Kawasaki W 800


Norbert Büsch hat Blut geleckt. Eigentlich handelt der Niederrheiner mit Motorradzubehör und baut von Zeit zu Zeit Motorräder nach eigenen Vorstellungen um. Er hatte GfK-Teile laminiert, Rohre gebogen, Blechteile für alle nur denkbaren Motorräder aus Stahl angefertigt und 2012 aus Spaß mit dem Dengeln von Aluteilen begonnen. »Seitdem will ich nichts Anderes mehr machen als Alu«, versichert Norbert glaubhaft.

Raupe: An den wenigen Stellen, die geschweißt werden mussten, finden sich perfekte Nähte

Schon bald kleidete er seine GSX-R 1100 und eine Husqvarna Nuda in Aluminium und hat nun seine Berufung gefunden. »Beim Arbeiten vergesse ich völlig die Zeit. Das ist so was wie Yoga für mich.« Als nächstes wollte er nun eine Kawa W 800 einkleiden. Das klassische Umfeld und der bildschöne Parallel-Zweizylinder-Motor des Retrobikes verlangten nach Norberts Ansicht nach einer Kur aus dem Hause Büsch.  Über den Kawasaki-Importeur konnte er ein Unfallmotorrad mit wenigen Kilometern auf der Uhr ergattern, das als eine perfekte Basis für sein Vorhaben dienen würde.

Zunächst bestückte er den Königswellen-Twin mit eine White-Power-Gabel einer KTM Duke, speziell angefertigten Öhlins-Federbeinen und einer asymmetrisch schmaler geschweißten Kawasaki-Zephyr-Schwinge. Ein Spezialist aus Holland speichte ihm ein 19-Zoll-Excel-Vorderrad ein. Durch diese Maßnahmen wurde die Kawa nicht nur leichter, sondern auch 90 Millimeter höher und 80 Millimeter länger als das Serienbike.

Die Lenkerverkleidung zitiert GS-Bikes der Siebzigerjahre

Die eigentliche Arbeit, weswegen Norbert das Projekt schleißlich begonnen hatte,  begann dann mit dem Erstellen eines Entwurfs in Eins-zu eins aus Clay – einem knetartigen, bräunlichen Material, das auch in Designabteilungen großer Auto- und Motorradhersteller zur Voarbgestaltung verwendet wird. Nach diesem Clay-Entwurf dengelte Norbert Tank, Sitzbank, Seitendeckel, Schutzblech und Frontverkleidung aus zwei Millimeter starkem Aluminiumblech. Da das Blech unlackiert, teilweise poliert und damit sichtbar bleiben sollte, hämmerte er viele Teile aufwändig aus einem Stück und außerdem gänzlich ohne Spachtel oder Zinn. Macken oder Dellen durften also nicht vorkommen.

Platz genommen: Griffiges Wildleder als Gegenpol zur kühlen Ausstrahlung des blanken Aluminiums

»Meistens habe ich nachts gearbeitet, oft zwischen zehn Uhr abends und vier Uhr morgens«, lacht der besessene Blechschlosser. »Denn nur da habe ich richtig Ruhe, keine Anrufe, keine Mails. Dann kann ich mit voller Hingabe dengeln.«

Info
Büsch - Ideen in Metall
Gewerbering 17
47661 Issum
www.alu-tank.de

Text: Dirk Mangartz
Bilder: Frank Luger




29.06.2015
Text: Dirk Mangartz Bilder: Frank Luger
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