Japanisch Wild


Yamaha hatte die Wild Star früh vom Markt genommen.
Jetzt könnenwir sie als Custombike fahren

Hätte die Wild Star auf dem Markt heute noch Chancen? Wir glauben schon. Denn der Nachfolger hat zwar einen 1900er Motor, wird aber nicht so häufig gekauft, wie einst die Wilde mit ihrem 1,6 Liter Langhuber. Gebrauchte werden längst zu stabilen Preisen gehandelt. Sie eignen sich bestens als Basis für Umbauten.

Das ist japanisch-wild: Langhuber mit 1,6 Litern

Freude an der Wild Star

Auch die „Easy Motorradwerkstatt“ in Rüsselsheim hat Freude an der Wild Star. Neben Harleys baut Easy auch viele Japan-Eisen um. So steht prompt eine Easy-Version der Wild Star auf dem Hof. Sie schimmert mattschwarz in der Sonne. Die freundlich-dunkle Farbe passt zu dem Teil wie kein anderer Farbton.
Der geschwungene Heckfender ist verschwunden. Easy hat ihn durch einen selbstkonstruierten Mitschwinger ersetzt. Dafür mussten die fetten Struts ab. Yamaha hat die Dinger aus einem Stück geschmiedet und an den Rahmen geschweißt. Eine verschraubte Lösung kam den Ingenieuren wohl nicht in den Sinn.
Unter dem Blech rollt ein fetter 240er-Reifen, der dank des seitlichen Kennzeichenhalters immer voll im Blickfeld liegt. Zumindest, wenn man hinterherfahren muss.
Ebenfalls Easys Schrauberhänden zum Opfer gefallen sind Lenker, Blinker und Auspuff. Und natürlich der Sitz. Der scheint jetzt über dem Motorrad zu schweben. Das breitbauende Sofa, das dort sonst die Optik versaut, ist verschwunden. Also ab in den Sattel. Ein weit nach hinten gezogener Lenker und Trittbretter versprechen in Kombination mit dem Lederpolster eine komfortable Sitzposition. Für lange Haxen ist jedenfalls Platz genug, und auch der verlängerte Rücken findet guten Halt. Na dann, Feuer frei!

Japan-Chopper ohne ABS und elektronischen Schnickschnack

Die Wahrheit auf dem Asphalt

Mit einem behäbigen Schlag erwacht der V2, setzt seine Kolben in Bewegung und brabbelt durch die Endrohre. Der Klang ist gut, aber auch etwas gedämpft. Uns soll es recht sein. Diskussionen mit schreibwütigen Cops stehen heute nicht auf unserem Fahrplan. Dafür aber ein paar flotte Kurven. Schließlich soll die ehrwürdige Wild Star zeigen, ob sie mit ihrem konventionellen Fahrwerk auch noch so etwas wie Performance abliefern kann. Easy hat aus ihr keinen Show-Stepper gemacht, der nur durch Aussehen glänzen möchte. Nein, dieses Exemplar will gefahren werden. Die Wahrheit liegt auf dem Asphalt.
Gleich zu Beginn eine kleine Überraschung. Normalerweise erwarten wir bei Big Twins einen satten Einlegeschlag, aber diesen verweigert uns die Wilde. Sie bevorzugt es etwas dezenter und auch die Wechsel der Schaltstufen im Fünfganggetriebe gehen butterweich vonstatten. Das können die Japaner einfach. Ihre Getriebe waren schon immer ein Genuss. Da muss nicht gerührt und getreten werden, bis die Zahnräder unter der Gewalt des Stiefels nachgeben und sich in die nächste Position flüchten. Präzise Gangwechsel, kurz und knackig, machen das Leben leichter.

Yamaha Wild Star XV 1600A

Im Antritt mager

Als wir die Stadtgrenzen erreichen und mal etwas am Griff drehen, zieht es uns kurz die Mundwinkel nach unten. Zwar bellt der 1,6-Liter-V2 und versucht uns mit einer lauten Drohgebärde weiszumachen, dass da unten gleich die Hölle losbricht, doch leider entpuppt sich der großvolumige V2 als zahmer Zeitgenosse. Vor unserem geistigen Auge rattern die technischen Daten durch. Was hat Yamaha als Leistung angegeben? Was? Nur 63 PS? Okay, damit wäre das zähe Antrittsverhalten des Genossen ausreichend erklärt.
Aber vielleicht sind wir auch nur verwöhnt, da die Konkurrenz doch einige Briketts mehr in ihre Feueröfen ballert. Zudem ist eine Wild Star so ziemlich genau das Gegenteil von Leichtbau. Das Eisenschwein liebt die gemäßigte Gangart. Dazu trägt auch die lange Übersetzung des Fünfganggetriebes bei. Es ist nun doch nicht mehr alles so zeitgemäß an der Yamaha.
Deswegen ist die Wild Star nicht weniger sympathisch. Wir legen den Schalter im Kopf um und stellen den Cruising-Modus ein. Und siehe da, schon sitzt der mattschwarze Bomber wie angegossen, schwingt locker über die rheinhessischen Straßen. Dafür wurde die Wild Star gebaut.

Yamaha Wild Star XV 1600A

Die Wild Star kann auch Performance

Yamaha Wild Star XV 1600ANach einer Weile juckt es uns dann aber doch noch. Die Wilde muss wenigstens einmal gefordert werden. Also zwei Gänge runter, Drehzahl hoch und den Langhuber ordentlich gequält. Zuerst sträubt sich der Zweizylinder-Riese, gibt dann aber doch seine Reserven frei und bläst zur Attacke. Das Fahrwerk steckt es weg. Zwar ist die Cruiser-Federung etwas weich und auch der dicke 240er-Hinterreifen will mit Nachdruck in die Kurve gezwungen werden, aber das passt.
Und Easys Wild Star zeigt zumindest für einen kurzen Moment, dass sie auch Performance kann. Erst recht beim Bremsen. Da ist der Japan-Cruiser der transatlantischen Konkurrenz schon bei seinem Erscheinen weit voraus gewesen. Eine Doppelscheibe am Frontend und die 320-Millimeter-Scheibe am Hinterrad verzögern den Stahlhaufen richtig gut. Wer mutig den Anker wirft, könnte sich unter Umständen im Acker wiederfinden.
ABS und anderer elektronischer Schnickschnack sind der Wilden fremd. Sie ist eine ehrliche Haut, solide und robust und macht ihren Besitzern reichlich Freude. Und sie ist eine gute Basis fürs Customizing. Wie Easy bewiesen hat.

Nix Königswelle. Die dicken Hülsen fassen je zwei Stößelstangen

   Technische Daten   

Yamaha Wild Star XV 1600A
  • Motor    Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor
  • Hubraum    1602 ccm
  • Leistung    63 PS bei 4000 U/min
  • Drehmoment    134 Nm bei 2250 U/min
  • Bohrung x Hub    95 x 113 mm
  • Getriebe    Fünfgang
  • Sekundärtrieb    Zahnriemen
  • Rahmen    Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Federung
  • vorn    Telegabel, 140 mm Federweg
  • hinten    Stahlschwinge, zentrales Federbein, 110 mm Federweg
Bremsen
  • vorn    298-mm-Doppelscheibe, Vierkolben-Festsättel
  • hinten    320-mm-Scheibenbremse, Zweikolben-Schwimmsattel
Reifen
  • vorn    130/90/16
  • hinten    240/50/16
  • Lenker    Thunderbike
  • Spiegel    Paaschburg & Wunderlich
  • Blinkerhalterung    Easy
  • Blinker    Paaschburg & Wunderlich „Daytona 3-in-1“
  • Heckfender    Easy
  • Struts    Easy
  • Kennzeichenhalter    Thunderbike
  • Auspuff    Highway Hawk
  • Sitz    Easy


Easy Motorradwerkstatt
Darmstädter Straße 91
65428 Rüsselsheim
Tel 06142 - 40 78 01 oder 40 78 02
www.easy-motorradwerkstatt.de



Text: Christian Heim
Bilder: Volker Rost




25.03.2015
Text: Christian Heim Bilder: Volker Rost
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