ab 120 Sachen wird alles ein bisschen anders: Der Radau tobt noch immer, aber wir spüren fast nichts vom Tempo, auch nicht unterm offenen Helm. Während der Fahrt können wir sogar rauchen! Harley-Davidson hat tatsächlich ganze Arbeit geleistet, der Verkleidung die charmante Kantigkeit der Achtzigerjahre genommen und mit den „Splitstream Vents“ eine allmählich besser funktionierende Lösung aus dem Windkanal gefunden.
Früher hätte man der NACA dafür eine Menge Geld zahlen müssen. Das war das „National Advisory Committee for Aeronautics“, das in seinen Windkanälen einiges über Oberflächen und ihre effiziente Verkleidungen herausgefunden hatte, was sich stets in der Fahrzeugtechnik gut verkaufen sollte. Die Lufthutzen des 924er Porsche beispielsweise sind den NACA-Lufthutzen der Düsenjäger nachempfunden.
Nun, die mit Schlitzen durchteilte Shark Nose erfüllt ihren Zweck ähnlich. Die Möglichkeit, diese Schlitze per Knopfdruck zu öffnen oder zu schließen, verbuchen wir als modernistische Spielerei. Im Hochsommer werden wir das vielleicht anders sehen und die Schlitze auch mal öffnen. Bis dahin erfüllt die Shark Nose ihren Zweck bis zu einer Körpergröße von 1,85 Metern. Sie ist zwar noch immer laut, aber der Helm bleibt ruhig in seiner Lage. Kein Vergleich zu den Schlägen, die den Schädel des Fahrers früher hinter so einer Verkleidung beutelten.

NACA -Lufthutzen
Heiß geblasen: Untenrum sind alle gleich

Keine Beinschilde

Untenrum, da sind dann wieder alle gleich: Harley hat zugunsten der coolen Bagger-Optik gespart. Die Road Glide Special verfügt über keine Beinschilde. Der Fahrtwind wird euch an dieser Stelle die Hose von den Knien blasen, was auf der Autobahn, gelinde gesagt, immer ziemlich scheiße aussieht.
Wer nun auf die Idee kommt, nachträglich Beinschilde anzubringen, der tut dem Motor nichts Gutes: Die Road Glide Special ist keine wassergekühlte Touren-Harley aus dem Programm des Rushmore-Projekts. Wer die Rushmore-Road-Glide haben will, der kriegt Beinschilde und auch gleich eine höhere Scheibe. Dafür muss er aber 10.000 Euro mehr investieren und sich die Road Glide Ultra aus der CVO-Palette zulegen, die dann nicht mehr wie ein sportlicher Bagger wirkt.
Die Special verfügt mithin nicht über die Wasserkühlung der Rushmore-Tourer. Das hat den Nachteil, dass es zwischen euren Schenkeln schnell warm wird. Das hat den Vorteil, dass ihr mit dieser Road Glide noch immer eine echte, luftgekühlte Harley fahrt.

Unser Testfahrer ist kein Freund ausladender Bagger, er steht auf Naked Bikes

    Technische Daten   

FLTRXS Road Glide Special
  • Motor    Twin Cam 103, luftgekühlter 45-Grad-V-Twin, zwei Ventile je Zylinder (ohv)
  • Bohrung x Hub    98,4 x 111,1 mm
  • Hubraum    1690 ccm
  • Verdichtung    9,7:1
  • Leistung    87 PS/5010 U/min
  • Drehmoment    138 Nm/3500 U/min
  • Vmax    175 km/h
  • Primärantrieb    Duplex-Kette
  • Kupplung    hydraulische Ölbadkupplung
  • Getriebe    Sechsgang
  • Sekundärantrieb    Zahnriemen
  • Rahmen    Doppelschleifen-Stahlrohr
  • Gabel    Telegabel, Standrohrø 49 mm
  • Gabelwinkel    29°
  • Lenkkopfwinkel    26°
  • Nachlauf    173 mm
  • Bremse    mit ABS und elektronischer Bremskraftverteilung
  • vorn    zwei Scheibenbremsen, 300 mm, Vierkolben-Festsattel
  • hinten    eine Scheibenbremse, 300 mm, Vierkolben-Festsattel
Federweg
  • vorn    117 mm
  • hinten    54 mm
Felgen
  • vorn    Leichtmetallguss, T19 x 3.5
  • hinten    Leichtmetallguss, T16 x 5.00
  • Reifen vorn    Dunlop D408 F 130/60 B19 Reifen hinten    Dunlop D407 T 180/65 B16 Leergewicht    385 kg
  • Zul. Gesamtgew.    617 kg
  • Zuladung    232 kg
  • Tankinhalt    22,7 l
  • Länge    2430 mm
  • Breite    980 mm
  • Höhe    1310 mm
  • Sitzhöhe    695 mm
  • Radstand    1625 mm
  • Preis    ab 25.785 Euro


Text: Michael Ahlsdorf
Bilder: Carlos




28.01.2015
Text: Michael Ahlsdorf Bilder: Carlos
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