BootLegger Ride - Harley-Davidson Sportster Fahrtest


»Alle Welt redet vom Coffee Racer«, schüttelt Thomas Weigl von W&W verständnislos den Kopf. »Wir können uns Barhopping vorstellen, oder Rum Running, aber doch bitte kein Coffee Racing.« Für die Würzburger Harley-Profis ist schnell klar, dass sie ein Custombike bauen wollen, das sich zwischen den Welten wohlfühlt, das in keine der bekannten Schubladen passt. »Lass uns einen BootLegger bauen, also einen Schnapsschmuggler«, steht für Thomas der Arbeitstitel des Bikes schnell fest. Nun parken im Laden von W&W bereits einige Custombikes, zu allen möglichen Zwecken zurechtgebaut. Für Dschungelfahrten, Eisrennen oder Flattrack, für Dragrace oder Bordtrack. Aber ein Motorrad, mit dem man mal eben den Azubi zum Zoll schicken kann, zur Post oder zum Bier holen, das fehlt noch in der Sammlung. Eine 2011er Harley-Davidson Sportster Iron 883 scheint exakt das richtige Bike zu sein. Echt praktisch. »Aber praktisch ist nur das eine, was aber ist mit cool?«, fragen sich die Würzburger, die daraufhin beschließen, ein paar Umbauten vorzunehmen, die den Nutzen der Maschine nicht beeinträchtigen. Sie verbauen einen Tank von Storz, sägen die Fenderstruts zurecht, passen ein SOC-Heckteil an und ziehen Reifen auf, »mit denen man auch mal durch den Wald kann«, so Thomas. Lenkerstummel, kleine Blinker, eine 2-in-1-Auspuffanlage und ein Tachohalter von RSD – alles Teile aus dem W&W-Fundus – ergänzen den milden Umbau der mittlerweile in lebensbejahendem Schwarz besprühten Sportster.



Die erste Testfahrt mit dem kleinen Schnapsschmuggler führt über nasse Wiesen und griffigen Asphalt. Schnell ist klar, dass dem Motor die Kraft fehlt, um erfolgreich eine Kiste Moonshine zu klauen. »Unser altes Knuckle-Eisen fährt dem BootLegger locker davon, das kann ja wohl nicht sein«, winkt Thomas ab. Ein Conversion-Kit von 883 auf 1200 ccm findet sich daraufhin im Regal von W&W. Mit passend geschliffenen Zylindern, neuen Kolben und Dichtungen kommt der Kit fertig zur Montage, Werkzeug und ein Kasten Bier sind ebenfalls schnell besorgt. Nach der Montage spielen die Jungs noch eben ein Dynojet-Mapping für 1200 ccm auf und fertig ist das Motortuning.



Da wir wissen wollen, wie sich die getunte Sportster fährt, in Deutschland aber Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen, müssen wir nach Spanien ausweichen. Thomas freut sich: »CD ins Radio, ein paar Dutzend Lieder Lynyrd Skynyrd durchgelassen und schon stehen wir in Katalonien. Straßen trocken, Luft bei 15-18° C und Gegend wohin man schaut. Klasse Sache so ne EU.« Die ersten paar Kilometer lässt es die W&W-Crew bedächtig angehen, schließlich muss der Motor neu eingefahren werden. Stundenlang geht es entlang der Küste. Die frische feuchte Meeresluft tut nicht nur unseren Lungen, sondern auch dem Motor gut. Ideale Einfahrbedingungen.
 


Am nächsten Morgen röhren wir dann weg vom Wasser. Hoch in die Berge. Der Motor gilt hiermit als eingefahren und es wird Zeit zu testen, was der Bootlegger alles so drauf hat. Der 1200-ccm-V2 schiebt richtig an, auch unterhalb von 4000 Umdrehungen spielt die Musik. Drehmomentverlauf, Leistung und Sound machen richtig Spaß. Sitz und Tank fühlen sich gut an, vermitteln festen Kontakt zum Bike. Trotz des Stummellenkers sitzt der Fahrer in der Maschine und nicht obendrauf. Für längere Autobahnstrecken wäre eine zurückverlegte Rastenanlage zweifellos bequemer. Aber in der Stadt und auf engen Wegen freut man sich über die versammelte Sitzposition. Da die Sporty auf Stollenreifen rollt, wollen wir auch wissen, was sie abseits der Teerwege kann. W&W-Mann Klaus bügelt durch die Auswaschungen und lässt den Schotter spritzen. Doch für den Offroad-Einsatz ist der Lenker zu tief, die Federwege sind zu gering, die Gabel macht auf weich. Aber trotz rutschender Kupplung bleibt die 1200er auch dort nicht stecken, wo die Wege aufhören. »Soweit mir bekannt ist, gibt es im Schwarzbrennergewerbe keine Berufsgenossenschaft, die die Beschaffenheit der Dienstfahrzeuge regelt. Unser Anspruch bleibt puristisch und von bequem steht nix im Arbeitsvertrag«, frotzelt Thomas.  
 


In Barcelona sprechen uns die ohnehin kontaktfreudigen Spanier an Ampeln an, fotografieren das Motorrad und zeigen den Daumen hoch. »Recht haben sie«, kommentiert Thomas sichtlich stolz. Zurück in Deutschland werden noch härtere Gabelfedern und eine verstärkte Kupplung verbaut. Klarer Fall: W&W ist mit dem Bootlegger ein spaßiges und alltagstaugliches Motorrad gelungen, mit dem man gut zur Post, zum Zoll oder eben zum Schnapsschmuggeln fahren kann. Salud!

Text: Dirk Mangartz
Bilder: W&W




Light Custom Bobber - Yamaha XS 650


Auf einmal zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen. Nach diesem eisigen Winter in Pittsburgh meldete sich das Frühjahr plötzlich mit aller Macht. Philip Williams jedoch hatte noch kein Motorrad für die anstehende Saison. Ein unhaltbarer Zustand, aber dem US-Boy fehlte noch die rechte Idee, wie sein nächstes Bike aussehen könnte. Den Startschuss gab dann letztendlich sein Bruder Zack, der noch einen generalüberholten und mit zwei Wiseco-Kolben auf 770 ccm aufgepumpten Yamaha-XS-Motor von 1976 herumliegen hatte. Auch eine Telegabel und ein Satz serienmäßiger Gussräder fanden sich noch auf dessen Anwesen. Jetzt sprudelten die Ideen: Ein Starrrahmenbike sollte daraus entstehen, reduziert und gerne völlig anders als andere XS-Bobber. »Stripped down to the bone«, beschreibt der Schrauber aus Pennsylvania seine Vorgehensweise.



Den Rahmen gab er als Einzelstück beim »Bridge City Chop Shop« in Auftrag, Schwanenhals und den passenden Schwung beim starren Heck inklusive. Ein Sportster-Tank lag noch irgendwo herum, auch der flache Lenker der XS. So mussten lediglich der Scheinwerfer, der Heckfender und die Hebeleien als Neuteile zugekauft werden. Den Rest erledigten Phil und sein Bruder zu Hause in Eigenarbeit. Sie bohrten Löcher in die Speichen der Gussräder, formten den Solosattel im gleichen Schwung wie den Sportster-Tank, bogen spektakuläre Auspuffrohre rund um das Downtube des neuen Rahmens und lackierten die schlanke XS in hellem Metallic-»Kiwi«. Die nun deutlich längere Antriebskette verlangte nach einem Zwischenritzel. Sämtliche Arbeiten musste Phil übrigens abends und spät nachts nach dem regulären Job erledigen. Also galt es, keine Zeit zu verschwenden. Dennoch war der Bobber bereits nach sechs Wochen fertiggestellt, gerade rechtzeitig für die ersten Ausfahrten mit den Jungs.



»Less is more«, ruft uns Phil zu, als er mit dem Bike zum Fototermin heranrollt. »Simple but quite cool, right?«

Text: Dirk Mangartz
Bilder: Carsten Heil




14.04.2014
Text: Dirk Mangartz Bilder: Carsten Heil
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